Christentum I

 

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Die Römer in Südwestdeutschland

Der Untergang der römischen Republik und die Regierungszeit des Kaisers Augustus (44 v.Chr. - 14 n. Chr.)

Römische Geschichte zur Zeit der Kaiser Domitian, Nerva und Trajan (81 - 117 n. Chr.)

Römische Geschichte zur Zeit der Kaiser Hadrian und Antoninus Pius (117 - 161 n.Chr.)

Römische Geschichte zur Zeit der Kaiser Marc Aurel und Commudus (161-192 n.Chr.)

Der Aufbau des römischen Staats

Das Heer während der römischen Kaiserzeit

Römische Religion und Philosophie

Römische Literatur

Entstehung und Ausbreitung des Christentums

Entwicklung des Christentums von Kaiser Konstantin I. bis zum Untergang des weströmischen Reiches (306 - 476)

Römische Medizin

Münzsystem und Fernhandel im Römischen Reich

Das Weiterleben der römischen Kultur

Römisches Recht

Römische Sprichwörter und Lebensregeln

Das Geheimnis um den Ort Grinario

Das römische Kastell in Grinario

Das Dorf Grinario

Die Menschen im Dorf Grinario

Ausgrabungen im heutigen Köngen

 

   
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Entstehung des Christentums     Ausbreitung im 1. Jahrhundert     Ausbreitung im 2. und 3. Jahrhundert     Literaturhinweise


Politisches und religiöses Umfeld zur Zeit der Geburt von Jesus


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  • Die politische Lage im Römischen Reich
 
  • Mit der Schlacht bei Actium (31 v. Chr.) war ein Zeitraum der Bürgerkriege, der Ausbeutung der Provinzen, der Korruption und der Misswirtschaft abgeschlossen. Der Wunsch der Menschen nach Frieden, Ordnung und Gerechtigkeit wurde von Kaiser Augustus (27 v. Chr. - 14 n. Chr.) weit gehend erfüllt. Der "Augustusfriede" (pax Augusta) ermöglichte im ersten Jahrhundert n. Chr. eine Epoche des inneren Friedens und des wirtschaftlichen Aufschwungs.

 
  • Nach außen befolgte Kaiser Augustus insofern eine Friedenspolitik, als er eine Abrundung und Sicherung der römischen Provinzen anstrebte. Unter anderem versuchte er, Germanien in das römische Herrschaftsgebiet einzubeziehen und Elbe und Donau als endgültige Reichsgrenzen festzulegen.

  • Die politische Lage in Palästina
 
  • Im Jahre 63 v. Chr. hatte der römische Feldherr Pompeius die inneren Streitigkeiten der jüdischen Königsdynastie der Hasmonäer dazu genutzt, um bei seinem Siegeszug durch Asien auch den Staat Judäa in das Imperium Romanum einzugliedern. Die Römer übten ihre Herrschaft über die von ihnen eingesetzten Vasallenkönige und eigene Statthalter (Prokuratoren) aus.
     

 

Palästina in römischer Zeit

 
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  • Antipater, ein Fürst aus dem Geschlecht der Idumäer, stand 47 v. Chr. dem aus Alexandria geflüchteten Caesar mit Truppen aus seiner Heimat bei. Der dankbare Feldherr machte ihn zum römischen Bürger, gewährte ihm Steuerfreiheit und ernannte ihn zum Prokurator der Provinz Judäa. Nach der Ermordung Cäsars (44 v. Chr.) wird Herodes, der Sohn des Antipater, von Brutus, einem der Mörder Cäsars, zum Statthalter der Provinz Syrien ernannt. Als Marcus Antonius die Herrschaft über den Osten des Römischen Reiches übernimmt, setzt er Herodes, der von der Herkunft her kein Jude war, als König von Judäa ein (37 v. Chr.). Nach dem Sieg Octavians (des späteren Kaiser Augustus) über Marcus Antonius in der Seeschlacht von Actium (31 v. Chr.) schafft es Herodes, dessen Gunst zu gewinnen und weiterhin König zu bleiben.

 
  • Herodes der Große pflegte einen glänzenden Lebens- und Repräsentationsstil, regierte jedoch tyrannisch. Die Juden sahen in ihm eine Marionette Roms und empfanden seine Herrschaft als zusätzliche Fremdherrschaft.

  • Obwohl die Juden mit allen Mitteln versuchten, die Herrschaft von einem, "der nicht einer deiner Brüder ist", zu verhindern, brach Herodes schließlich mit römischen Waffen den Widerstand und errichtete ein glanzvolles Königtum von Roms Gnaden. Er baute einen neuen jüdischen Tempel in Jerusalem, gründete Städte, überzog das Land mit Burgen und Palästen und brachte Frieden und Wohlstand. Trotzdem wurde er von den Juden gehasst.

  • Die christliche und die jüdische Legende beschränken sich auf die Verbrechen des Herodes. Bei einem Angriff der Parther flieht er mit seiner Familie aus Jerusalem. Er wird von jüdischen Verbündeten der Feinde angegriffen und richtet unter ihnen ein Blutbad an. Flavius Josephus, jüdischer Feldherr und Historiker, schreibt: "Später gründete er an dieser Stelle ... eine Ortschaft, die er mit prächtigen Palästen schmückte ... und nach seinem eigenen Namen Herodion nannte". Dort wollte er auch begraben werden. - Nach einer Mitteilung des israelischen Archäologen Ehud Netzer Anfang Mai 2007 wurde diese Grabstätte wieder aufgefunden.

  • Konkurrenten seines Thrones löscht Herodes gnadenlos aus. Die Heirat mit Mariamme aus der Dynastie der Hasmonäer, die ursprünglich die alten Machthaber versöhnen sollte, bringt Unfrieden ins Herrscherhaus. Herodes lässt Mariammes Großvater und Bruder ermorden, die ältere Thronrechte haben als er. Dann ermordet er auch seine Frau und die beiden gemeinsamen Söhne. Diese Grausamkeiten mögen zu der Geschichte vom Kindermord in Bethlehem beigetragen haben, historische Belege gibt es hierfür nicht.

 
  • Als Herodes der Große 4 v. Chr. starb, forderten die Juden das Ende seiner Dynastie und die Einführung einer theokratischen Herrschaft. Kaiser Augustus setzte jedoch die drei Söhne des Herodes als Teilkönige ein. Jeder von ihnen konnte mit Duldung der Römer über ein Teilreich herrschen.

Über Galiläa herrschte der Teilkönig Archelaos. Wegen seiner brutalen Herrschaft löste er einen Aufstand der Juden aus und wurde danach von Kaiser Augustus abgesetzt. Bis auf einen kleinen Teil, nämlich Judäa und Samaria, wird Palästina jetzt von Syrien aus regiert. Judäa und Samaria werden zur Provinz Judäa mit dem römischen Statthalter Pontius Pilatus (26 - 36 n. Chr.). Galiläa geht an Herodes Antipas, ebenfalls ein Sohn von Herodes dem Großen.

  • Der Staats- und Kaiserkult im Römischen Reich
 
  • Ohne ein echtes Verhältnis zum Staatskult keine gute Staatsgesinnung! In dieser Erkenntnis unternahm Kaiser Augustus religiöse, sittliche und soziale Reformen. Im Interesse der sittlichen Erziehung sollte die Religion der Vorfahren neu belebt werden.

 
  • Beim Kaiserkult bittet die Bevölkerung um das Wohlergehen des Kaisers. Für den Kaiser selbst war die Ausübung dieses Kults eine Loyalitätsbezeugung der im Römischen Reich wohnenden Menschen.

  • Nach lateinisch-römischen Vorstellungen war die Gottwerdung eines lebenden Menschen nicht möglich. Daher galten im Staatskult der Hauptstadt Rom bis zum 2. Jahrhundert n. Chr. nur tote Kaiser als Götter. In denjenigen Provinzen, in denen Griechen und Orientalen wohnten, setzte sich der Kult des lebenden Kaisers schnell durch. Er hatte seine Wurzeln im orientalischen Gottkönigtum und dem im Osten verbreiteten Wunsch nach einem sichtbaren Gott.

  • Für die Menschen im Römischen Reich war der Staats- und Kaiserkult nicht besonders attraktiv. Sie waren aus dem Tempel ausgeschlossen, es fehlte die Wärme und die Nähe.

  • Religiöse und philosophische Strömungen im Römischen Reich
 
  • Nach einem Jahrhundert ständiger politischer Wirren war die religiöse Bereitschaft geweckt. Die von Kaiser Augustus wieder belebte Religion der Vorfahren konnte die individuellen religiösen Bedürfnisse der meisten Staatsbewohner nicht mehr befriedigen.

In den Ländern am Mittelmeer befanden sich die Menschen in seelischer Not. Früher, in den übersichtlichen Verhältnissen der kleinen Stadtstaaten und Stammesverbände hatten sie sich zurechtgefunden und heimisch gefühlt. Viele von ihnen hatten aktiven Anteil an der Gestaltung des politischen Schicksals genommen. Jetzt dagegen, im Römischen Reich, wurde über sie ohne ihr Zutun verfügt: Steuern, gesetzliche Verfügungen, Geldentwertungen, politische Wirren brachen dem Anschein nach wie von ungefähr über sie herein. Zusammenhänge konnten sie nicht mehr überblicken. Man fühlte sich dem Schicksal hilflos ausgeliefert und in der irdischen Welt nicht mehr geborgen, sie wurde einem fremd. Daher begann sich das Denken der Menschen mehr und mehr auf das eigene Ich und seine Not zu konzentrieren. Hier versprachen nun Philosophie, Mysterienreligionen, Astrologie und gnostische Systeme Erlösung von der Bedrängnis sowie Befreiung von der Macht des Schicksals.

