Württemberg 1750 - 1806

 

 

 

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Württemberg im Späten Mittelalter (1250 - 1400)

Württemberg vom Späten Mittelalter bis zur Reformation (1400 - 1520)

Württemberg von der Reformation bis zum Ausbruch des Dreißigjährigen Krieges (1520 - 1618)

Württemberg in der Zeit des Dreißigjährigen Krieges (1618 - 1648)

Württemberg in der Zeit des Dreißigjährigen Krieges (1618 - 1648)

Württemberg in der Zeit vom Westfälischen Frieden bis zur Mitte des 18. Jahrhunderts (1648 - 1750)

Württemberg von der Mitte des 18. Jahrhunderts bis zum Ende des Heiligen Römischen Reichs Deutscher Nation (1750 - 1806)

Württemberg in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts (1806 - 1850)

Württemberg von der Mitte des 19. Jahrhunderts bis zur Gründung des Deutschen Reiches (150-1871)

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Württemberg in der Zeit der Weimarer Republik

 

 

 
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Württemberg von der Mitte des 18. Jahrhunderts bis zum Untergang des Heiligen Römischen Reichs Deutscher Nation (1750 - 1806) 


  • Herzog Carl Eugen (1737 - 1793)
 
  • Der älteste Sohn Herzog Carl Alexanders, Carl Eugen, war bei dem Tod seines Vaters neun Jahre alt. Bis zu seiner Mündigkeitserklärung im Jahr 1744 wurde Württemberg von seinen Vormunden (Karl Rudolf von Württemberg-Neuenstadt und Karl Friedrich von Württemberg-Oels) regiert. Von 1741 bis 1744 wurde er am Hofe Friedrichs des Großen erzogen.

In die Regierungszeit der Vormunde von Carl Eugen fällt das "Generalreskript, betreffend die Privatsammlungen der Pietisten" (Pietisten-Reskript) vom Oktober 1743. Das Reskript erstmals offiziell private Erbauungsstunden, in denen christlichen Laien der persönliche Austausch ihrer Glaubenserkenntnisse gestattet wurde. Mit der Erlaubnis von Hausandachten wollte man eine Abspaltung von der evangelischen Landeskirche Kirche verhindern. Die Absicht der Regierung war es, den Frieden in der Kirche und damit auch im Lande zu sichern. - Viele tausend Württemberger haben sich im 18. und 19. Jahrhundert trotz des Pietisten-Reskripts von der Landeskirche getrennt.

 
  • Vor der Übernahme der Regierung anerkannte Carl Eugen die seit dem Tübinger Vertrag geltenden Rechte der Ständevertretung (unter anderem das Steuerbewilligungsrecht). Ferner musste er zusichern, den evangelischen Konfessionsstand in seinem Land nicht anzutasten.

  Herzog Carl Eugen von Württemberg (*1728, † 1793), reg. 1737 - 1793 (unter  Vormundschaft bis 1744)
 
  • Außenpolitisches Ziel Carl Eugens war es, durch militärische Stärke politischen Einfluss auf die  europäischen Großmächte zu gewinnen. Innenpolitisch strebte Carl Eugen die Entmachtung der württembergischen Ehrbarkeit an.

Zum Ärger, ja zum Entsetzen führender Repräsentanten des evangelischen Württemberg, veranstaltete der katholische und in Brüssel erzogene Herzog aufwendige, prunkvolle Feste in Ludwigsburg, hielt sich ein eigenes Hofballett und baute sich ein Opernhaus. Bis Ende der 40er Jahre gab sich der Herzog vorwiegend dem puren Vergnügen hin. Danach übernahm er mehr und mehr die Regierungsgeschäfte.

Eine kleine Geschichte am Rande, die sich um 1750 in Bissingen / Teck abspielte, sich jedoch in ähnlicher Weise in mehreren Orten ereignet hat. Im Anschluss an eine erfolgreiche Jagd wurde ein rauschendes Fest veranstaltet. Bei dieser Gelegenheit warf  Carl Eugen sein herzogliches Auge auf die hübsche Tochter eines Forstknechts. Kurzerhand befahl er diese an seinen Hof nach Stuttgart. Nach Ablauf einer gewissen Zeit tauchte die Schöne wieder in Bissingen auf. Die fürstliche Order lautete, dass sie schleunigst heirate, damit das Kind einen Namen habe. Im Bissinger Heimatbuch heißt es dazu: "Den Förster von Dettingen an der Erms mit Namen Daumiller hatte der Herzog dazu ausersehen und dieser wagte nicht, sich zu widersetzen und heiratete die Arme." Der Herzog verschaffte der jungen Familie - wahrscheinlich auf Staatskosten - ein gesichertes Einkommen.

