Kolonialismus, Imperialismus

 

 

 

 

 

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Die Welt des späten Mittelalters (1250 - 1400)

Das Ende der Luxemburger und der Aufstieg der Habsburger Kaiserdynastie (1400 - 1517)

Die Reformation von Luthers Anschlag der 95 Thesen bis zum Wormser Reichstag (1517 - 1521)

Der Dreißigjährige Krieg (1618 - 1648)

Vom Westfälischen Frieden (1648) bis zum Regierungsantritt Friedrichs des Großen (1740)

Der Aufstieg Preußens zur europäischen Großmacht (1740 - 1763)

Die Französische Revolution bis zum Ende der Diktatur Robespierres (1789 - 1794)

Deutschland in der Zeit der Französischen Revolution und der Herrschaft Napoleons (1789 - 1815)

 Restauration und Revolution (1815 - 1830)

Monarchie und Bürgertum (1830 - 1847)

Die Revolution von 1848/49

Von der gescheiterten Revolution 1848 bis zur Gründung des Deutschen Reiches 1871

Die Innen- und Außenpolitik Bismarcks (1871 - 1890)

Das Deutsche Kaiserreich von 1890 bis zum Ausbruch der Ersten Weltkriegs 1914

Die Industrielle Revolution in England und Deutschland (1780 - 1914)

Europäischer Kolonialismus und Imperialismus (1520 - 1914)

Der Erste Weltkrieg (1914 - 1918)

Der Weg zur Weimarer Republik 1918 - 1919

Der Kampf um die Staatsgewalt in der Weimarer Republik (1919 - 1933)

Die Machtübernahme der NSDAP und die Errichtung der Diktatur Hitlers (1933 - 1939)

Der Zweite Weltkrieg (1939 - 1945)

Der Weg in die Teilung Deutschlands (1945 - 1949)

Der Kalte Krieg: Vom Kriegsende 1945  bis zum Bau der Berliner Mauer 1961

Die Ära Adenauer (1949 - 1963)

Die Kanzlerschaft Ludwig Erhards 1963 - 1966

Kalter Krieg Teil 2: Von der Kubakrise 1962 bis zur Auflösung der Sowjetunion 1991

Die Zeit der Großen Koalition 1966 - 1969

Die Ära Brandt (1969 - 1974)

Die Kanzlerschaft Helmut Schmidts (1974 - 1982)

Die Kanzlerschaft Helmut Kohls von 1982 bis 1987

Die Kanzlerschaft Helmut Kohls von 1987 - 1989

Der Weg zur Wiedervereinigung Deutschlands (Teil I: Die DDR von den siebziger Jahren bis zum Fall der Mauer im Jahr 1989)

Vom Fall der Berliner Mauer bis zur deutschen Einheit (1989 - 1990)

 

 

 
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Kolonialismus in Mittelamerika und der Karibik 1520 - 1760     Kolonialismus in Asien 1520 - 1760     Europäische Territorialherrschaft 1770 - 1880     Europäischer Imperialismus 1880 - 1914


Erläuterung von Begriffen


  • 'Kolonialismus' setzt die Begriffe 'Kolonie' und 'Kolonisation' voraus.
 
  • Als 'Kolonie' bezeichnet man ein unselbständiges Gebiet, in dem eine fremde Staatsmacht die direkte Herrschaft über die einheimische Bevölkerung ausübt. Die landfremden Herrschaftsträger stehen dabei in dauerhaften Abhängigkeitsbeziehungen zu dem räumlich entfernten "Mutterland", welches Besitzansprüche auf das  (meistens durch Gewalt erworbene) Territorium erhebt.
 
  • 'Kolonisation' bedeutet die Errichtung von Kolonien.
 
  • 'Kolonialismus' ist ein von 'Kolonie' abgeleiteter Begriff für die Übernahme der Herrschaft in Gebieten mit einer anderen Kultur durch militärisch überlegene Mächte. Die Gesellschaft des eroberten Gebiets wird ihrer historischen Eigenentwicklung beraubt und auf die Bedürfnisse und Interessen der neuen Herren hin umgepolt.
  Bei der kolonialen Herrschaft üben die Vertreter der Kolonialmacht die zentralen Hoheitsfunktionen wie Besteuerung, Rechtsprechung sowie Polizei- und Militärgewalt aus.
   
