Home
Warum Geschichte?
Kontakte
Inhalt

 

Chronologie der wichtigsten Ereignisse in Köngen

Köngen im Späten Mittelalter (1250 - 1400)

Köngen in der Zeit vom Späten Mittelalter bis zur Reformation (1400 - 1520)

Köngen in der Zeit von der Reformation bis zum Ausbruch des Dreißigjährigen Krieges (1520 - 1618)

Köngen zur Zeit des Dreißigjährigen Krieges (1618 - 1648)

Köngen in der Zeit vom Westfälischen Frieden bis zur Mitte des 18. Jahrhunderts (1648 - 1750)

Köngen in der Zeit von der Mitte des 18. Jahrhunderts bis zum Untergang des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation (1750 - 1806)

Köngen in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts (1806 - 1850)

Köngen in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts (1850 - 1900)

Köngen in der Zeit der Weimarer Republik (1918 - 1933)

Köngen in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg (1945 - 1982)

 

 
Nachkriegszeit und Wiederaufbau (1945 - 1982)

Unser VereinVeranstaltungenDeutsche GeschichteGeschichte WürttembergsOrtsgeschichte KöngenDie RömerPublikationenKöngener Geschichten


zurück zum Inhaltsverzeichnis Ortsgeschichte Köngen     Zurück zur vorhergehenden Seite      Weiter zur nächsten Seite


Vorbemerkungen

  • Im Folgenden wird versucht, die  Zeit von 1945 bis 1982 in Köngen in einem Überblick  darzustellen.

  • Viele Maßnahmen und Entscheidungen von Gemeindeverwaltung und Gemeinderat können nur  dann verstanden werden, wenn man sich das damalige politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Umfeld  in Erinnerung ruft. Man musste damals mit Schwierigkeiten fertigwerden, die man sich heute kaum mehr vorstellen kann. Allein die Versorgung der Bevölkerung mit Lebensmitteln und anderen Gütern des täglichen Lebens, die Wohnungsprobleme, die Materialbeschaffung, die Beseitigung des Engpasses an Schulraumkapazität, die Erschließung von Gebieten für den Wohnungsneubau  verlangten bei einem eingeschränkten Finanzierungsspielraum viel Kreativität, Energie und Weitblick und bestimmten das Alltagsgeschehen.

  • Aus der großen Armut der Nachkriegszeit ist heute längst Wohlstand geworden. Dass auch Köngen diesen Weg genommen hat, ist einer Reihe von Männern zu verdanken, die in den Zeiten der Not Verantwortung übernahmen.  An erster Stelle sind Wilhelm Zaiser und Erwin Rath zu nennen.  Sie verstanden es, ohne Eigennutz  kurz-, mittel- und langfristige Ziele zu setzen und Möglichkeiten von Problemlösungen aufzuzeigen. Die wichtigsten Maßnahmen wurden von ihnen persönlich ergriffen.  

  • Viele Konzepte und Planungen, die in der Nachkriegszeit und in den Jahren des Aufbaus entstanden sind, prägen noch heute das Bild von Köngen und sind gleichzeitig Grundlage und Chance für eine gedeihliche Weiterentwicklung.  Dazu gehören zum Beispiel der Neubau von Schulgebäuden, die Errichtung von Kindergärten, die Ansiedlung von Industrie und die Sanierung des Ortskerns.  Durch die Tatkraft und die Standhaftigkeit von Gemeindeverwaltung, Gemeinderat und der Mehrheit der Bürger blieb  bei der Gemeindereform Mitte der siebziger Jahre die weitgehende Selbstständigkeit der Gemeinde Köngen erhalten.


Die ersten Nachkriegsjahre


  • Gemeindeverwaltung und Gemeinderat
 
  • Nachdem die Landkreise Esslingen und Nürtingen in die Hand der Amerikaner gelangt waren, kam auch das politische Leben relativ schnell in Gang. Die Amerikaner waren daran interessiert, möglichst zügig demokratische Strukturen von unten nach oben aufzubauen und eine deutsche Selbstverwaltung zu etablieren. Bis erste Wahlen möglich waren, mussten Übergangslösungen gefunden werden.  So hatten sich in vielen Gemeinden schon in den ersten Tagen nach der Besetzung Ausschüsse gebildet, die sich häufig aus kommunistischen oder sozialdemokratischen Gegnern des NS-Regimes zusammensetzten.

  • In der Gemeinde Köngen wurde im April 1945 Wilhelm Zaiser als kommissarischer Amtsverweser eingesetzt.

 

 

Wilhelm Zaiser: April 1945 – Januar 1946: kommissarischer   Bürgermeister, gewählter Bürgermeister von Januar 1946 bis Ende 1946

 

Wilhelm Zaiser war als Obermeister in der Textilindustrie tätig. Für seine Tätigkeit als kommissarischer Amtsverweser und später als Bürgermeister wurde er nur kurzfristig freigestellt. Um seine Ämter in der Gemeinde Köngen hatte er sich keinesfalls beworben. Die Zustimmung zu seiner Berufung gab er nur zögernd. Am 12. Mai 1945 heißt es in einem Schreiben Wilhelm Zaisers an die Gemeindemitglieder: "In einer Stunde tiefster Schmach und schwerster Niederlage für uns alle bin ich entgegen meinem Willen mit dem Amt der Gemeindeverwaltung vertraut worden. Es wird schwer sein, den noch offen stehenden Fragen gerecht zu werden, sowie die Lasten zu tragen, welche auf uns warten. Ich bitte Sie deshalb herzlich, allzeit das nötige Verständnis aufzubringen und wo es irgendwie geht, das Wohl der ganzen Gemeinde zu fördern:" Das Motto, das er über seine Amtstätigkeit stellte, drückte er mit folgenden Worten aus: "Wir wollen über die Vergangenheit nicht klagen! Wir wollen mit der Gegenwart uns fragen, wie wir die Zukunftslasten leichter tragen."

 
  • Am 8. September 1945 gestattete die amerikanische Militärregierung  die Neugründung politischer Parteien. In dem  neu geschaffenen Land Württemberg-Baden sollte eine demokratische Grundordnung aufgebaut werden.

  • Für den 27. Januar 1946 setzte die Militärregierung erste Gemeinderatswahlen für Kommunen mit weniger als 20.000 Einwohnern an. In Köngen traten zwei Parteien, die SPD und die KPD, mit eigenen Listen zur Wahl an. Das bürgerliche Lager gliederte sich in zwei Listen, der  „Landwirtschaft“ mit 12 und dem „Gewerbe“ mit 10 Kandidaten. Der Wahlvorschlag ‚Landwirtschaft‘ buchte mit annähernd 40% die meisten Stimmen. Das ‚Gewerbe‘ erhielt fast 25% der Wählerstimmen. Sozialdemokraten und Kommunisten brachten es zusammen auf 35% aller Stimmen. Im Resultat hieß dies acht Sitze für die bürgerliche Fraktion (fünf für die ‚Landwirtschaft‘ und drei für das ‚Gewerbe‘) und vier für die Arbeiterschaft.

  • Der neue Gemeinderat wählte Wilhelm Zaiser  zum Bürgermeister. Wilhelm Zaiser veranlasste die Bildung eines Beirats mit acht Mitgliedern aus allen Schichten der Bevölkerung. Das Gremium nannte sich Bürgerrat und bestand bis zum Jahreswechsel 1945/1946.

  • Für bestimmte Aufgabenfelder untergliederte sich der Bürgerrat in sechs Ausschüsse.  Um sich auf eine möglichst breite Basis zu stellen, ergänzten sich die Arbeitsgremien um eine begrenzte Anzahl sachverständiger Bürger. So gab es u.a. eine „Landwirtschaftliche Kommission“ zur Verteilung der (nie ausreichenden) Bezugsscheine. Eine der undankbarsten Tätigkeiten hatte die „Entnazifizierungskommission“  zu erledigen.