Ein besonders aufmerksamer Leser dieser kleinen Geschichte, Herr Albrecht Arnold aus Dettingen, hat aus Akten des Landesarchivs Baden-Württemberg ermittelt, dass der heiratswillige Förster  mit großer Wahrscheinlichkeit Johann Adam Daumüller hieß und nicht aus Dettingen an der Erms sondern aus Bissingen/Teck stammte. Zwar gab es in Dettingen/Erms auch einen Daumüller um diese Zeit (Johann Adam, Ratsherr, 1723-1784). Dieser war jedoch verheiratet. Im Landesarchiv findet sich im Bereich Zivilprozesse anno 1779 ein Vorgang, in den ein Förster Adam Daumüller aus Bissingen involviert war.

 
  • 1752 schloss Carl Eugen einen Subsidienvertrag mit Frankreich, durch den er jährlich Hilfsgelder gegen die Verpflichtung erhielt, im Kriegsfall ein Heer mit 6000 Mann zu stellen.

Carl Eugen hatte den Vertrag vorher weder mit dem 'Geheimen Rat' noch mit der Landschaft (Vertreter der "Ämter") abgesprochen. Als der Herzog  "Audienztage" für die Bevölkerung einführte, sah sich die Landschaft in ihrem Anspruch, die Interessen der Untertanen allein zu vertreten, übergangen. Die hohen Ausgaben des Herzogs für das glanzvolle Hofleben trugen dazu bei, dass sich Herrscher und Landschaft immer mehr entfremdeten.

 
  • Als 1756 der Krieg zwischen Frankreich und seinen Gegnern Preußen und England ausbrach, musste Carl Eugen die versprochenen Regimenter aufbringen. Als die Landschaft die zur Finanzierung des Heeres erforderlichen Steuern nicht bewilligte, versuchte der Herzog verfassungswidrig Steuerbeträge durch seine Offiziere einzutreiben.

Auch der "Geheime Rat" protestierte nun gegen die Eigenmächtigkeit des Herzogs. Als der berühmte Staatsrechtslehrer Johann Jakob Moser (1701-1785) ein Schreiben verfasste, in dem er feststellte, dass die Landesverfassung die Untertanen vom Gehorsam gegenüber ihrem Landesherrn entbinde, wenn sich dieser fortgesetzter Verfassungsbrüche schuldig mache, wurde er verhaftet und fünf Jahre auf der Festung Hohentwiel gefangen gehalten. Ein ähnliches Schicksal widerfuhr auch dem zeitkritischen Dichter Daniel Friedrich Schubart (1739-1791).

Nebenbei bemerkt: Der  Astronom, Kartograph, Geograph Tobias Mayer, 1723 in Marbach am Neckar geboren und im Alter von 39 Jahren in Göttingen gestorben, war noch im 19. Jahrhundert und weit darüber hinaus  berühmt. Mit 16 Jahren zeichnete er den ersten Stadtplan von Esslingen und mit 18 Jahren veröffentlichte er ein Buch zur Anwendung der analytischen Geometrie. 1745 entstanden ein ‚Mathematischer Atlas‘ und ein Buch zur Fortifikation (Befestigungslehre). Von 1746 bis bis 1751 war er wissenschaftlicher Mitarbeiter eines Landkartenverlages in Nürnberg. In dieser Zeit zeichnete er unter anderem auch eine Mondkarte mit einer bis dahin unbekannten Genauigkeit.  Für die genauen Berechnungen der Mondbewegung erfand er spezielle Instrumente. Mit deren Hilfe gelang es ihm, Mondtabellen zu erstellen, in denen er die wechselnden Positionen zu den Sternen verzeichnete.  Dies diente der Berechnung der geographischen Länge,  deren Kenntnis der Seefahrt eine bessere Orientierung ermöglichte. Grundlage waren seine Mondbeobachtungen, die er zwischen 1748 und 1750 als Kartograph angestellt hatte. 1751 erhielt Tobias Mayer einen Ruf als Professor an die Universität Göttingen.  Dort wurde er Leiter der Sternwarte und veröffentlichte trotz des Siebenjährigen Krieges weitere Arbeiten zur Astronomie, Geophysik, Mathematik, zum Erdmagnetfeld und zur Farbenlehre. Tobias Mayer starb 1762 mit gerade 39 Jahren an Typhus.