  • Zum 'Imperialismus' gehören der Wille und die Fähigkeit eines Landes, die eigenen nationalstaatlichen Interessen weltweit geltend zu machen. Alle Kräfte und Aktivitäten eines Volkes, die zum Aufbau und zur Erhaltung von größtmöglicher Macht über andere Länder und zum Erwerb der Weltherrschaft betragen können, werden gebündelt.
 
  • Der Imperialismus ist darauf gerichtet, durch koloniale Erwerbungen und militärische Unterwerfung sowie durch politische, wirtschaftliche und kulturelle Einflussnahme andere Länder und ihre Bewohner abhängig zu machen, auszubeuten und direkt oder indirekt zu beherrschen.
 
  • Zum Begriff des Imperialismus gehört nicht nur Kolonialpolitik, sondern Weltpolitik. Die Kolonien sind jetzt auch Objekte in globalen Machtspielen, d.h., sie können zum Beispiel durch Tausch oder durch Anerkennung von Ansprüchen anderer Länder zum Austarieren der internationalen Machtbalance eingesetzt werden. Im Gegensatz dazu ist der Kolonialismus auf den dauerhaften Erwerb von Kolonien ausgerichtet.
 
  • Im eigentlichen Sinne bezeichnet Imperialismus die Politik der industrialisierten europäischen Mächte, der USA und Japans seit dem letzten Drittel des 19. Jahrhunderts.

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Der frühe Kolonialismus in Mittelamerika und in der Karibik (1520  - 1760)


  • Um das Jahr 1500 lag Westeuropa noch an der Peripherie der zivilisierten Welt. Es war überschattet vom chinesischen Ming-Reich, dem mächtigsten und modernsten Staat jener Zeit, sowie vom aufstrebenden Osmanischen Reich und vom persischen Safwiden-Reich im Mittleren Osten. Mit den Entdeckungsreisen zur See ab ca. 1480 begann die Expansion Europas und die Ausbreitung der europäischen Zivilisation über die ganze Erde.
  • Die erste Phase des modernen Kolonialismus der Europäer setzte im 16. Jahrhundert mit den spanischen und portugiesischen Eroberungen in Süd- und Mittelamerika ein. Damit begann die globale Ausdehnung des Handelskapitalismus.
 
  • In dem im Jahr 1494 abgeschlossenen Vertrag von Tordesillas teilten Portugal und Spanien die außereuropäische Welt in eine portugiesische und eine spanische Einflusszone. Unter Vermittlung von Papst Alexander VI. versuchten die beiden katholischen Mächte, ihre bisherigen kolonialen Streitigkeiten beizulegen.
 
  • Ende des 15. Jahrhunderts wurde in zwei Serien von Reisen versucht, vom europäischen Kontinent aus einen Seeweg nach Südasien zu finden, um einen direkten Handel mit Gewürzen zu ermöglichen.
 
  • Die eine Serie ging von Portugal aus, benutzte eine südöstliche Route, nahm im Osten eingeborene Seefahrer in ihre Dienste und erreichte bald ihre Ziele: den Zugang zum Indischen Ozean (1488), Malabar (1498), Malakka (1511) und die Molukken (1512).
 
  • Die zweite Serie startete in Spanien, benutzte eine westliche oder südwestliche Route und war hinsichtlich ihres unmittelbaren Zwecks weniger erfolgreicher, aber durch zufällige Entdeckungen effektiver.
 
  • Christoph Kolumbus (* 1451, † 1506) sollte im Auftrag der spanischen Königspaars Isabella I. von Kastilien und Ferdinand II. von Aragon einen westlichen Weg nach Indien und China finden. Bei seiner ersten Entdeckungsreise (1492/93) entdeckte er Inseln in der Bahamas-Gruppe und erforschte die Nordküsten Kubas und Hispaniolas. Seine zweite Reise (1493/94) führte ihn an die Südküste Kubas. Auf seiner dritten Reise (1498) entdeckte er Trinidad und erkannte die Küste Venezuelas als Festland. Bis zu seinem Tod glaubte Kolumbus, Indien erreicht zu haben.
 

Christoph Kolumbus (* 1451, † 1506), italienischer Seefahrer, Entdecker Mittelamerikas  
       
 
  • Die Spanier stießen auf die Westindischen Inseln (1492) und das südamerikanische Festland (1498). Schließlich erreichten sie auch Südostasien, doch auf einer Route, die für Handelszwecke zu lang und zu beschwerlich war. Um den Pazifik zu erreichen, mussten sie eine riesige Landmasse umfahren.
 

