|
Die Zeit der
Großen Koalition 1966 - 1969
|
|
|
Wirtschafts-
und Finanzpolitik
Notstandsgesetzgebung
Außerparlamentarische Opposition
Bildungspolitik
Deutsch-deutsche Beziehungen
Ost- und Deutschlandpolitik
Außen- und Sicherheitspolitik
Europapolitik
Ende der Großen Koalition
Literaturhinweise
|
|
|
Die Übernahme der Kanzlerschaft durch Kurt Georg Kiesinger
1966
|
|
- 10. November 1966:
Der Ministerpräsident von Baden-Württemberg,
Kurt Georg
Kiesinger, wird vom CDU-Bundesvorstand zum
Kanzlerkandidaten nominiert. Beide Unionsparteien
beschlossen, mit den Sozialdemokraten eine neue
Regierung zu bilden.
| |
Die Entscheidung für
Kiesinger, der NSDAP-Mitglied und von 1940 - 1945
stellvertretender Leiter der Rundfunkabteilung im
Auswärtigen Amt gewesen war, wurde besonders im Ausland
heftig kritisiert. |
| |
|
|
| |

|
Kurt Georg Kiesinger
(*1904, †1988). Aufnahme im Jahr 1968.
1958 - 1966 Ministerpräsident von
Baden-Württemberg, 1966 - 1969 Bundeskanzler
| |
|
|
Mit besonderer
Genehmigung des Bildautors Josef Albert
Slominski (slomifoto).
Link:
www.slomifoto.de |
|
|
|
|
| |
|
|
|
|
|
- Am 24. November scheitern Gespräche
zwischen Kiesinger und dem Parteivorsitzenden der FDP,
Erich Mende, über eine Neuauflage der Koalition. Die FDP
erklärte sich danach zu einer Koalition mit der SPD bereit.
| |
In der SPD überwogen die
Stimmen, die für eine Koalition mit den
Unionsparteien eintraten. Eine Verbindung mit der
FDP hätte nur eine hauchdünne Mehrheit im Bundestag
bedeutet. Zudem war es nicht sicher, ob alle Flügel der
FDP die SPD unterstützen würden. |
| |
|
|
- 30. November:
Ludwig Erhard tritt
von seinem Amt als Bundeskanzler zurück.
|
- 1. Dezember: Der
Deutsche Bundestag
wählt mit 340 von 460 Stimmen Kiesinger zum Kanzler (CDU/CSU
und SPD haben zusammen 447 Sitze).
| |
Das Bündnis zwischen den
Unionsparteien und der SPD veränderte die
parlamentarisch-politische Konstellation
grundlegend. Anstelle einer zahlenmäßig starken
Opposition standen nun 47 Abgeordnete der FDP 447
Mandatsträgern der Regierungsparteien gegenüber. |
| |
|
|
- 12. Dezember 1966: In seiner
Regierungserklärung bezeichnet Kurt Georg Kiesinger die
Notstandsverfassung, die Beziehungen zu den Staaten des
Warschauer Pakts und die Konsolidierung der Staatsfinanzen
sowie der Wirtschaft als wichtigste Aufgaben der Großen
Koalition. In der Gestaltung des Verhältnisses zur DDR
kündigt er einen Kurswechsel an: "Wir wollen entkrampfen und
nicht verhärten, Gräben verhindern und nicht vertiefen".
| |
Nebenbei bemerkt:
Im Jahr 1966 entstand mit dem Zyklus ‚Totentanz von
Basel’ eines der berühmtesten Werke des Malers und
Holzschneiders HAP Grieshaber (* 1909, † 1981).
In der Form von Farbholzschnitten zeigt er 40
eindringliche Begegnungen von Menschen verschiedenen
Alters und Berufs mit dem Tod. Angeregt wurde Grieshaber
durch mittelalterliche Fresken an Friedhofsmauern, die
unter dem Eindruck großer Pestkatastrophen entstanden
sind. Die bunten Bilder regen den Betrachter an, über
sein durch den Tod begrenztes Leben nachzudenken. HAP
Grieshaber schuf über dieses Werk hinaus zahlreiche
Holzreliefs, Mosaiken und Glasfenster. Thomas Mann hat
ihn als den größten Holzschneider seit Albrecht Dürer
bezeichnet.
|
| |
|
|
|
|
Bildung der Großen Koalition
Notstandsgesetzgebung
Außerparlamentarische Opposition
Bildungspolitik
Deutsch-deutsche Beziehungen
Ost- und Deutschlandpolitik
Außen- und Sicherheitspolitik
Europapolitik
Ende der Großen Koalition
Literaturhinweise
Zurück zum Seitenanfang
|
|
|
Wirtschafts- und Finanzpolitik
|
|
| |
- 1966 befand sich die BRD auf dem
Weg in ihre erste Rezession. Das Wachstum des
Bruttoinlandprodukts betrug nur 2,8%. Die
Arbeitslosenquote lag bei 0,7%. Im Dezember waren
300.000 Menschen ohne Arbeit.
|
| |
- 1967 war das Wirtschaftswachstum
rückläufig (-0,2%). Im Jahresdurchschnitt waren
459.000 Menschen arbeitslos.
|
|
- Die Lenkung der Wirtschaft durch den
Staat
| |
- Am 14. Februar 1967 findet die
erste Gesprächsrunde der von Wirtschaftsminister
Karl Schiller ins Leben gerufenen
"Konzertierten
Aktion" statt. Auf der Basis von
"gesamtwirtschaftlichen Orientierungsdaten"
erarbeitet ein Gremium aus Vertretern der
Gewerkschaften und Unternehmerverbänden, der
Deutschen Bundesbank und des Wirtschaftsministeriums
sowie Sachverständige gemeinsame Vorschläge zur
Belebung der Konjunktur.
|
| |
- Am 23. Februar verabschiedet der
Bundestag das erste Investitionsprogramm der
Bundesregierung, das zusätzliche Investitionen
bei Bahn und Post sowie im Straßen- und Wohnungsbau
vorsieht.