 
  • Die griechische Welt im Osten des Imperium Romanum kam mit einer Vielzahl von fremden Kulten in Berührung. Eine relativ starke Fluktuation einzelner Bevölkerungsteile (Kaufleute, Beamte, Soldaten, Seeleute, Sklaven) ließ diese Kulte in alle Teile des Reiches vordringen. Zu den griechischen Formen der Religion kamen auch die orientalischen Religionen, die durch die griechische Ausdeutung zu Mysterien wurden. Anders als der Staats- und Kaiserkult besaßen die Mysterienreligionen des Ostens, zu den auch das Christentum zu rechnen ist, Spiritualität. Gemeinsame Elemente sind: Kult, Jenseitserwartung, Hoffnung auf eine andere bessere Welt, Glaube an die Auferstehung.

 
  • Alle Mysterien basieren auf der göttlichen Offenbarung, welche die Menschwerdung, die Auferstehung oder die göttliche Erhöhung des Kultgottes zum Inhalt hat. Häufig wird das Sterben des Kultgottes besonders grell ausgemalt. Zweck ist, dass der Tod des Gottes als besonderes Ärgernis empfunden wird. Damit soll seine Auferstehung in um so hellerem Glanze leuchten. Wird das Schicksal des Gottes auf das Schicksal eines ihm geweihten Menschen übertragen, so bedeutet das für ihn, das auch seine eigene Mühsal ein glückliches Ende haben wird.

Die Weihung eines Menschen vollzieht sich im Einweihungssakrament, einer Wasser- oder Bluttaufe. Damit können Tapferkeitsproben oder Wanderungen durch unterirdische Räume verbunden sein. Der geweihte Mensch ist Teil einer Gemeinde, in welcher Gott ständig anwesend ist. In Kultmahlen mit Brot, Wein oder auch Milch und Honig verbindet sich Gott mit den geweihten Menschen. Durch das 'Eins werden mit Gott' nimmt der Mensch an dessen Kraft teil, was zum Beispiel die Bewahrung vor Gefahren, Krankheit, Misserfolg, kurz, allem Verhängnis des Schicksals bedeuten konnte. Die meisten Kulte versprechen die 'Reinigung' des Menschen und bieten die Gewähr für ein seliges Leben nach dem Tod.

 
  • Die am meisten verbreiteten Mysterienkulte waren die des Attis (Herkunft: Phrygien), des Mithras (Herkunft: Iran), des Adonis (Herkunft: Syrien) und der Isis- und Osiriskult (Herkunft: Ägypten).

 
  Osiris und Isis
 
  • Vorwiegend für Gebildete war die Philosophie Religionsersatz. Am bedeutendsten unter den philosophischen Richtungen war die Stoa mit ihren Vertretern Seneca (4 v. Chr. - 65 n. Chr.), Epiktet (60 - 140 n. Chr.) und Kaiser Mark Aurel (121 - 180 n. Chr.). Gemeinsam war den verschiedenen philosophischen Richtungen ein ständiger mahnender und predigender Appell an die Vernunft und die Besonnenheit. Zum Seelenfrieden gelangt man, so heißt es vielfach, durch Verachtung der Güter dieser Welt. Die eigentlichen Werte lägen nicht bei Staat und Gesellschaft, sondern beim Ich. Die alten Götter seien nicht unbedingt zu leugnen, sie seien aber fern und blass.

 
  • Ein weiterer Zug der religiösen Welt im östlichen Teil des römischen Reiches ist das massive Auftreten alles Magischen. Schon im zweiten Jahrhundert vor Chr. wurde die wissenschaftliche Astronomie von der Astrologie verdrängt, Wundergeschichten und magische Heilungen stellten die medizinische Wissenschaft in den Schatten.

  • Religiöse Richtungen des Judentums
 
  • In der Zeit der Perserherrschaft und der hellenistischen Großreiche hatten sich vier Hauptgebiete des Judentums gebildet, die zwar geistig in Verbindung blieben, aber jeweils andersartigen religiösen und politischen Einflüssen ausgesetzt waren. Gemeinsam war allen Gruppen der Besitz der Thora, der fünf Bücher Moses, und weiterer alttestamentlicher Schriften, vor allem der Propheten und Psalmen. Die Juden unterschieden sich von den Völkern ihrer Nachbarschaft durch einen strengen Monotheismus. Gemeinsam war allen Juden die Beschneidung, die mehr oder weniger strenge Einhaltung des Sabbats und eine Reihe von oft komplizierten Reinheits- und Speisegeboten sowie der Festkalender. Die Beschneidung galt als Zeichen des von Gott mit den Vorvätern geschlossenen Bundes (1. Mos. 17, 10ff.) Alle Juden hielten Verbindung zum Tempel und Kult in Jerusalem.

In der babylonischen Diaspora war noch während des Exils als Selbstschutz gegen religiöse Überfremdung das Schriftgelehrtentum (Pharisäertum) entstanden. Der Teil des Volkes, der nach der 'Babylonischen Gefangenschaft' (586 - 538 v. Chr.) nach Palästina zurückgekehrt war, sammelte sich wieder um den Tempel und den Kult in Jerusalem. Das Ziel war die Schaffung eines selbstständigen Staates als Verwirklichung des Reiches des Gottes von Israel. In Ägypten hatte sich schon in vorhellenistischer Zeit eine starke Gruppe jüdischer Söldner mit religiösen Mittelpunkten gebildet. In den griechischen Handelsplätzen und in der Stadt Rom entstand eine jüdische Handelsdiaspora

Die Pharisäer waren eine Gruppierung von Laien, die sich dem Tora-Studium verschrieben hatte. Sie übten durch die lebensnahe Auslegung der heiligen Texte starken Einfluss auf die Frömmigkeit im Volk aus. Ihr Gottesverhältnis gründeten sie wesentlich auf das Gesetz.

 
  • Den Gemeinsamkeiten aller Juden stand manches Trennende gegenüber. So kam es zu einer Spaltung in diejenigen, die im kommenden Messias durchaus politisch-diesseitig einen idealen König und den Befreier aus der politischen Fremdherrschaft sahen und solchen, die von ihm nach dem Untergang der alten Welt und der Auferstehung der Toten ein völlig neues Dasein erhofften.

 
  • Neben der einflussreichen Partei der Pharisäer standen die Sadduzäer. Während erstere strengste Absonderung von den Heiden propagierten und auf peinlichste Einhaltung des Gesetzes (die fünf Bücher von Moses und ihre mündliche Weiterbildung) drangen, lehnten letztere jeden Glauben an ein messianisches Reich ab und zeigten sich gegenüber fremden Sitten aufgeschlossener. Die Mitglieder der Sadduzäer entstammten der Priesterschaft und dem Adel. Sie hatten die Macht im Tempel inne und unterstützten die römische Herrschaft. Mit den Pharisäern rivalisierten sie um politischen Einfluss. Die kleine Gruppe der Essener, die sich in klösterliche Abgeschiedenheit zurückgezogen hatte, lebte eine Art asketischen Kommunismus, der Ehelosigkeit, Gütergemeinschaft und gemeinsame heilige Mahlzeiten einschloss. Ihre Ziele waren Bedürfnislosigkeit, Frömmigkeit und Reinheit. Die Essener werden von einigen Historikern mit den Schriften, die in Qumran am Toten Meer gefunden wurden in Verbindung gebracht. In den Wirren des Jüdischen Krieges (66 - 70 n. Chr.) verliert sich ihre Spur. Als Zeloten werden die radikalen Widerstandskämpfer bezeichnet, die sich seit Beginn des 1. Jahrhunderts gegen die griechische Herrschaft auflehnten. Sie initiierten den Aufstand gegen Rom 66 n.Chr.


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Die Entstehung des Christentums


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  • Das Leben von Jesus
 
  • Der Gründer und spätere Kultgott des Christentums, Jesus, wurde als Sohn des Zimmermanns Joseph im Dorf Nazareth in Galiläa geboren. Die Berichte über seine Geburt und Kindheit wurden ca. 90 n. Chr. von den Evangelisten Matthäus und Lukas niedergeschrieben. Jesus wurde streng jüdisch erzogen, doch konnte er sich in dem Durchgangsland Galiläa auch mit griechischen und orientalischen Religionen vertraut machen.

  • Der Name 'Jesus' leitet sich von der griechischen Form des hebräischen Namens Josua oder Jehoschua (hebräisch: "Jahwe errettet") ab. 'Christus' stammt von griechisch 'christos', der Übersetzung des hebräischen 'maschiach' (der Gesalbte oder der Messias).

  • Die Evangelisten Lukas und Matthäus berichten von Jesu Geburt während der Regierungszeit des Königs Herodes des Großen.

  • Im Evangelium des Matthäus (verfasst um das Jahr 90 n. Chr.) wird die Verfolgung der Kinder unter der Herrschaft des Herodes beschrieben. Da Herodes von 33 bis 4 vor Chr. regierte, wurde Jesus nach diesen Quellen mindestens 4 Jahre vor unserer Zeitrechnung geboren.

Der Evangelist Matthäus berichtet als Einziger vom Kindermord. Es ging ihm vielleicht darum, dass sich das Wort des Propheten Hosea (Altes Testament) erfüllte: "Aus Ägypten habe ich meinen Sohn gerufen". Durch die Flucht vor dem Befehl des Herodes gelangte Jesus nach Ägypten.

  • Nach einer Angabe des Kirchenschriftstellers Tertullian (um 160 - um 230 n. Chr.) wurde Jesus geboren, als Sentius Saturnius Statthalter von Judäa war. Die Amtszeit dieses Statthalters dauerte von 9 bis 6 v. Chr..

  Tertullian (*um 150, † um 230), Kirchenschriftsteller

  • Aus dem Lukas-Evangelium (entstanden um das Jahr 90 n. Chr.) erfahren wir, dass Maria und Joseph zur 'Schätzung' (Steuerschätzung des Staates, Volkszählung) nach Bethlehem reisten (Lukas 2, 1ff). Diese Volkszählung des Kaisers Augustus fand nach verlässlichen römischen Quellen erst im Jahre 7 n. Chr. statt. Lukas hat vermutlich bewusst oder unbewusst die Volkszählung falsch datiert.