Der italienische Seefahrer Americo Vespucci (* 1451, † 1512)  erkundete 1499 und 1500 im Auftrag Spaniens die Nordküste Südamerikas. Im Jahr 1501 brach er unter portugiesischer Flagge an die brasilianische Küste auf. Erst auf dieser zweiten Fahrt machte Vespucci die Entdeckung, dass er es nicht mit der Ostküste  Asiens, sondern mit einer ‚Neuen Welt’ zu tun hatte. Nach seinem Vornamen benannte der deutsche Kartograph Martin Waldseemüller auf seiner Weltkarte von 1507 die Neue Welt ‚America’.

   
 
  • Etwa 100 Jahre lang hinderten Spanier und Portugiesen andere Europäer daran, die von ihnen entdeckten Verbindungswege zu benutzen. Bei der dritten großen Serie von Reisen, die hauptsächlich von England, Frankreich und den Niederlanden ausgingen, suchte man deshalb in der nördlichen Hemisphäre einen Seeweg nach Asien. Nach 1632 wurde die Suche nach dem nördlichen Seeweg erfolglos aufgegeben. Zu dieser Zeit hatten Engländer und Niederländer das iberische Monopol gebrochen und den Asienhandel über die südöstliche Route eröffnet.
  Bezüglich des Hauptziels erfolglos, führten diese Reisen jedoch zur Entdeckung einer weiteren kontinentalen Landmasse mit einer fortlaufenden Küste von der Karibik bis zur Arktis. Damit wurde der Weg für die Erforschung und Besiedlung des östlichen Teils von Nordamerika durch Mittel- und Nordeuropäer geöffnet.
   
 
  • Eine weitere Phase der Entdeckungsgeschichte begann im 18. Jahrhundert. Sie wurde der Hoffnung auf wirtschaftlichen Gewinn, aber auch von wissenschaftlichem Erkenntnisdrang ausgelöst. Neu war, dass die Reisen statt von privaten Anlegern von Regierungen organisiert wurden. Ziel war vor allem die Erforschung des Pazifiks. Viele, bisher unbekannte Inselgruppen wurden entdeckt. So wurde festgestellt, dass Neuseeland eine Insel ist. Die Ostküste Australiens wurde erforscht und kurz darauf besiedelt.
  • Die Frühzeit des Kolonialismus war gekennzeichnet durch die Gründung von Handelsniederlassungen an den Küsten. Nur langsam drangen die neuen Siedler in das Landesinnere vor. Die Herrschaft über die Eingeborenen übten sie im Auftrag ihrer heimischen Fürsten aus.
  • Die Regierungen Spaniens und Portugals begannen rasch damit, die von ihnen entdeckten Gebiete auszubeuten.
 
  • Die Besiedlung von Hispaniola (zweitgrößte der 'Westindischen Inseln') begann 1493, teils in der Hoffnung, Gold zu finden, teils in der Absicht, einen Stützpunkt für den Handel mit dem vermeintlich nahe gelegenen China zu errichten. Die Entdeckung der Festlandküste (des Nordens von Südamerika) eröffnete die Möglichkeiten zum Sklavenhandel und zum Erwerb von Perlen und Goldschmuck.
 
  • Die spanische Bevölkerung in der 'Neuen Welt' war vorwiegend in größeren Siedlungen konzentriert und lebte am Anfang ausschließlich von der Ausbeutung der indianischen Gesellschaft. Etwas später betrieben die Spanier Viehzucht und Bergbau, wobei indianische Arbeitskräfte eingesetzt wurden. Um 1540 wurden in Mexiko und Peru ergiebige Silberminen entdeckt. Um 1560 war Silber das Hauptexportgut nach Spanien. Weitere Exportgüter waren Koschenille (Bezeichnung für getrocknete, zu Pulver zermahlene Koschenilleläuse, aus denen der Farbstoff Karmin gewonnen wurde), Häute, Talg und Zucker.
 
  • Die Portugiesen gingen um 1530 an die Besiedlung Brasiliens, angetrieben von der Furcht, die Franzosen könnten ihnen zuvorkommen. Um 1570 wurden die ersten Zuckerrohrplantagen mit Sklavenarbeit errichtet. Zwischen 1575 und 1600 wurde das brasilianische Küstenland zum führenden Zuckererzeugungsgebiet der westlichen Welt.
 