|
| |
- Am 10. Mai billigt der Bundestag
das Gesetz zur Förderung der Stabilität des
Wachstums in der Wirtschaft ("Stabilitätsgesetz").
| |
Das
"Stabilitätsgesetz" verpflichtet die
Bundesregierung, Vollbeschäftigung,
außenwirtschaftliches Gleichgewicht,
Wirtschaftswachstum und Preisstabilität ("magisches
Viereck") anzustreben. Die im Gesetz
genannten Instrumente zur
Steuerung der
Wirtschaft ermöglichen es der
Bundesregierung und der Bundesbank, durch
antizyklische Haushalts- und Finanzpolitik die
Nachfrage zu steuern (entsprechend der Theorie
von John Maynard Keynes). Durch die Planung von
öffentlichen Investitionen soll die allgemeine
Wirtschaftstätigkeit beeinflusst werden. |
| |
|
|
| |
- Zur Überwachung und Beratung der
Wirtschaftspolitik wird ein
"Konjunkturrat"
der öffentlichen Hand gebildet. Ein
Jahreswirtschaftsbericht soll die
gesamtwirtschaftliche Lage darstellen.
|
| |
- Schon im Mai 1968 ist auf dem
Arbeitsmarkt der Höhepunkt der Krise überschritten.
Die Arbeitslosenquote liegt nur noch bei 1,6%
(gegenüber 3,2% im Januar). Im September 1968
herrscht praktisch Vollbeschäftigung,
die erste
Rezession der BRD ist überwunden.
| |
Durch die Erfolge
der "Konzertierten Aktion" entstand ein Glaube
an die Machbarkeit der wirtschaftlichen
Entwicklung. Planungseuphorie und ungebremster
Fortschrittsoptimismus schlossen sich an. |
| |
|
|
|
| |
- Der Verfall des französischen
Francs als Folge der Kapitalflucht nach der
Mairevolte 1968 in Paris führt zu einer
internationalen Währungskrise. Über die
Aufwertung der DM wird spekuliert. Die
Fachminister aus 10 Industrieländern verpflichten
sich im November 1968 zu Maßnahmen, den Franc zu
stützen und die Währungsspekulation zu beenden.
|
| |
- Wegen der Hochkonjunktur mit
einem Wirtschaftswachstum von nahezu 12%
beschließt die Bundesregierung im März 1969 eine
Reihe von Maßnahmen, um die Inflationsgefahr
abzuschwächen.
| |
Öffentliche
Investitionen werden zurückgestellt. Über die
Frage einer Aufwertung der DM, die der Förderung
des Imports und einer Reduzierung des Exports
dienen soll, kommt es zu einem
Streit
innerhalb der Großen Koalition. Die
Aufwertungsgegner um Finanzminister Franz Josef
Strauß setzten sich gegen
Wirtschaftsminister
Karl Schiller und die Bundesbank durch. Der
Beschluss, nicht aufzuwerten, führte in der
Folgezeit zu einer Belastung der Großen
Koalition.
| |
|
|
|
| |

|
Karl
Schiller (1911 - 1994)
1966 - 1971
Bundeswirtschaftsminister, 1971 -1972
Bundesminister für Wirtschaft und
Finanzen
|
Photographie, Deutsches
Historisches Museum, Inv-Nr.
D2941486 |
|
|
|
| |
|
|
| |
- Am 14. Mai 1969 tritt nach einer
Reihe von Grundgesetzänderungen die
neue
Finanzverfassung in Kraft: Die finanzpolitischen
Kompetenzen der Gebietskörperschaften werden neu
geordnet. Außerdem werden neue
Finanzverteilungsschlüssel und Verfahren bei
Entscheidungen über Finanzierungsfragen in Bund,
Ländern und Gemeinden festgelegt. Die neue
Finanzverfassung soll die wirtschafts- und
konjunkturpolitischen Reformgesetze von 1967
ergänzen.
| |
- Die wichtigsten
Änderungen betrafen die neu eingeführten
"Gemeinschaftsaufgaben" von Bund und
Ländern. Bund und Länder waren über den
Steuerverbund und den
Finanzausgleich
mit den neu eingeführten
Ergänzungszuweisungen des Bundes an die
Länder und der Länder untereinander fast
undurchschaubar verquickt.
|
| |
- Als Folge der
Finanzreform stieg die Anzahl der Gesetze,
denen der Bundesrat zustimmen musste,
deutlich an. In der Zeit der
Großen
Koalition drohten vom Bundesrat her
keine Konflikte. Dies sollte sich nach dem
Ende des großen Bündnisses ändern: Bundestag
und Bundesrat waren nun vor allem in
Finanzfragen zum Dauerkompromiss verurteilt.
Der Bundesrat wurde zum Ort
parteipolitischer Taktik, er entwickelte
sich zum Blockadeinstrument.
|
|
|
| |
- Die allgemeine Rezession von 1967
verbindet sich im Ruhrgebiet mit der
spezifischen Strukturkrise im Montanbereich.
|
| |
- Schon im März 1966 hatten der
Bund und das Land Nordrhein-Westfalen vereinbart,
den Ruhrbergbau mit rund 1 Mrd. DM zu
subventionieren.
|
| |
- Am 7. November 1967 verabschiedet
der Bundestag das Kohleanpassungsgesetz, das
Bergleuten durch Abfindungen den Berufswechsel zu
erleichtern. Daneben wird die Umstrukturierung der
besonders stark von Zechen abhängigen
Wirtschaftsregionen durch staatliche
Investitionsprogramme gefördert.
|
|
|
|
Bildung der Großen Koalition
Wirtschafts- und Finanzpolitik
Außerparlamentarische Opposition
Bildungspolitik
Deutsch-deutsche Beziehungen
Ost- und Deutschlandpolitik
Außen- und Sicherheitspolitik
Europapolitik
Ende der Großen Koalition
Literaturhinweise
Zurück zum Seitenanfang
|
|
|
Die Notstandsgesetzgebung
|
|
- Die früheren Westalliierten hatten immer
noch das Recht, bei einem Ausnahmezustand (Angriff
von außen, innere Unruhen, Naturkatastrophen) einzugreifen.