 
  • 1763 verlegt der Herzog die Residenz nach Ludwigsburg. Im September beruft Carl Eugen erstmals in seiner Regierungszeit einen Landtag ein; nachdem die Landschaft seine hohen Geldforderungen zur Vergrößerung des Heeres ablehnt, löst er den Landtag auf.

Der ständige Ausschuss der Landschaft verklagte 1764 den eigenen Herzog  wegen fortgesetzten Verfassungsbruchs beim Reichshofrat in Wien.

 
  • 1770 ergeht das Urteil vom Reichshofrat, der so genannte "Erbvergleich"; alle Klagepunkte der Landstände werden für rechtens erklärt. Herzog Carl Eugen musste sich verpflichten, den Landtag anzuerkennen. Seine Macht und vor allem sein Zugriff auf die finanziellen Ressourcen des Landes wurden erheblich eingeschränkt.

 
  • Seit dem Beginn der 1770er Jahre entspannte sich das Verhältnis zwischen Herzog und Landständen zunehmend. Herzog Carl Eugen verwandelte sich vom prassenden Repräsentationsfürsten zum aufgeklärt-absolutistischen Herrscher, dem es nun um Rentabilität, Effizienz der Verwaltung und Wohlfahrt des Landes ging.

  • Bei Carl Eugen verbanden sich Gedanken des Absolutismus und der Aufklärung mit dem Interesse an pädagogischen Projekten. Berühmt wurde sein 1771 als "Militärische Pflanzschule" gegründete Akademie, die 1781 von Kaiser Joseph II. unter dem Namen "Hohe Carlsschule" zur Universität erhoben wurde.

Das Bildungsprogramm, das Carl Eugen mit der "Hohen Carlsschule" und mit anderen kulturellen Einrichtungen schuf, trug wesentlich zur Modernisierung Württembergs bei. Durch die Verleihung von Stipendien wurde neuen gesellschaftlichen Schichten der Weg zu einer guten akademischen Bildung geebnet - gegen den Widerstand der Ehrbarkeit, die empört darauf reagierte, dass Handwerker und Bauern mittels eines Studiums soziale und ständische Schranken brechen konnten.

  • In dem Herzog erwachte geradezu der Erziehungswahn. Der von Carl Eugen eingekerkerte Dichter Daniel Friedrich Schubart witzelte: "Als Dionys von Syrakus / Aufhören muss / Tyrann zu sein, / Da ward er ein Schulmeisterlein."

  • Die militärische Strenge und die autokratische Fürsorge, die der Herzog den Studierenden angedeihen ließ, wurde von diesen vielfach als harter Eingriff in ihre persönliche Freiheit empfunden. Friedrich Schiller schwankte in seinem Verhältnis zu Herzog Carl Eugen zwischen Verehrung und dem ohnmächtigem Hass auf den tyrannischen Erzieher. Als junger Militärarzt entzog er sich 1782 mit seiner Flucht nach Mannheim der Bevormundung durch den Herzog.

  • Der Wandel Herzog Carl Eugens vom verschwenderischen Herrscher zum fürsorglichen Landesvater ist nicht zuletzt auf seine Mätresse und spätere Ehefrau Franziska von Hohenheim zurückzuführen. Durch ihre eigene Bescheidenheit wirkte sie mäßigend auf den Herzog.

  • Die Ehe Carl Eugens mit Elisabetha Friederike von Brandenburg-Bayreuth, einer Nichte von Friedrich dem Großen, die er 1748 geschlossen hatte, war nach acht Jahren gescheitert. Der katholische Herzog konnte sich jedoch nicht scheiden lassen.