  • Einen astronomischen Hinweis erhalten wir aus der von Matthäus gegebenen Schilderung über einen außergewöhnlich hellen Stern, der den Weisen aus dem Morgenland (gemeint sind Sternkundige) ein außergewöhnliches Ereignis - die Geburt des Königs - ankündigte und sie zum Aufbruch nach Israel veranlasste (Mat. 2, 1ff.). Die einzige in Frage kommende Himmelserscheinung war in diesem Zeitraum die große Konjunktion (das scheinbare Zusammentreffen) der Planeten Jupiter und Saturn am 1. Dezember des Jahres 7 v. Chr..

Bei der großen Konjunktion (Dreier-Konjunktion) kommen sich die beiden Planeten Jupiter und Saturn so nahe, dass sie für einen Beobachter zu einem hellen Lichtpunkt zu verschmelzen scheinen.

 

 

 

 

Albrecht Dürer: Anbetung der Könige

Florenz, Galerie der Uffizien

Die Datierung nach diesem Bericht des Matthäus - also die Geburt von Jesus im Jahr 7 vor unserer Zeitrechnung - gilt heute bei den meisten Historikern als richtig.

  • Der 25. Dezember, an dem Jesus geboren sein soll, hatte schon vor den Anfängen des Christentums eine besondere Bedeutung. Nach dem damaligen römischen Kalender war dies der Tag der Wintersonnenwende. Von diesem Zeitpunkt an beginnen die Tage wieder länger zu werden. Fast alle Völker und Religionen haben diesen "Sieg der Sonne über die Finsternis" mit besonderen Festen gefeiert.

  • Im alten Griechenland wurde Dionysos als Erlöser und Gott der Fruchtbarkeit sowie des Wachstums verehrt. Das "Wachsen" der Tage wurde ihm zugeschrieben. Für die Anhänger des Mithraskultes galt die Wintersonnenwende als Geburtstagsfeier des "sol invictus" - der unbesiegbaren Sonne.

  • In Ägypten wurde am 25. Dezember das Fest der Göttin Isis und die Geburt des Horuskindes gefeiert. Viele der frühen Darstellungen der Jungfrau Maria gingen auf Statuen der Isis zurück, die den Pharao hält (symbolisch ihr Sohn). Tatsache ist, dass die Ägypter an einen Gott glaubten, der auf Erden lebte, eines grausamen Todes starb und von den Toten wieder auferstand.

  • Nach den Berichten von den "auf dem Felde lagernden Hirten" muss die Geburt von Jesus Christus zwischen Frühjahr und Herbst stattgefunden haben, denn nur in diesem Zeitraum hielten sich die Hirten Judäas mit ihren Herden auf den Weidegebieten auf.

  • Mit dem Erstarken des Christentums unternahmen Kirchenfürsten erste Versuche, Ereignisse im Leben Christi und auch seinen Geburtstermin zu berechnen und danach einen Festkalender anzulegen. In der Hoffnung, die ursprünglich "heidnische" Bedeutung des Tags der Wintersonnenwende mit christlichen Inhalten 'unterwandern' zu können, setzte sich im Jahr 217 Papst Hippolytos für den 25. Dezember als Tag der Geburt von Jesus Christus ein. Um 330 erklärte Kaiser Konstantin den alten Sonnengott zum Christengott um, der als "lux mundi" (Licht der Welt) die "Sonne der Gerechtigkeit" erschaffen hat.

 
  • Im Alter von etwa 30 Jahren schloss sich Jesus dem apokalyptischen und asketischen Bußprediger und Täufer Johannes an. Es ist wahrscheinlich, dass er seinen eigenen Schülerkreis erst nach der Hinrichtung des Johannes durch Herodes Antipas um sich versammelte.

Johannes der Täufer rief die Menschen zur moralischen Umkehr auf, wobei dieser innerliche Neuanfang durch eine Taufe, ein Untertauchen im Jordan, gefeiert wurde. Die Taufe bedeutet auch Initiation, d.h. die Zugehörigkeit zu einer ausgewählten Gruppe.

 
  • Jesus trat zunächst als Wanderlehrer in Galiläa auf. Er wandte sich an die untersten sozialen Schichten. Schon in Galiläa geriet er in Konflikt mit den Pharisäern und wohl auch mit der Regierung des Herodes Antipas. Er ging daraufhin eine Zeitlang in das nichtjüdische Nordterritorium des Herodessohnes Philippos und in die griechische Dekapolis.

Anfang des Jahres 28 ließ Herodes Antipas Johannes den Täufer verhaften. Laut Markus-Evangelium (entstanden um das Jahr 70 n. Chr.)  hatte Johannes kritisiert, der verheiratete Herrscher von Galiläa habe seinem Bruder die Ehefrau weggenommen. Der jüdische Historiker Josephus Flavius gibt dagegen als Grund an, Herodes Antipas sei über den wachsenden Einfluss des Johannes auf die Bevölkerung besorgt gewesen. Als Johannes auf Befehl von Herodes Antipas enthauptet wurde, zog sich Jesus mit seinen Anhängern in den Raum Bethsaida am See Genezareth zurück - ein Gebiet, das knapp außerhalb des Machtbereichs des Herrschers lag (Lukas 9,10).

 
 

Jesus Christus

Ausschnitt aus dem 'Abendmahl' von Leonardo da Vinci (1452 - 1519)

Mailand, Brera

 
  • Der Wunsch, sich mit den Pharisäern geistig auseinanderzusetzen, führte Jesus zurück nach Jerusalem. Hier kam es mindestens zu einem öffentlichen Tumult auf dem Tempelvorplatz und zur Verhaftung von Jesus durch die Polizeiorgane des regierenden Hohen Priesters. Der obersten Staatsbehörde der Juden, dem Synedrium, gelang es, Aussagen von Jesus nach jüdischen Recht als Gotteslästerungen zu interpretieren. Ein Todesurteil, wie von den Hohen Priestern gewünscht, durfte jedoch nur der römische Prokurator der Provinz Syria Palaestinensis aussprechen. Pontius Pilatus, der Prokurator der Jahre 26 bis 36, sah in dem Wirken von Jesus einen Aufruhr, also eine Gefahr für die von den Römern so sehr geschätzte staatliche Ordnung und verurteilte ihn zum Tod am Kreuz. Es ist anzunehmen, dass er den Begriff "Reich", von dem Jesus häufig sprach, politisch und antirömisch auslegte.

  • Die Lehre des von Jesus verkündeten Christentums
 
  • Von Anfang an finden sich in den Schriften des Christentums Begriffe, Vorstellungen und Gedanken, die unverändert oder verändert der jüdischen und griechischen Geisteswelt entnommen sind. Die Lehre von Jesu ist aus dem jüdischen Glauben entstanden. Das Neue des Christentums bestand darin, dass den jüdischen Glaubenssätzen neue ethische Elemente hinzugefügt wurden.

Jesus und die frühen Christen stellten die für sie sinnvoll erscheinenden Elemente aus verschiedenen bestehenden Religionen zusammen. Dieser 'Eklektizismus' (pragmatische Auswahl von Faktoren, um ein bestimmtes Ziel zu erreichen) war notwendig, um den Erfolg des Christentums zu sichern. Wenn Jesus mit seiner Lehre Erfolg haben wollte, so musste er mit Kategorien werben, die den Menschen vertraut waren.  

 
  • Jeder Mensch, egal ob arm oder reich, fromm oder in Sünden verstrickt, darf daran glauben, dass sich Gott um ihn persönlich annimmt. Im Gegensatz zu den Pharisäern, welche die Einhaltung von einzelnen Gesetzen religiöser und ethischer Art forderten, stellt Jesus die Liebe Gottes zu den Menschen in den Mittelpunkt seiner Lehre. Die Liebe Gottes macht jede Menschenseele zu etwas Einzigartigem und gibt ihr Ewigkeitswert.

 
  • Nicht der Mensch hat Ansprüche an Gott zu stellen, sondern Gott fordert die völlige Hingabe an ihn. Gott bietet sich in seiner Gnade den Menschen an. Diese können auf dieses Angebot nur angemessen antworten, wenn sie ihr Leben radikal ändern (Umkehr, Buße) und in der 'Nächstenliebe' verwirklichen (Tut Gutes, das Reich Gottes ist gekommen).

Bei dem Begriff 'Nächstenliebe' denken wir an Worte aus dem Matthäus-Evangelium: "Was ihr dem Geringsten meiner Brüder getan habt, das habt ihr mir getan", sagt Jesus Christus, "denn ich war hungrig, und ihr habt mich gespeist, ich war durstig, und ihr habt mich getränkt, ich war Fremdling, und ihr habt mich beherbergt, ich war nackt, und ihr habt mich bekleidet, ich war krank, und ihr habt mich gepflegt, ich war im Gefängnis, und ihr habt mich besucht" (Matthäus 25,40 und 35-36).

 
  • Für Jesus ist jeder, selbst der persönliche Feind, ein Kind Gottes, wie man selber. Das Verhältnis zu den Mitmenschen wird dabei auf eine ganz neue Grundlage gestellt. Mit der Liebe zum Nächsten verband Jesus die Lehre von einem vergebenden Gott, dem die "Zöllner und Dirnen" in ihrer Bereitwilligkeit zur Umkehr lieber sind als die selbstgerechten Pharisäer.

 
  • Wie die philosophische Schule der Pythagoräer ging Jesus davon aus, der Körper sei ein Kerker für die Seele, das irdische Leben eine Vorstufe für das Leben im Himmel. Er bejahte auch die ägyptische Vorstellung von der Unsterblichkeit und sagte für die nahe Zukunft sowohl das Ende der Welt als auch das "Reich Gottes" voraus.

