Kalter Krieg 1962 - 1991

 

 

 

 

 

Home
Warum Geschichte?
Kontakte
Inhalt

 

Die Welt des späten Mittelalters (1250 - 1400)

Das Ende der Luxemburger und der Aufstieg der Habsburger Kaiserdynastie (1400 - 1517)

Die Reformation von Luthers Anschlag der 95 Thesen bis zum Wormser Reichstag (1517 - 1521)

Der Dreißigjährige Krieg (1618 - 1648)

Vom Westfälischen Frieden (1648) bis zum Regierungsantritt Friedrichs des Großen (1740)

Der Aufstieg Preußens zur europäischen Großmacht (1740 - 1763)

Die Französische Revolution bis zum Ende der Diktatur Robespierres (1789 - 1794)

Deutschland in der Zeit der Französischen Revolution und der Herrschaft Napoleons (1789 - 1815)

 Restauration und Revolution (1815 - 1830)

Monarchie und Bürgertum (1830 - 1847)

Die Revolution von 1848/49

Von der gescheiterten Revolution 1848 bis zur Gründung des Deutschen Reiches 1871

Die Innen- und Außenpolitik Bismarcks (1871 - 1890)

Das Deutsche Kaiserreich von 1890 bis zum Ausbruch der Ersten Weltkriegs 1914

Die Industrielle Revolution in England und Deutschland (1780 - 1914)

Europäischer Kolonialismus und Imperialismus (1520 - 1914)

Der Erste Weltkrieg (1914 - 1918)

Der Weg zur Weimarer Republik 1918 - 1919

Der Kampf um die Staatsgewalt in der Weimarer Republik (1919 - 1933)

Die Machtübernahme der NSDAP und die Errichtung der Diktatur Hitlers (1933 - 1939)

Der Zweite Weltkrieg (1939 - 1945)

Der Weg in die Teilung Deutschlands (1945 - 1949)

Der Kalte Krieg: Vom Kriegsende 1945  bis zum Bau der Berliner Mauer 1961

Die Ära Adenauer (1949 - 1963)

Die Kanzlerschaft Ludwig Erhards 1963 - 1966

Kalter Krieg Teil 2: Von der Kubakrise 1962 bis zur Auflösung der Sowjetunion 1991

Die Zeit der Großen Koalition 1966 - 1969

Die Ära Brandt (1969 - 1974)

Die Kanzlerschaft Helmut Schmidts (1974 - 1982)

Die Kanzlerschaft Helmut Kohls von 1982 bis 1987

Die Kanzlerschaft Helmut Kohls von 1987 - 1989

Der Weg zur Wiedervereinigung Deutschlands (Teil I: Die DDR von den siebziger Jahren bis zum Fall der Mauer im Jahr 1989)

Vom Fall der Berliner Mauer bis zur deutschen Einheit (1989 - 1990)

 

 

 
Unser VereinVeranstaltungenDeutsche GeschichteGeschichte WürttembergsOrtsgeschichte KöngenDie RömerPublikationenKöngener Geschichten

Zurück zum Inhaltsverzeichnis Deutsche Geschichte      weiter zur nächsten Seite      zurück zur vorangehenden Seite


Entspannung bei weiterer Aufrüstung 1963 - 1969     Vietnam-Krieg     Die Ära der Verhandlungen 1969 - 1979     Neue Konfrontation 1979 - 1985     Die letzte Phase des Kalten Kriegs 1985 - 1991     Literaturhinweise

Den ersten Teil des Kalten Krieges (Vom Kriegsende 1945 bis zum Bau der Berliner Mauer 1961) haben wir auf einer eigenen Seite beschrieben. Klicken Sie hier!


Die Kubakrise 1962


  • Vorgeschichte
  • Am Ende eines Bürgerkriegs auf Kuba richteten die siegreichen Revolutionäre unter Fidel Castro eine sozialistische Regierung ein. Von den umfassenden Verstaatlichungen waren auch US-amerikanische Kapitalanleger betroffen. Die USA antworteten mit einer harten Embargo- und Sanktionspolitik.

 

Fidel Alejandro Castro Ruz (*1926), von 1959 bis 2008 Regierungschef auf Kuba (von 1976 bis 2008 Staatspräsident)

Foto von 1963. Quelle: AFP / Getty Images (Ausschnitt)

  • Im April 1961 scheiterte der vom amerikanischen Geheimdienst CIA vorbereitete Landungsversuch bewaffneter Exilkubaner an der Südküste Kubas (der Schweinebucht). US-Präsident John F. Kennedy hatte sich geweigert, diese Operation offiziell zu unterstützen.

  • Die Stationierung von sowjetischen Mittelstreckenraketen auf Kuba

  • Mit dem sozialistischen System Fidel Castros gewann die Sowjetunion einen Alliierten in unmittelbarer Nachbarschaft der USA. Ab 1961 ließ der Kreml Mittelstreckenraketen auf Kuba installieren, mit denen die meisten Großstädte Nordamerikas angegriffen werden konnten.

  • Die mit 152 Raketensprengköpfen erhebliche nukleare Streitmacht auf Kuba wurde durch weitere Atombomben für die dort ebenfalls stationierten sowjetischen Bomber sowie modernste U-Boote ergänzt. Beteiligt waren rund 42.000 sowjetische Soldaten.

  • Die Installation der sowjetischen Raketen in der Nähe des amerikanischen Kontinents bedeutete für die USA im Falle eines sowjetischen Angriffs eine dramatische Reduzierung der Vorwarnzeiten und damit der Möglichkeit eines atomaren Gegenangriffs. Diese 'Zweitschlagfähigkeit' der Vereinigten Staaten, auf der das strategische Atompatt beruhte, war nahezu ausgeschaltet.

  • Die wichtigsten Gründe für das Vorgehen Nikita Chruschtschows, des Generalsekretärs der KPdSU waren wohl die krasse Unterlegenheit der Sowjetunion bei den Interkontinentalraketen und die Erwartung einer neuen Invasion auf Kuba. Außerdem konnten die Raketenbasen als Drohpotential für andere sowjetische Forderungen, etwa in der Bundesrepublik und in Westberlin, gelten. Auch die Gelegenheit, durch die Unterstützung Kubas in der Dritten Welt Prestige zu gewinnen, spielte eine Rolle.

  Nikita Chruschtschow (*1894, †1971), 1953 - 1964 Erster Sekretär des Zentralkomitees der KPdSU, 1958 - 1964 Staats- und Parteichef in der Sowjetunion

  • Im September 1962 wurden die sowjetischen Waffenarsenale auf Kuba durch amerikanische Spionageflugzeuge entdeckt. Für die USA war es nur noch ein kleiner Schritt, der Bedrohung durch den Einsatz von Atomwaffen zu begegnen. Der Ausbruch eines auf beiden Seiten mit atomaren Waffen geführten Dritten Weltkriegs schien bevorzustehen.

Am 22. Oktober forderte Kennedy Chruschtschow ultimativ auf, die Stellungen abzubauen und die Raketen in die Sowjetunion zurückzutransportieren. Zwei Tage später folgte die US-Seeblockade für sowjetische Schiffe, die Kuba anliefen. Die sowjetischen Schiffe drehten vor dem Sperrgürtel durch US-amerikanische Kriegsschiffe ab.

  • Am 27. und 28. Oktober 1962 erreichte die Krise ihren Höhepunkt. Nach einem geheimen Briefwechsel zwischen Chruschtschow und Kennedy kam es schließlich zu einer Absprache, bei der beide Supermächte das Gesicht wahren konnten.

Die Sowjetunion zog ihre Raketen aus Kuba ab. Dies gelang Kennedy nur mit dem Geheimabkommen des Abzugs US-amerikanischer Raketen aus der Türkei,  welche die Sowjetunion bedrohten. Die USA mussten offen zusagen, das sie nicht versuchen würden, das kommunistische System auf Kuba gewaltsam abzuschaffen.