  • Im September 1947 wurde Erwin Rath durch den bereits 1946 zusammengetretenen Gemeinderat gewählt. Am 1. Dezember 1947 verfügte eine Verordnung des Innenministeriums, dass am 29. Februar 1948 die Wahlberechtigten jeder Gemeinde ihren Bürgermeister wählen sollten.  Für Köngen kam nur der bereits im Amt befindliche Erwin Rath in Frage, der sich in den wenigen Monaten seiner Gemeindetätigkeit beachtliches Vertrauen erworben hatte. Der Gemeinderat unterstützte ihn in einem Aufruf zur Wahl. Bei diesem spielte wohl keine unerhebliche Rolle, dass sich Rath in einem mehrseitigen Positionspapier sehr gründliche Gedanken über das Miteinander in der Gemeinde und über zukünftige Aufgaben gemacht hatte. Bei hoher Wahlbeteiligung (71,1%) entfielen auf Erwin Rath 1545 der abgegebenen 1754 Stimmen.

Erwin Rath, zweimal zum Bürgermeister gewählt (1947 und 1948)

 
  • Für den 7. Dezember 1947 wurde eine erneute Gemeinderats- und Kreistagwahl angesetzt. Die Abstimmung zeigte, wie gründlich sich die politischen Verhältnisse seit der ersten Wahl von 1946 geändert hatten. Anstelle der vier Listen von 1946 traten nun in Köngen fünf Wahlvorschläge an. Nur noch die SPD kandidierte von den 1946 angetretenen Listen.  Sie verfügte lediglich über sieben Bewerber. Mit einem vierköpfigen Wahlvorschlag stellten sich erstmals Heimatvertriebene den Wählern. Ihre Liste nannte sich „Freie Wählervereinigung der Parteilosen“ und brachte auf Anhieb zwei Kandidaten durch und überflügelte dadurch die Sozialdemokraten, die nur noch eine Stimme erhielten. Das zweite bemerkenswert Neue war das Auftreten der „Freien Wählervereinigung“ mit einem zwölf Mann starken Wahlvorschlag, der fast ausschließlich aus ehemaligen Kommunisten bestand. Die eingesessenen bürgerlichen Kreise traten in gleicher Formation wie 1946 in zwei Wahllisten – als „Gewerbe“ und „Landwirtschaft“ auf. Beim „Gewerbe“ wurden die ersten zwei Listenplätze, bei der „Landwirtschaft“ die ersten vier Plätze gewählt. Die drei restlichen Plätze im Ortsparlament entfielen auf die „Freie Wählervereinigung“.

  • Probleme
  • Verteilung von knappen Gütern

Zu den wichtigsten Aufgaben der Gemeindeverwaltung in der ersten Zeit nach dem Krieg zählte die Verteilung von knappen Gütern wie zum Beispiel  von Wohnungen, Nahrungsmitteln, Brennstoffen und Schuhen. 

 
  • Wohnungsnot

 

  • Ursachen

  • Zu Beginn des Zweiten Weltkriegs 1939 hatte Köngen 3036 Einwohner. Durch den Zuzug von Heimatvertriebenen wuchs  die Anzahl der Einwohner bei fast gleichem Wohnraum bis zum Jahr 1950 auf 4160 an.

  • Schon bei Kriegsende lebten zahlreiche Evakuierte aus besonders luftkriegsgefährdeten Gebieten in der Gemeinde Köngen.

  • Ende 1945 trafen die ersten Heimatvertriebenen, zunächst noch auf eigene Faust, in Köngen ein.  Ab 1946 kamen große Sammeltransporte mit Güterzügen in Esslingen und Nürtingen an und wurden auf die Gemeinden verteilt. Die Militärregierung wies Köngen zunächst 300, dann ein Kontingent von 600 Menschen zu. Im Laufe des Jahres 1946 erhöhte sich die Anzahl der Vertriebenen, die in Köngen um Aufnahme nachsuchten, ständig. Die Zugezogenen kamen aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten, aus der Tschechoslowakei, aus Ungarn, Jugoslawien, Rumänien und aus dem Baltikum. Der auch in den folgenden Jahren anhaltende Strom von Flüchtlingen und Vertriebenen führte zu einer eklatanten Wohnungsnot.

  • Maßnahmen von Gemeindeverwaltung und Gemeinderat

  • Ein Auszug aus dem Gemeinderatsprotokoll vom 19.7.1948: „Es ist kein Wunder, dass das den Alltag nahezu der ganzen Einwohnerschaft bedrückende Wohnungsproblem Gegenstand erregter Aussprachen im Gemeinderat wird. Der Vorsitzende sieht jedoch den einzigen möglichen Ausweg nur im Neubau von Wohnungen“.

  • Die Nachkriegssorgen lasteten  stark auf den Menschen.  Jeder war mit sich selbst voll beschäftigt. Allgemeine Trostlosigkeit, Unsicherheit und Hoffnungslosigkeit lagen über dem ganzen Land. Das Geld war nicht mehr viel wert – man konnte kaum etwas Nützliches dafür kaufen. Wie die vielen Heimatvertriebenen untergebracht werden sollten, darüber zerbrachen sich auch in Köngen nur wenige Frauen und Männer den Kopf. Es lag an der Gemeindeverwaltung und dem noch jungen Bürgermeister Erwin Rath mit Mut und Zuversicht eine Not nach der anderen zu beseitigen und Schwierigkeiten aus dem Wege zu räumen.

  • Am 20. Juni 1947 fasste der Gemeinderat angesichts der bedrückenden Wohnungsnot den Beschluss, „infolge des herrschenden großen Wohnungsmangels“ bis auf weiteres keine Zuzugsgenehmigung mehr  zu erteilen.

  • In Köngen gab es 1947 kein Baugelände. Die wenigen Gemeindeplätze wurden unter dem Druck der Verhältnisse sofort verkauft.

  • Ein Auszug aus dem Gemeinderatsprotokoll vom 19.7.1948: „Es ist kein Wunder, dass das den Alltag nahezu der ganzen Einwohnerschaft bedrückende Wohnungsproblem Gegenstand erregter Aussprachen im Gemeinderat wird. Der Vorsitzende sieht jedoch den einzigen möglichen Ausweg nur im Neubau von Wohnungen“.

  • Mangel an Nahrungsmitteln
 
  • Im letzten Kriegsjahr war die Aussaat nur noch teilweise vorgenommen worden.  Im Kreis Esslingen erbrachte die Ernte 1945 nur 70% der üblichen Menge, die Kartoffelernte sogar nur 40%.

  • Der Bezug von Lebensmitteln wurde – wie in anderen Gemeinden - über Lebensmittelkarten rationiert. Die Landwirte wurden zur Abgabe bestimmter Erntekontingente veranlasst.

  • Die allgemein schlechte Versorgung mit Lebensmitteln hatte dazu geführt, dass sich TBC- und Typhusfälle häuften. Eine Linderung für die Kinder von sechs bis achtzehn Jahren brachte die von dem ehemaligen US-Präsidenten  Herbert C. Hoover (* 1874, † 1964) ins Leben  gerufene Schulspeisung. Die Kosten für diese so genannte ‚Hoover-Speisung‘ konnte von der Gemeinde Köngen mit dem Land abgerechnet werden.  Gegen ein geringes Entgelt bekamen Kinder von einer eigens eingerichteten Küche Mahlzeiten ausgeteilt. Ein fünfköpfiger Ortsausschuss überwachte die Versorgung.

  • Kartoffeln, Getreide, Eier und Milchprodukte wurden aus Bayern eingeführt; der Import wurde allerdings durch die fehlenden Transportmittel erheblich erschwert. Im Dezember 1945 brachten Mehllieferungen aus den USA etwas Erleichterung. Lebensmittel blieben  streng rationiert.

  • In der Zeit der großen Hungersnot kam es immer wieder zu Felddiebstählen. Um diese Diebstähle zu vermeiden, richtete der Ortsvorsteher besondere Wachen auf den Äckern ein. Diebstähle wurden streng bestraft.

  • Die Versorgung mit Nahrungsmitteln blieb jahrelang dürftig, die Ernährungswirtschaft wurde zu einer Hauptaufgabe der öffentlichen Verwaltung.