Um die Jahreswende 1967/68 stellen sie die
Ablösung der
verbliebenen Vorbehaltsrechte für den Fall in
Aussicht, dass entsprechende deutsche Gesetze
("Notstandsgesetze") die Sicherheit ihrer in der BRD
stationierten Truppen gewährleisten.
| |
- Am 14. Mai 1965 war die zweite
Vorlage einer neuen Notstandsverfassung am
Widerstand der SPD gescheitert. Im Frühjahr 1966
signalisierten alle Parteien grundsätzliche
Zustimmung zur Notwendigkeit einer
Notstandsverfassung.
|
| |
- Die
Bewegung gegen die
Notstandsgesetze umfasst zahlreiche Gruppen aus
den Bereichen der Universitäten, Kirchen, Medien und
Kultur. Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB)
kündigte in einer Resolution vom 13. Mai 1966 an,
jede Notstandsgesetzgebung bekämpfen zu wollen,
"welche die demokratischen Grundrechte einschränkt
und besonders das Versammlungs-, Koalitions- und
Streikrecht der Arbeitnehmer und ihrer
Organisationen bedroht".
|
| |
- Im
akademischen Milieu
sieht man in der Notstandsgesetzgebung eine akute
Gefährdung der Demokratie. Im Mai 1968
veröffentlichen 200 Professoren ein Manifest, in dem
sie gegen eine Regierung protestieren, "die bereit
ist, die Bundeswehr gegen das eigene Volk
einzusetzen". Der DGB bekräftigt im gleichen Monat
seine Ablehnung der Notstandsgesetze, betont aber
gleichzeitig, eine verfassungsmäßig zustande
gekommene Gesetzgebung respektieren zu wollen.
|
|
- Trotz der Proteste beschließt der
Bundestag am 30. Mai 1968 mit 384 Ja-Stimmen, 100
Nein-Stimmen und einer Enthaltung die
Annahme des 17.
Gesetzes zur Änderung des Grundgesetzes
("Notstandsverfassung"), des Gesetzes zur Beschränkung
des Brief-, Post- und Fernmeldegeheimnisses und der sog.
Vorsorge- und Sicherstellungsgesetze. - Mit Inkrafttreten
des Gesetzes am 28. Juni 1968 erlöschen die
alliierten
Sicherheitsvorbehalte aus dem Deutschlandvertrag von
1952.
| |
Der volle Wortlaut des
Gesetzes wird erst nach der Verabschiedung
veröffentlicht. Der Exekutive werden bei einem
Notstand mehr Rechte eingeräumt. Ein äußerer Notstand,
Spannungsfall oder Verteidigungsfall wird vom Bundestag
oder von einem 'Gemeinsamen Ausschuss"
festgestellt, der sich zu zwei Dritteln aus Vertretern
des Bundestags, zu einem Drittel aus Vertretern der
Bundesländer zusammensetzt. Im Fall einer "drohenden
Gefahr für den Bestand oder die freiheitliche
demokratische Grundordnung des Bundes oder des Landes"
können mehrere Grundrechte
eingeschränkt werden,
so das Brief-, Post- und Fernmeldegeheimnis, die
Unverletzlichkeit der Wohnung, das Recht der
Freizügigkeit und die freie Berufswahl
(Arbeitssicherstellungsgesetz, Katastrophenschutzgesetz,
Sicherstellungsgesetz für Ernährung, Wirtschaft und
Verkehr, Abhörgesetz). |
| |
|
|
- Die
Proteste gegen die
Notstandsgesetzgebung hielt auch nach der Verabschiedung
durch den Bundestag an. Die Kritik bezog sich vor allem auf
die mögliche Einschränkung von Grundrechten, die Aufhebung
der Gewaltenteilung im Verteidigungsfall durch die
Institution des 'Gemeinsamen Ausschusses' und die
Missbrauchgefahr durch den nicht näher definierten
"Spannungsfall".
|
|
|
Bildung der Großen Koalition
Wirtschafts- und Finanzpolitik
Notstandsgesetzgebung
Bildungspolitik
Deutsch-deutsche Beziehungen
Ost- und Deutschlandpolitik
Außen- und Sicherheitspolitik
Europapolitik
Ende der Großen Koalition
Literaturhinweise
Zurück zum Seitenanfang
|
|
|
Die
'Außerparlamentarische Opposition' (APO)
|
|
- Nach der Bildung der Großen Koalition im
Dezember 1966 verliert der Bundestag mangels einer starken,
handlungsfähigen Opposition in der gesellschaftlichen
Auseinandersetzung an Gewicht. Eine
'Außerparlamentarische Opposition' (APO) entsteht.
| |
Die APO rekrutierte ihre
Anhänger aus drei verschiedenen Strömungen in der
Gesellschaft: 1. der sog. Ostermarsch- oder
Friedensbewegung, die schon in den fünfziger Jahren und
Anfang der sechziger Jahre gegen die Gründung der
Bundeswehr und die Ausrüstung mit Atomwaffen protestiert
hatte. 2. den Gegnern der Notstandsgesetzgebung und 3.
der Studentenbewegung |
| |
|
|
- Am 5. Februar 1966 kommt es bei einer
Demonstration von etwa 2.500 Studenten gegen den
Vietnamkrieg der USA in Westberlin zu schweren
Auseinandersetzung mit der Polizei. In der Folgezeit wird
Westberlin in der Bundesrepublik zum Zentrum einer sich
formierenden Protestbewegung gegen den
Vietnamkrieg.
| |
Die Westmächte
befürchteten - entsprechend der so genannten
Domino-Theorie - ein Übergreifen der kommunistischen
Bewegung in Nordvietnam auf die benachbarten Länder. Im
Februar 1965 begannen die USA mit systematischen
Bombenangriffen auf militärische und wirtschaftliche
Ziele in Nordvietnam. Bis Ende 1965 verstärkten die USA
ihre Truppen auf 185.000 Mann (Ende 1968 543.000 Mann).