  • Die Kubakrise war eine Abfolge von Fehleinschätzungen auf beiden Seiten. So war die Annahme Chruschtschows, die USA würden einen Angriff auf Kuba planen, nicht richtig. Der sowjetische Regierungschef hatte zudem angenommen, die US-Regierung würde die Stationierung der Raketen auf Kuba akzeptieren. Andererseits nahmen die Amerikaner bis zum 20. Oktober an, dass die sowjetischen Raketen noch nicht einsatzbereit wären. Erst nach diesem Datum lehnte John F. Kennedy einen Angriff auf Kuba als zu risikoreich ab, die Seeblockade begann.


Kubakrise    Vietnam-Krieg     Die Ära der Verhandlungen 1969 - 1979     Neue Konfrontation 1979 - 1985     Die letzte Phase des Kalten Kriegs 1985 - 1991     Literaturhinweise


Entspannung bei weiterer Aufrüstung (1963 - 1969)


  • Nach der friedlichen Lösung der Kuba-Krise ergaben sich sowohl für die USA als auch für die Sowjetunion außenpolitische Neuorientierungen, die in eine Entspannungspolitik einmündeten.

  • Beide Supermächte sahen die Notwendigkeit einer verbesserten Kommunikation ein, durch welche die Entstehung ähnlicher Konfliktsituationen wie vor und während der Kubakrise von vornherein vermieden werden sollte. Der erste Schritt war am 20. Juni 1963 in Washington und Moskau die Einrichtung eines 'Roten Telefons', über das die Regierungschefs in Krisenzeiten direkt und umgehend miteinander verhandeln konnten.

  • Ebenfalls als Lehre aus der Kubakrise verabredeten Kennedy und Chruschtschow gemeinsame Schritte zur Rüstungskontrolle und eine Einschränkung der Atomwaffenversuche.

Ein erster Erfolg in dem Versuch, die gefährliche Spirale des atomaren Wettrüstens zu beenden, zeigte sich in dem 'Atomteststopp-Abkommen', das am 5. August 1963 zwischen den USA, der Sowjetunion und Großbritannien geschlossen wurde. Das Abkommen erlaubte nur noch unterirdische Versuche mit Atomwaffen und hatte vor allem das Ziel, das Anzahl der Atommächte nicht zu vergrößern. Dabei hatten die beteiligten Mächte vor allem die Volksrepublik China im Auge. Im Oktober 1964 zündeten die Chinesen dennoch ihre erste Atombombe.

  • Der Begriff 'Entspannung' wurde von den Supermächten unterschiedlich interpretiert. In der Vorstellung der Sowjetunion sollte die Entspannung der Sicherung ihres Imperiums und der Anerkennung als gleichberechtigter Weltmacht neben den USA dienen. Im Verständnis der USA war die Entspannung ein dynamischer Prozess, der die Überwindung des Ost-West-Konflikts zum Ziel hatte.

  • Auch während der ersten Entspannungsphase rüsteten sowohl die USA als auch die Sowjetunion weiter auf. Erst als die Sowjetunion Ende der sechziger Jahre im Bereich der Interkontinentalraketen einen nuklearen Gleichstand mit den USA erzielt hatte, kamen beide Seiten zu der militärstrategischen Einsicht, dass das 'Gleichgewicht des Schreckens' eine weitere Anhäufung von Waffen sinnlos mache.

  • Die Strategie der USA

  • Am 10. Juni 1963 erklärte US-Präsident John F. Kennedy, seine Regierung wolle die Verbesserung der Ost-West-Beziehungen. Einen Konfliktausgleich, so sagte er in dieser so genannten 'Friedensrede', dürfe nicht als 'unmöglich' angesehen werden.

  • Der US-Präsident verurteilte in seiner Rede den Kommunismus als "abstoßend" und bezeichnete das Bestreben der Sowjetunion, anderen Staaten ihr System aufzuzwingen als "Hauptgrund für die Spannungen in unserer heutigen Welt". Allerdings bescheinigte er der Regierung in Moskau auch "Abscheu vor dem Krieg" zu haben.

  • Mit der 'Friedensrede' wollte John F. Kennedy die bisherige Form der Auseinandersetzung zwischen Ost und West beenden und in eine Phase der Entspannung überleiten. Die Konflikte würden dadurch nicht aufgehoben, jedoch "zivilisiert" ausgetragen werden. Gefragt sei nicht eine "Strategie der Vernichtung", sondern eine "Strategie des Friedens". Aus Sicht der USA beginnt eine Epoche mit Erfolgen und Rückschlägen.

  • Trotz seiner Bemühungen um Entspannung war John F. Kennedy ein entschlossener Befürworter der Eindämmungsstrategie seiner Vorgänger. Dem Vordringen kommunistischer Befreiungsbewegungen wollte er mit einer Art geheimer Anti-Guerilla-Taktik begegnen. Um auch unterhalb der Schwelle eines atomaren Krieges auf einen Angriff vorbereitet zu sein, leitete er den massiven Ausbau der konventionellen Waffen ein.

  • Am 22. November 1963 wurde John F. Kennedy ermordet. Das Streben nach Ausgleich mit der anderen Supermacht entsprach völlig den Vorstellungen Lyndon B. Johnsons, der Kennedy als Präsident folgte. Ein Abkommen mit der Sowjetunion zur Beendigung des Wettrüstens sollte die Rivalität der Supermächte entschärfen und international für Ruhe sorgen. Damit verband Johnson die Hoffnung, dass dann national verstärkt Mittel für sozialpolitische Aufgaben zur Verfügung stünden. Dieser Zukunftsentwurf war allerdings von Anfang an Makulatur.

  Lyndon B. Johnson legt am 22. November 1963 den Eid ab, zwei Stunden nachdem sein Vorgänger John F. Kennedy ermordet wurde.
 Rechts neben Johnson an Bord der Air Force One steht die Witwe Kennedys.


 

  • Gemeinsam mit den anderen Mitgliedstaaten der NATO ersetzen die USA im Mai 1967 die Doktrin der 'massiven Vergeltung' durch die Doktrin der 'flexible Response', die von einer stufenweise Eskalation ausgeht.

Für die Bundesrepublik bedeutete dies, dass sie im Falle einer militärischen Auseinandersetzung nicht automatisch nukleares Schlachtfeld wurde.

  • Die Strategie der Sowjetunion
 
  • Die ideologische Konflikt mit China, zu dem der Grenzkonflikt an dem Fluss Ussuri hinzukam, nahm aus der Sicht der Sowjetunion bedrohliche Formen an. Daraus ergab sich ein Motiv, die Beziehungen zum Westen zu normalisieren.

 
  • Chruschtschow hatte aus der von ihm selbst hervorgerufenen Kubakrise die Schlussfolgerung gezogen, dass sein Staat nur bei Wahrung des Status quo friedlich mit den USA existieren konnte. Außerdem wollte er wegen des Misslingens vieler seiner innenpolitischen Reformen wenigstens außenpolitisch Erfolge aufweisen.

Am 14. Oktober 1964 wird Chruschtschow durch das Zentralkomitee der KPdSU vom Amt des Staats- und Parteichefs enthoben. Hintergrund dieser Aktion war der sich verschärfende Konflikt mit China und der wirtschaftliche Misserfolg.

 
  • Die neue Führung mit Leonid Breschnew als Generalsekretär der KPdSU und Alexej Kossygin als Ministerpräsident hielt am Entspannungskurs Chruschtschows fest. Von der Konzentration auf die Innen- und Wirtschaftspolitik versprach sie sich den "Sieg des Sozialismus über den Kapitalismus".

  Leonid Iljitsch Breschnew (*1906, † 1982), 1964 - 1982 Parteichef der KPdSU (damit auch Staats- und Parteichef der Sowjetunion).

Bild: dpa
 
  • Im Februar 1966 signalisierte die Sowjetunion ihr Einverständnis, einen Vertrag über die Nichtverbreitung von Atomwaffen abzuschließen.