 

Franziska von Hohenheim (*1748, † 1811), 1744 Reichsgräfin von Hohenheim, zweite Ehefrau von Carl Eugen (offizielle Heirat 1785)

Bildquelle: Schlösser-Magazin, Staatsanzeiger-Verlag Stuttgart. (www.schloesser-maganzin.de)

 

  • Franziska wurde am 10. Januar 1748 als Tochter des wenig begüterten Freiherrn Wilhelm Ludwig von Bererdin und seiner Frau Johanna auf dem elterlichen Rittergut Adelmannsfelden geboren. Im Alter von siebzehn Jahren auf Drängen ihrer Eltern mit dem vermögenden Freiherrn Friedrich Wilhelm Leutrum von Ertingen verheiratet, verbrachte sie unglückliche Ehejahre in Pforzheim, bis sie Herzog Carl Eugen vorgestellt und bald darauf seine Mätresse wurde. Der regierende Herzog betrieb Franziskas Scheidung (1772) sowie ihre Erhebung zur Reichsgräfin von Hohenheim (1774). Nach dem Tod seiner ersten Frau heiratete Carl Eugen Franziska 1785 zunächst heimlich, da die katholische Kirche ihre Einwilligung zu der Heirat mit einer geschiedenen Protestantin verweigerte. Obwohl die kinderlose Ehe nicht standesgemäß war und vom Papst erst 1791 anerkannt wurde, setzte Carl Eugen seine Frau in den Rang einer Herzogin. Nach Carl Eugens Tod (1793) bezog sie, von dessen Familie abgelehnt, Schloss Kirchheim/Teck als Witwensitz. Umgeben von einem fünfzigköpfigen Hofstaat führte sie in Kirchheim keinesfalls ein bescheidenes Leben. Neun Tage vor ihrem 63. Geburtstag starb Herzogin Franziska von Württemberg am 1. Januar 1811 in Kirchheim und wurde dort in der Gruft der Martinskirche beigesetzt.

Franziskas Schwäche für kostbaren Diamantenschmuck veranlasste den Dichter Christoph Martin Wieland zu einem Spottgedicht mit dem Titel "Buquet an die Gräfin von Hohenheim" (1783): "Veracht uns arme Blümchen nicht, / Glanzreicheste der irrenden Infanten, / Uns gab Natur an Reiz, was uns an Glanz gebricht, / Was Dir an Reizen fehlt, hast Du an Diamanten."  (Wieland Werke, Band 13, Dichtungen II, 1780 - 1812)

 
  •  Berühmt ist die  "Bußerklärung"  Herzog Carl Eugens vom Jahre 1778, in der er politische Verfehlungen eingestand und seine künftigen "landesväterlichen" Bemühungen zur Hebung der Wohlfahrt seines Landes verkündigte.

 
  • Die Ideen der Französischen Revolution fielen in Württemberg auf fruchtbaren Boden. Friedrich Hölderlin (1770-1843) und Friedrich Hegel (1770-1831) pflanzten in Stuttgart Freiheitsbäume. Der junge Friedrich Hegel forderte in einer Flugschrift auf, das Alte zu stürzen und etwas völlig Neues zu schaffen. Christian Friedrich Daniel Schubart (1739-1791), der so lange in Haft gesessen hatte, schilderte in seiner Chronik die Hoffnung auf die neue Freiheit.

  Christian Friedrich Daniel Schubart, (*1739, †1791), deutscher Dichter und Musiker

Die meisten Ständevertreter wollten im Grunde nur die Macht des Herzogs beschränken. Die überwiegende Mehrheit des württembergischen Bürgertums wünschte Reformen, jedoch in Anknüpfung an das Bestehende, an die ständische Ordnung. Für einen Umsturz waren die württembergischen Stände, die sich fast ausschließlich aus Bürgern als Vertreter der Städte zusammensetzten, nicht zu gewinnen. Sie kämpften letztlich nur um das 'alte Recht'.

 
  • 1792 verlor Württemberg seine linksrheinischen Besitzungen an Frankreich. Da der neu gewählte französischen Nationalkonvent dem Herzog eine großzügige Entschädigung in Aussicht stellte, wahrte Württemberg zunächst seine Neutralität, auch als das Reich den Krieg gegen Frankreich erklärte.