|
| |
|
|
- Am 22. Juni 1966 protestieren 3000
Studenten der Freien Universität Berlin (FU) gegen ein
Versammlungsverbot und fordern eine
Ausweitung der
studentischen Mitbestimmung.
|
- Aus Protesten an den Hochschulen gegen
unzureichende Studienbedingungen und erstarrte
hierarchische Strukturen der Universitäten erwächst nach
Bildung der Großen Koalition im Dezember 1966 eine
politische Bewegung der Studenten.
|
- Als Teil der
'Außerparlamentarischen
Opposition' greift die
Studentenbewegung bald
über die Hochschulen hinaus und bestimmt zwischen 1967 und
den frühen siebziger Jahren das politische Klima in der BRD
wesentlich mit. Kristallisationspunkte des Protests sind vor
allem der Krieg der USA in Vietnam und die restaurativen
Tendenzen in der BRD, die insbesondere an der ausgebliebenen
gesellschaftlichen Auseinandersetzung mit dem
Nationalsozialismus, dem Wiederaufleben des deutschen
Militarismus und der geplanten Notstandsgesetzgebung
festgemacht werden.
| |
Proteste gegen die
bestehenden Formen der Gesellschaft und die
vorherrschende Politik sind nicht auf die Bundesrepublik
beschränkt, sondern ein Phänomen internationalen
Ausmaßes. In den USA, wo insbesondere gegen den
Krieg in Vietnam protestiert wird, werden die Standards
für die zunächst gewaltfreien Protestformen
gesetzt (Sit-ins, Teach-ins, Besetzung von
Universitätsinstituten, Blockierung von Verkehrszentren
etc.). |
| |
|
|
- Aktivste Gruppe ist der
'Sozialistische Studentenbund' (SDS), geführt von Rudi
Dutschke.
| |
- Konzeptionell beeinflusst von der
kritischen Theorie der 'Frankfurter Schule'
(Adorno, Habermas), dem Denken von
Herbert
Marcuse und
Ernst Bloch bildet der SDS
die Avantgarde unter zahlreichen studentischen
Organisationen. Diese Organisationen verfolgen
unterschiedliche politische Ansätze, sind sich
jedoch einig in der Kritik der gesellschaftlichen
Verhältnisse und im Ziel einer
antiautoritären und radikaldemokratischen
Gesellschaft.
| |

|
Rudi Dutschke
(*1940, †1979)
Aufnahme im Jahr 1967
|
Photographie, Deutsches Historisches
Museum, Berlin. Inv.-Nr. BA 12247 |
|
|
| |
|
|
|
|
| |
- Der SDS wendet sich gegen das
Godesberger Programm der SPD. Er orientiert sich an
einer marxistischen Gesellschaftsanalyse.
|
|
- Die
zunehmende Diskreditierung der
außerparlamentarischen Opposition durch die etablierten
politischen Parteien und große Teile der Medien
(Springer-Presse) trägt zur Radikalisierung der
Bewegung bei.
| |
- Der Tod des Studenten
Benno
Ohnesorg durch Polizeischüsse am 2. Juni 1967
während der gewaltsamen Auflösung einer
Demonstration gegen den Besuch des iranischen
Monarchen Schah Resa Pahlewi in Berlin bestärkt
einen Teil der Studentenbewegung in ihrem Kampf
gegen Staat und Gesellschaft.
|
| |
-
Einer der wenigen Politiker, die das Gespräch mit den
Studenten suchten, war der Soziologe und liberale
Intellektuelle Ralf Dahrendorf
(*1929,
† 2009). In seinen gesellschaftstheoretischen Schriften hatte
er zuvor die „Konfliktdemokratie“
dargestellt, welche eine gewaltfreie und mit
Gesprächen ausgetragene soziale Auseinandersetzung
nicht als zu überwindendes,
gemeinschaftsschädigendes Übel betrachtet, sondern
als Normalfall ansieht, der eine
Gesellschaft produktiv und lernfähig macht. Auf dem
Freiburger Bundesparteitag der FDP
im Januar 1968 kritisierte er die
„Verwechslung von Sicherheit mit
Unbeweglichkeit, von Stabilität mit Stagnation“.
Die Ursachen der Studentenunruhen lägen in der
„Erstarrung der Verhältnisse im Lande und in vielen
seiner Institutionen“.
|
| |
| |
Legendär geworden
ist folgende Situation während des
FDP-Parteitags in der Freiburger Stadthalle:
Drinnen saß das politische Establishment,
draußen demonstrierten linke Studenten. Ralf
Dahrendorf ging hinaus und stellte sich Rudi
Dutschke zur öffentlichen Diskussion. Während
Dutschke seine wenig verständlichen Thesen über
die Herrschaft der
„Bewusstseinsindustrie“ vorbrachte,
sprach sich Dahrendorf kühl und prägnant für den
institutionellen Weg der allmählichen
Veränderung aus.
|
|
| |
- Im Februar und März 1968 nehmen
die Demonstrationen von Studenten und auch Schülern
gegen die Bildungspolitik, den Vietnamkrieg und die
geplanten Notstandsgesetze an Umfang und Intensität
zu. Immer wieder kommt es zu
Zusammenstößen mit
der Polizei. Auf einer
'Internationalen
Vietnamkonferenz', die am 17. Februar 1968 vom
SDS in Berlin veranstaltet wird, kündigen die
Teilnehmer an, "vom Protest zum Widerstand"
übergehen zu wollen.
|
| |
- Am 11. April 1968 wird in Berlin
durch einen Rechtsradikalen ein
Mordanschlag auf
Rudi Dutschke verübt; er wird lebensgefährlich
verletzt. Nach dieser Tat kommt es an den Ostertagen
in 27 Großstädten zu Demonstrationen, an denen sich
mehrere hunderttausend Menschen beteiligen.