  • Die Resultate der Entspannungspolitik der Supermächte
 
  • Auf der NATO-Tagung in Reykjavik (Island) am 24./25. Mai 1968 bekunden die Außenminister der NATO-Mitgliedstaaten ihre Bereitschaft, gemeinsam mit anderen Staaten (gemeint sind die Staates des Warschauer Paktes) "konkrete und praktische Schritte im Bereich der Rüstungskontrolle zu erkunden" und über beiderseitig Truppenverminderungen zu verhandeln.

 
  • Am 1. Juli 1968 wurde der von den USA, der Sowjetunion und Großbritannien initiierte Vertrag über die Nichtweiterverbreitung von Kernwaffen unterzeichnet. Mit diesem Vertrag sollte die Spirale des Wettrüstens vertraglich begrenzt werden.

Die Politik der Entspannung wurde durch eine Reihe von Verträgen über Rüstungskontrolle sowie wirtschaftlichen und kulturellen Austausch umgesetzt. Dabei wurde der politische Status quo von beiden Seiten anerkannt. Machtpolitische und ideologische Gegensätze blieben jedoch bestehen.

  • Die Politik der Bundesrepublik
 
  • In den fünfziger Jahren war die Regierung der Bundesrepublik noch davon ausgegangen, dass an Entspannung zwischen Ost und West erst nach einer Lösung der deutschen Frage gedacht werden könne. Nach der von den Supermächten eingeleiteten Entspannungsphase wurde dieses Dogma hinfällig. Die Bundesregierung war zum Umdenken gezwungen!

Die USA drängten auf eine Beteiligung der Bundesrepublik an der Entspannung zwischen Ost und West. Die Bundesregierung war zu einem Balanceakt gezwungen: Auf der einen Seite wollte sie gegenüber den USA Entgegenkommen zeigen, auf der anderen Seite wollte sie auf ihrer Position in der Deutschlandfrage bestehen.

 
  • Wie auch andere europäische Regierungen, so hatte auch die deutsche Bundesregierung die Befürchtung, die USA könnten durch ihre verstärkte konventionelle Rüstung ihren atomaren Schutzschild von Europa zurückziehen.

Der Besuch von US-Präsident John F. Kennedy in Berlin im Juni 1963 verstärkte erneut das Vertrauen in die USA.

 
  • Die Absage des US-Präsidenten an die bisherigen Denkmuster des Kalten Krieges veranlasste Berlins Regierenden Bürgermeister Willy Brandt (SPD) und dessen Vertrauten Egon Bahr dazu, eine neue Ostpolitik zu konzipieren. Am 15. Juli 1963 hielt Egon Bahr an der Evangelischen Akademie Tutzing einen Vortrag mit dem Leitbegriff 'Wandel durch Annäherung'.

Bei dem 'Wandel durch Annäherung', so Egon Bahr, komme es nicht darauf an, die kommunistische Herrschaft zu beseitigen, sondern sie zu verändern. Anzustreben sei eine "Transformation der anderen Seite". An die Stelle des "Gleichgewicht des Schreckens" sollte der "illusionslose Versuch zur friedlichen Lösung von Problemen" treten.

 
  • Nach der Bildung der Großen Koalition Ende 1966 beteiligte sich die Bundesrepublik verstärkt an der Entspannungspolitik. Die bisherige Forderung der Bundesregierung, dass Fortschritte in der Entspannungspolitik von Fortschritten in der "Deutschen Frage" abhängig gemacht werden müssten, wurde aufgegeben. Sowohl Bundeskanzler Kurt Georg Kiesinger (CDU) als auch Außenminister Willy Brandt (SPD) vertraten die Ansicht, dass ein "Zusammenwachsen der getrennten Teile Deutschland" nur durch einen "Prozess der "Überwindung des Ost-West-Konflikts" möglich sei. Mit der Verkündung dieser Leitlinie hörte die Bundesrepublik auf, ein Bremsklotz im internationalen Entspannungstrend zu sein.

  Kurt Georg Kiesinger (*1904, †1988).  Aufnahme im Jahr 1968.
1958 - 1966 Ministerpräsident von Baden-Württemberg, 1966 - 1969 Bundeskanzler

Mit besonderer Genehmigung des Bildautors Josef Albert Slominski (slomifoto). Link: www.slomifoto.de


Kubakrise    Entspannung bei weiterer Aufrüstung 1963 - 1969     Die Ära der Verhandlungen 1969 - 1979     Neue Konfrontation 1979 - 1985     Die letzte Phase des Kalten Kriegs 1985 - 1991     Literaturhinweise


Der Vietnam-Krieg


  • In den sechziger Jahren entwickelte sich nach der Kuba-Krise in Südostasien ein weiterer militärischer Brennpunkt des Kalten Krieges. Für die USA wurde Vietnam zu einem zentralen Austragungsort des weltweiten Kampfes gegen den Kommunismus.

  • Vorgeschichte

  • Nach der Ausrufung der Unabhängigkeit der 'Demokratischen Republik Vietnam' durch Ho Chi Minh am 2. September 1945 versuchte Frankreich, seine alte Kolonialherrschaft wieder zu errichten. Im November 1946 kam es deshalb zum offenen Krieg, der erst im Mai 1954 mit der Niederlage Frankreichs beim Kampf um die Festung Dien Bien Phu endete.

  Ho Chi Minh (* 1890, † 1969), von 1945 bis 1955 Premierminister und von 1955 bis 1969 Präsident der Demokratischen Republik Vietnam.

TIME

  • Nach der französischen Niederlage wurde auf der Genfer Indochina-Konferenz im Juli 1954 unter dem Einfluss des Kalten Krieges die Teilung Vietnams beschlossen.

Der Norden wurde unter die Herrschaft Ho Chi Minhs gestellt, während das Gebiet südlich des 17. Breitengrads zum französischen Einflussgebiet erklärt wurde. Die Wiedervereinigung Vietnams sollte durch allgemeine freie Wahlen bis 1956 zustande kommen. Als sich abzeichnete, dass sich bei solchen Wahlen Ho Chi Minh in ganz Vietnam durchsetzen würde, hatten weder die südvietnamesische Regierung unter Ngo Dinh Diem noch die USA Interesse, diese tatsächlich durchzuführen. Daraufhin schlossen sich die Widerstandsgruppen in Südvietnam zur 'Nationalen Befreiungsfront' (FNL) zusammen. Mit der Unterstützung Nordvietnams traten sie zum Krieg gegen die Regierung in Südvietnam an.

  • Die Politik der USA
 
  • Die USA wollten die weitere Ausdehnung des kommunistischen Einflussbereichs in Südostasien verhindern. Aufgrund ihrer Initiative wurde schon 1954 die 'Südostasiatische Verteidigungsgemeinschaft (SEATO)' gegründet.

Die Vietminh (= Regierungstruppen aus Nordvietnam) wurden zunächst von den USA als antikoloniale Befreiungsarmee wahrgenommen. Nach und nach glaubten sie in ihnen eine von der Sowjetunion und China gesteuerte antiwestliche Guerilla-Bewegung zu erkennen. Für John F. Kennedy war es vor allem China, das eine gezielte Destabilisierung des südostasiatischen Raums betrieb.

 
  • US-Präsident John F. Kennedy sah in Südvietnam den 'Dominostein' für ganz Südostasien: Falls es kommunistisch würde, fielen seines Erachtens auch weitere Länder der Region in den Machtbereich der Sowjetunion oder Chinas. Aus diesem Grund bot er Südvietnam massive Wirtschafts- und Militärhilfe an. Bis zum November 1963 wurden 20.000 'Militärberater' nach Indochina gesandt. Sie sollten verhindern, dass sich von Vietnam aus kommunistische Regime über ganz Südostasien ausbreiteten. 

 
  • Nach der Ermordung Kennedys im November 1963 bekannte sich auch sein Nachfolger, Lyndon B. Johnson, ausdrücklich zum bereits eingeschlagenen Weg des Rollback in Südostasien.