  • Auf Carl Eugen folgen seine Brüder Ludwig Eugen (1793 - 1795) und Friedrich Eugen (1795 - 1797). In ihre Regierungszeiten fällt der Erste Koalitionskrieg gegen Frankreich (1793 - 1797).
 
  • Am 20. April 1792 erklärte Frankreich dem Hause Habsburg den Krieg. Friedrich Wilhelm II. von Preußen  trat sofort auf die Seite Österreichs. Herzog Ludwig Eugen von Württemberg trat 1793 aus Abneigung gegen die Französische Revolution der Allianz gegen Frankreich bei.

 
  • Im Sonderfrieden von Basel am 5. April 1795 tritt Preußen von der Koalition zurück, um bei der bevorstehenden polnischen Teilung gegebenenfalls Truppen gegen Österreich und Russland zur Verfügung zu haben. In einer Geheimklausel willigt Preußen in die Abtretung des linksrheinischen Deutschlands an Frankreich ein und erhält dafür Entschädigung auf rechtsrheinischem Gebiet zugesichert. Württemberg stimmt diesen Friedensregelungen nicht zu und bleibt auf der Seite Österreichs. Es wird jetzt erneut zum Kriegsschauplatz.

 
  • Ludwig Eugen stirbt am 20. Mai 1795. Während seiner kurzen Regierungszeit wurde die Hohe Carlsschule geschlossen. Für Ludwig Eugen war sie eine landeseigene Brutstätte der neuen Ideen von Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit gewesen. Die Regierung wird nun von einem weiteren Bruder von Carl Eugen, dem 63-jährigen  Friedrich Eugen übernommen.

  Friedrich Eugen (*1732 †1797), Herzog von Württemberg 1795 bis 1797
 
  • Im Juli 1796 schlägt der französische General Moreau die württembergischen Truppen am Kniebis im Schwarzwald; die Österreicher wurden bei Herrenalb und bei Cannstatt besiegt. Der Herzog von Württemberg flieht nach Ansbach.

 

  • Die Bevölkerung im Südwesten Deutschlands litt weniger unter den Kämpfen selbst als unter dem Durchzug feindlicher wie verbündeter Truppen. So war die Französische Republik außerstande, die durch die Wehrpflicht aufgebotenen Massenheere aus eigener Kraft zu unterhalten. Die in Kriegen übliche Versorgung der Truppen mit Kleidung und Nahrungsmitteln aus Magazinbeständen wurde aufgegeben. Der Krieg musste den Krieg ernähren: Die Truppen lebten von dem Land, durch das sie kamen. Dies zog den Verlust jeglicher Disziplin nach sich. Ständig auf der Suche nach Geld, Nahrungsmitteln und Alkohol versetzten die französischen Soldaten die Einwohner der württembergischen Städte und Dörfer in Angst und Schrecken.

 

  • "Zu Cannstatt auf der Brucken, da war das Schießen groß, als aufeinanderstießen Österreicher und Franzos", schrieb der Theologe und Lyriker Karl Gerok (* 1815, † 1890) später von jenem Ereignis, das im Juli 1796 die Einwohner des gesamten Stuttgarter Raumes in Angst und Schrecken versetzte. Der französische Oberbefehlshaber General Moreau bezog mit seinem Stab vom 18. - 28. Juli Quartier in Stuttgart. Entlang des Neckars - genau: zwischen Nellingen und Marbach - standen sich Franzosen und Österreicher (kaiserliche Truppen) gegenüber. Am 21. Juli besetzten die Franzosen, rücksichtslos plündernd, die Neckarvorstadt von Cannstatt. Im Kampf um die Neckarbrücke, den die französischen Truppen gewannen, gab es auf beiden Seiten große Verluste.

 

Die französischen Soldaten trugen kaum Uniformen, viele steckten in Lumpen und besaßen nicht einmal Schuhe. Sie nannten sich selbst die "Sansculotten" ("Ohnehosen"). Kein Wunder, dass sie die Bevölkerung, wo sie nur konnten, ausplünderten.

 

  Mit 'Sansculotten' (von franz. ohne Kniebundhose) werden diejenigen Pariser Arbeiter und Kleinbürger bezeichnet, die im Gegensatz zu den von Adligen und dem Klerus getragenen Kniebundhosen (culottes) lange Hosen trugen.
 