| |
- Bundeskanzler
Kiesinger verurteilte in einer Rundfunk-
und Fernsehansprache am 13. April 1968 die
Proteste als Aktionen einer kleinen
militanten Minderheit der Studenten, die,
von 'radikalen Rädelsführern' gesteuert,
angetreten seien, die
freiheitlich-demokratische Grundordnung zu
zerstören. Einen Tag später zeigt sich
Justizminister Heinemann
selbstkritischer, indem er auf die Defizite
der westdeutschen Demokratie verweist.
| |

|
Gustav
Heinemann (*1899, †1976), 1949 -
1950 Innenminister der ersten
Bundesregierung unter Konrad Adenauer,
1966 - 1969 Bundesjustizminister, 1969 -
1974 Bundespräsident der Bundesrepublik
Deutschland
Foto: bpa
|
|
| |
|
|
|
|
| |
- Ende November 1968 stuft
Innenminister Ernst Benda den SDS als
verfassungsfeindliche Organisation ein. Den
Studenten wird zugestanden, dass ihre
Forderungen nach Reformen teilweise - z.B.
auf dem Bildungssektor - berechtigt sind.
|
|
| |
- Auch 1969 kommt es in fast allen
Universitätsstädten zu gewaltsamen Konfrontation
zwischen Ordnungskräften und Demonstranten der
Studentenbewegung. Besonders heftig sind die
Auseinandersetzung in Göttingen und Westberlin.
|
|
|
|
Bildung
der Großen Koalition
Wirtschafts- und Finanzpolitik
Notstandsgesetzgebung
Außerparlamentarische Opposition
Deutsch-deutsche Beziehungen
Ost- und Deutschlandpolitik
Außen- und Sicherheitspolitik
Europapolitik
Ende der Großen Koalition
Literaturhinweise
Zurück zum Seitenanfang
|
|
|
Bildungspolitik
|
|
- Im Februar 1966 wird offensichtlich, dass
die von der öffentlichen Hand bereitgestellten Finanzmittel
nicht ausreichen, alle Lehrstühle an den deutschen
Hochschulen zu besetzen. Jeder siebte Lehrstuhl ist
unbesetzt. Die Zahl der Studenten hatte sich von 1955 bis
1966 verdoppelt. Wissenschaftsminister Stoltenberg
(CDU) diagnostiziert im November 1966 einen beginnenden
Forschungsnotstand
und fordert höhere Ausgaben im
Bildungs- und Forschungsbereich sowie den Abbau aller
Zugangsbeschränkungen an den Hochschulen.
|
- Die
'Westdeutsche Rektorenkonferenz'
verabschiedet am 9. Januar 1968 ein
Reformprogramm für
die Universitäten, das den Forderungen der
Studentenschaft nach Demokratisierung und Modernisierung des
Hochschulbetriebs entgegenkommt und erweiterte Informations-
und Beratungsrechte empfiehlt. Auf dieser Grundlage
beschließt die 'Ständige Konferenz der Kultusminister'
am 10. April 1968
Leitsätze zur Neuordnung des
Hochschulwesens. Alle Gruppen der Universität sollen
Mitspracherechte erhalten. Die Privilegien der
Hochschullehrer werden eingeschränkt.
| |
Diese Beschlüsse blieben
bei den Professoren nicht ohne Widerspruch. Im
Marburger Manifest vom 18. Juni 1968 protestierten
1500 Hochschullehrer gegen die Einräumung der von der
Studentenschaft geforderten Mitbestimmung. |
| |
|
|
- Mitte April 1968 beziffert der
'Deutsche Bildungsrat' das Defizit im Bildungssektor für
die nächsten fünf Jahre auf 22 Mrd. DM. Er schlägt vor, die
Aufwendungen für den Schulsektor bis 1973 zu verdoppeln und
etwa 40 Gesamtschulen zu bauen.
|
- Am 27. März 1969 schließen die
Bundesländer einen Staatsvertrag über Grundsätze zur
Reform der wissenschaftlichen Hochschulen.
Die
Kultusminister der Länder vereinbaren die gegenseitige
Anerkennung der Reifezeugnisse.
|
- Ende Juni 1969 verabschiedet der
Bundestag das Ausbildungsförderungsgesetz für Schüler.
Mit diesem Gesetz wird der Schulbesuch von Kindern aus
einkommensschwachen Familien finanziell gefördert.
|
- Das
Berufsbildungsgesetz vom
August 1969 vereinheitlicht die Regelungen zur
Berufsausbildung sowie zur beruflichen Fortbildung und
Umschulung.
|
|
|
Bildung der Großen Koalition
Wirtschafts- und Finanzpolitik
Notstandsgesetzgebung
Außerparlamentarische Opposition
Bildungspolitik
Ost- und Deutschlandpolitik
Außen- und Sicherheitspolitik
Europapolitik
Ende der Großen Koalition
Literaturhinweise
Zurück zum Seitenanfang
|
|
|
Deutsch-deutsche Beziehungen
|
|
- Am 13. Dezember 1966 scheitern die
Verhandlungen über eine weitere Passierscheinregelung.
| |
Die Bundesregierung
bestand auf der Wiederaufnahme der in den vorhergehenden
Abkommen enthaltenen 'Salvatorischen Klausel',
die klarstellt, dass es sich bei der Vereinbarung nicht
um einen Vertrag zwischen zwei Staaten handelt. Bis zum
März 1973 bestanden - außer in Härtefällen - keine
Besuchsmöglichkeiten für Westberliner in Ostberlin. |
| |
|
|
- Am 12. April 1967 gibt Bundeskanzler
Kiesinger eine Regierungserklärung zur Deutschlandfrage
ab, in der er eine Verbesserung der Beziehungen zur DDR -
unterhalb der Ebene staatlicher Anerkennung - als Teil der
angestrebten Entspannung in Europa eine hohe politische
Priorität einräumt. Er schlägt Maßnahmen zur "Erleichterung
des täglichen Lebens", zur verstärkten wirtschaftlichen und
verkehrspolitischen Zusammenarbeit sowie
"Rahmenvereinbarungen für den wissenschaftlichen,
technischen und kulturellen Austausch" vor.
|
- Der Ministerratsvorsitzende der DDR,
Willi Stoph, bietet einen Monat später in einem Brief an
Kiesinger direkte Gespräche an, fordert jedoch
zugleich eine völkerrechtliche Anerkennung der DDR
durch die BRD.
| |

|
Willi Stoph
(*1914, †1999), 1952 - 1955 Minister des Innern in der
DDR, 1953 - 1989 Mitglied der Politbüros der SED, 1954 -
1962 Stellvertretender Vorsitzender des Ministerrats.
| |
|
| |
|
| |
|
| Photographie,
Deutsches Historisches Museum, Berlin. Inv.-Nr.