 
  • Wassernot
 
  • Bedrückend war 1947 die Wassernot in Köngen. Das Wasser lief nur noch während einiger Stunden am Tag. In der übrigen Zeit musste es an den wenigen Dorfbrunnen geholt werden.  Jahrelange Trockenheit im Lande hatte die Wasseradern versiegen lassen. Unter der Anleitung von Oberbaurat Dr. Groß wurde im Neckartal nach Wasser gesucht und an einem nebligen Herbsttag auch gefunden. Die Reichhaltigkeit der Quelle ermöglichte es, auch die umliegenden Gemeinden Wendlingen, Wernau, Kirchheim und Denkendorf  mit Wasser zu versorgen. Auch Neuhausen auf der Filder erwog einen Anschluss an das Köngener Wasservorkommen.

  • Altbürgermeister Erwin Rath erinnert sich: „In der Nähe der späteren Fundstelle warf der Pumpmeister plötzlich seine Schildmütze auf den Boden: ‚Do isch Wasser!‘ . Der Bagger wurde angesetzt, vergeblich. Aber etwas daneben brach nach dem zweiten „Maulvoll“  Boden [Aushub des Baggers] das schmerzlich entbehrte Grundwasser hervor. Gewonnen!“


Die Jahre des Aufbaus

 
  • Zielsetzungen von Gemeinderat und Gemeindeverwaltung
 
  • Gemeinderat und Gemeindeverwaltung hatten sich schon 1945 zum Ziel gesetzt, möglichst viele Zukunftsaufgaben in den Griff zu bekommen und die Weichen für die nächsten Jahrzehnte rechtzeitig und eigenständig zu stellen. Die Maßnahmen der Gemeinde sollten an die tatsächlichen Bedürfnisse angepasst werden.

  • Ein besonderes Augenmerk richteten Gemeinderat und Gemeindeverwaltung auf eine ausgewogene Entwicklung. Es sollte keine Stiefkinder beim wirtschaftlichen Aufschwung geben. Im Wesentlichen wurden folgende Aufgaben der Gemeinde definiert:

  • Errichtung von Schulen

  • Erschließung von Bauland zur Schaffung von neuem Wohnraum

  •  Ansiedlung von Industrie und Förderung der Handwerksbetriebe zur Schaffung von neuen Arbeitsplätzen für die Arbeitnehmer am Ort und zur Stärkung der finanziellen Mittel der Gemeinde

  • Erhöhung der Produktivität der landwirtschaftlichen Betriebe ( u. a. durch Flurbereinigung und Aussiedlung)

  • Modernisierung des Ortes (Ortkernsanierung)

  Das Köngener Rathaus nach Umbau und Renovierung 1956


Bild: Dieter Fischer

 
  • Die Errichtung von Schulen
 
  • Schon vor dem Zweiten Weltkrieg hatte man in Köngen aufgrund steigender Schülerzahlen Pläne zum Neubau einer  Schule, die jedoch nicht realisiert wurden.

           

    Blick auf das „Alte Schulhaus“ (neben der Peter- und Paulskirche)

       

  • Durch den Zuzug der Heimatvertriebenen drängten sich 1948 nicht weniger als 620 Schulkinder in den sechs Schulräumen der alten Schule. Der Schichtunterricht war unerträglich. Angesichts der fast völligen Entwertung der Reichsmark schien der Neubau einer Schule in der Zeit vor der Währungsreform unmöglich zu sein. So dachte man daran, als Behelfslösung Baracken zu bauen. Es ist hauptsächlich der Motivation durch Bürgermeister Erwin Rath zu verdanken, dass es schließlich doch zu einem Schulhausneubau kam.  Sein Hinweis, die Jugend brauche eine gute Erziehung, um ein eigenes Urteil bilden zu können, erzielte Wirkung. In einem Rückblick schreibt Erwin Rath 1953: „Unabhängig wollte der Mensch werden und nicht mehr angewiesen auf das,  was ihm vorgesetzt wird. Welch reiche Aufgabe für jegliche Art der Erziehung, besonders in der Volksschule, von der die meisten fürs Leben zehren müssen!“

  • Das dringend erforderliche neue Schulhaus wurde 1951 bei der alten Schule erbaut. Es erhielt den Namen „Mörikeschule“.  Zusammen mit dem „Alten Schulhaus“ standen nun 11 Klassenzimmer, 1 Handarbeitsraum und ein provisorischer Werkraum zur Verfügung.

  • Die Voraussetzungen für den Schulhausbau waren sehr schwierig. Jedes Stück Holz war bewirtschaftet und knapp. Vor den Zementwerken standen die Lastwagen tage- und nächtelang Schlange. Viele Mitbürger beteiligten sich an dem Bau, teils durch freiwillige Arbeit, teils durch den Kauf von ‚Bausteinen‘, die insgesamt einen Erlös von 17.000 Mark  erbrachten.

  • In der zweiten Hälfte der 50er Jahre stiegen die Schülerzahlen nochmals sprunghaft an. Notmaßnahmen, wie verstärkter Schichtunterricht, Auslagern von Klassen und Ausnützen auch der letzten Nebenräume, mussten getroffen werden. Anfang der sechziger Jahre waren die Zustände allmählich unerträglich geworden. Eine bauliche Erweiterung der bestehenden Mörikeschule wurde zu einer zwingenden Notwendigkeit.

  • Bevor der Bau im Sommer 1961 in Angriff genommen wurde, musste man den Westflügel des ‚Alten Schulhauses‘ abreißen. Dadurch standen noch zwei Klassenzimmer weniger zur Verfügung. Die Klassenstärken reichten bis nahe an 70 Kinder heran. Im April 1963 konnte der Neubau der Mörikeschule bezogen werden.

      Neubau der Mörikeschule

Bild: Dieter Fischer
 
  • Die Schülerzahlen wuchsen weiter, so dass die bestehenden Klassenräume bald nicht mehr ausreichten.  Bald gab es für jeden Jahrgang drei, manchmal auch vier Parallelklassen.  Da sich die Gemeinde im Jahr 1969 entschied, auch eine Realschul-Ausbildung anzubieten, wurde es dringend notwendig, eine neue Schule zu bauen. Diese Schule, die „Burgschule“, wurde 1970 am südlichen Rand der Bebauung errichtet und am 2. Mai 1971 bezogen.  Bei der Planung und Verwirklichung der Burgschule kamen  anthroposophische Gesichtspunkte zum Tragen.

           
          Burgschule

    Bild: Dieter Fischer
       
  • Der Wohnungsbau
 
  • Der Gemeinderat in Köngen war darauf bedacht, den Ort organisch, d.h. in allen Teilen gleichmäßig, wachsen zu lassen. Deshalb waren für die Erschließung neuer Baugebiete neben sachlichen Erfordernissen immer die Wünsche der Bauinteressenten aus Köngen selbst ausschlaggebend.

  • Als erstes großes Neubaugebiet wurde das Gelände am Deizisauer Weg und Haldenweg in Anspruch genommen, später folgte das Hausackergebiet.

  • Die Erschließung dieser ersten Neubaugebiete in Köngen ist  vor allem dem Entgegenkommen der Eigentümerin des Köngener Schlossguts, Sophie Gunzenhauser, zu verdanken.  Das von ihr im Jahr 1953  zu sehr günstigen Bedingungen an die Gemeinde verkaufte Gelände am Deizisauer Weg und Haldenweg wurde das erste große Neubaugebiet. Dem Vorgehen des Schlossguts folgten noch weitere Grundstückseigentümer, so dass zum Ende des Jahres 1954 76 Familien – es handelte sich zu fast 2/3 um Vertriebene -, in ein Eigenheim einziehen konnten.

Zwischenbauträger für die „Siedlung“ war die Siedlungsgemeinschaft des ‚Evangelischen Hilfswerks‘. Das Landessiedlungsamt und die Landeskreditanstalt haben das erste große Bauvorhaben dieser Art in Köngen hauptsächlich  aus Staatsmitteln finanziert. Die Landesversicherungsanstalt und die Kreissparkasse Esslingen gaben die ersten Hypothek. Die Textilfirma Heinrich Otto & Söhne in Wendlingen  unterstützte viele Siedler mit zinslosen Arbeitgeberdarlehen. Die Gemeinde Köngen investierte über 100.000 DM an Erschließungskosten.