 
  • 7. August 1796: Württemberg und der "Schwäbische Kreis" schließen einen Sonderfrieden mit Frankreich ab. Im Friedensvertrag wird die Abtretung von Mömpelgard und der elsässischen Gebiete an Frankreich festgelegt. Als Ausgleich sollte Württemberg  Gebiete rechts des Rheins erhalten. Herzog Friedrich Eugen wurde außerdem verpflichtet, eine hohe Kriegsentschädigung an Frankreich zu zahlen. Nach dem Abschluss des Friedensvertrags  mit Frankreich gewinnt Österreich vorübergehend militärisch die Oberhand. Bei Biberach werden die württembergischen Truppen von den Österreichern entwaffnet. Die französischen Truppen werden zum Rückzug auf das linke Rheinufer gezwungen.  Württemberg wird von den Österreichern besetzt.

 
  • In Paris hatten je ein Gesandter des Herzogs und der Landschaft unabhängig voneinander verhandelt. Der Einfluss der Landstände war seit dem Tode Carl Eugens so stark gestiegen, dass sie glaubten, eine eigenständige Außenpolitik treiben zu können.
 
  • Um die Kriegsentschädigung zahlen zu können, wollte der Herzog im Frühjahr 1797 von der Landschaft neue Steuern beschließen lassen. Damit war in Württemberg eine Situation entstanden, die im Kern, wenn auch nicht in dem Ausmaß, mit Frankreich am Vorabend der Revolution verglichen werden kann. Wie dort kam es zu Beschwerden und Reformwünschen, die in zahlreichen Flugschriften niedergelegt wurden. Von einer ständischen Opposition kann jedoch nicht gesprochen werden, die Befürworter einer Revolution blieben Außenseiter.

  Zum Bedauern der wenigen württembergischen Jakobiner (Demokraten) lehnten es die Franzosen bei ihrem Vormarsch durch Süddeutschland ab, die Ausrufung einer württembergischen Republik zu unterstützen.
 
  • 17. Oktober 1797: Frieden von Campo Formio: Österreich erklärt sich mit der Abtretung des linken Rheinufers einverstanden. Entschädigung der weltlichen Fürsten aus geistlichen Territorien und den Reichstädten rechts des Rheins.
  • Herzog Friedrich Eugen stirbt am 23.Dezember 1797. Sein ältester Sohn Friedrich Wilhelm Karl übernimmt nun als Herzog Friedrich II. von Württemberg die Regierung. 
 
  • Friedrich wurde in 1754 in Treptow (Pommern) geboren, wo sein Vater (Friedrich Eugen) als preußischer Offizier diente. Die Mutter seines Vaters, Marie Auguste, war nach dem Tode ihres Mannes Herzog Carl Alexander (1737) nach Preußen übergesiedelt. Erzogen wurde Friedrich am Hofe des preußischen Königs Friedrichs II., des Großen. Dort lernte er die Prinzipien des aufgeklärten Absolutismus kennen. 1782 trat er in russische Dienste ein, fiel jedoch 1786 bei der Zarin Katharina II. in Ungnade. Seine Vorurteile gegenüber Herzog Carl Eugens Frau Franziska von Hohenheim verschlossen ihm bis 1790 die Rückkehr nach Württemberg. Schon bald hatten sich seine Eigenschaften gezeigt: Herrscherwillen, hohe staatsmännische Fähigkeiten, Durchsetzungsvermögen, Rücksichtslosigkeit, Menschenverachtung, Gewalttätigkeit, Zynismus. Im Aufbegehren des Volkes gegen die Herrschaft und Staatsgewalt erkannte er sein Leben lang nichts anderes als Gesetzlosigkeit, Chaos und Zerstörung.

 
  • Herzog Friedrich II. von Württemberg erkennt, dass sein Land in Gefahr ist, im Streit der großen Mächte zerrieben zu werden. Gegen den Willen der Landstände gibt er das Neutralitätsbündnis mit Frankreich auf und schließt sich Österreich an. Anders als sein Vater Friedrich Eugen wollte er Kaiser und Reich treu bleiben und an der durch die Heirat von Kaiser Franz II. mit Elisabeth von Württemberg geschaffenen Verbindung festhalten. Zum Zeitpunkt des Anschlusses an Österreich war Süddeutschland durch die kaiserliche Armee besetzt.