BA R 0430/305 N (ADN Zentralbild). |
|
|
|
| |
|
|
|
|
- In seinem Antwortschreiben geht Kiesinger
nicht auf die Forderung von Willi Stoph ein. Stattdessen
schlägt er direkte Gespräche über einzelne konkrete
Sachfragen vor, die das innerdeutsche Verhältnis
betreffen.
|
- Am 18. September 1967 sendet Willi Stoph
einen Vertragsentwurf über normale völkerrechtliche
Beziehungen. Kiesinger lehnt die Zustimmung zu einem
solchen Vertrag ab und beendet den Notenwechsel.
|
- Am 11. März 1968 schlägt Bundeskanzler
Kiesinger in seinem "Bericht zur Lage der Nation"
Verhandlungen über eine
Gewaltverzichtserklärung vor
und bietet erneut Gespräche über Sachfragen an. Auf diese
Initiative reagiert die DDR mit Behinderungen im
Berlinverkehr.
|
- Am 6. Dezember 1968 erneuern die BRD und
die DDR die Vereinbarungen zum Interzonenhandel bis
1975. Die langfristig festgelegten Lieferkontingente für
Investitionsgüter steigen erheblich; der zinslose
Überziehungskredit (Swing) wird ebenfalls erhöht.
|
- Am 27. Februar 1969 erfüllt die BRD eine
alte Forderung der DDR und überweist 5,1 Mio. DM an die
Ostberliner Postverwaltung als Ausgleich für die der DDR
entstandenen Kosten durch den Fernmelde- und Postverkehr
nach Westberlin.
|
|
|
Bildung
der Großen Koalition
Wirtschafts- und Finanzpolitik
Notstandsgesetzgebung
Außerparlamentarische Opposition
Bildungspolitik
Deutsch-deutsche Beziehungen
Außen- und Sicherheitspolitik
Europapolitik
Ende der Großen Koalition
Literaturhinweise
Zurück zum Seitenanfang
|
|
|
Ost- und Deutschlandpolitik
|
|
- Anfang 1967 unterzeichnen die BRD und
Rumänien einen Vertrag über die Aufnahme diplomatischer
Beziehungen.
| |
Da Rumänien auch
diplomatische Beziehungen zur DDR unterhält, ist die
Hallstein-Doktrin praktisch außer Kraft gesetzt. |
| |
|
|
- Die Aufnahme diplomatischer Beziehungen
zu Ungarn und
Bulgarien scheitern am
Widerstand der Sowjetunion, die eine Isolierung der DDR
befürchtet.
|
- Trotz sowjetischer Widerstände, gelingt
es der BRD, mit der Tschechoslowakei ein
Handelsabkommen abzuschließen (3. August1967) und mit
Jugoslawien wieder diplomatische Beziehungen aufzunehmen
(31. Januar 1968)
|
- Außenminister Brandt fordert auf dem
Bundesparteitag der SPD am 21. März 1968 die "Anerkennung
bzw. Respektierung der Oder-Neiße-Linie bis zur
friedensvertraglichen Lösung".
|
- Am 9. April 1968 erklärt sich die BRD
gegenüber der Sowjetunion zu einem
Gewaltverzicht als
einem ersten Schritt zur Entspannung und Sicherheit in
Europa bereit.
| |
In dem Gegenmemorandum
wiederholt die Sowjetunion ihre Forderungen: Anerkennung
der DDR und der Oder-Neiße-Linie, Verzicht der BRD auf
Kernwaffen. Die BRD wird als Hort des Revanchismus und
des Militarismus bezeichnet. |
| |
|
|
- Nach der Anerkennung der DDR durch das
neutrale Kambodscha im Mai 1969, kommt es zwischen
CDU/CSU und SPD zu einer heftigen Kontroverse um die
Weiterführung der Hallstein-Doktrin.
| |
Kiesinger befürchtete,
die Hinnahme der Anerkennung der DDR durch Kambodscha
könne Länder der Dritten Welt und des Westens
veranlassen, diesem Schritt zu folgen. Außenminister
Brandt setzt eine "modifizierte Hallstein-Doktrin"
durch: Die Anerkennung der DDR durch dritte Staaten wird
als 'unfreundlicher Akt'
aufgefasst, führt jedoch
nicht mehr automatisch zum Abbruch der diplomatischen
Beziehungen. |
| |
|
|
|
|
Bildung der Großen Koalition
Wirtschafts- und Finanzpolitik
Notstandsgesetzgebung
Außerparlamentarische Opposition
Bildungspolitik Deutsch-deutsche
Beziehungen Ost- und
Deutschlandpolitik Europapolitik
Ende der Großen Koalition
Literaturhinweise
Zurück zum Seitenanfang |
|
|
Außen- und Sicherheitspolitik
|
|
- Bundeskanzler Kurt Georg Kiesinger
bewilligt Ende Dezember 1966 Zahlungen an die USA in Höhe
von 1,8 Mrd. DM.