  • Den Spaniern und Portugiesen gelang es im 16. Jahrhundert, die Erzeugnisse der kolonisierten Gebiete (Edelmetalle, tropische Agrargüter wie z.B. Zuckerrohr) arbeitsteilig in ihre internationalen Handelsstrukturen einzubinden. Häufig wurden die exportorientierten Produktionssektoren erst geschaffen. Daneben wurde die Sklavenarbeit perfektioniert.
 
  • Die Expansion von Holländern, Engländern und Franzosen in die zunächst von Spanien dominierte karibische Inselwelt hatte ihre Ursache in dem Bestreben, am wirtschaftlichen Erfolg der Zuckerproduktion teilzunehmen.
 
  • Bis 1700 waren ca. 450.000 Afrikaner unter Zwang  in die nicht-spanische Karibik transportiert worden. Dazu kamen noch 600.000 afrikanische Sklaven in Brasilien. Im 18. Jahrhundert wurden etwa 3,3 Millionen Sklaven auf die britischen, französischen und holländischen Karibikinseln gebracht.
 
  • Der Portugiese Diogo Cão hatte 1482 die Mündung des Kongo in Afrika erreicht. Die dort errichteten Handelstationen dienten ab 1510 dem Sklavenhandel mit dem unter portugiesischer Herrschaft stehenden Brasilien.
  • Die 'Eroberer'  wurden von Priestern begleitet, welche die Ausbreitung des Christentums betrieben. Häufig bewirkte die Missionstätigkeit die Loslösung der Eingeborenen von ihren eigenen Kulturen.
  • Spaniern und Portugiesen gelang es, effiziente koloniale Territorialverwaltungen aufzubauen. Die um 1570 geschaffenen Herrschaftsstrukturen hatten mehr als zwei Jahrhunderte Bestand.
  • Zur Rechtfertigung einer territorialen Expansion hatte schon das Mittelalter eine komplizierte Lehre vom "gerechten Krieg" gegen Nicht-Christen entwickelt. Diese Lehre spielte im 16. Jahrhundert wieder eine Rolle, als die Eroberungen in der Karibik, in Mexiko und Peru Kritiker auf den Plan riefen, die an das Gewaltverbot des Neuen Testaments erinnerten. Es stellte sich die Frage, wie sich aus Recht und Religion die Zerstörung von Staaten und die wirtschaftliche Ausbeutung der Völker Amerikas rechtfertigen ließen. Die Debatte wurde auf hohem Niveau geführt, hatte jedoch keinerlei Auswirkung auf die Kolonialpolitik.
  • Im 17. Jahrhundert zeigten die Spanier Zeichen politischer und wirtschaftliche Schwächen. Außerdem erlitten sie mehrere militärische Niederlagen. Zwischen 1620 und 1640 unterbrach eine Offensive der 'Niederländischen Westindischen Kompanie' gegen die spanische Schifffahrt in der Karibik den Silbertransport nach Spanien. In der Folge wurden einige Inseln in den Kleinen Antillen durch Engländer und Franzosen besiedelt. Diese Siedlungen wurden innerhalb weniger Jahre zu wohlhabenden Zuckerrohrplantagen.
 
  • Einige bisher spanischen Inseln wechselten den Besitzer. Am Ende des 17. Jahrhunderts zog sich eine lange Kette von kleinen Kolonien der Engländer, Franzosen und Holländer von Barbados bis Quebec die amerikanische Küste entlang. Viele von ihnen waren ihrerseits Streitobjekte zwischen den Regierungen in den Mutterländern geworden. Jeder größere Krieg in Europa führte auch zu Kämpfen in Amerika.
 
  • Die wichtigsten spanischen Kolonien in Mittel- und Südamerika waren nicht ernsthaft bedroht. Ihre Sicherheit beruhte zum großen Teil auf der wachsenden Furcht französischer Vorherrschaft, die Engländer und Holländer dazu veranlasste, sich durch ein Arrangement mit Spanien abzusichern.
  Neuschottland, in französischer Hand, wurde als ernste Bedrohung Neu-Englands empfunden. Die Kette der französischen Handelsniederlassungen an den 'Großen Seen' und in den Tälern des Ohio und des Mississippi beunruhigte die Regierung im Mutterland, weil sie die Expansion nach Westen zu blockieren drohte.
   