 
  • Bald zeigte sich die militärische Überlegenheit Frankreichs. Im Mai des Jahres 1800 überrennen die Franzosen den Südwesten Deutschlands und verdrängen die kaiserliche Armee. Österreich musste Württemberg den Franzosen übergeben. Die Landstände etablierten sich als Nebenregierung und verhandelten eigenständig mit Frankreich. Dies brachte den Herzog in erhebliche Schwierigkeiten.

 
  •  Im Frieden von Lunéville nahm Herzog Friedrich II. Verhandlungen mit Frankreich über einen Sonderfrieden auf. Es zeigte sich bald, dass Napoleon in seiner Funktion als Erster Konsul Verhandlungen mit der etablierten Macht, dem Herzog, vorzog. Die Landstände waren für ihn schwer kalkulierbar.  Im Mai 1802 wurde in Paris ein Vertrag geschlossen, in dem Württemberg  eine reichliche Entschädigung für die verlorenen linksrheinischen Gebiete in Aussicht gestellt wurde. Frankreich ging es darum, starke süddeutsche Territorien zu schaffen, die als Gegengewicht gegen Österreich dienen sollten.

Im Dezember 1802 erhält Friedrich II. neun Reichsstädte (Esslingen, Reutlingen, Rottweil, Weil der Stadt, Heilbronn, Hall, Gmünd, Aalen, Giengen), sowie die Fürstpropstei Ellwangen, die Stifte und Klöster Zwiefalten, Heiligkreuztal, Rottenmünster, Margrethausen, Comburg und Schönthal. Der Streit mit den Landständen bewegte den Herzog dazu, die neuen Erwerbungen als einen eigenen, von den Landständen unabhängigen, absolut regierten Staat (Neu-Württemberg) mit dem Sitz in Ellwangen zu führen. Alt-Württemberg behielt zunächst die ständische Verfassung.

 
  • 25. März Februar 1803: Reichsdeputationshauptschluss
 
  • Die "Reichsdeputation", ein vom Regensburger Reichstag einberufener Ausschuss, legt einen Plan für die Entschädigung der weltlichen Fürsten vor. Er wird vom Reichstag angenommen und von Kaiser Franz II. bestätigt. Württemberg gehörte bei dieser Vereinbarung zweifellos zu den Gewinnern. Herzog Friedrich II. erhielt die Kurfürstenwürde.
  • Die im Jahr 1802 vorgenommene Übernahme von Reichsstädten und Abteien durch Württemberg erhält noch einmal eine Bestätigung; Ulm und Ravensburg wurden bayerisch; Biberach kam an Baden, Wimpfen an Hessen-Darmstadt.
 
  • Mit der Unterzeichnung des Reichsdeputationshauptschlusses wurde die Auflösung fast aller Klöster, Stifte und geistlicher Herrschaften besiegelt.
  Die Säkularisation leitete eine nachhaltige Veränderung der politischen Landkarte ein. Anstelle der Vielzahl von Klein- und Kleinstherrschaften entstanden wenige größere Staaten: Baden, Württemberg und Hohenzollern. Das Haus Württemberg konnte die Fläche seiner Besitzungen verdoppeln.
  • Zusätzlich kamen etwa 125.000 Einwohner in das neue Kurfürstentum, in der Mehrzahl Katholiken. Die alte Einheit des konfessionell einheitlichen Territoriums war zerbrochen. Im Religionsedikt von 1803 wurden die Angehörigen aller drei christlichen Glaubensbekenntnisse gleichgestellt. Das Kirchengut wurde 1806 mit dem Staatsvermögen vereinigt. Durch diese Maßnahme ging der Grundstock des württembergischen Kirchenguts, nämlich 52.000 ha Grundbesitz, in Staatsbesitz über.
 