| |
Ludwig Erhard
hatte sich 1964 verpflichtet, diejenigen
Devisenverluste auszugleichen, die Amerika durch
Ausgaben ihrer in der BRD stationierten Soldaten
erleidet. Wegen drohender Defizite im Bundeshaushalt
versucht die BRD im Mai und September 1966 vergeblich
einen Zahlungsaufschub für den noch ausstehenden Betrag
in Höhe von 2,7 Mrd. DM zu erreichen. Die USA drohten
an, ihre Truppen in der BRD zu reduzieren. |
| |
|
|
- Ende Januar 1967 unterzeichnet die BRD
den zwischen den USA, Großbritannien und der Sowjetunion
ausgehandelten 'Vertrag über die Grundsätze zur Regelung
der Tätigkeiten von Staaten bei der Erforschung und Nutzung
des Weltraums einschließlich des Mondes und anderer
Himmelskörper'. Die 63 Unterzeichnerstaaten verpflichten
sich auf eine friedliche Erforschung und Nutzung des
Weltraums.
|
| |
- Im Februar 1966 signalisierte die
Sowjetunion ihr Einverständnis, einen Vertrag über
die Nichtverbreitung von Atomwaffen
abzuschließen. Der NATO-Ministerrat beschließt im
Dezember, eine nukleare Planungsgruppe
einzurichten, in der auch die BRD ein
Mitspracherecht hat.
|
| |
- Im März 1969 spricht sich
Außenminister Brandt für eine Unterzeichnung des
von den Großmächten ausgehandelten
Atomwaffensperrvertrags aus. Bundeskanzler
Kiesinger und die Unionsparteien hatten wegen des
Beitritts der DDR zu diesem Abkommen Bedenken gegen
eine Unterzeichnung. - Der Beitritt zu diesem
Abkommen erfolgte auf Beschluss der sozial-liberalen
Koalition am 28.November 1969.
|
|
| |
- Am 21. Februar 1966 gibt der
französische Staatspräsident Charles des Gaulle
Frankreichs Rückzug aus der integrierten
militärischen Struktur der NATO zum 1. Juli
bekannt. Im Dezember 1966 verpflichtet sich
Frankreich gegenüber der BRD weiterhin alle Rechte
und Pflichten eines Vollmitglieds der NATO
wahrzunehmen.
|
| |
- Im Mai 1967 ersetzen die
Verteidigungsminister der Mitgliedstaaten die
Doktrin der "massiven Vergeltung" im Falle
eines Angriffs durch die Doktrin der
"Flexible
Response", die von einer stufenweise Eskalation
ausgeht. Für die BRD bedeutet dies, dass sie im
Ernstfall nicht automatisch nukleares Schlachtfeld
wird.
|
| |
- Auf der
NATO-Tagung in
Reykjavik (Island) am 24./25. Mai 1968 bekunden
die Außenminister der NATO-Mitgliedstaaten ihre
Bereitschaft, gemeinsam mit anderen Staaten (gemeint
sind die Staates des Warschauer Paktes) "konkrete
und praktische Schritte im Bereich der
Rüstungskontrolle zu erkunden" und über
beiderseitig Truppenverminderungen zu verhandeln.
|
|
|
|
Bildung der Großen Koalition
Wirtschafts- und Finanzpolitik
Notstandsgesetzgebung
Außerparlamentarische Opposition
Bildungspolitik
Deutsch-deutsche Beziehungen
Ost- und Deutschlandpolitik
Außen- und Sicherheitspolitik
Ende der Großen Koalition
Literaturhinweise
Zurück zum Seitenanfang
|
|
|
Europäische Integrationspolitik
|
|
- Im Januar 1966 gibt Frankreich seine
"Politik des leeren Stuhls" auf und beteiligt sich
wieder an den Ratssitzungen. Kernpunkt des Kompromisses ist,
dass bei wichtigen Fragen das Vetorecht und nicht das
Mehrheitsprinzip gilt. Frankreich sieht seine Souveränität
damit ausreichend gesichert.
|
- Am 24. Juli 1966 beschließen die
Landwirtschaftsminister der Mitgliedstaaten in Brüssel die
Errichtung eines gemeinsamen Agrarmarktes ab 1. Juli
1967.
|
- Am 1. Juli 1967 werden die EWG, EURATOM
und EGKS zur Europäischen Gemeinschaft (EG)
fusioniert.
| |
Die EG verfügt über vier
zentrale Organe: Kommission (Brüssel), Ministerrat
(Brüssel), Parlament (Straßburg) und Gerichtshof
(Luxemburg). |
| |
|
|
- Auf der Tagung des Ministerrats in
Brüssel am 11.12.1967 legt Frankreich zum zweiten Mal sein
Veto gegen den Beitritt Großbritanniens ein und
verhindert die von der BRD befürwortete Ausweitung der
Gemeinschaft.
|
- Am 14. Februar 1969 kommt es zu einer
Krise der europäischen Integrationspolitik. Frankreich
ist nicht bereit, den Beschluss des Rats der Europäischen
Union (WEU) vom 6./7. Februar 1969 zu akzeptieren, vor
wichtigen außenpolitischen Beschlüssen Konsultationen
untereinander abzuhalten. Frankreich verkündet –
entsprechend dem Konflikt in der EWG von 1965 – eine
„Politik des leeren Stuhls“ gegenüber den Organen der WEU.
|
|
|
Bildung der Großen Koalition
Wirtschafts- und Finanzpolitik
Notstandsgesetzgebung
Außerparlamentarische Opposition
Bildungspolitik
Deutsch-deutsche Beziehungen
Ost- und Deutschlandpolitik
Außen- und Sicherheitspolitik
Europapolitik
Zurück zum Seitenanfang
|
|
|
Das Ende der Großen Koalition
|
|
- Veränderungen im Parteiensystem
| |
- Mit der Verabschiedung des
Godesberger Programms 1959 hatte die
SPD
den
ersten Schritt zur Öffnung für neue Mitglieder- und
Wählerschichten getan. Der eigentliche
Wandel von
einer Arbeiter- zu einer Volkspartei hatte sich
erst in der zweiten Hälfte der sechziger Jahre und
in den siebziger Jahren vollzogen. Entscheidend war
das Profil der neuen Mitglieder und Wähler:
Beamte und Angestellte, Frauen, junge Menschen,
Angehörige der Dienstleistungsberufe, Personen mit
höheren Bildungsabschlüssen veränderten das Bild der
Sozialdemokratischen Partei von Grund auf. - Vor
diesem Hintergrund war die SPD in der Lage,
politisch mehrheitsfähig zu werden und eine
Koalition mit der FDP einzugehen.