  • Im Jahr 1700 starb Karl II. von Spanien kinderlos. Vor seinem Tod hatte er, wie von England, Holland und Österreich befürchtet, seine Krone und sein Reich an Frankreich vermacht. Da die drei Länder nicht bereit waren, das riesige Kolonialreich und die damit verbundene Machtkonzentration zu akzeptieren, die sich aus der Vereinigung der beiden Königreiche ergäben hätten, verbündeten sie sich zum 'Spanischen Erbfolgekrieg'. Dieser dauerte zwölf Jahre und endete mit der Zusage Frankreichs, dass der neue Bourbonenkönig von Spanien nie die französische Krone tragen würde.

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Der frühe Kolonialismus in Asien (1520  - 1760)


  • Nach der Entdeckung des Seewegs nach Indien durch Vasco da Gama (1498) bemühten sich die Portugiesen, die Gewürzlieferanten für Europa zu werden. Rasch errichteten sie Handelsposten und befestigte Stützpunkte an der Ostküste Afrikas, im nördlichen Indischen Ozean und im Malaiischen Archipel. Mitte des 16. Jahrhunderts besaßen sie mehr als 50 Stützpunkte und Handelsposten. Das arabische Monopol im Handel mit Indien wurde gebrochen.
   

Vasco da Gama (*1468 oder 1469, † 1524), portugiesischer Seefahrer, Entdecker des Seewegs nach Indien.

Gemälde von Gregorio Lopes, um 1524

 
       
  • 1557 nehmen die Portugiesen Macao, eine Insel vor der Küste Chinas, ein. Von dort aus trieben sie Handel mit Japan, wo sie mit chinesischen Waren willkommen waren, da die chinesische Regierung ihren Untertanen den Handel mit den Japanern verbot. Dieser Fernosthandel brachte Einnahmen zur Bezahlung der Ladungen von Pfeffer und anderen Gewürzen, die jedes Jahr von Goa (heute indischer Bundesstaat) nach Lissabon verschifft wurden.
  • Der Handel in Asien wurde von den Europäern von Anfang an (ca. 1505) mit dem 'Gewehr im Anschlag' betrieben. Sowohl die Portugiesen in der Phase ihrer kommerziellen Vorherrschaft als auch die Holländer, die sie seit etwa 1620 ablösten, und schließlich auch die Engländer, die ab ca. 1740 zur wichtigsten europäischen Handelsmacht in den östlichen Meeren aufstiegen, schalteten sich als 'Kaufmannskrieger' in bestehende asiatische Handelsverbindungen ein. Nur in wenigen Fällen (Ceylon, Westjava, auf der Insel Luzon) entstand vor dem letzten Drittel des 18. Jahrhunderts eine territoriale Kolonialherrschaft der Europäer.
  • Am Anfang des 17. Jahrhunderts begannen die Staaten Nord- und Mitteleuropas neben der Gründung von eigenen ständigen Kolonien in Amerika auch einen eigenen Fernosthandel zu entwickeln. In der Konkurrenz mit Portugal und Spanien hatten sie gewichtige Vorteile: leichteren Zugang zu Schiffbaumaterialien, besonders in der Ostsee, und differenzierte Methoden zur Konzentration von Investitionskapital und zur Absicherung von finanziellen Risiken.
  Die am häufigsten benutzte Organisationsform für Fernhandel und / oder Besiedlung war die staatlich privilegierte Aktiengesellschaft, die in Spanien und Portugal praktisch unbekannt war. Diese Gesellschaften konnten das Recht erhalten, zu erobern, zu siedeln, zu verwalten und zu verteidigen.

  • Die mächtigste europäische Gesellschaft im Fernen Osten war während des 17. Jahrhunderts die 1602 gegründete 'Niederländische Ostindische Kompanie'. Die Gesellschaft konnte, indem sie Stützpunkte an strategischen Orten errichtete, Druck auf lokale Herrscher ausüben. Eine größere Territorialmacht war sie jedoch noch nicht.
 
  • Die 'Niederländisch Ostindische Kompanie' errichtete 1619 in Batavia (heute: Jakarta) auf Java ihr östliches Handelszentrum und wurde zum weltweit erfolgreichsten Unternehmen ihrer Zeit und wurde von den Niederlanden als politische und militärische Waffe gegen Spanier und Portugiesen eingesetzt.
 