  • Etwas später veräußerte das Schlossgut die westliche Hälfte des Hausackergebiets für 115.000 DM an die Gemeinde. Die östliche Hälfte wurde  von Frl. Gunzenhauser selbst an Bauwillige verkauft.

  • Weitere Umlegungen folgten. 1962 überschritt die Einwohnerzahl die 6000er Grenze. Um die voraussehbaren Entwicklungen in gesunde Bahnen zu lenken und vorzusorgen, dass alle zu erwartenden Bedürfnisse rechtzeitig und ausreichend befriedigt werden können, wurde 1964 der Entwurf ein Flächennutzungsplans aufgestellt.

  • Die Gemeinde befasste sich ständig mit der Erschließung weiterer Flächen. Noch im Jahr 1965 wurden die planerischen Voraussetzungen geschaffen, um in den Gebieten „Burg III“ und „Hatzenbäumen“ bauen zu können.

 Nicht zu vergessen ist die wirtschaftliche Bedeutung, den die großen Baustellen auf das einheimische Bauhandwerk hatten.  So mancher einheimische Bauunternehmer hatte Aufträge für mehrere Jahre.

  • Einige wenige Zahlen sollen verdeutlichen, wie „atemberaubend“ die Geschwindigkeit beim Wohnungsbau seit 1948 war. In den Jahrhunderten vor 1900 wurden in Köngen insgesamt ca. 490 Wohnungen gebaut. Von 1901 bis 1918 waren es 180, von 1919 bis 1948 280. Allein in der Nachkriegszeit von 1949 bis 1975 sind dagegen 1.800 Wohnungen neu entstanden.

  • Industrieansiedlung und Gewerbeförderung

  • Ausgangssituation

  • Über viele Jahrhunderte hinweg war Köngen hauptsächlich von der Landwirtschaft, aber auch vom Handwerk geprägt. Dies änderte sich ab der Mitte des 19. Jahrhunderts grundlegend. Mit zunehmender Mechanisierung und Motorisierung der Landwirtschaft schwand der Bedarf an bäuerlicher Arbeitskraft. Auch das produzierende Handwerk, in Köngen war es in der Hauptsache die Weberei, konnte der industriellen Konkurrenz nicht standhalten. Die Entwicklung stürzte zunächst viele Bürger in Armut und Elend. In wachsendem Maße aber stellten die Industriebetriebe der Umgebung Arbeitsplätze zur Verfügung.

  • Als im Jahr 1861 Heinrich Otto im nahen Unterboihingen eine große Textilfabrik errichtete, erhielten viele Köngener einen Arbeitsplatz. Weil der Eisenbahnbau auf der anderen Seite des Neckars verwirklicht worden war, siedelte das ganze 19. Jahrhundert keine Industrie in Köngen an. Erst als im Jahr 1911 ausreichend motorisierte Fahrzeuge vorhanden waren, entstand mit der Weberei Otto/Engels die erste Industrieanlage auf Köngener Gemarkung.

  • Adolf Ehmann schuf aus kleinen Anfängen seit 1923 die Alupwerke, die sich auf den Bau von Kompressoren spezialisierten.

      Fabrikgelände der Alupwerke

    Foto: Dieter Fischer 
       

  • Ziele der Gemeindeverwaltung

  • In den ersten Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg besaß die Gemeinde Köngen noch kein Industriegelände. Es war offensichtlich, dass das Geld, das die Gemeinde für die Erfüllung ihrer ständig wachsenden Aufgaben benötigte, nur durch die Gewerbesteuersteuer von Industrie und Handwerk  aufgebracht werden konnte. Ziel der Gemeinde musste daher die Neuansiedlung von Industrie und die Gewerbeförderung sein.

  • Mit den Industriebetrieben sollten  auch neue Arbeitsplätze geschaffen werden. Viele der 1200 Auspendler, die mit der Bahn zur Arbeit fahren mussten, sollten in Köngen eine Stelle finden.

  • Maßnahmen der Gemeinde

  • Der Gemeindeverwaltung gelang  nach langen und zähen Verhandlungen mit den Grundstückseigentümern der Erwerb größerer Flächen, die an die Industrie weiterveräußert wurden. Sie stellten die Basis für beachtliche Industrieansiedlungen dar.

  • Mit der Erschließung der Gewerbegebiete „Siechenwiesen“ und „Ghai“ konnten auch kleinere Betriebe, vor allem die des Handwerks, auf angemessene Standorte ausweichen.

  • Entwicklung der Industrie

  • Das ortsansässige Gewerbe hat mit seinem Steueraufkommen schon um 1950 einen großen Beitrag für die Gesamtgemeinde geleistet. An erster Stelle sind die Gewerbesteuerzahlungen der Kompressorenfabrik Adolf Ehmann und der Firma Heinrich Otto & Söhne zu nennen.

  • Nach dem Ende des Krieges kam es zur Gründung von Industrieunternehmen durch Köngener Bürger. Christian Eisele gründete  1945 eine Maschinenfabrik.  Das bereits 1938 von  Imanuel Maier gegründete Textilunternehmen erlebte einen neuen Start und besteht noch heute in Köngen unter dem Namen ‚Maier Sports‘ . Der Schneidermeister Imanuel Maier war es auch, der 1970 die ‚Allgemeine Warenvertriebsgemeinschaft‘ (AWG) gründete. Wilhelm Maier legte den Grundstein für die Fertigung von Textilnähmaschinen. Erwähnt werden müssen an dieser Stelle auch die beiden Baugeschäfte Brändle und Rapp & Schmid.

   

Christian Eisele, Unternehmer in Köngen († 18.05.1961)

 
 
 

  • Heute gibt es im Geschäftsbereich viele bedeutende Firmen  am Ort. Einige davon seien genannt: das Nachfolgeunternehmen der Firma Alup, die AWG als eine der größten Ladenketten in Deutschland (250 Filialen), die Firma Matec als CNC-Bearbeitungszentrum, die Firma Minda Schenk (früher Presswerk Köngen GmbH – Herstellung von Kunststoffbauteilen für verschiedene Fahrzeughersteller), die Firma Sortimo (Fertigung von  mobilen Werkstätten für Handwerker), die Firma „TruckStore“ der Firma Daimler AG, die für den Weiterverkauf von gebrauchten LKWs aller Art für den osteuropäischen Bereich zuständig ist.

  • In Köngen stehen heute annähernd 3000 Arbeitsplätze zur  Verfügung. Ein knappes Drittel der  Belegschaften pendelt aus anderen Orten ein.

  •  Land- und Forstwirtschaft

  •  Im 19. Jahrhundert hatte die Gemeinde Köngen mit etwa 1000 ha – nach der Stadt Esslingen – die größte Ackerfläche im Oberamt Esslingen, allerdings infolge des Erbrechts der Realteilung auch die kleinste Parzellierung.

  • Die kleinen landwirtschaftlichen Flächen erschwerten ein rationelles Arbeiten. Technische Hilfsmittel konnten nicht wirtschaftlich eingesetzt werden.  Das Einkommen der Landwirte war im Vergleich zu den Gewerbetreibenden und zu den Industriearbeitern gering. So drängten die Bauern  Köngens in die industriellen Arbeitsplätze der Umgebung (Heinrich Otto und Söhne, Erwin Behr, Firma Wemak (später Daimler-Benz, heute Truck-Store), Mercedes-Benz, Bosch, Maschinenfabrik Esslingen). Im Nebenerwerb aber betrieben viele von ihnen eine kleine Landwirtschaft.