  • Der Krieg
 
  • Da Nordvietnam als kommunistisch galt und sowohl von der Sowjetunion als auch von China mit Waffen beliefert wurde, griffen die USA immer massiver auf der Seite Südvietnams in die Kämpfe ein. Der Vietnam-Krieg uferte immer mehr zu einer direkten Konfrontation zwischen Ost und West aus.

 
  • Im Jahr 1965 landen erste US-Kampftruppen in Südvietnam. Unter US-Präsident Johnson bestand die US-Armee aus mehr als 500.000 Soldaten, die unmittelbar nur gegen den Vietcong (= südvietnamesische Kommunisten) und Vietminh (= nordvietnamesische Truppen), indirekt aber auch gegen die Sowjetunion und China kämpften. Die USA kämpften nicht nur in Südvietnam, sondern bombardierten auch den Norden des Landes, um Nachschub und Moral des Gegners zu zerstören.

Die 1963 eingeleitete Entspannungspolitik war unter diesen Umständen nicht mehr tragfähig. Es kam zu einem "weltpolitischen Umweg" (Richard Löwenthal), der erst 1969 zu Ende gehen sollte.

 
  • Nach der unerwartet heftigen kommunistischen Tet-Offensive Ende Januar 1968 kam US-Präsident Lyndon B. Johnson zu der Einsicht, dass der Krieg nicht zu gewinnen war. Am 31. März 1968 stellten die USA die Bombardierung Nordvietnams ein. Damit wurde die wichtigste Bedingung des Nordens für die Aufnahme von Verhandlungen zur Beendigung des Krieges erfüllt, die daraufhin am 13. Mai 1968 in Paris begannen. Zugleich erklärte Präsident Johnson seinen Verzicht auf eine erneute Kandidatur für die Präsidentschaft. Der Weg für eine Fortsetzung der Entspannung zwischen Ost und West war wieder freigelegt. Bis zur Unterzeichnung eines Waffenstillstandsabkommens zwischen den USA und Nordvietnam und zum endgültigen Abzug aller US-Truppen aus Vietnam sollte es noch bis 1973 dauern.


Kubakrise    Entspannung bei weiterer Aufrüstung 1963 - 1969     Vietnam-Krieg     Neue Konfrontation 1979 - 1985     Die letzte Phase des Kalten Kriegs 1985 - 1991     Literaturhinweise


Die 'Ära der Verhandlungen' (1969 - 1979)


  • Auslöser für den Beginn einer echten Entspannungspolitik der beiden Blöcke waren mehrere Faktoren: 1. das atomare Patt, 2. der Rückschlag der USA in Vietnam, 3. die Bereitschaft der Sowjetunion zur wirtschaftlichen Zusammenarbeit mit den westlichen Industrienationen, 4. Konflikte innerhalb des Warschauer Pakts, 5. Konflikte der Sowjetunion mit China, 6. Verständigung Chinas mit den USA, 7. Beteiligung der Bundesrepublik Deutschland an der Entspannungspolitik.

  • Zu den größten Konfliktbereichen zwischen Ost und West gehörte Ende der sechziger Jahre der Rüstungswettlauf bei den strategischen Waffen. Im Dezember 1967 hatte die NATO die Doppelstrategie einer sich gegenseitig ergänzenden Sicherheits- und Entspannungspolitik beschlossen. Auf der Grundlage dieser Strategie wurde im Juni 1968 ein beiderseitiger, ausgewogener Truppenabbau vorgeschlagen.

  • Risse im Warschauer Pakt

  • Innerhalb des Warschauer Pakts kam es zunehmend zu Interessengegensätzen. Dies kam vor allem zum Ausdruck, als in der Tschechoslowakei Anfang 1968 die Reformbewegung des 'Prager Frühlings' einsetzte. Unter dem Druck einer schlechten Wirtschaftslage forderten Mitglieder der Kommunistischen Partei unter der Führung von Alexander Dubcek Maßnahmen zur Demokratisierung der Tschechoslowakei. Die Reformen sollten im Rahmen einer 'Weiterentwicklung des Sozialismus' erfolgen.

 

  Alexander Dubček, (*1921, †1992), von 1963 bis 1968 Sekretär des ZK der slowakischen KP, 1968 Erster Sekretär des ZK der KPČ.

  • Die Regierung der Sowjetunion lehnte die geforderten Reformen ab. In der Nacht vom 20. zum 21. August 1968 ließ sie Truppen des Warschauer Pakts in die Tschechoslowakei einmarschieren. Die Reformpolitiker wurden abgesetzt, antisowjetische Demonstration blutig niedergeschlagen.

Die westliche Öffentlichkeit kritisierte die Sowjetunion wegen ihres Vorgehens. Die Auswirkungen auf die 'große Politik' waren jedoch gering. Für die USA war entscheidend, dass die Sowjetunion in ihrem eigenen Machtbereich gehandelt hatte. Wichtiger als das Schicksal der Tschechen und Slowaken war für Johnson der Wunsch nach einem amerikanisch-sowjetischen Gipfeltreffen, um Rüstungsbegrenzungen zu vereinbaren.

  • Die Interessen der USA
 
  • Die enormen Kosten, die der Vietnamkrieg mit sich brachte, hatte auch Auswirkungen auf die Innenpolitik der USA: Programme, die für die Armutsbekämpfung und die soziale Absicherung vorgesehen waren, konnten nicht durchgeführt werden. Große Teile der Bevölkerung sehnten sich nach einer baldigen Beendigung dieses Krieges.

 
  • Im November 1968 wurde Richard Nixon zum US-Präsidenten gewählt. Zusammen mit seinem nationalen Sicherheitsberater und späteren Außenminister Henry A. Kissinger strebte er eine Neuorientierung der amerikanischen Außenpolitik an. Beide Politiker erkannten, dass angesichts des militärischen Patts ein Ausgleich mit der Sowjetunion auch im Interesse der USA lag. Eine 'Ära der Verhandlungen' sollte eingeleitet werden.

  Henry Kissinger, von 1969 bis 1973 Nationaler Sicherheitsberater der USA, von 1973 bis 1977 US-Außenminister

Bild: Internetquelle

Die Umsetzung der außenpolitischen Neuorientierung erfolgte im Wesentlichen durch Henry A. Kissinger. Der erste Schritt in die neue Richtung war die Aufnahme eines persönlichen Kontakts zu Anatoli Dobrynin, dem sowjetischen Botschafter in der USA. Da dieser in direkter Verbindung zu seiner Regierung stand, wurde ein ständiger Informations- und Meinungsaustausch zwischen den Entscheidungsträgern der beiden Supermächte ermöglicht. Fehlwahrnehmungen sollten vermieden, Konflikte eingedämmt werden.

  • Die Interessen der Sowjetunion
 
  • Die Sowjetunion war daran interessiert, mit der Bundesrepublik Deutschland zu einem politischen Ausgleich zu kommen. Erst dann war ihr vorrangiges Projekt, die Einberufung einer europäischen Sicherheitskonferenz, gewährleistet. Darüber hinaus versprach sich der Kreml einen Ausbau der Wirtschaftsbeziehungen und der technischen Zusammenarbeit mit den westlichen Ländern. Dessen bedurfte sie dringend, um die mangelnde Produktivität und den allgemeinen Modernisierungsrückstand ihrer Volkswirtschaft auszugleichen.

 
  • Das Zerwürfnis mit China zwingt die Sowjetunion dazu, ihr Verhältnis zu den westlichen Ländern zu ändern. Die Koordination des Kalten Krieges wird verändert.

  • Die Beteiligung der Bundesrepublik an der Entspannungspolitik
 
  • Im Oktober 1969 nahm die sozial-liberale Regierung Brandt / Scheel ihre Arbeit auf. Eine neue Ära der Ostpolitik wurde eingeläutet. Im Mai 1970 erreichte Egon Bahr in seiner Funktion als Bevollmächtigter des Bundeskanzlers mit dem sowjetischen Außenminister Andrej Gromyko eine Übereinkunft, bei der es im Kern um den beiderseitigen Gewaltverzicht und die Unverletzlichkeit der Grenzen aller Staaten Europas ging. Im Wesentlichen ist dies auch der Inhalt des 'Moskauer Vertrages' vom 12. August 1970.
 