  • 1805: Dritter Koalitionskrieg gegen Frankreich
 
  • Im Sommer 1805 schließen sich England, Russland und Österreich zu einer neuen Koalition gegen Frankreich zusammen. Mitte September marschieren die Österreicher, Ende September die Franzosen in Württemberg ein. Kurfürst Friedrich sieht sich gezwungen, seine Neutralitätsstrategie aufzugeben und lässt sich auf Verhandlungen mit Frankreich ein.
  • 5. Oktober 1805: Friedrich II. von Württemberg schließt sich nach den Verhandlungen mit Napoleon im Ludwigsburger Schloss den Franzosen an. Napoleon gibt ihm volle Souveränität über sein Land; er muss 10.000 Soldaten an Frankreich abstellen.
  Kurz zuvor hatten Bayern (24. August) und Baden (5. September) Kriegsbündnisse mit Frankreich abgeschlossen. Stuttgart und ein großer Teil Württembergs war durch französische Truppen besetzt. Friedrichs Versuch, Neutralität zu wahren, war an der Haltung der anderen Höfe gescheitert.
  • Nach der Schlacht von Austerlitz am 2. Dezember 1805 erhält Württemberg im Brünner Vertrag vom 12. Dezember 1895 große Teile aus dem bisherigen Vorderösterreich (unter anderem Ehingen, Munderkingen, Riedlingen, Mengen, Saulgau, die Grafschaften Hohenberg). Württemberg bekommt außerdem die Güter der geistlichen Ritterorden und der Reichsritter, soweit sie von württembergischem Territorium umschlossen waren.

  • 16. Dezember 1805: Württemberg wird Königreich. Friedrich II. erhält zu seiner uneingeschränkten Souveränität von dem Kaiser der Franzosen den Königstitel. Am 30.12. wird die ständische Verfassung aufgehoben. Volksversammlungen jeglicher Art werden verboten.  Alt-Württemberg wird zusammen mit den Neuerwerbungen von 1802 und 1805 ein einheitlich regiertes absolutes Staatswesen.

 
  • Gründung des Rheinbundes im Juli 1806
 
  • Bund von 16 Mittel- und Kleinstaaten ( darunter Bayern, Württemberg und Baden ) unter Napoleons Protektorat; endgültige Auflösung des Römischen Reichs Deutscher Nation.

  • Durch die 'Rheinbundakte' erhalten die Staaten das Recht, die reichsunmittelbaren Fürsten und Grafen innerhalb ihres Territoriums zu mediatisieren (ihrer Souveränität zu unterwerfen). Mit dem Rheinbund wird die Auflösung des Heiligen Römischen Reiches deutscher Nation eingeleitet. Im August 1806 legte der Kaiser seine Krone nieder.


Literaturhinweise


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Handbuch Baden-Württemberg. Politik, Wirtschaft, Kultur von der Urgeschichte bis zur Gegenwart. Kohlhammer-Verlag 1982

Borst, Otto

Geschichte und Gestalt eines Landes. Stadler-Verlag 1978

Dieterich, Susanne

Württembergische Landesgeschichte für neugierige Leute. Band 2: Vom Dreißigjährigen Krieg bis 1952. DRW-Verlag 2003.

Grube, Walter

Der Stuttgarter Landtag 1457 - 1957. Stuttgart 1957

Hölzle, Erwin

Württemberg im Zeitalter Napoleons. Stuttgart 1937

Kommission für geschichtliche Landeskunde in Baden-Württemberg

Handbuch der Baden-Württembergischen Geschichte, Band 2: Die Territorien im Alten Reich (1000 - 1805). 1995

Kommission für geschichtliche Landeskunde in Baden-Württemberg

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Landkreis Esslingen

Auf Spurensuche. Geschichten von Kleindenkmalen im Landkreis Esslingen. Esslingen 2012

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Rinker, Reiner / Setzler, Wilfried (Hrsg.)

Die Geschichte Baden-Württembergs. Theiss-Verlag. 2. Auflage 1987

Wagner, Karl-Heinz

Herzog Karl Eugen von Württemberg. Modernisierer zwischen Absolutismus und Aufklärung. Stuttgart 2001.

Waßner, Manfred

Kleine Geschichte Baden-Württembergs. Theiss-Verlag 2002

Weber, Reinhold / Wehling, Hans-Georg

Geschichte Baden-Württembergs. Beck Wissen. 2007

Weller, Karl / Weller, Arnold

Württembergische Geschichte im südwestdeutschen Raum. Theiss-Verlag. 10. Auflage 1989.

Württembergisches Landesmuseum Stuttgart

Baden und Württemberg im Zeitalter Napoleons. Stuttgart 1987. Katalog zur Ausstellung.

 
 
 
 
 
 

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