  • Die Akzeptanz der Lehre bei den Menschen in Palästina
 
  • Die ersten Zuhörer von Jesus waren arme Leute in Galiläa mit jüdisch-orthodoxem Glauben. Sie waren mit den Zuständen, wie zum Beispiel mit dem prunkvollen Leben der Herodes-Söhne, unzufrieden und sehnten sich nach einer besseren Welt. Von den vielen religiösen Eiferern fühlten sie sich abgestoßen, die Pharisäer schienen ihnen zu arrogant zu sein. Jesus hat Themen formuliert, welche die Menschen wirklich erreichten. Im Gegensatz zur sterilen römischen Staatsreligion bestand die christliche Lehre nicht aus abstrakten Ideen, sondern gab den Menschen eine tröstliche Perspektive. Es waren Antworten auf die spezifischen Probleme der Zeit. Nächstenliebe und Feindesliebe waren neue Botschaften.  

 

Hilfe in Notsituationen war in der antiken Umwelt der ersten christlichen Gemeinden zwischen dem ersten und dritten Jahrhundert keinesfalls selbstverständlich. Die Römer hatten kein Verständnis dafür, dass man Bettler, die weder Kleidung, Wohnung, Arbeit noch Nachkommen hatten, mit Almosen am Leben hielt. Der Philosoph Seneca († 65) meinte sogar, dass es besser sei, einem solchen Menschen keine Brotkruste zu geben, da dies nur sein Leiden verlängern und damit seine Freiheit zum Sterben nehmen würde. Die Nächstenliebe der Christen wurde anfänglich sogar verspottet.

 
 
  • Jesus hat selbst keine Schriften hinterlassen. Die Art seines Auftretens und seine Redeweise sind jedoch überliefert. Jesus war eine charismatische Persönlichkeit. Er war nicht der einzige Prediger, der bei den Menschen in Palästina Hoffnung auf eine bessere Zukunft erwecken wollte, doch überzeugte er durch seine Autorität. Seine Reden bestanden hauptsächlich aus kurzen Sprüchen und sehr anschaulichen, meist der Natur oder dem Alltagsleben entnommenen Gleichnissen. Dies machte seine Lehre verständlich und sorgte für eine hohe Akzeptanz.

  • Appolonios von Tyana (* 3 n. Chr. † 98 n. Chr.) war ein Philosoph in der Tradition des Pythagoras. Er verkündete eine Botschaft des Friedens und heilte Kranke und Verwundete. Auch Tote soll Appolonius wieder lebendig gemacht haben. Den größten Teil seiner Anhänger fand er in den Reihen der gebildeten Minderheit und der Oberschicht des römischen Reiches. Das Bild des Appolinios wurde insbesondere durch eine von Julia Domna († 217), der Ehefrau des römischen Kaisers Septimius Severus (reg. 193 - 211), an den Sophisten Philostratos in Auftrag gegebene Biographie geprägt. In dieser Biographie fällt eine Reihe Ähnlichkeiten mit der Darstellung des Lebens Christi in den Evangelien auf (Geburtsgeschichte, Himmelfahrt). Von Kaiser Severus Alexander (* 208, † 235) wurde er als Heiliger anerkannt und verehrt. Gegenüber der Lehre des Jesus von Nazareth konnte er sich nicht durchsetzen.

  • Simon Magus († um 68 n. Chr.) wird sogar in der Apostelgeschichte des Lukas erwähnt (Kapitel 8, Vers 9). Das negative Bild, das von ihm dort gezeichnet wird, deutet darauf hin, dass er von den frühen Christen als Rivale von Jesus Christus angesehen wurde. Dem christlichen Gelehrten Irenäus zufolge, behauptete Simon Magus, es gäbe zwei Inkarnationen Gottes. Er selbst sei der allmächtige Gott, der männliche Messias. Seine Begleiterin, die ehemalige Prostituierte Helena, war für ihn und seine zahlreiche Gefolgschaft der weibliche Messias.

 
  • Die Lehre von Jesus, dass jeder Mensch die Glaubensgewissheit haben darf, er persönlich sei ein Kind Gottes und werde von ihm geliebt, war in der damaligen Zeit ein unerhörter Gedanke. Von diesem Gedanken beflügelt, empfanden besonders die untersten Schichten ein ganz neues Selbstbewusstsein und ein Gefühl der Freiheit von den irdischen Bedingtheiten. Von dem Prinzip der Nächstenliebe fühlten sich zuerst die armen Leute angesprochen, die westlich des Sees Genezareth wohnten.

 
  • Die Botschaft Jesu, die sich vor allem an die Außenseiter der Gesellschaft, die 'Armen und Erniedrigten', richtete, brachte ihren Verkünder in scharfen Gegensatz zu den gesetzestreuen Juden, vor allem zu den Pharisäern. Die Pharisäer verstanden sich als Wahrer der Lehre des Alten Testaments. Auch die Furcht vor dem Verlust von Macht und Privilegien machte die Pharisäer zu Gegnern der Lehre von Jesus. In ihrer Eigenschaft als aristokratischer Gruppierung wollten sie die von Jesus propagierte 'Gleichheit aller Menschen' und auch die Nächstenliebe nicht akzeptieren. Auch die Hohen Priester wollten niemand, der ihre Autorität angriff. Die Römer, die von Syrien aus die unruhige Provinz Palästina verwalteten, verfolgten das Ziel, die religiösen Verhältnisse zu kontrollieren. Auch Pontius Pilatus wollte die Ordnung im römischen Sinn gewährleisten.


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Die Ausbreitung des Christentums im ersten Jahrhundert


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  • Die ersten christlichen Gemeinden
 
  • Bald nach dem Tod von Jesus kamen seine Schüler erneut zusammen. Anlass war, dass mehrere Personen berichteten, Jesus wieder gesehen zu haben.

Der älteste Bericht (1. Korinther 15) nennt eine Liste von Männern, denen der Auferstandene erschienen sei.

 
  • Die erste Gemeinde, die sich aus den Schülern von Jesus in Jerusalem bildete, verkündete die Auferstehung ihres ehemaligen Lehrers. Mit der theologischen Deutung, dass es sich bei Jesus um den 'leidenden Gottesknecht' handle, trat sie an die Öffentlichkeit. Vor allem griechisch sprechende Juden, die in der Diaspora lebten, und auch Nichtjuden fühlten sich von diesen 'Botschaften' angesprochen. In Jerusalem und in Galiläa bildeten sich immer neue Gruppen.

  • Die frühchristlichen Gemeinden lebten in einer Umwelt, in der es nicht Aufgabe des Staates war, für die Existenzsicherung seiner Bürger zu sorgen. Der römische Staat war weder ein Sozial- noch ein Wohlfahrtsstaat. Allerdings existierten private Netzwerke, von denen in Not Geratene aufgefangen wurden. So gab es bei den Senatoren und den anderen Ständen der Oberschicht eine Standessolidarität. Standessolidarität erforderte, dass man dem unverschuldet durch politische Umstände, Krankheiten, und Armut in relative Armut geratenen Standesgenossen half. Die Mittel- und Unterschichten fanden in Klientelverhältnissen, in Vereinen und vor allem in ihrer Familie Unterstützung. Die sehr armen Leute, die Bettler, wurden von niemanden unterstützt. Aus dieser Bevölkerungsgruppe war der Zulauf zu den christlichen Gemeinden besonders groß. Lediglich dort fanden sie umfassende soziale Unterstützung.

  • Die Spaltung der Jerusalemer Gemeinde
 
  • Unter der Führung eines leiblichen Bruders von Jesu, Jakobus, entstand ein 'judenchristlicher Kreis'. Er hielt streng am jüdischen Gesetz fest, verlangte die Beschneidung und sah in Jesus lediglich einen durch die Auferstehung göttlich legitimierten Propheten.

Während die evangelische Kirche die Existenz von leiblichen Brüdern für denkbar hält, ist dies für die katholische Kirche wegen der Jungfräulichkeit Marias schwer vorstellbar.

 
  • Einen weiteren Kreis sammelte der Jünger Petrus um sich. Seine Mitglieder sahen in Jesus den Messias, auf dessen baldige Wiederkunft sie hofften. Die Verkündung der Auferstehung war für sie wichtiger als die Lehre Jesu.

  Apostel Petrus


Spätgotische Holzschnitzerei, Kirche St. Korbinian in Unterhaching

 
  • In der dritten Gruppe sammelten sich die 'Hellenisten' oder 'Griechen'. Aus dem Messias Jesus wurde in Analogie zu den bestehenden Mysterienkulten der leidende und auferstehende Erlösergott. Der Führer der Gruppe, Stephanos, wurde in einem von jüdischen Staatsorganen begünstigten Volkstumult gesteinigt. Nach seinem Tod zerstreute sich die Gruppe in die griechischen Großstädte.
 

Alle drei Gruppen missionierten von Anfang an. In der ersten Hälfte des ersten Jahrhunderts gab es mindestens drei größere christliche Gemeinden außerhalb Palästinas (Antiocheia, Alexandria, Korinth). Für die Gemeinde in Rom ist das älteste Zeugnis das Judenedikt des Kaisers Claudius. Tacitus schreibt in seinen Annalen (15,44): "Er [Claudius] trieb die Juden aus der Stadt aus, die auf den Impuls eines 'Chrestos' hin beständig Aufruhr stifteten").

  • Ziele der Missionierung
 
  • Um das Jahr 30 hatte die Lehre Jesu nur in Judäa Fuß gefasst. Auch dort konkurrierte sie mit der römischen Staatsreligion und den Mysterienreligionen des Ostens. Hinweise für eine weitere Ausbreitung des Christentums gab es zunächst nicht.
 
  • Der Anstoß zur Missionierung wurde von Jesus selbst gegeben (Math. 28,18-20): "Mir ist alle Macht gegeben im Himmel und auf der Erde. Darum geht zu allen Völkern und macht alle Menschen zu meinen Jüngern; tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes, und lehrt sie, alles zu befolgen, was ich euch geboten habe. Seid gewiss: Ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende der Welt.". Einige Historiker halten dies für einen posthumen Befehl.
 