|
| |
- In der Zeit der Großen Koalition
wandte sich die FDP von ihrem
bürgerlich-mittelständischen Erscheinungsbild ab und
bewegte sich auf ein linksliberal-reformerisches
Ziel zu. Die FDP verordnete sich eine personelle
und programmatische Erneuerung, die ihren Standort
im politischen Spektrum der BRD neu bestimmte und
den Weg zur SPD bahnte.
|
| |
- Auch die
CDU/CSU sah ab
Mitte der sechziger Jahre die Notwendigkeit, aus dem
Schatten des Regierungschefs (aus einer
Kanzlerdemokratie) herauszutreten und zu einer
politisch schlagkräftigen Mitgliederpartei zu
werden. - Ihre Anpassung an die sich wandelnde
Erwerbsstruktur sollte es ihr ermöglichen, nach
dem Ende der sozial-liberalen Koalition wieder die
politische Führungsrolle im Bund zu übernehmen.
|
|
- In
außenpolitischen Fragen gab es
wenig Harmonie zwischen den Partnern der Großen Koalition.
Dem Drängen der SPD, die Beziehungen zu den Staaten des
Ostblocks zu verbessern und das Verhältnis zur DDR zu
normalisieren, vermochten sich die Unionsparteien nicht voll
anzuschließen. Eine Übereinstimmung zwischen SPD und FDP
trat immer deutliche zu Tage.
|
- Die Bundesversammlung wählt am 5. März
1969 Gustav Heinemann (SPD) zum Bundespräsidenten.
Erst im dritten Wahlgang setzt sich der bisherige
Bundesjustizminister mit 512 Stimmen gegen den
CDU/CSU-Kandidaten Gerhard Schröder durch. Die Große
Koalition hatte sich nicht auf einen gemeinsamen Kandidaten
einigen können. Entscheidend ist das Stimmverhalten der FDP;
mit ihrem Votum für Heinemann setzt sie im Hinblick auf die
bevorstehende Bundestagswahl ein deutliches Zeichen in
Richtung sozial-liberaler Koalition.
|
- Der
Sieg der Sozialdemokraten bei der
Bundestagswahl am 28. September 1969, die als einzige im
Bundestag vertretene Partei Stimmen gewinnt, wird als
Bestätigung des mit dem Godesberger Programm von 1959
eingeleiteten Wandels der SPD von einer ideologisch
bestimmten Klassenpartei zu einer auf die linke Mitte hin
orientierten Volkspartei gewertet.
| |
Bei einer Wahlbeteiligung
von 86,7% entfallen auf CDU/CSU 46,1% (1965:47,6%); die
SPD kommt auf 42,7% (+3,4%); die FDP verbucht 5,8%
(-3,7%). Nachdem die Partei- und Fraktionsvorstände der
SPD und der FDP der Bildung einer sozial-liberalen
Koalition zugestimmt haben, wählt der Bundestag am
21.10. mit 251 Stimmen (zwei mehr als nötig) Willy
Brandt zum Bundeskanzler. |
| |
|
|
|
| Allen Schülern
und Studenten, die gerade eine Prüfung zu bestehen haben,
wünschen wir viel Erfolg. Wir drücken auch die Daumen für
diejenigen, die eine Klausur schreiben müssen oder eine
Hausarbeit bzw. Referat anzufertigen haben. Hat Euch unsere
Seite bei der Vorbereitung oder bei der Informationssammlung
geholfen? Wir freuen uns über jeden Eintrag in
unser Gästebuch,
der uns über eine erfolgreiche Nutzung unserer Homepage
berichtet. Selbstverständlich nehmen wir auch Hinweise und
Verbesserungsvorschläge entgegen. |
|
|
Literaturhinweise
|
|
| Bracher, Karl
Dietrich/ Theodor Eschenburg/Joachim Fest/Eberhard
Jäckel (Hrsg.) |
Geschichte der
Bundesrepublik Deutschland, Stuttgart und Wiesbaden
1983, Band 4: Klaus Hildebrand: Von Erhard zur
Großen Koalition 1963 - 1969. |
| Dülfer, Jost |
Europa im
Ost-West-Konflikt. 1945-1990 (=Oldenbourg Grundriss der
Geschichte 18). München 2004 |
| Görtemaker, Manfred |
Kleine Geschichte der
Bundesrepublik Deutschland. München 2002 |
| Kaelble, Hartmut
(Hrsg.) |
Der Boom 1948 - 1973.
Gesellschaftliche und wirtschaftliche Folgen in der
Bundesrepublik Deutschland und in Europa. Opladen 1992. |
| Mählert, Ulrich |
Kleine Geschichte der
DDR. München 1999 |
| Steininger, Rolf |
Deutsche Geschichte,
Darstellung und Dokumente in vier Bänden, Frankfurt am
Main 2002. Band 3: 1955 - 1974 (454 Seiten,
Fischer Taschenbuch 15582). |
| Stöver, Bernd |
Die Bundesrepublik
Deutschland. Wissenschaftliche Buchgesellschaft,
Darmstadt 2002, 147 Seiten |
|
|
|
Bildung der Großen Koalition
Wirtschafts- und Finanzpolitik
Notstandsgesetzgebung
Außerparlamentarische Opposition
Bildungspolitik
Deutsch-deutsche Beziehungen
Ost- und Deutschlandpolitik
Außen- und Sicherheitspolitik
Europapolitik
Ende der Großen Koalition
Zurück zum Seitenanfang
|
|
|
Zurück zum Inhaltsverzeichnis Deutsche
Geschichte
weiter zur nächsten Seite
zurück zur vorangehenden Seite
|
|
|
|
|
|
Stand:
11. Feb. 2010
Copyright ©2010 Geschichts- und Kulturverein Köngen e.V.
Autor: Dieter Griesshaber |
|
|
|
|
|