  • Aus wirtschaftlichen Gründen  sahen sich viele Landwirte dazu gezwungen, entweder Grundstücke zuzukaufen oder ihren Betrieb aufzugeben.  Mehr und mehr erschlossen sie sich dem Gedanken einer Umlegung der Gesamtgemarkung. Bei dieser, durch das Flurbereinigungsgesetz verankerten Umstrukturierung  sollte zersplitterter landwirtschaftlicher  Grundbesitz zu größeren und damit effektiver nutzbaren Flächen zusammengefasst werden. Zum Rahmen der Flurbereinigung gehören auch die Anlage von Wegen und landschaftspflegerische Maßnahmen bei Gehölzen und Gewässern. Einzelne Jungbauern waren auch bereit, den Hof aus dem Kernbereich der Gemeinde auszusiedeln.

  • Im Zuge der Flurbereinigung wurden fast alle landwirtschaftlichen Betriebe ausgesiedelt. Bereits im Jahr 1956 entstanden am Deizisauer Weg die Rothöfe. Insgesamt haben von 35 hauptberuflichen Landwirten in den folgenden Jahren 25 den Sprung aus der „Enge des Dorfes“ in die „Weite der Felder“ gewagt. Die Anzahl der Nebenerwerbslandwirte sank erheblich.

Die Riedhöfe - zwei der Köngener Aussiedlerhöfe, die im Zuge der Flurbereinigung entstanden sind -

Bild: Dieter Fischer

  • Im Zuge des allgemeinen wirtschaftlichen Aufschwungs und des Einsatzes von Maschinen bei  gestiegenen Betriebsgrößen konnte die Produktivität der landwirtschaftlichen Betriebe bis Mitte der 60er Jahre erheblich angehoben werden.

  • Um 1965 setzte die Umorientierung vom Familienbetrieb mit 8 – 12 ha auf den Vollerwerbsbetrieb ein. Nicht mehr die Fläche allein diente als Maßstab, sondern die Bewirtschaftungsart rückte in den Vordergrund. Die Durchschnittsgröße der Köngener Betriebe betrug im Jahr 1975 rund 20 ha.

  • Dank der weithin verbreiteten, fruchtbaren Lössböden spielt die Landwirtschaft in Köngen nach wie vor eine große Rolle. 63% der Gemarkung werden landwirtschaftlich genutzt, davon rund zwei Drittel als Ackerland und ein Drittel als Grünland bzw. Streuobstwiesen. Siedlungs- und Verkehrsflächen beanspruchen 25%. 139 ha Wald, das entspricht 12%, verteilen sich auf Randgebiete der Gemeinde.

  • Durch die Bebauungen reduzierte sich die landwirtschaftliche Nutzfläche bis 2004 auf 785 ha. Die durchschnittliche Betriebsgröße stieg bis 2003 auf 30 ha an. 2003 gab es noch 29 landwirtschaftliche Betriebe, 15 davon im Haupterwerb.

  • Ortskernsanierung

  • Notwendigkeit

Es ist wohl nicht übertrieben, eine Gemeinde mit ihren vielerlei Strömungen, Aufgaben und Problemen mit einem lebendigen Organismus zu vergleichen. Wenn er sich nicht ausgewogen entwickelt, ist er krank. So war die Gemeinde Köngen nach dem Kriege zwar kräftig an „Armen“ und „Beinen“ gewachsen (Industrie- und Neubaugebiete, Aussiedlung der Landwirtschaft), doch ihr Zentrum war immer mehr dem Verfall ausgesetzt. Hier war die Zeit buchstäblich stehen geblieben!  


 

 

 

 

Die Köngener Ortsmitte vor der Sanierung       Bilder von Dieter Fischer

  • Planung 

Die Planung und Inangriffnahme der Sanierung des Ortskerns ist ein Beispiel  für das langfristige Denken von Gemeinderat und Gemeindeverwaltung. Bei einer Bürgerversammlung in der Köngener Eintrachthalle im Herbst 1964 sprechen der damalige Bürgermeister Erwin Rath und der Architekt Gerhart Kilpper erstmals über eine mögliche Neugestaltung (Erweiterung) der Ortsmitte. 

  •  Probleme

  •  Die Ortskernsanierung Köngens schien lange Zeit an ihrer Finanzierung zu scheitern. Die meisten Eigentümer erklärten sich dazu bereit, ihre Grundstücke zu Marktpreisen zu veräußern.  Aber wer sollte die unrentablen Kosten für die alte Substanz übernehmen? Sie auf die Neubauten abzuwälzen, hätte das Projekt von vornherein unwirtschaftlich werden lassen. 

  • Im Oktober 1973 erhält die Gemeinde Köngen auf Antrag vom Innenministerium die Zusage über die Aufnahme in das Förderprogramm entsprechend dem 1971 erlassenen Städtebauförderungsgesetzes. Damit wurde es der Gemeinde möglich, die nicht rentierlichen Kosten (Vertragskosten, Umsetzungskosten etc.) aufzufangen. Insgesamt gab es Zuschüsse in Höhe von 2,8 Millionen DM. Weiter 200.000 DM erhielt die Gemeinde Köngen im Jahr 1983.

  • Die Pläne zur Gestaltung der neuen Ortsmitte sollten so weit wie möglich in die Zukunft reichen. Mitte 1973 begannen die Verkaufsverhandlungen der Gemeinde mit den Grundstückseigentümern. Die Gemeinde bot 200 DM pro qm und den Wert des abzubrechenden Gebäudes. Im 1. Halbjahr  1974 konnten bereits 80% der Flächen des Sanierungsgebiets erworben werden. Im April 1975 fand der erste Spatenstich statt, das Siedlungswerk Stuttgart übernahm als Sanierungsträger die Aufgaben für die Neubebauung des Gebiets. Gemeinsam mit der Gemeinde Köngen organisierte das Siedlungswerk eine Bauherrengemeinschaft.

  • In der wirtschaftlich schwierigen Zeit vom April 1975 bis zum März 1976 musste die Gemeinde langwierige Verhandlungen mit Geschäftsleuten und Investoren führen. Der Bund gewährte 7 % Investitionszulage.

  • Die neue Ortsmitte mit der Fußgängerzone erforderte den Abbruch von 45 Häusern. Nur sieben davon waren tatsächlich baufällig.   Schwierig war auch der Umstand, dass für über 150 Menschen neue Wohnungen gesucht werden mussten.

  • Sanierungsträger und Gemeinde versuchten das Bestmögliche, um Härten im Zusammenhang mit der Räumung von Gebäuden zu vermeiden.  So konnte der Gemeinderat in Köngen den verkaufsbereiten Eigentümern mehrere Grundstücke in einem anderen Baugebiet anbieten.  Auch für Mietwohnungen musste gesorgte werden.  Mit der Fertigstellung des dritten Abschnitts der Ortskernsanierung im Jahr 1983 zählte Köngen zu den ersten Gemeinden, bei denen die Möglichkeiten des Städtebauförderungsgesetzes in die Tat umgesetzt wurden.

  •  Bilanz

Bei der Einweihung im Juli 1983 ergab sich folgende Bilanz: 53 Wohnungen wurden in der Ortsmitte neu gebaut, 16 Geschäfte, 3 Arztpraxen und 2 Büros entstanden, über 100 Parkplätze wurden gebaut. Insgesamt wurden 24 Millionen DM investiert, davon 6 Millionen durch die Gemeinde. Bund und Land gewährten dazu Zuschüsse in Höhe von 2,8 Millionen DM. 

       
  Die Köngener Ortsmitte nach der Sanierung

Bild: Dieter Fischer 
   

 
  • Die Rolle der Eurythmie in Köngen 
  • Die Gemeinde Köngen kann für sich in Anspruch nehmen, fast 19 Jahre lang - von Ende 1945 bis Mai 1964 - das Zentrum der "neuen, noch nicht überall anerkannten Bühnenkunst der "Eurythmie" gewesen zu sein. Auch das Kultusministerium hat damals zur Kenntnis genommen, dass das "Private Eurythmische Konservatorium Köngen" die einzige von Marie Steiner, der Leiterin der "Sektion für Redende und Musische Künste" am Goetheanum in Dornach/Schweiz  autorisierte Ausbildungsstelle in Deutschland war, an der ein Studium der Eurythmie bis zur Lehrberechtigung und Bühnenbefähigung absolviert werden konnte.