Willy Brandt (* 1913, † 1992). Aufnahme vom Jahr 1969

1957-1966 Regierender Bürgermeister in Berlin, 1964-1987 Parteivorsitzender der SPD, 1966-1969 Bundesminister des Auswärtigen, 1969-1974 Bundeskanzler

Bild: Mit besonderer Genehmigung des Bildautors Josef Albert Slominski (slomifoto). Link: www.slomifoto.de

 
  • Für die US-Regierung war die Ostpolitik der Bundesregierung entschieden zu eigenständig. Präsident Nixon hielt sie für eine "gefährliche Angelegenheit" und eine Ausgeburt sozialistischen Denkens. Auch Henry Kissinger sprach von einem neuen "deutschen Problem" (Problem mit den Deutschen).

 
  • In Polen rief die deutsch-sowjetische Übereinkunft Unmut hervor, da sie auch eine Aussage zur Oder-Neiße-Linie als polnischer Westgrenze enthielt. Aus polnischer Sicht war dies ein Verstoß gegen die eigene Souveränität.

 
  • Die Westbindung der Bundesrepublik blieb unbestritten. Fortschritte in der Entspannungspolitik der beiden Supermächte sollten mit der Wahrung deutscher Interessen verbunden werden. Egon Bahr, der Leiter des deutschen Planungsstabs, beschrieb die Ausgangslage der Verhandlungen mit der Sowjetunion wie folgt: "Das Hauptziel der sowjetischen Europapolitik ist die Legalisierung des Status quo. Das Hauptziel unserer Politik ist die Überwindung des Status quo. Es handelt sich um einen echten Gegensatz der Interessen."

  • Verhandlungen über die Begrenzung der strategischen Waffen

  • Die Verhandlungen zur Begrenzung der strategischen Waffen in Ost und West begannen am 17. November 1969 in Helsinki. Die weiteren Sitzungen fanden abwechselnd in Wien und Helsinki statt. Mit den SALT-Verträgen, die den Gesprächen (SALT = Strategic Arms Limitation Talks) folgten, erreichte die Vertragspolitik der Supermächte ihren Höhepunkt. Diese Verträge wurden zwischen den USA und der Sowjetunion geschlossen.

  • Ein Durchbruch bei den Verhandlungen über die Begrenzung von Raketenabwehrsystemen (Anti-Ballistic-Missiles = ABM) gelang im Mai 1971. Am 28. Mai 1972 unterzeichneten US-Präsident Richard Nixon und der sowjetische Generalsekretär Leonid Breschnew in Moskau den 'ABM-Vertrag' und ein Interimsabkommen hinsichtlich der weiteren nuklearen Abrüstung. Bei diesen 'SALT I - Verträgen' wurden nur die Langstreckenraketen limitiert, nicht jedoch die Mittelstreckenraketen.

  • Die USA und die Sowjetunion einigten sich darüber hinaus auf eine politische Grundsatzerklärung über Verhaltensregeln im bilateralen Verhältnis. Sämtliche 'Meinungsverschiedenheiten' sollten 'mit friedlichen Mitteln' beigelegt werden.

Die von beiden Seiten geplante Entspannung wurde immer wieder starken Belastungen ausgesetzt. Als im Jahr 1973 der Nahost-Konflikt wieder ausbrach, konnten sich die beiden Supermächte nicht auf eine gemeinsame Krisenbewältigung einigen. Gegenseitige Nadelstiche blieben nicht aus. Dazu gehörten auf Seiten der USA Waffenlieferungen an den Iran (1972) und der Sturz Salvador Allendes in Chile (1973). Dem stand das sowjetische Engagement im Irak, in Angola und in Äthiopien gegenüber (1975 - 1976).

Nebenbei bemerkt: Im Jahr 1972 traten in Reykjavik (Island) mit dem Russen Boris Spasski und dem Amerikaner Bobby Fischer die besten Schach-Strategen zum Weltmeisterschaftsduell  an – der Einzelgänger aus dem Land des Kapitalismus siegte. In Zeiten des Kalten Krieges war es auch ein Stellvertreterduell zweier verfeindeter Systeme. Der Weltmeistertitel war seit 1948 immer an Spieler aus der Sowjetunion gegangen, wo damals vier Millionen registrierte Schachspieler lebten, während es in den USA nur 35.000 gab. Das Duell machte das Schachspiel weltweit populär – und das eigenwillige, exzentrische und egoistische Schachgenie Fischer zum Superstar.

  • Am 1. August 1975 wurde die Konferenz für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (KSZE) nach zweijährigen Verhandlungen durch die Unterzeichnung der Schlussakte von Helsinki von 35 Staats- und Regierungschefs aus Europa, den USA und Kanada beendet. Beide deutsche Staaten waren bei der Konferenz gleichberechtigt vertreten.

  • In Form einer Absichtserklärung hatten sich die Staaten auf gemeinsame politische Richtlinien und Grundsätze für die Erhaltung des internationalen Friedens geeinigt. Die europäischen Grenzen wurden als unverletzlich bestätigt.

Die KSZE-Schlussakte erwies sich durch die Garantie der Menschenrechte, die auch die kommunistischen Staatschefs unterschrieben, langfristig als Sprengsatz für deren Regimes. Die Bürgerrechtler in den Staaten des Warschauer Pakts beriefen sich von nun an auf den 'Korb III' der KSZE, in dem Grundfreiheiten wie freie Meinungsäußerung und Freizügigkeit von Menschen und Ideen verbrieft waren.

  • Die KSZE institutionalisierte ein Forum der Ost-West-Kommunikation, konnte jedoch einen erneuten Tiefpunkt in den Beziehungen zwischen Ost und West am Ende der siebziger Jahre nicht verhindern.

  • Seit Mitte der siebziger Jahre wurde der Entspannungsprozess in den USA zunehmend negativ bewertet. Das Selbstwertgefühl der Amerikaner litt an dem militärischen Rückzug aus Vietnam und an der Anerkennung der Sowjetunion als gleichberechtigter Weltmacht. Im Wahlkampf um die Präsidentschaft im Jahr 1976 rücken die Republikaner vom Leitbegriff 'Entspannung' ab und fordern 'Frieden durch Stärke'. Im März 1976 wollte der gewählte Präsident Gerald Ford diesen Begriff aus seinem Vokabular gestrichen sehen.

  • Am 11. Juni 1976 beschlossen die Verteidigungsminister der NATO in Brüssel, der quantitativen konventionellen Überlegenheit des Warschauer Paktes eine Erhöhung der eigenen Schlagkraft entgegenzusetzen. Die Verstärkung der nuklearen Waffen rückte wieder in den Mittelpunkt verteidigungsstrategischer Überlegungen.

Die Sowjetunion hatte 1976 damit begonnen, in Europa neue und höherwertigere atomare Mittelstreckenraketen (SS-20) zu stationieren. Nach Ansicht der Westmächte war der Warschauer Pakt dadurch im Begriff, ein Rüstungsübergewicht in Europa zu erlangen. Die Jahre der Entspannung waren zugleich Jahre verstärkten sowjetischen Engagements in den dekolonisierten Staaten Afrikas. Man begann im Westen, die Sowjetunion wieder als Bedrohung zu sehen.

  • Im Januar 1977 trat Jimmy Carter sein Amt als Präsident der USA an. Er und seine westlichen Verbündeten erwogen nun Gegenmaßnahmen gegen das (angenommene) militärische Übergewicht der Sowjetunion. Die Bewilligung von Finanzmitteln für die Entwicklung der Neutronenbombe (einer Kernwaffe, deren Strahlung alles Leben vernichtet , ohne großen Sachschaden und lang anhaltende radioaktiver Verseuchung anzurichten) wurde beantragt.