  • Die planmäßige Missionierung ist eine christliche Besonderheit. Die Moslems missionieren nicht. Auch bei den Juden wird die Religion nicht planmäßig missioniert. Bei den meisten Mysterienkulten ist die Religion nur auf einen auserwählten Personenkreis beschränkt.

  • Die christliche Mission hat ohne Unterschied allen Menschen zu gelten. Faktisch beschränkt sich die Missionstätigkeit der ersten nachchristlichen Jahrhunderte auf das Territorium des Römischen Reiches.

 
  • Die Gewinnung Judäas für das Christentum blieb vorrangiges Ziel (Römer 11,25). Da dieses Ziel gegen die herrschenden orthodoxen Juden (Hohe Priester) nicht erreicht werden konnte, sahen führende Christen in der Missionierung der Nachbarstaaten die einzige Chance, um die Lehre Jesu vom Untergang zu bewahren. Es war vorgesehen, dass ein gestärktes Christentum in den umgebenden Staaten nach Judäa zurückkehrt, um dann die Missionierung durchzuführen.
  • Die Missionierung im Osten des Römischen Reiches durch Paulus
 
  • Die Gemeinden, die nach dem Tod Jesu gegründet worden waren, hätten sich nur zu einer der vielen Sekten der Zeit entwickelt, wenn nicht dem jungen Christentum in Paulus aus Tarsos in Kleinasien eine geniale Persönlichkeit zur Verfügung gestanden hätte. Paulus war mit dem gesamten Begriffs- und Gedankengut der griechischen Philosophie und Religion vertraut. Um das Jahr 30 ging er nach Jerusalem und verfolgte zunächst fanatisch die 'Hellenistengruppe' um Stephanos. Ein persönliches Erlebnis bewog ihn, sich zu wandeln und nun entschlossen für das Christentum einzutreten.

  Apostel Paulus, geboren um 10 n. Chr. in Tarsos (Kilikien), hingerichtet in Rom zwischen 63 und 67
 
  • Paulus missionierte im Osten des Römischen Reiches, in Syrien, Kypros und Kilikien. Wegen seiner 'hellenistischen Form' der Missionierung war er nach ca. 15 Jahren gezwungen worden, sich mit den Jerusalemer Gruppen auseinanderzusetzen. In Antiocheia kam es zum Bruch mit Petrus, der eine Heidenmission ablehnte. Danach setzte Paulus seine selbstständige Missionstätigkeit fort. Er gründete immer neue griechenchristliche Gemeinden, die bald wie ein Netz Kleinasien, Makedonien und Griechenland umspannten.

  • Bei dem Apostelkonvent in Jerusalem in den Jahren 48 und 49 erreichte Paulus in Auseinandersetzung mit der dortigen Urgemeinde und ihren Häuptern (Petrus, Jakobus) die Anerkennung der Heidenmission. Die Heidenchristen (nicht-jüdische Christen im Osten des Imperiums) wurden vom Gebot der Beschneidung ausgenommen und mussten auch die engen jüdischen Speisevorschriften nicht mehr einhalten. Paulus hat damit den ersten Paradigmenwechsel im Christentum - vom Judenchristentum zum hellenistischen Heidenchristentum - initiiert.

  • Paulus hat sein 'Evangelium' den Griechen auf andere Weise verständlich zu machen versucht als den Juden. Er hat die Botschaft von Jesus Christus in den jeweiligen religiösen Kontext übersetzt. Sein missionarischer Trick: "Den Juden bin ich ein Jude geworden, um Juden zu gewinnen. Den Gesetzlosen war ich sozusagen ein Gesetzloser - nicht ein Gesetzloser vor Gott, sondern gebunden an das Gesetz Christi."

  •  Für die Griechen definierte er Jesus Christus als das in die Welt gekommene Abbild des höchsten Gottes, das die menschliche Gestalt angenommen hat. Zum Dank dafür, dass er als leidender und sterbender Gottmensch dem höchsten Gott stets gehorsam war, wurde er von diesem erhöht und darf mit ihm zusammen bis zum Ende der Welt regieren. Nach ihrem Untergang ist die Welt erlöst, Jesus geht in Gott ein, "damit Gott alles in allem werde". Der Mensch bekommt an diesem 'Erlösungswerk' Anteil durch die von Christus vermittelte Aufnahme des göttlichen Geistes, der ihm in dem Sakrament der Taufe geschenkt wird.

  • Für die Juden definierte Paulus den Messias Jesus als göttliches Sühneopfer für die seit Schaffung der Welt vorhandene Schuld. Die sühnende Wirkung eignet sich der Mensch dadurch an, dass er es vertrauensvoll und gläubig als stellvertretendes Opfer annimmt.

Bei Paulus erhält Jesus den Christusnamen (griech. christós, der Gesalbte) als ständigen Titel, ja sogar als Eigennamen.

 
  • Nach etwa 25jähriger Tätigkeit überbrachte Paulus der verarmten Jerusalemer Gemeinde im Jahr 56 eine Geldsumme. In Jerusalem wurde er unter dem Vorwand, Griechen in den Tempel geführt zu haben, verhaftet. Als römischer Bürger wurde er in Schutzhaft der Römer genommen. Aufgrund jüdischer Anklagen wurde er in Rom in einen langwierigen Prozess verwickelt. Vermutlich ist er unter Kaiser Nero hingerichtet worden.
 
 

In Jerusalem vom Hohenpriester als Anführer der Sekte der Nazarener angeklagt, wie es die Apostelgeschichte berichtet, kam Paulus vor das römische Gericht. Doch an den vom 'Hohen Rat' vorgebrachten Anschuldigungen konnten die Römer nichts finden. Sie verschleppten immer wieder den Prozess und wollten kein Todesurteil über Paulus vollstrecken. Paulus berief sich schließlich auf sein Rechte, die er als römischer Bürger genoss, und verlangte, dass sein Fall vor den Kaiser gebracht werde. Seine Reise nach Rom führte ihn quer über das Mittelmeer - über Zypern, Malta und Sizilien. In Rom angekommen musste Paulus nicht im Kerker auf seinen Prozess warten, sondern durfte ein kleines Wohnhaus beziehen.

Nach der christlichen Überlieferung wurde Petrus im Circus des Kaisers Nero gekreuzigt und Paulus unweit der Via Ostiense, der Straße nach Ostia, enthauptet. Ein römischer Bürger, wie Paulus es war, durfte nicht den Kreuzestod sterben.

   
  • Die Evangelien
 
  • Zu den beiden ältesten Evangelien Matthäus und Markus kamen das Lukasevangelium, und seine Fortsetzung, die "Apostelgeschichte" hinzu. Beide Bücher stellen den ersten bewussten Versuch dar, das Christentum den gebildeten Bürgern nahe zu bringen. Das Christentum wird in einen weiten welt- und geistesgeschichtlichen Zusammenhang gestellt
 
  • Am Ende des ersten Jahrhunderts sind in Syrien unter dem Namen Johannes fünf weitere Schriften entstanden. Der Christus, wie er von Johannes beschrieben wird, ist den griechischen Göttern angenähert. Als neuer Dionysos ist er der "Weinstock" und verwandelt Wasser in Wein.
  • Erfolge der Missionierung
 
  • Die größten Erfolge erzielten die Missionare im erstem Jahrhundert im Diasporajudentum des Ostens. Christliche Gemeinden bildeten sich zunächst fast ausschließlich bei den untersten Schichten größerer Städte.
 
  • Zunehmend gewannen die Missionare Anhänger aus allen Bevölkerungsschichten des Reiches.
  • Gründe für die Erfolge der Missionierung
 
  • Planmäßige Missionierung
 
  • Freizügigkeit innerhalb des Imperium Romanum
 

Für die christliche Botschaft war von großer Bedeutung, dass Palästina Teil eines gut organisierten und relativ friedvollen Weltreichs war, in dem Provinzgrenzen keine nennenswerten Hindernisse bildeten. Ein Straßennetz verband die Staaten des Ostens miteinander. Die großen Hafenplätze, vor allem Alexandria in Ägypten und Antiocheia in Syrien, waren auch Umschlagplätze für Ideen. Die griechische Gemeinsprache (Koine) war für die Völker des Ostens ein verbindendes Verständigungsmittel. Die Briefe und die Evangelien waren in griechischer Sprache verfasst. Das Aramäische, das Jesus und seine ersten Jünger gesprochen hatten, hätte die Mission wahrscheinlich unmöglich gemacht.

 
  • Anpassung der Lehre Jesu an die Vorstellungswelt des griechischen Ostens
 

Um die Kernbotschaften, wie zum Beispiel das ethische Prinzip der Nächstenliebe oder die Gleichheit der Menschen vor Gott, der Bevölkerung nahe zu bringen, wurden Elemente der bestehenden Mysterienkulte in die christliche Lehre eingebaut oder zu deren Verdeutlichung benutzt. Dem Wunderglauben im griechisch geprägten Osten des Imperium Romanum kamen die Missionare bewusst entgegen. Auch den Vorstellungen der Judenchristen im Osten passte sich das Christentum an.

 
  • Unterstützung der Missionierung durch die Evangelien
  Auch die Evangelien wurden so verfasst, dass sie der Mentalität der Menschen des griechisch geprägten Ostens entsprachen.
 
  • Konzentration der Missionierung auf die Großstädte des Ostens und auf die Juden der Diaspora.
 
  • In den Großstädten konnten die Apostel mehr Menschen ansprechen als auf dem Land. Der Prozess der Missionierung wurde dadurch effektiver. Von den hellenistisch geprägten Juden in der Diaspora versprach man sich mehr Aufgeschlossenheit gegenüber der christlichen Lehre als in Palästina.

  • Auf dem Land gab es auch in den nächsten Jahrhunderten, insbesondere in den Gebieten des Westens, nur wenige Christen.
 
  • Jesus als Identifikationsfigur
  Im Jahre 45 taucht der Begriff 'Christen' in Antiocheia zum ersten Mal auf. Das griechische Wort 'Christos' heißt der 'Gesalbte, die Christen sind die Anhänger des Gesalbten. Der Bezug zum Religionsstifter förderte das Gemeinschaftsdenken der Gläubigen. 
 