  • Einer der wichtigsten Unterstützer der Eurythmie in Köngen war Dr. Ing. Emil Kühn, Teilhaber der Wendlinger Möbelfirma Erwin Behr und von Hause aus, genau wie sein Nachbar Otto Rennefeld, Anthroposoph. Emil Kühn und seine Frau Martha holten mit Else Klink und Otto Wiemer die künstlerische Leitung des bei einem Luftangriff 1944 völlig zerstörten Eurythmeums in Stuttgart nach Köngen, indem er ihnen drei Baracken der früheren "Organisation Todt" an der Autobahn vermittelte. Der Draht von Köngen nach Stuttgart war vorhanden: Frau Martha Kühn hatte in Köngen jahrelang mit großer Hingabe Kinderkurse in Eurythmie gegeben.

  •  Der Esslinger Landrat Georg Geist schrieb 1949 an das Kultusministerium: "Ich unterstütze mit meinem ganzen Einfluss bewusst diese Bestrebungen und diese Arbeit, ohne selbst Anthroposoph zu sein, weil sie insbesondere für die geistige und kulturelle Arbeit, die jenseits der Großstädte auf dem flachen Land besonders notwendig ist, außerordentliche Bedeutung hat und in zunehmendem Maße hoffentlich gewinnen wird." Das ihm unterstellte Landratsamt Esslingen erteilte bereitwillig Ausnahmegenehmigungen für "Studenten", die ab 1946 aus ganz Deutschland nach Köngen kamen und in der unmittelbaren Nachkriegszeit unter normalen Umständen keine Genehmigung zum Zuzug in das Kreisgebiet erhalten hätten. (Quelle: Kreisarchiv Esslingen)

  •  Im Herbst 1945 fand der Umzug statt. Leiter des „Eurythmischen Konservatoriums Köngen a.N.‘  waren Otto Wiemer und Else Klink. Vor allem Else Klink hat die Entwicklung der Eurythmie mitgeprägt. Aufgrund ihrer Arbeit gelang der Eurythmie der Schritt ins öffentliche Kulturleben. Aus vielen Städten Deutschlands, aber auch aus dem Ausland strömten die Schüler nach Köngen.

  • In Köngen entwickelte sich schon bald eine intensive Zusammenarbeit mit der Köngener Chorgemeinschaft "Eintracht Liederkranz". In Zusammenarbeit mit dem Gesangverein und Bürgern aus Köngen entstanden viele öffentliche Aufführungen von Stücken des österreichischen Dichters Raimund. Auch Stücke wie "Peer Gynt" von Henrik Ibsen und und "Jedermann" von Hugo von Hofmannsthal wurden aufgeführt. Rund 5000 Personen haben beispielsweise das Märchen "Dornröschen" gesehen, das die Eurythmisten mit den Kindergruppen aufgeführt haben. Der Höhepunkt eines jeden Jahres war die Aufführung der "Oberuferer Weihnachtsspiele" unter der Leitung von Otto Wiemer. Regelmäßige Auftritte des Köngener Ensembles im gesamten Bundesgebiet sowie im benachbarten Ausland (Schweiz, Niederlande) sprechen ebenfalls für den Erfolg des Eurythmischen Konservatoriums.

 

Else Klink (* 1907 auf einer kleinen Insel des Bismarck-Archipels, † 1994 in Köngen).

 

 
   

  •  Als 1964 das zerstörte Gebäude der Eurythmie-Schule Stuttgart wieder aufgebaut war siedelte das Köngener Eurythmische Konservatorium wieder nach Stuttgart um. Bei der Abschiedsvorstellung in der Eintrachthalle erklärte Bürgermeister Rath, man wisse, was man mit dem Konservatorium besessen habe und was man jetzt verliere. Die Eurythmieschule sei ein Kleinod im kulturellen Leben der Gemeinde gewesen, das man nie vergessen könne. Else Klink selbst blieb in Köngen, obwohl sie die Leitung des neuen Stuttgarter Eurythmeums übernahm. Sie wohnte bis an ihr Lebensende im Jahr 1994 in der Villa Kühn. Das durch das Leben und die Schule entstandene Band zu Köngen  blieb bestehen.  Noch heute besteht in Köngen ein Eurythmiestudio.

 
  • Der Neue Friedhof
 
  • Der ‚Alte Friedhof‘ lag über Jahrhunderte hinweg in unmittelbarer Nachbarschaft der Peter- und Paulskirche. Schon bald nach dem Ende des Krieges erkannte man, dass er zu klein wurde. Das Areal für eine neue Ruhestätte der Toten fand man Ende der fünfziger Jahre am Ortsrand Köngens.  Der ‚Neue Friedhof‘ sollte eine Stätte des Friedens, der Andacht und der Besinnung werden. Kein Verkehrslärm sollte stören. Nach einem intensiven Gedankenaustausch zwischen Bürgermeister Rath, Prof. Fritz, Prof. Nuss, Christian Oehler und Gartenarchitekt Koch nahm die neue Friedhofsanlage Gestalt an.

  • Erwin Rath, inzwischen über 90 Jahre alt, erinnert sich: „Wir waren uns einig, dass nichts Niederdrückendes, vielmehr von Aufrichte-Kräften Durchdrungenes entstehen sollte“.  Während einer Totenfeier in der neuen Friedhofskapelle, sollten alle Anwesenden, so Erwin Rath, „für einen Augenblick herausgelöst werden aus ihrem Alltag und in manchem bestärkt werden, was in ihrem Innern verborgen lebt“ .

    Die neue Friedhofskapelle

    Bild: Dieter Fischer

  • Im November 1961 fand unter großer Anteilnahme der Bevölkerung die Einweihung des ‚Neuen Friedhofs‘ statt. Heute noch, fast fünfzig Jahre danach, betrachtet man die gesamte Friedhofsanlage mit Ehrfurcht und erkennt, dass damals etwas Würdiges und Bleibendes von Rang geschaffen wurde. Besonders gilt dies für den Aussegnungsraum der Friedhofskapelle.  Dieser Raum wird einem großen farbigen Betonglasfenster von Christian Oehler (*1909, 1986) beherrscht. Dieses Bild spricht die Sprache von Leid und Erlösung, von Tod und Auferstehung und führt den Betrachter zur Ruhe, Sammlung und Besinnung.

    Betonglasfenster der Friedhofskapelle, erstellt von Christian Oehler 


Bild: Dieter Fischer
 
  • Unsere innere Beziehung zu dem großen  Fenster mit den leuchtenden Farben wird noch vertieft, wenn wir uns mit der Lebensgeschichte dieses großen Künstlers beschäftigen. Geboren wurde Christian Oehler in Stuttgart-Bad Cannstatt, seine Mutter war Schweizerin. Sein technisches Rüstzeug als Künstler erhielt er von 1932 bis 1939 an der Akademie der bildenden Künste in Stuttgart. 1940 bis 1945 war er Soldat und dann bis 1950 Kriegsgefangener in der Sowjetunion. Nach seiner Genesung von der körperlichen und seelischen Leidenszeit machte Oehler Studienreisen nach Italien, Spanien, Marokko, Griechenland und Frankreich, die sich in zahlreichen sonnendurchglühten Gemälden und Aquarellen niedergeschlagen haben. Von 1955 bis zu seinem Tod arbeitete der tief gläubige Oehler unermüdlich und mit schöpferischer Kraft an der bildhaften Bewältigung dessen, was ihm sein Leben an Menschenkenntnis und Glaubenserfahrung vermittelt hat. Seine Arbeitsplätze sind zwei Ateliers in Stuttgart und sein Berghaus in Glarus in der Schweiz. Überall aber, wo er aufzufinden ist, lebt er ein Eremitendasein unter dem inneren Zwange zur künstlerischen Aussage. Für Köngen hat Oehler ein einmaliges Kunstwerk geschaffen.


Die Gebietsreform  

  • Die Gebietsreform als Teil der Verwaltungsreform 
  Die Gebietsreform Baden-Württemberg war Teil einer umfassenden Verwaltungsreform und fand zwischen 1968 und 1975 statt. 