  James Earl "Jimmy" Carter (* 1924), Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika 1977 - 1981

  • In einer Rede vor dem Londoner Institut für Strategische Studien am 28. Oktober 1977 wies der Kanzler der Bundesrepublik Deutschland, Helmut Schmidt, darauf hin, dass sich durch das sowjetisch-amerikanische Abkommen über die Begrenzung der Langstreckenwaffen (SALT I vom 26. Mai 1972) "die strategischen Nuklearpotenziale der USA und der Sowjetunion", also die Langstreckenwaffen, gegenseitig neutralisieren. Angesichts der Stationierung der sowjetischen Mittelstreckenraketen bedeute dies für Europa "Disparitäten militärischer Kräfte sowohl auf konventionellem als auch auf taktisch-nuklearem Gebiet". Das Ungleichgewicht bei den atomaren Kurz- und Mittelstreckenwaffen mache, so meinte Schmidt, eine westliche Nachrüstung für den Fall notwendig, dass die Sowjetunion an ihren Raketenplänen für Europa festhalte.

  • Die Bundesregierung stimmte am 4. April 1978 nach langem Zögern dem von den USA vorgeschlagenen Projekt einer Ausstattung der NATO mit Neutronenwaffen zu. US-Präsident Carter entschied jedoch am 7.April 1978, die Serienproduktion der Neutronenbombe nicht freizugeben.

  • Auf der Konferenz der Staats- und Regierungschefs der USA, Frankreichs, Großbritanniens und der Bundesrepublik am 5. und 6. Januar 1979 auf der Antilleninsel Guadeloupe gewinnen die europäischen Partner US-Präsident Carter für ihr Konzept, durch das Angebot von Verhandlungen und durch die Androhung der Stationierung von US-amerikanischen Mittelstreckenwaffen in Westeuropa die Sowjetunion zum Stopp der Stationierung ihrer Mittelstreckenwaffen zu veranlassen.

  • Am 18. Juni 1979 unterzeichneten US-Präsident Jimmy Carter und der sowjetische Staats- und Parteichef Leonid Breschnew in Wien den zweiten Vertrag über die Begrenzung der strategischen Rüstung (SALT II - Vertrag). Beide Seiten verpflichteten sich, die Anzahl der nuklearen Trägersysteme zu begrenzen. Die in Europa stationierten Kurz- und Mittelstreckenraketen waren allerdings nicht einbezogen.

  • Am 12. Dezember 1979 fassen die Außen- und Verteidigungsminister den so genannten 'NATO-Doppelbeschluss'. Dieser Beschluss wurde unter maßgeblicher Mitwirkung von Bundeskanzler Helmut Schmidt formuliert. Ab 1983 sollte eine nukleare "Nachrüstung" (Modernisierung) der US-amerikanischen bodengestützten Raketensysteme in Europa erfolgen. Unabhängig vom Ort ihrer Stationierung sollten die Waffen unter Kontrolle der USA bleiben.

Zugleich bot die NATO der Sowjetunion Verhandlungen über die beiderseitige Begrenzung derjenigen eurostrategischen Waffen an, die nicht in den SALT I- und SALT II-Vertrag einbezogen waren. Wenn diese Verhandlungen bis 1983 erfolgreich verlaufen sollten, sollte sich die  NATO-"Nachrüstung" (der erste Teil des Beschlusses) erübrigen. Über die atomaren amerikanischen und sowjetischen Mittelstreckenraketen sollte Schritt für Schritt bilateral zwischen den USA und der Sowjetunion verhandelt werden.

 
Helmut Schmidt (* 1918 ), Bundesverteidigungsminister 1969 - 1972, Bundeswirtschafts- und Finanzminister 1972, Bundesfinanzminister 1972 - 1974, Bundeskanzler 1974 - 1982

Aufnahme im Jahre 1974.

Bild: Mit besonderer Genehmigung des Bildautors Josef Albert Slominski (slomifoto). Link: www.slomifoto.de


Kubakrise    Entspannung bei weiterer Aufrüstung 1963 - 1969     Vietnam-Krieg     Die Ära der Verhandlungen 1969 - 1979     Die letzte Phase des Kalten Kriegs 1985 - 1991     Literaturhinweise


Neue Konfrontation (1979 - 1985)


  • Der sowjetische Einmarsch in Afghanistan im Dezember 1979 markiert das Ende der Entspannungspolitik der 1970er Jahre und den Beginn einer neuen offensiven Phase des Kalten Krieges. US-Präsident Jimmy Carter reagierte auf das Vorgehen der Sowjetunion mit Erhöhung der Rüstungsausgaben und Waffenlieferungen an die afghanischen Widerstandskämpfer (Mujaheddin).

  • Die Sowjetunion begründete ihren Einmarsch mit einem von außen geförderten islamischen Widerstand gegen das 1978 etablierte prosowjetische Regime in Afghanistan, der sich negativ für die angrenzenden Sowjetrepubliken auswirken könne. Insbesondere wurden die USA beschuldigt, Infiltrationsversuche zu unternehmen.

  • Die heftigen Konfrontationen, die der sowjetischen Invasion folgten, schlossen sich an eine vor allem in Europa als Entspannung wahrgenommene Zeit an. Im Empfinden vieler Europäer hatte sich der Kalte Krieg in den siebziger Jahren nur weit weg, in Südostasien, Afrika und Südamerika abgespielt. Auch in der neuen Phase, in der aus 'normalen' Auseinandersetzungen zwischen den Supermächten eine neue 'harte' Konfrontation entstand, liefen - weltweit gesehen - Konflikte parallel mit Verständigungsbemühungen.

Die Empörung, die das Vorgehen der Sowjetunion in den westlichen Ländern hervorrief, verdeckte die Tatsache, dass sich das Klima zwischen den Supermächten schon zuvor erheblich verschlechtert hatte.

  • Der Versuch des US-Präsidenten Jimmy Carter, das zweite Abrüstungsabkommen über strategische Waffen (SALT 2) im Kongress im Dezember 1979 ratifizieren zu lassen, misslang. Von 'Entspannung' wurde nun nicht mehr geredet.

  • Unter Führung der USA reagierten die westlichen Länder mit einem Boykott der Olympischen Spiele 1980 in Moskau. - Vier Jahre später revanchierte sich die Sowjetunion mit dem Boykott der Spiele in Los Angeles.

  • Die islamische Revolution in Iran im 1979 richtete sich auch gegen die USA. Im November 1979 wird die US-Botschaft in Teheran besetzt. Eine neue Front im Kalten Krieg entsteht.

  • Die Strategie der USA

  • Ronald Reagan, der Nachfolger Jimmy Carters im Präsidentenamt der USA, machte die Formel 'Frieden durch Stärke' zu seinem Markenzeichen. Die Ausgaben für die Verteidigung wurden erneut erhöht. Eine neue Generation von Interkontinentalraketen, die 'Peacekeeper', heizten den Rüstungswettlauf erneut an. Die geheime Unterstützung der Mujaheddin in Afghanistan nahm schlagartig zu.

 

Ronald Reagan (* 1911, † 2004), Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika 1981 - 1989

Worldpress

Ende der siebziger Jahre waren sowohl die USA als auch die Sowjetunion fest davon überzeugt, sie befänden sich militärisch im Rückstand. Mitglieder der sowjetischen Regierung glaubten sogar an einen Überraschungsangriff des Westens gegen die Staaten des Warschauer Pakts.

  • Seit den fünfziger Jahren wurde in den USA das Szenario einer unmittelbar bevorstehenden Revolution der 'Captive People' (der 'Gefangenen') hinter dem 'Eisernen Vorhang' diskutiert. Schließlich hatte es immer wieder Aufstände gegeben. Von verdeckten Operationen sowie von diplomatischen und wirtschaftlichen Zwangsmaßnahmen versprach man sich eine Lockerung des sowjetischen Drucks in Ostmitteleuropa. Ein Anlass, diese Maßnahmen zu verstärken, war die Verhängung des Kriegsrechts in Polen im Dezember 1981.