  • Permanente Fürsorge um die Menschen
  Innerhalb der Gemeinden wurde das Prinzip 'Nächstenliebe' praktisch umgesetzt. Gemeindemitglieder kümmerten sich zum Beispiel um Arme, Kranke, Witwen und Waisen. Dieser karitative Zug hatte eine große Werbewirkung.
  • Sicherung der Missionserfolge
 
  • Die Christen erwarteten im ersten Jahrhundert die baldige Wiederkehr von Jesus. Da diese ausblieb, sollten die Erfolge der Mission durch den Aufbau einer Organisation gesichert werden.
  Der Aufbau der 'Kirche' als Organisation beginnt, als man die Wiederkehr von Jesus erst für später erwartet. Der Glaube sollte bis dahin wach gehalten werden.
 
  • Organisationen (Gemeinden) entstehen zunächst lokal, in Griechenland und in Kleinasien. Sie stehen jedoch miteinander in Kontakt. Die Ämter innerhalb einer Gemeinde sollen so lange beibehalten werden, bis Jesus wiederkehrt.
 
  • Die Hierarchie innerhalb einer Gemeinde bestand aus vier Ebenen:
 
  • An der Spitze stand der 'Episkopos' (Aufseher). Er ist der Wortführer und Repräsentant der Gemeinde. Seine Qualifikation beweist er durch 'Hervortun' und 'Betriebsamkeit'. Aus 'Episkopos' wird später der Bischof.
 
  • Die 'Presbyter' bildeten den Gemeinderat (griech. presbys = die Älteren, die Ehrwürdigen). Ihre Anzahl war nicht begrenzt.
 
  • 'Diakone' und 'Diakonissen' waren im operativen Bereich tätig. Sie führten die Beschlüsse des Episkopos und der Presbyter aus. Ihre hauptsächlichen Aufgaben lagen in der Armen- und Krankenpflege.
 
  • Die unterste Ebene bildeten die 'Gläubigen'.
  • Gegner der Christen
 
  • Der Zulauf zu den Christen erregte in einer Welt der vielen religiösen Gruppen und ihrer gegenseitigen Auseinandersetzungen zunächst kein großes Aufsehen.
 
  • Kaufleute fürchteten zum Teil um Geschäftseinbußen. So entfachte zum Beispiel Paulus bei seinem Aufenthalt in Ephesus einen Aufstand der Kaufleute, weil sie eine Einschränkung der Geschäfte mit den Pilgern befürchteten, die zu Ehren der Artemis in ihre Stadt kamen.
  • Römischer Staat und Christentum
 
  • Der römische Staat verfolgte die Christen nicht wegen ihrer Lehre. Im allgemeinen griff er gegen eine Religion nur dann ein, wenn er die innere Sicherheit und Ordnung gefährdet sah. Das Christentum war von der Lehre her staatstragend (Jedermann sei untertan der Obrigkeit ...). Allerdings stürzte der Kaiserkult die Christen in schwere Gewissenskonflikte.

 
  • Die erste Christenverfolgung brach unter Kaiser Nero (54 - 68 n. Chr.) im Jahr 64 los, im Anschluss an den Brand Roms. Der Kaiser, den man der Brandstiftung verdächtigte, schob die Schuld den Christen zu und ließ viele von ihnen hinrichten.
  Kaiser Nero Nero Claudius Caesar Augustus Germanicus (* 37, † 68), von 54 bis 68 Kaiser des Römischen Reichs  
 
  • Weder Kaiser Nero noch die Christen hatten (wahrscheinlich!) das Feuer gelegt, im damaligen Rom brannte es sehr häufig. Die Christen mussten lediglich als Sündenböcke herhalten. Ihnen unwidersprochen die Schuld zu geben, war relativ einfach. Da die Christen am Gesellschaftsleben Roms nicht teilnahmen, traute ihnen die Bevölkerung die Brandstiftung durchaus zu. Diese 'Blitzableiterfunktion' wird ihnen auch in der Zukunft zugewiesen.

 
  • Nach christlichen Quellen wurde der Apostel Petrus um 64 n.Chr. in seiner Eigenschaft als Bischof von Rom wegen seines Glaubens gekreuzigt, auf eigenen Wunsch mit dem Kopf nach unten. Auch der Apostel Paulus wurde soll während der ersten Christenverfolgung getötet worden sein. Als römischer Bürger genoss er das Privileg, mit dem Schwert hingerichtet zu werden.


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Die Ausbreitung des Christentums im zweiten und dritten Jahrhundert


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  • Die politische Lage im Römischen Reich
 
  • Im 2. Jahrhundert, in der Glanzzeit des römischen Kaisertums, erleichterte der Weltfrieden das Reisen und damit den Austausch unter den Kulturen.
 
  • Unter den syrischen Kaisern im 3. Jahrhundert wuchs die Ausbreitungsmöglichkeit für die aus Osten kommenden Religionen. Vor allem sorgten die Truppenverschiebungen unter den Soldatenkaisern für die Ausbreitung der östlichen Kulte.
  • Die Erfolge der Missionstätigkeit
 
  • Die Erfolge der Missionstätigkeit erklären sich zum großen Teil aus der christlichen Lehre selbst und dem karitativen Wirken der missionierten Christen. Trotz der Gefahren, denen sie ständig ausgesetzt waren, finden viele Menschen im Christentum ihr persönliches Glück. In der christlichen Gemeinschaft fühlen sie sich anerkannt und geborgen. Im Falle der Not konnten sie sicher sein, dass sie von ihren Glaubensbrüdern unterstützt wurden. In der Mitte des zweiten Jahrhundert kommt es zunächst im Osten zu einer institutionalisierten Gemeinschaft der Christen.

 
  • In Palästina entstanden nach dem Zusammenbruch des jüdischen Aufstands gegen die Römer im Jahre 135 und der römischen Neubesiedlung neue griechenchristliche Gemeinden. Schon im frühen 2. Jahrhundert kam das Christentum von Griechenland aus nach Afrika. In Griechenland selbst und in Kleinasien breitete sich das Christentum rasch aus. Schon um 200 gab es auch in den germanischen, keltischen und spanischen Provinzen, in Anatolien, in Libyen sowie an den Küsten des Mittelmeers christliche Gemeinden. Im 3. Jahrhundert trugen die römischen Grenztruppen das Christentum in den gesamten Donauraum.

 
  • Christen aus dem Osten des römischen Reiches siedelten sich im Westen, vor allem in der Hauptstadt Rom an. In den christlichen Gemeinden Roms wurde bis zur Mitte des 2. Jahrhunderts griechisch gesprochen und geschrieben.

 
  • Im 3. Jahrhundert wurde die Zusammensetzung der das Christentum tragenden Schichten verändert. Nachdem zuvor die Christen aus den ärmeren Kreisen der Bevölkerung stammten, bekannten sich nun auch Angehörige der bemittelten Klassen, Beamte und Soldaten eingeschlossen, in immer größerer Zahl zum Christentum. Alexandria in Ägypten wurde zum Mittelpunkt des gebildeten Christentums.

  • Die Quellen bieten nur wenige quantitative Angaben über die Ausbreitung des Christentums. Rodney Stark, ein amerikanischer Religionssoziologe, nimmt an, dass sich um das Jahr 300 im Römischen Reich bei einer Gesamtbevölkerung von 60 Millionen Einwohnern rund 6 Millionen Christen befanden.

  • Christentum und römischer Staat
 
  • Im Römischen Reich war die Religion eng mit dem Staatswesen verbunden. Der Kult gehörte als öffentliche Angelegenheit in den Aufgabenbereich der Beamten. Der Kaiser war zugleich der oberste Priester.

 
  • Der römische Staat tolerierte fremde Religionen, wenn sie neben der eigenen Gottheit auch die römischen Staatsgottheiten verehrten. Gerade das verbot der christliche Glaube an den einen Gott. Für die staatlichen Behörden und für die meisten römischen Bürger war dieser Anspruch auf Ausschließlichkeit unverständlich und führte zu zunehmenden Feindseligkeiten.

  • Ein Zeugnis für die Haltung des römischen Staates gegenüber den Christen ist der Briefwechsel zwischen dem in Bithynien (Kleinasien) residierenden Statthalter Plinius dem Jüngeren (61 - 114) und Kaiser Trajan (reg. 98 - 117). Auf die Frage des Plinius, wie er mit den Christen verfahren solle, antwortet Trajan wie folgt: "Aufgespürt sollen sie nicht werden; wenn sie angezeigt und überwiesen werden, so sind sie strafwürdig, jedoch mit der Ausnahme, dass jeder, der seine Zugehörigkeit zu den Christen leugnet und es auch durch die Tat, d.h. durch Anbetung unserer Götter, beweist, ohne Rücksicht auf seine frühere Verdächtigkeit wegen seiner Reue Verzeihung erhalten soll. Anonyme Anklagen aber dürfen bei keiner Beschuldigung beachtet werden; das wäre ein sehr schlechtes Beispiel und des Geistes unserer Zeit nicht würdig" (10. Buch der Briefsammlung des Plinius, Brief 97).

Marcus Ulpius Traianus, kurz Trajan oder Traian genannt, (* 53, † 117), römischer Kaiser von 98 bis 117 n. Chr.

Für Plinius ist derjenige ein Christ, der sich nicht am Kaiserkult beteiligt und nicht den römischen Göttern opfert. Die Antwort Trajans auf die Frage, wie Christen behandelt werden sollen, beinhaltet, dass allein die Tatsache, ein Christ zu sein, strafwürdig ist. Dies bedeutete in vielen Fällen Folterung und Hinrichtung - ohne dass eine Straftat begangen wurde. Das 'Reskript' Trajans, das für das gesamte römische Reich als zukünftige Norm galt, löste zunächst keine systematische Fahndung nach Christen aus. Für lange Zeit blieb es die Richtschnur für den staatlichen Umgang mit den Christen. Allerdings gab es in einzelnen Provinzen immer wieder eigenmächtige, von Rom nicht sanktionierte Kampagnen gegen die Christen.