 

  • Ziel des Staates 

  •  Ziel des Staates war es, Verwaltungsabläufe bei den Gemeinden im Interesse der Bürger besser zu gestalten. Dazu gehörte auch die Anpassung und Erweiterung der Abläufe an die veränderte Infrastruktur ( Wohn-  und Straßenverhältnisse, Kindergärten und Schulen, Freizeiteinrichtungen, Sportanlagen sowie Kultur – und Sozialeinrichtungen).

  • Im Rahmen der Gemeindereform wurde bei einer Reihe von Gemeinden in Frage gestellt, ob ihre bisherige Struktur (Bevölkerungsgröße, Gebietsgröße, Gewerbe) und die Qualität ihrer  Verwaltung in der Lage ist, eine gute wirtschaftliche Zukunft zu gewährleisten.

  • Über die Hälfte der Gemeinden in Baden-Württemberg hatten weniger als 1000 Einwohner, ein starkes Viertel sogar weniger als 500 Einwohner.  Diese Zahlen machen deutlich, dass man eine höhere Effizienz der Verwaltung nur durch Zusammenschluss kleinerer Gemeinden oder über die Bildung von Verwaltungsgemeinschaften erreichen konnte.

  • Verwaltungsgemeinschaften sind in Baden-Württemberg Körperschaften des öffentlichen Rechts und setzen sich aus mehreren Gemeinden desselben Landkreises zusammen. Sie haben eine eigene politische Vertretung mit einem Bürgermeister als Vorsitzenden. Zu den Aufgaben einer Verwaltungsgemeinschaft zählen zum Beispiel die Aufstellung von Flächennutzungsplänen, Abwasserbeseitigung, Kassengeschäfte oder das Friedhofs- und Feuerwehrwesen.

  • Viel häufiger als die Anzahl der ‚Eingemeindungen‘, also das Aufgehen einer Gemeinde in einer oder mehreren anderen, sollte die Zusammenlegung von ehemals selbstständigen Gemeinden sein.

Die Landesregierung hoffte, dass möglichst viele Gemeinden sich freiwillig zusammenschließen würden. Tatsächlich hatte sich zwischen 1968 und 1973 die Zahl der Gemeinden um 1236 verringert. 

  •  Die Gebietsreform und die Gemeinde Köngen

  • Der Beschluss der Landesregierung

Die Gemeinde Köngen blieb nicht ohne Berührung mit der Gebietsreform.  In dem ‚Offiziellen Erlass des Innenministeriums zur Zielplanung‘ vom 15.3.1973 hieß es, dass die Gemeinde Köngen, auch gegen ihren eigenen Willen, mit der Stadt Wendlingen zu einer Verwaltungsgemeinschaft zusammengeschlossen werden soll. Die Stadt Wendlingen versuchte alles, um einen Zusammenschluss unter ihrer Federführung zu erreichen.

  • Erster Diskurs der Gemeinde Köngen mit dem Landtag

  • Die Mehrheit des Köngener Gemeinderats und der überwiegende Teil der für den 6. April 1973 einberufenen Bürgerversammlung wandten sich mit großem Engagement gegen eine Verwaltungsgemeinschaft mit der Stadt Wendlingen.

  • Obwohl die Gemeindeverwaltung unter der Leitung des leidenschaftlich agierenden Bürgermeisters Erwin Rath dem Innenministerium und dem Vorsitzenden des Verwaltungsreformausschusses den Standpunkt des Gemeinderats und das Ergebnis der Bürgerversammlung  in persönlichen Gesprächen mitteilte, konnten sich weder der Reformausschuss noch das Kabinett dazu entschließen, der Gemeinde Köngen einen eigenen Verwaltungsraum zuzugestehen.

  • Meinungsumfrage in der Gemeinde Köngen (1974)

In Köngen hatte sich in eine „Bürgerinitiative Selbständiges Köngen“  gebildet.  In der Zeit vom 9. – 11. Februar 1974 führte diese Organisation unter den wahlberechtigten Köngener Bürgern eine Meinungsumfrage zum Thema Verwaltungsgemeinschaft mit der Stadt Wendlingen durch. Bei einer Beteiligung von 86,6 % der Wahlberechtigten sprachen sich 95,4% für die weitere volle Selbstständigkeit und gegen eine Verwaltungsgemeinschaft aus.

  • Der Beschluss des Landtags

Am 4. Juli 1974 beschloss der württembergische Landtag in der entscheidenden Beratung des Gemeindereformgesetzes die Bildung einer Verwaltungsgemeinschaft der Gemeinde Köngen mit der Stadt Wendlingen.

 

  • Die Einwände der Gemeinde Köngen gegen eine Verwaltungsgemeinschaft

  • Altbürgermeister Erwin Rath charakterisierte die mit der Gebietsreform befassten Gremien mit folgenden energischen Worten:  „Es ist mir unverständlich, warum bisher niemand bereit war, sich bei der Verwaltungsreform nach dem Willen der Mehrheit der Bürgerschaft einer Gemeinde zu richten. Wer eine solche Entscheidung nicht der freien Einsicht der Gemeindeorgane überlässt, bringt zum Ausdruck, dass man vom Bürgerwillen und von der Selbstverwaltung im Grunde nicht viel hält, sondern eben Macht ausüben will.“

Hier ein an anderes Zitat von Erwin Rath, der sich unermüdlich für die Selbstständigkeit der Gemeinde Köngen einsetzte: „ Wenn sich – wie bisher – die Mehrzahl der Gemeinderäte und ein großer Teil der Bürgerschaft aus wohlüberlegten Gründen für die uneingeschränkte Selbstständigkeit, also für einen eigenen Verwaltungsraum der Gemeinde Köngen aussprechen und aktiv einsetzen, wird der Landtag nicht ungeprüft darüber weggehen können, ebenso wenig die Verwaltungsgerichte.“

  • „Niemand konnte wiederlegen, dass die Gemeinde Köngen gut und mit geringem Aufwand verwaltet wird und dass sie ihren Aufgaben bisher gewachsen war und es auch in absehbarer Zeit sein wird. Sie entspricht  bereits jetzt dem Modell und den Reformzielen der Landesregierung. Ihre Leistungsfähigkeit könnte durch eine Verwaltungsgemeinschaft auf keinem Gebiet gesteigert werden.“ (Erwin Rath)

  • Während der allgemeinen Debatte kam es wohl immer wieder zur Feststellung von Innenminister Schieß, eine kleine Gemeinde wie Köngen könne in einem industriellen Ballungsraum künftig keinen Blumentopf gewinnen. Diese offensichtliche Pauschalisierung wurde von dem Köngener Bürgermeister Erwin Rath energisch zurückgewiesen. Erwin Rath meinte: „ Wir dürfen Herrn Schieß nicht zugestehen, mir nichts anderes entgegenzuhalten“.

  • Der Flächennutzungsplan war  von besonderem Rang.  Jeder konnte  sich  darüber kundig machen, dass es für einen Bauleitplan im Grenzgebiet zwischen Wendlingen und Köngen überhaupt keine Flächen für einen Planungs-Spielraum gab. Zu den vorhandenen Plänen gab es keine echten Alternativen. Die beiden Flächennutzungspläne stimmten voll mit dem Landesentwicklungsplan und mit den bisherigen Regionalplanungen überein.

Wer die Entwürfe der Köngener und Wendlinger Flächennutzungspläne einsah, wusste, dass hier eigentlich schon alles geplant war  – und zwar aufeinander abgestimmt. Es gab also nichts mehr gemeinsam zu planen.

  • Unbeachtet blieben fast alle Hinweise darauf, dass es nicht nur keine Flächen für gemeinsame, zentrale Einrichtungen zwischen beiden Gemeinden gab. Kaum jemanden wurde auch bewusst, dass es praktisch drei Abgrenzungen zwischen Köngen und Wendlingen gab, die eine Kommunikation der Bewohner zumindest stark behinderten: die Eisenbahn, der Neckar und die Bundesstraße 313.