  • Im Sommer 1980 hatten Arbeiterunruhen auf den Werften von Danzig und Gdingen die unabhängige Gewerkschaftsbewegung 'Solidarität' (Solidarnosc) hervorgebracht. Aus ihr heraus wurde im September 1980 der gleichnamige unabhängige Gewerkschaftsverband gegründet. In seinen Zielen bekannte sich dieser Verband zu den Prinzipien westlicher Demokratie, aber auch zum Nationalstaat und zur sozialistischen Gesellschaftsform. Diese Entwicklung bedeutete eine Bedrohung der etablierten kommunistischen Parteiherrschaft in allen Teilen des Ostblocks.  Die Sowjetunion beschloss deshalb im Dezember 1981 eine Verhängung des Kriegsrechts in Polen und das Verbot der Gewerkschaft.

Zum Vorsitzenden der Gewerkschaft wurde Lech Walesa ernannt. Mit dem Verbot der Gewerkschaft im Dezember 1981 wurde Walesa inhaftiert. 1983 erhielt er den Friedensnobelpreis. 1990 wählte ihn die polnische Bevölkerung zum Staatspräsidenten. Dieses höchste Staatsamt bekleidete er bis 1995.

  • Die US-amerikanische Regierung sah vor allem die starke Religiosität der polnischen Bevölkerung als Angriffspunkt für die Stabilisierung des Ostblocks. Unter anderem fanden Geheimgespräche zwischen Reagan und dem aus Polen stammenden Papst Johannes Paul II. statt.

Nebenbei bemerkt: Am 30. März 1981 wurde auf den amerikanischen Präsidenten Ronald Reagan ein Attentat verübt. Die USA waren auf dem Höhepunkt des Kalten Krieges vorübergehend führungslos und verwundbar. Die Code-Karte, mit der US-Präsident sein Nuklearwaffen-Arsenal aktivieren konnte, war nach dem Attentat für mehrere Tage im Labyrinth der FBI-Zentrale  verschollen. Die Kugel auf den Präsidenten war kurz vor dem Herzen stecken geblieben und rief innere Blutungen hervor. Ronald Reagan kam nur knapp mit dem Leben davon.  Der Attentäter John Hinckley wurde 1982 wegen geistiger Unzurechnungsfähigkeit für nicht schuldig erklärt.

  • Die Rolle der Bundesrepublik

  • Die Bundesrepublik, die wegen ihrer geographischen Lage ein starkes Interesse an Abrüstungsverhandlungen hatte, versuchte angesichts der voraussichtlichen Durchführung des NATO-Doppelbeschlusses zur Nachrüstung mit atomaren Mittelstreckenraketen zwischen den USA und der Sowjetunion durch eine verstärkte diplomatische Aktivität zu vermitteln.

Bei seinen Besuchen in Washington im März 1981 und in Moskau (April 1981) sondierte Außenminister Genscher die Erfolgsaussichten von Verhandlungen über nukleare Mittelstreckenraketen. Breschnew erklärte sich zu Verhandlungen bereit. Das von ihm zunächst als Voraussetzung jeglicher Verhandlungen geforderte Moratorium (Einstellung der Vorbereitung auf die Stationierung der Mittelstreckenraketen, Begrenzung der Stückzahl auf beiden Seiten) schwächte er ab.

 
 

Hans-Dietrich Genscher (* 1927, † 2016), deutscher Außenminister von 1974 bis 1992

Bildquelle: www.genscher.de

  • Während seines Besuchs in der Bundesrepublik vom 22. - 25. November 1981 bietet Breschnew als "Geste des guten Willens" an, einen Teil der nuklearen Mittelstreckenwaffen im europäischen Teil der Sowjetunion abzubauen.

  • Am 30. November 1981 beginnen in Genf die Verhandlungen über die 'Intermediate Nuclear Forces (INF)'. Die NATO schlägt eine "Null-Lösung" im Sinne des Doppelbeschlusses vor: Verzicht auf die Nachrüstung, wenn die Sowjetunion ihre Mittelstreckenraketen abgebaut hat. Zuvor hatte Reagan dieses Ziel am 18. November 1981 in ein Vier-Punkte-Programm eingebunden, in dem er der Sowjetunion über die INF-Verhandlungen hinaus Gespräche über den Abbau der konventionellen Streitkräfte und der strategischen Waffen anbot.

Die INF-Verhandlungen brachten bis Ende 1983 keine Einigung. Daraufhin begann die NATO mit der Aufstellung der nuklearen Waffensysteme in mehreren westeuropäischen Ländern. Nach dem Stationierungsbeschluss des Deutschen Bundestags im November 1982, wurden die Verhandlungen von der Sowjetunion demonstrativ abgebrochen. Erst 1985 wurden die Gespräche wieder aufgenommen.

  • Am 23. März 1983 kündigte US-Präsident Ronald Reagan die Entwicklung eines weltraumgestützten Raketenabwehrsystems (Strategic Defense Initiative - SDI) an, das in der Lage sein sollte, feindliche Raketen bereits in ihrer Startphase zu zerstören.

  • Dieses Projekt brachte die Sowjetunion unter erheblichen Zugzwang. Wäre es verwirklicht worden, hätte es ihre eigene Strategie, die bei einem atomaren Angriff einen Gegenangriff zu starten, militärisch nutzlos gemacht. Der Aufbau eines ähnlichen Projekts war der Sowjetunion wegen ihrer wirtschaftlichen Notlage nicht möglich.

  • Das von Ronald Reagan initiierte Weltraum-Raketenabwehrsystem sorgte weltweit für Besorgnis, da es zusammen mit der seit 1983 durch die NATO vorgenommenen Stationierung neuer Mittelstreckenraketen in Westeuropa die militärische Konfrontation der Blöcke unvermeidbar erschienen ließ.

In der westlichen Welt wurde die Haltung der USA nicht ohne Proteste hingenommen. Schon 1982 kam es in New York zu einer Demonstration, auf der mehr als 800000 Menschen die Einstellung des atomaren Wettrüstens forderten. In der Wahrnehmung der westlichen Friedensbewegung erhöhte die SDI-Ankündigung die Gefahr eines Krieges. In der Bundesrepublik wurde die 1980 gegründete Partei 'Die Grünen' zum wichtigsten Sammelbecken der Rüstungskritiker.

  • Am 22. November 1983 stimmt der Bundestag der Bundesrepublik mit seiner neuen christdemokratisch-liberalen Mehrheit unter Bundeskanzler Kohl der Nachrüstung Europas mit Mittelstreckenraketen zu.


Kubakrise    Entspannung bei weiterer Aufrüstung 1963 - 1969     Vietnam-Krieg     Die Ära der Verhandlungen 1969 - 1979     Neue Konfrontation 1979 - 1985     Literaturhinweise


Die letzte Phase des Kalten Krieges (1985 - 1991)


  • Seit Ende der siebziger Jahre kann man von einer Führungskrise in der Sowjetunion sprechen. Der Staats- und Parteichef Breschnew war nach einem Schlaganfall 1976 politisch kaum mehr handlungsfähig. Er starb am 10. November 1982. Zwei Jahre nach seinem Tod starb auch sein Nachfolger Andropow, 1985 auch dessen Nachfolger Tschernenko. Am 11. März 1985 wählte das sowjetische Politbüro Michail Gorbatschow zum Chef der KPdSU. Von ihm wurde erwartet, einen Ausweg aus den wirtschaftlichen Schwierigkeiten des Landes zu finden.

 

Michail Gorbatschow, * 2.3.1931, von März 1985 bis August 1991 Generalsekretär des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei der Sowjetunion, von 1990 bis Dezember 1991 Präsident der Sowjetunion.

picture-alliance/dpa

  • 1985 leitete Michail Gorbatschow ein Reformprogramm ein, das aus Perestroika (Wende in Wirtschaft und Verwaltung und Glasnost (Offenheit und Transparenz nach innen und außen) bestand. Inhaltlich war es der Versuch den kommunistischen Staat von innen heraus für die Herausforderungen des Systemkonflikts zu reformieren, ohne ihn aufs Spiel zu setzen. Einen Tag nach seinem Amtsantritt wurden am 12. März 1985 nicht nur die Rüstungskontrollgespräche wieder aufgenommen, sondern auch die lange umstrittene Frage der Mittelstreckenraketen in die so genannten 'START-Verhandlungen'.