  • Für die römischen Bürger war die Verehrung der Götter eine Loyalitätsbezeugung gegenüber dem Staat. Aus diesem Grund erregte es ihren Unwillen, dass sich die Christen von allen Veranstaltungen zurückzogen, bei denen offiziell geopfert werden musste (z.B. von Theaterspielen und Gerichtssitzungen). Der Verdacht der Gottlosigkeit entstand. Dies wiederum bedeutete für die Bürger die bewusste Abkopplung der Christen vom Staat sowie deren politische Unzuverlässigkeit.

Unsere heutige Trennung von politischem Bereich und Religion ist eine Errungenschaft, die sich erst seit etwa dreihundert Jahren durchgesetzt hat. Das Gemeinwesen der Antike konnte kein religiös neutraler Staat sein, weil das Leben der Menschen von sakralen Sitten durchdrungen war. Es gab auch im Alltag keine Verhaltensweise, die nicht in Kultbräuche eingebettet gewesen wäre. Der göttliche Schutz für das politische Miteinander trat in Erscheinung in der göttlichen Vollmacht des Kaisers. Indem man ihm kultische Verehrung erwies, stellte man das öffentliche, politische Zusammenleben unter göttliche Obhut. Diese Verehrung zu verweigern, hieß dem gesellschaftlichen Zusammenleben aller Menschen seine eigentliche Grundlage entziehen.

  • Die Konkurrenz philosophischer und religiöser Strömungen
  • Das Christentum musste innerhalb einer vielfältigen religiösen und philosophischen Welt seinen eigenen Weg suchen. Wenn es sich verständlich machen wollte, war eine Anpassung an die unterschiedlichen Vorstellungen notwendig. Angesichts unterschiedlicher territorialer und kultureller Herkunft der Christen hörte auch innerhalb des Christentums der Streit um die rechte Lehre nie auf.

 
  • Im zweiten und dritten Jahrhundert machte die Erlösungslehre der Gnosis dem Christentum schwer zu schaffen. Auch die montanistische Lehre stürzte viele Christen in Zweifel.

  • Die Gnosis

  • Die Gnosis - von griechisch "gnosis" = Erkenntnis - ist die Gesamtbezeichnung für eine philosophische Bewegung, die im Osten des römischen Reiches entstanden ist und sich ausschließlich auf gebildete Menschen beschränkte. Obwohl sich die meisten gnostischen Richtungen zum Christentum bekannten, gab es doch wesentliche Unterschiede zum Glauben der christlichen Kirche. Nach gnostischer Lehre fielen Funken oder Samen des göttlichen Wesens aus der geistigen Sphäre in die materielle böse Welt. Mit Hilfe von Erkenntnis konnte der Mensch das göttliche Element finden und zum Leben erwecken. Dadurch wurde es ihm möglich, das böse Diesseits zu verlassen um in seine eigentliche Welt, eine transzendente geistige Welt, zurückzukehren.

  • Die christlichen Gnostiker lehnten die Gleichsetzung des Gottes des Alten Testaments mit dem Gott des Neuen Testaments ab. Für das Leben und Wirken von Jesus entwickelten sie eine eigene Interpretation: Gott habe seinen Sohn in Menschengestalt auf diese Welt gesandt, damit sie über ihre wahre Heimat, die transzendente geistige Welt, und den Rückweg zu ihr belehrt werden. In von ihnen verfassten Evangelien (Thomas- und Marien-Evangelium) wollten sie belegen, dass der göttliche Geist im Körper des Menschen Jesus lebte und ihn vor seinem Tod verlassen hat.

  • Die Gnostiker versuchten, das Christentum in ihr eigenes Weltbild zu integrieren. Ihre eigenwillige Interpretation brachte die Gnostiker in Konflikt mit der christlich-orthodoxen Kirche (Orthodoxie: wortwörtliche Schriftenauslegung, der praktizierte Glaube steht in völliger Übereinstimmung mit der Lehre).

  • Der Montanismus

  • Der Montanismus war eine kirchliche Bewegung, die im 2. Jahrhundert in Phrygien aufkam und sich nach Montanus benannte. Um 156 n. Chr. behauptete Montanus, in Trance (Ekstase) mit dem Heiligen Geist sprechen zu können. Mit zwei Frauen, Prisca und Maximilla, reiste er durch Kleinasien und verkündete, dass die Wiederkunft von Jesus unmittelbar bevorstünde. Eine Organisation der Kirche würde deshalb nicht benötigt.

  • Die Anhänger des Montanus, die Montanisten, lebten in strenger Weltentsagung und bereiteten sich auf die Wiederkehr Christi vor. Die Bewegung breitete sich rasch bis nach Rom und Karthago aus. Um 177 exkommunizierte die orthodoxe Kirchenleitung die Montanisten, weil sie die Einheit der Kirche gefährdet sah.

  • Mit den ekstatischen Riten und der Idee der Gleichberechtigung - auch Frauen konnten bei den Montanisten Priester werden - wurde die Sekte für viele Gläubige attraktiv.

  • Der Montanismus war ein Symptom für die soziale und kulturelle Heterogenität der frühen Christen.

Nebenbei bemerkt: Im Jahr 2001 entdeckten Forscher südlich der türkischen Stadt Usak mit den Resten der antiken Siedlung Pepouza das ursprüngliche Zentrum der Montanisten. Pepouza war der Ort, wo sich nach dem 'Ende der  Welt' die 'Herabkunft des himmlischen Jerusalem' erfüllen sollte.

  • Der Wandel des Urchristentums
 
  • Mit dem großen Erfolg der Missionierungstätigkeit war das Christentum auch zu einer gesellschaftlichen Macht geworden. Immer mehr Personen, die von ihrer Geisteshaltung her keine Christen waren und nur Machtpositionen einnehmen wollten, drängten darauf, die höheren Posten einzunehmen, die das Christentum zu vergeben hatte. Viele der christlichen Posten wurden enttheologisiert, hatten also keinen christlichen Charakter mehr. Die sakrale Aura blieb erhalten.

 
  • Die kirchlichen Würdenträger wurden nicht mehr von der Gemeinde gewählt, sondern eingesetzt. Eine Aufteilung der Christen in Kirchenadel und Kirchenvolk zeichnete sich ab.

Viele Gemeindemitglieder lehnten sich gegen eine hierarchische Struktur, die nicht auf Wahlen beruhte, auf. Sie beriefen sich auf die von Jesus verheißene Gleichheit vor Gott.

  • Das Entstehen einer christlichen Theologie
 
  • Die Gnosis und der Montanismus waren, wie auch andere religiöse Strömungen innerhalb des Christentums, zu einer Gefahr für die Einheit der christlichen Kirche geworden. In dieser Situation bemühten sich christliche Intellektuelle darum, ein geschlossenes christliches Glaubensbekenntnis zu schaffen. Diesen frühen 'Kirchenvätern' (Irenäus, Tertullian, Origenes, Cyprianus u. a.) ist es zu verdanken, dass der innerkirchliche Konflikt überwunden wurde.

 
  • Irenäus (ca. 135-202) war Bischof in Lugdunum in Gallien (heute Lyon in Frankreich). Vermutlich war er Grieche aus Kleinasien. Seine Schriften waren in der frühen Entwicklung der christlichen Theologie wegweisend. In seinem Werk 'Adversus haereses' verfolgte er den Zweck, die Lehre der verschiedenen gnostischen Gruppen zu widerlegen.

 
  • Tertullian (ca. 150 - ca. 230) wurde in Karthago geboren. Um 190 wurde er Christ und siedelte nach Rom über. Zu seinen Werken zählen viele Streitschriften gegen die Juden, gegen gnostische Gruppen und andere Häresien, aber auch Verteidigungsschriften für das Christentum. Tertullian übersetzte zahlreiche biblische Texte aus dem Griechischen ins Lateinische und trug damit wesentlich zur Christianisierung im Westen des römischen Reiches bei. Er gilt als Vater des Kirchenlateins.

  • Mit Tertullian beginnt das westliche christliche Denken, dessen Sprache das Lateinische ist. Die Eigentümlichkeiten der lateinischen Sprache sind Ausdruck einer Lebenseinstellung, die im Westen des römischen Reiches von der im griechisch sprechenden Osten grundverschieden war. Tertullian schuf eine große Anzahl völlig neuer Wortprägungen, welche die lateinische Begriffssprache von der griechischen unabhängig machten. Er gilt daher als Vater der theologischen Terminologie der westlichen Kirche.

  • Der von Tertullian angestrebte Staat ist nicht mehr der religiöse Staat der Antike, der seine Bürger zu bestimmten staatstragenden Handlungen verpflichtet, sondern ein Staat, der sich zu jeder Religionsausübung neutral verhält, weil er für alle Bürger unabhängig von ihrer Herkunft verantwortlich ist. Dieses Staatsverständnis des Tertullian hat sich weder in der Spätantike noch im Mittelalter durchgesetzt.

  • Im Schriftsteller Tertullian hatte das Christentum einen energischen Verteidiger. Er war der erste Kirchenlehrer, der auf Lateinisch schrieb, und gilt als Begründer einer christlichen Literatursprache.

  Tertullian Tertullian (* um 150 - um 230 n. Chr.), christlicher Schriftsteller
 
  • Origenes (ca. 185 - ca. 254), geboren in Alexandria (Ägypten), verfasste neben vielen Auslegungen der Heiligen Schrift eine sechsspaltige Ausgabe des Alten Testaments, die neben dem hebräischen Text und seiner Wiedergabe in griechischen Buchstaben vier griechische Übersetzungen enthielt. Sein berühmtestes Werk sind die vier Bücher "Über die Anfänge", die erste und über Jahrhunderte einzige Darstellung der christlichen Lehre.