  • Erwin Rath sagt heute:  "Alle meine  Gesprächspartner mussten zugeben, bei näherem Zusehen und näherer Kenntnis der Verhältnisse könne die Meinung nicht aufrechterhalten werden, die beiden Gemeinden seien bereits eine Einheit oder sie könnten zu einem leistungsfähigeren Gebilde vereinigt werden. Nur haben aus dieser Einsicht bis September 1973 weder das Innenministerium noch das Kabinett den einzig möglichen Schluss gezogen, nämlich der Gemeinde Köngen einen eigenen Verwaltungsraum zuzugestehen."

  • Das Vorgehen der Gemeinde Köngen

  • Durch die unnachgiebige Haltung von Bürgermeister Rath, gemeinsam mit dem Gemeinderat und der Verwaltung sowie mit Unterstützung einiger Landtagsabgeordneter, hat  Innenminister Spieß im Landtag die persönliche Erklärung abgegeben, dass für diese Verwaltungsgemeinschaft alle Ausnahmebestimmungen angewendet werden können. Damit wurde garantiert, dass niemand die Absicht haben kann, die Stadt Wendlingen und die Gemeinde Köngen mehr zusammenzuspannen, als durch die gemeinsame Planung (d. h. gemeinsamer Flächennutzungsplan) unbedingt im Interesse dieses Raumes erforderlich ist. Da zeitweise auch der Gedanke einer Eingemeindung der Gemeinde Köngen im Raum stand, wurde dieser bereits im Vorfeld abgewendet.

  • Angesichts der Entscheidung des Landtags über die Bildung einer Verwaltungsgemeinschaft mit der Stadt Wendlingen bat der Köngener Bürgermeister Rath den Gemeinderat diesem Beschluss entweder zuzustimmen oder ihm mit geeigneten Mitteln, unter Mitwirkung der Bürgerschaft, entgegenzutreten. Am 16. Dezember 1974 stimmte der Gemeinderat für die Erhebung einer Normenkontrollklage. Die Verhandlung vor dem Staatsgerichtshof aufgrund der Klage der Gemeinde Köngen fand am 7. und 8. Mai 1976 statt. Am 16.12.1974 stimmte der Gemeinderat für die Erhebung der Normenkontrollklage.

  • Die Verhandlung vor dem Staatsgerichtshof auf Grund der Klage der Gemeinde Köngen fand am 7. und 8. Mai 1976 statt. Das Gericht wies die Normenkontrollklage ab und bestätigte somit die Entscheidung des Landtags.  Es wurde entschieden, dass die Stadt Wendlingen und die Gemeinde Köngen eine Verwaltungsgemeinschaft mit dem Ziel bilden müssen, einen gemeinsamen Flächen-Nutzungs-Plan zu entwickeln. Der Staatsgerichtshof legte fest, dass die Selbstständigkeit der Gemeinde Köngen - mit Ausnahme eines gemeinsam mit der Stadt Wendlingen zu erstellenden Flächen-Nutzungs-Plans - erhalten bleibt.

  • Der Erfolg der Gemeinde Köngen

Der Erfolg  der Gemeinde Köngen ist den unermüdlichen Bemühungen von Herrn Bürgermeister Erwin Rath, des Gemeinderats und der Verwaltung zu verdanken. Unerlässlich für die bleibende Selbstständigkeit war, dass sich die überwältigende Mehrheit der Bürger für ein selbständiges Köngen aussprach. Der Einsatz aller Kräfte und die überzeugende Ausschöpfung aller Möglichkeiten haben diesen Erfolg herbeigeführt.

Erwin Rath (*1919, †2014), der Altbürgermeister von Köngen


Zusammenfassung  

Gemeinderat und Gemeindeverwaltung haben seit 1945 die Voraussetzungen für die imposante wirtschaftliche und kulturelle Entwicklung geschaffen.

  •  Erschließung von Baugelände zur Schaffung von qualitativ hochstehendem Wohnraum für die steigende Zahl der Bevölkerung. Durch die weitsichtige, großzügige und den neuesten städtebaulichen Erkenntnissen entsprechende Planung wurde die Grundlage für eine organische bauliche Weiterentwicklung der Gemeinde geschaffen.

  • Für die gesunde wirtschaftliche Entwicklung der Gemeinde und für neue Arbeitsplätze wurde durch die Förderung der ansässigen und Ansiedlung neuer Industrie gesorgt.  Industrie und Gewerbe haben seit 1945 einen stetigen Aufschwung zu verzeichnen und wesentlich zur steigenden Finanzkraft der Gemeinde Köngen beigetragen. Die steigende Finanzkraft ermöglichte es, neue Einrichtungen wie zum Beispiel Schulen und Kindergärten zu schaffen und die Infrastruktur zu verbessern.

  • Erhöhung der Produktivität der landwirtschaftlichen Betriebe durch Flurbereinigung und Aussiedlung

  • Modernisierung des Ortes (Ortkernsanierung)

  • Vor allem in den 90er Jahren Schaffung einer hervorragenden sozialen Infrastruktur (Altersheim, Sozialstation).

Die Verleihung der Goldmedaille im Rahmen des Wettbewerbs „Bürger Deine Gemeinde“ im Jahre 1966 durch den ehemaligen Bundespräsidenten Heinrich Lübke waren die äußere Anerkennung für vorbildliche Planung und erfolgreiches Arbeiten.

 

Für vorbildliche Planung wurde im Jahre 1966 die Gemeinde Köngen im Rahmen des Bundeswettbewerbs "Bürger Deine Gemeinde" mit einer Goldplakette ausgezeichnet. Aus der Hand des damaligen Bundespräsidenten Heinrich Lübke nahmen die Stellvertreter des durch Krankheit verhinderten Bürgermeisters Erwin Rath, Ludwig Allmendinger und Wilhelm Zimmermann (Bildmitte) den Preis entgegen.

Bild: Dieter Fischer


Quellen  

  1. Gerhard Hergenröder: Köngen. Geschichte einer Gemeinde. Herausgegeben von der Gemeinde Köngen im Jahr 1985.

  2. 900 Jahre Köngen. Herausgegeben von der Gemeinde Köngen im Jahr 1976

  3. Der Landkreis Esslingen, Band 1 und 2. Herausgegeben vom Landesarchiv Baden-Württemberg in Verbindung mit dem Landkreis Esslingen. Ostfildern 2009

  4. Rechenschaftsbericht des Bürgermeisters Wilhelm Zaiser zur Bürgerversammlung am 28.12.1946 in der Eintrachthalle.

  5. Köngener Anzeiger, Sonderausgabe vom 7.1.1954. 1947 – 1953: Sechs Jahre Aufbau in Köngen. Deine Gemeine – ein Stück Heimat.

  6. Wahl des Bürgermeisters am 23.1.1966 (Wahlaufruf des Bürgermeisters Erwin Rath)

  7. Aktennotiz 29.9.1973 zur Gemeindereform (Erwin Rath)

  8. Aktennotiz vom 19.6.1974 zur Gemeindereform (Erwin Rath)

  9. Aktennotiz vom 28.6.1974 zur Gemeindereform (Erwin Rath)

  10. Aktennotiz vom 5.7. 1974 zur Gemeindereform (Erwin Rath)

  11.  Köngener Anzeiger. Sonderausgabe anlässlich der Einweihung der neuen Ortsmitte (15. – 17.7.1983), Verfasser : Dieter Fischer

  12. Ansprache von Altbürgermeister Erwin Rath anlässlich seines 80. Geburtstags am 8.10.1999


zurück zum Inhaltsverzeichnis Ortsgeschichte Köngen     Zurück zur vorhergehenden Seite


Haben Sie sich schon in unser Gästebuch eingetragen? Wir sind gespannt auf Ihren Kommentar!


Unser VereinVeranstaltungenDeutsche GeschichteGeschichte WürttembergsOrtsgeschichte KöngenDie RömerPublikationenKöngener Geschichten


Stand: 23.10.2014                        Copyright © 2014 Geschichts- und Kulturverein Köngen e.V.                         Autor: Dieter Griesshaber