Anlass für das Reformprogramm war unter anderem das durch die hohen Rüstungsausgaben entstandene riesige Haushaltsdefizit. Die Kosten für die militärische Aufrüstung waren kaum weniger hoch als in den wirtschaftlich stärkeren USA.

  • Auf dem 27. Parteitag der KPdSU am 25. Januar 1986 kündigt Gorbatschow die Einführung der Rede- und Pressefreiheit an. Er brach auch mit der Breschnew-Doktrin, die den sozialistischen Staaten nur eine beschränkte Souveränität zugebilligt hatte. Jedes sozialistische Land, so erklärte er, habe die Freiheit, den 'eigenen Weg' zu gehen.

Die sozialistischen Länder im Osten reagierten unterschiedlich auf den sowjetischen Kurswechsel. Während Polen und Ungarn ihm voll zustimmten, wurde er von Rumänien, Albanien und der DDR abgelehnt. Bulgarien und die Tschechoslowakei reagierten mit eigenen Reformvorschlägen.

  • In der Innenpolitik zeigte Gorbatschow die Möglichkeiten einer demokratischen Zivilgesellschaft mit Freiheit und Selbstbestimmung zwar auf, wollte sie aber nicht bis zur letzten Konsequenz verwirklichen. Dies erwies sich als Sprengstoff beim Zerfall der Sowjetunion.

In seiner Innenpolitik hatte Gorbatschow sowohl gegen Gegner von 'Perestroika' und 'Glasnost' als auch gegen jene zu kämpfen, denen seine Reformen nicht weit genug gingen. So verlangten die Reformkommunisten um Boris Jelzin die unumschränkte Einführung des Mehrparteiensystems und einer Marktwirtschaft nach westlichem Vorbild.

  • Am 15. Januar 1986 schlägt Gorbatschow vor, bis zum Jahr 2000 sämtliche Atomwaffen zu verschrotten.

  • In den westlichen Regierungen gewann Gorbatschow an Glaubwürdigkeit. Unter dem Druck der amerikanischen Öffentlichkeit reagierte auch US-Präsident Ronald Reagan entgegenkommend. Während in der Dritten Welt der Kalte Krieg unverändert weiterging und in Nicaragua die antikommunistischen Contras mit Unterstützung der USA die von der Sowjetunion protegierte sandinistische Regierung zu beseitigen suchten, sagte er einem von Gorbatschow vorgeschlagenen Gipfeltreffen in Island zu.

Dieses Gipfeltreffen fand am 11. und 12. Oktober 1986 in Reykjavik statt. Beide Seiten einigten sich grundsätzlich auf die Beseitigung aller Mittelstreckenraketen in Europa und die Reduzierung aller strategischen Waffen um fünfzig Prozent.

  • Im Gefolge der "Revolution von Reykjavik", wie Henry Kissinger die Konferenz später nannte, kam auch allmählich Bewegung in andere, seit Jahren festgefahrene Konflikte der Kalten Krieges. Dazu gehörten der endgültige Abzug der sowjetischen Truppen aus Afghanistan sowie der Rückzug kubanischer Truppen und sowjetischer Berater aus Angola, mit dem ein jahrzehntelanger Stellvertreterkrieg in der Dritten Welt beendet wurde.

Der außenpolitische Rückzug der Sowjetunion sollte nicht zuletzt das hohe Haushaltsdefizit reduzieren. Innenpolitisch wurde der Rückzug mit der Notwendigkeit der Sicherung und Weiterentwicklung des Sozialismus begründet.

  • Am 8. Dezember 1987 unterzeichnen Reagan und Gorbatschow in Washington einen Vertrag über die vollständige Beseitigung von Mittelstreckenwaffen.

  • Der mit dem Fall der Mauer am 9. November 1989 eingeleitete Zusammenbruch der DDR und ihr Beitritt zur Bundesrepublik steht für die Endphase des Kalten Krieges. Die deutsche Teilung mit einer militärisch gesicherten Grenze quer durch Deutschland war ein Symbol für die Auseinandersetzung der beiden Machtblöcke gewesen.

  • Vertrauen und Kooperationsbereitschaft zwischen den einstmals erbitterten Gegnern des Kalten Krieges nahm ständig zu. Dies demonstrierte das sowjetische Verhalten während der Golf-Krise. Als irakische Truppen im August 1990 auf Befehl ihres Staatschefs Saddam Hussein das Golf-Emirat Kuwait besetzten, traten die USA und die Sowjetunion gemeinsam in Aktion, um den Irak durch mehrere UNO-Beschlüsse zum Rückzug aufzufordern.

  • Am 8. Dezember 1991 setzten Russland, die Ukraine und Weißrussland den Unionsvertrag der Sowjetrepubliken außer Kraft und gründeten eine 'Gemeinschaft Unabhängiger Staaten' (GUS)'. Am 26. Dezember 1991 hörte die Sowjetunion auf zu bestehen. Der Kalte Krieg war zu Ende.


Literaturangaben


bpb: Bundeszentrale für politische Bildung

Kalter Krieg von 1945 bis 1989, Publikation Nr. 268/2013

Dülffer, Jost

Europa im Ost-West-Konflikt. 1945 - 1990. (= Oldenbourg Grundriss der Geschichte, Band 18). München 2004.

Hanrieder, Wolfram F.

Deutschland, Europa, Amerika. Die Außenpolitik der Bundesrepublik Deutschland 1949 - 1989. 2. Auflage. Paderborn 1995.

Hobsbawm, Eric

Das Zeitalter der Extreme. Weltgeschichte des 20. Jahrhunderts. 4. Auflage, München 2000.

Kaiser, Karl / Schwarz, Hans-Peter (Hrsg.)

Weltpolitik. Strukturen, Akteure, Perspektiven. Stuttgart 1985.

Küsters, Hanns Jürgen

Der Integrationsfriede. Viermächte-Verhandlungen über die Friedensregelung mit Deutschland 1945 - 1990. München 2000.

Kissinger, Henry A.

Die Vernunft der Nationen. Über das Wesen der Außenpolitik. Berlin 1994.

Link, Werner

Der Ost-West-Konflikt. Die Organisation der internationalen Beziehungen im 20. Jahrhundert. 2. Auflage Stuttgart 1988.

Schmidt, Gustav (Hrsg.)

Ost-West-Beziehungen. Konfrontation und Détente 1945 - 1989. 3 Bände. Bochum 1993/95.

Schöllgen, Gregor

Geschichte der Weltpolitik von Hitler bis Gorbatschow 1941 - 1991. München 1996.

Stöver, Bernd

Der Kalte Krieg 1947 - 1991. Geschichte eines radikalen Zeitalters. (bpb: Bundeszentrale für politische Bildung Schriftenreihe, Band 613). München 2007.

SPIEGEL SPECIAL Geschichte, Nr. 3 / 2008

Der Kalte Krieg. Wie die Welt das Wettrüsten überlebte.


Hat Dir die Seite weitergeholfen ? Wir freuen uns über jeden Eintrag in unser Gästebuch!


Kubakrise    Entspannung bei weiterer Aufrüstung 1963 - 1969     Vietnam-Krieg     Die Ära der Verhandlungen 1969 - 1979     Neue Konfrontation 1979 - 1985     Die letzte Phase des Kalten Kriegs 1985 - 1989     Literaturhinweise


Zurück zum Inhaltsverzeichnis Deutsche Geschichte      weiter zur nächsten Seite      zurück zur vorangehenden Seite


Unser VereinVeranstaltungenDeutsche GeschichteGeschichte WürttembergsOrtsgeschichte KöngenDie RömerPublikationenKöngener Geschichten

Stand: 05.04.2016                                  Copyright © 2016 Geschichts- und Kulturverein Köngen e.V.                      Autor: Dieter Griesshaber