  • Cyprianus (ca. 200 - 258), geboren in Karthago, wurde 248 zum Bischof seiner Heimatstadt gewählt. Berühmt ist sein dogmatischer Satz: "extra ecclesiam nulla salus" ("außerhalb der - römisch-katholischen - Kirche gibt es kein Heil"), der allerdings in dieser schroffen Form nie anerkannt wurde. Cyprianus zählt zu den bedeutendsten Kirchenschriftstellern. Sein Werk "Von der Einheit der Kirche" befasst sich mit der hierarchischen Organisation des Christentums. Während der Christenverfolgungen unter Kaiser Valerian (reg. 253-260) wurde er in Karthago verurteilt und enthauptet.

  • Systematische Christenverfolgungen durch den Römischen Staat (250 - 312)
 
  • Seit Beginn des 3. Jahrhunderts wurde die christliche Kirche im gesamten Reichsgebiet gezielt verfolgt. Im Jahr 202 erließ Kaiser Septimus Severus (reg. 193-211) ein Edikt, das den Übertritt zum Christentum mit schweren Strafen bedrohte.

Die Christen bekommen kein ordentliches Gerichtsverfahren und werden in Massen abgeurteilt, weil sie durch ihre bloße Existenz als Christen den Staat angreifen. Sie machen sich bereits strafbar durch das Bekenntnis, dass sie sich Christen nennen. Der Grund dafür ist, dass sie dem Kaiser die kultische Verehrung verweigern.

 
  • 247 und 248 hatte man in Rom mit großem Aufwand die Jahrtausendfeier zur Gründung der Stadt begangen. Die Erinnerung an die große Vergangenheit weckte in Kaiser Decius (reg. 248-251) den Entschluss, sein Reich zu restaurieren. Die Voraussetzung dafür sah er in der alten römischen Religion, die er mit militärischer Härte erzwingen wollte.

  • Decius stand unter starkem äußeren Druck. Mehrere Grenzen waren bedroht: im Osten das persische Großreich der Sassaniden, im Norden und Westen Goten, Alamannen und Franken.

  • Die systematische Verfolgung der Christen begann mit dem Angriff auf die Bischöfe der großen Gemeinden. Es folgten Erlasse, die von der gesamten Bevölkerung als Zeichen der Ergebenheit ein Opfer vor einer eigenen Opferkommission verlangten. Wurde dies verweigert, bedrohten Verhaftung, Gütereinzug und Hinrichtung den Delinquenten. Mit dem Opfergebot hatte Kaiser Decius eine Linie überschritten: Die Ausübung von Kulten, für die bis dahin im Zuständigkeitsbereich jeder einzelnen Stadt gelegen hatte, war zu einer Angelegenheit geworden, die den Kaiser selbst anging. Die Idee der "Staatsreligion" war geboren.

  • Nur eine Minderheit der Christen bekannte sich zu ihrem Glauben. Kaiser Decius fällt 251, nach nur zwei Regierungsjahren, in einer Schlacht gegen die Goten. Sein Tod verkürzte die Verfolgung, aber schon acht Jahre später traf unter Kaiser Valerian (reg. 253-260) eine zweite Welle von Repressalien die christliche Kirche. Christliche Kulte wurden verboten, ein Versammlungsverbot erlassen und Bischöfe verfolgt. Valerians Ziel war es, die Strukturen der christlichen Kirche zu zerschlagen. Es gelang ihm nicht!

Die standhaft gebliebenen Christen erwiesen sich als unerschütterliche Zeugen ihres Glaubens und werden noch heute als 'Märtyrer' bezeichnet, ein Wort, das aus dem Griechischen stammt und den "Zeugen" bedeutet. Das Vorbild von Jesus Christus vor Augen, gehorcht der christliche Held dem Gebot "Folge mir nach", und stirbt einen "schönen", weil christlichen Tod. Für die bewusste Hingabe des irdischen Lebens schenkt Gott dem, der sich für ihn aufgeopfert hat, das "ewige Leben". Das Zweite Vatikanische Konzil (1962 - 1965) hat diese Auffassung noch einmal dogmatisch festgehalten.

 
  • Unter Kaiser Diokletian (reg. 284-305) fand die letzte große Christenverfolgung statt. Der Kaiser wollte das Reich noch einmal durch Reformen am Leben erhalten. Um das Jahr 300 begann er mit der Säuberung des Heeres. Alle Soldaten mussten opfern oder aus dem Heer ausscheiden. Das erste Edikt verfügte die Zerstörung der Kirchen, Auslieferung und Verbrennung der heiligen Bücher und Verlust der Bürgerrechte für alle Christen. Zwei weitere Edikte ordneten die Gefangennahme aller Kleriker und den Opferzwang an. Alle Kirchen der Christen sollen zerstört werden.

Diokletians Edikte werden in den einzelnen Provinzen unterschiedlich streng in die Tat umgesetzt. Im Osten werden die Christen strenger verfolgt als im Westen.

 
  Kaiser Diokletian Diokletian (* um 240, † um 313), römischer Kaiser von 284 bis 305 n. Chr.)
 
  • Die Verfolgungen hatten im Ergebnis die christliche Kirche stärker gemacht. Die entstehenden Märtyrerlegenden verstärkten den Zulauf zur christlichen Religion. Unter Diokletian und seinen Mitkaisern waren schätzungsweise zehn Prozent der Reichsbevölkerung Christen. Im Osten des Reiches war der Prozentsatz höher.

  • Die 'Konstantinische Wende'
 
  • In den auf die Abdankung Diokletians und Maximians folgenden Nachfolgestreitigkeiten sicherte sich Konstantin im Kampf gegen seinen Rivalen Maxentius die Unterstützung der Christen.
 

Konstantin I., der Große, römischer Kaiser (306-337), *um 285, † 337

Fragment einer Kolossalstatue, heute am Palazzo dei Conservatori in Rom (um 314)

 
 

Eine von zeitgenössischen Schriftstellern geschilderte Traumszene, wonach Konstantin das Kreuzzeichen erschienen sei mit dem Hinweis "In diesem Zeichen wirst du siegen" (in hoc signo vinces) entzieht sich rationaler Deutung. Es steht jedoch fest, dass der Kaiser vor seiner siegreichen Schlacht an der Milvischen Brücke (28.10.312) das Kreuz auf den Feldzeichen seiner Truppen anbringen ließ.

 
  • Im Mailänder Toleranzedikt der Kaiser Konstantin (reg. 306-337) und Licinius (reg. 308-324) vom Jahre 313 wurde den Christen die freie Religionsausübung gestattet, damit, so heißt es in dem Text, "alle [!!] Götter des Himmels uns und allen, die unter unserer Herrschaft stehen, günstig sind."

  • In der Geschichtsforschung überwiegt die Ansicht, dass Konstantin ein pragmatischer Machtpolitiker war, der das Christentum dazu benutzte, seine politischen Ziele durchzusetzen. Der Historiker Jacob Burckhardt meinte, dass Konstantin I.  aus reinem Pragmatismus, ja Opportunismus, handelte - weil er erkannt hatte, dass das Christentum seinen machtpolitischen Ambitionen förderlich war. Im Römischen Reich war die Religion schon immer eng mit dem Staatswesen verbunden gewesen. Während der Reichskrise des 3. Jahrhunderts war die Pflege der Götter eine staatserhaltende Maßnahme. Mit dem starken Christentum erhoffte sich Konstantin auch einen starken Staat. Auch die reichsweite Organisation der christlichen Kirche, die während der Verfolgungen ihre Stabilität bewiesen hatte, war für Konstantin den Versuch wert, das Christentum in das Staatswesen zu integrieren.

  • Die Christen in seiner Umgebung, vor allem Eusebios, unterstellten Konstantin natürliche eine aufrechte christliche Gesinnung. In Wirklichkeit wollte Konstantin wohl die vielen Altgläubigen nicht vor den Kopf stoßen, die vor allem aus der Oberschicht kamen. Als antiker Mensch, dessen Welt von göttlichen Mächten durchdrungen war, hat er sicherlich nicht angenommen, dass von den alten Göttern keine Macht mehr ausging. So waren diese für ihn bestimmt noch verehrungswürdig. Bis zu seinem Tod hat sich Konstantin nicht eindeutig zum Christentum bekannt. Er wählte vielmehr eine Ambivalenz, die auch den Altgläubigen gestattete, ihn als einen der ihren zu akzeptieren.

  • Unter der Herrschaft Konstantins erlangte die Kaiserwürde eine neue, sakral geprägte Bedeutung. Für die christliche Kirche ergab sich jedoch ein ganz neues Problem: Bisher hatte sie bestenfalls neben dem Staat gelebt, nun aber, als etablierte Institution, musste sie die eigene Stellung zum Staat definieren.

 
  Mehr zur 'Konstantinischen Wende' und zur Entwicklung des Christentums bis zum Untergang des Weströmischen Reiches (476) erfahren Sie auf der nächsten Seite.
   

Literaturhinweise


Brown, P.R.

Die Entstehung des christlichen Europa. München 1996.

Demandt, A.

Die Spätantike. Römische Geschichte von Diokletian bis Justian 284 - 565 n. Chr. (Handbuch der Altertumswissenschaften III/6). München 1989.

Frank, K.S.

Lehrbuch der Geschichte der Alten Kirche. Paderborn 1996.

Harnack, A. von

Die Mission und Ausbreitung des Christentums. 3 Bände. 4. Auflage, Leipzig 1924.

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Treffpunkt Platon. Philosophischer Reiseführer durch die Länder des Mittelmeers. Stuttgart 2009.

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Das antike Christentum. Frömmigkeit, Lebensformen, Institutionen. München 2006.

Molthagen, J.

Der römische Staat und die Christen im zweiten und dritten Jahrhundert (Hypomnemata Band 28). 2. Auflage. Göttingen 1975

Winkelmann, F.

Geschichte des frühen Christentums. München 1996.


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Stand: 12.06.2016                           Copyright © 2016 Geschichts- und Kulturverein Köngen e.V.                           Autor: Dieter Griesshaber