  • Vorrangiges Ziel der Gesellschaft war die Beschaffung von Gewürzen und anderen Luxusartikeln, mit denen auf den europäischen Märkten sehr hohe Gewinnspannen zu erzielen waren, im Malaiischen Archipel vor allem Pfeffer, Gewürznelken, Muskatnuss und Mazis (Muskatblüte). Neben den Pfeffer produzierenden Inseln Sumatra und Borneo gerieten die Molukken in das Zugriffsfeld der Niederländer.
  • Die 'Englische Ostindische Kompanie', im Jahr 1600 gegründet, trieb vor allem Handel mit Baumwollwaren und Pfeffer aus Indien. Stützpunkte waren die Städte Madras, Bombay und Kalkutta. Ab 1685 begann die Gesellschaft einen Chinahandel, indem sie Tee und Porzellan in Amoy und später in Kanton kaufte. Seit 1698 bekam sie Konkurrenz von der französischen 'Compagnie der Chine'.
  Diese beiden Gesellschaften zogen den Handel zwischen Europa und Asien immer mehr an sich. Als Ergebnis ihres Konkurrenzkampfes schrumpften territorialer Besitz und Gewinn der portugiesischen 'Estado da India' immer mehr zusammen.
  • Während des 'Österreichischen Erbfolgekrieges' (1740 - 1748) kam es zwischen den französischen und englischen Handelskompanien an der Küste Indiens zu einem bewaffneten Konflikt. Mit dem Tod des dortigen Herrschers entwickelte sich ein offener Krieg (1744 - 1763), der mit einem britischen Sieg endete. Robert Clives Sieg bei Plassey verschaffte der 'Englischen Ostindischen Kompanie' die Herrschaft über die Provinzen Bihar, Orissa und Bengalen.
 

Robert Clive (* 1725, † 1774), Begründer der britischen Macht in Indien.

Ölgemälde von N. Dance (Ausschnitt), National Portrait Gallery London

 
       

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Europäische Territorialherrschaft (1770 - 1880)


  • Schon vor der Zeit um das Jahr 1770 waren die europäischen Länder in vielen Einzelheiten von der Überlegenheit der eigenen Zivilisation überzeugt. Allerdings glaubten sie zu diesem Zeitpunkt noch nicht, dass sie in jeder denkbaren Hinsicht erfolgreicher und wertvoller seien als der Rest der Welt. Die Europäer respektierten andere Kulturen als im Prinzip gleichrangig.
  • In der Zeit zwischen etwa 1770 und 1830 änderte sich die Auffassung der Europäer von ihrer Stellung in der Welt fundamental. Der "Westen", wie es nun immer häufiger hieß, marschiere an der Spitze des historischen Fortschritts. Die Revolutionen in Nordamerika (also die Entstehung der USA) und Frankreich sollten beweisen, dass nur die westliche Zivilisation dazu fähig war, die 'ewigen Kreisläufe der Geschichte' zu durchbrechen und ein völlig neues Zeitalter von Freiheit beginnen zu lassen. Die Industrialisierung, die, von England ausgehend, nach 1820 auch den europäischen Kontinent und Nordamerika erfasste, vergrößerte den materiellen Abstand zum Rest der Welt und stärkte zunehmend das Selbstbewusstsein (bzw. die Überheblichkeit) des Westens.
  Das Selbstbewusstsein der Europäer gegenüber den Bewohnern anderer Kontinente erreichte im 19. Jahrhundert eine Dimension, die im 18. Jahrhundert undenkbar war. Es erschien fast allgemein als unzweifelhaft, dass die Europäer die außereuropäischen Völker weit überragten. So stellte zum Beispiel der nationalliberale deutsche Historiker Heinrich von Treitschke (1834 - 1896) in seiner oft gehalten Vorlesung "Politik" lapidar fest, die schwarze Rasse sei von jeher eine dienende gewesen. Der Wiener Forschungsreisende Karl Scherzer (1821 - 1903) spricht davon, dass "schiefäugige Mongolen, halbvertierte Äthiopier" dazu bestimmt seien, "beherrscht oder zermalmt zu werden" (Wanderungen durch ... Nicaragua, 1857, 5.4).
   
  • Die sechs Jahrzehnte nach 1770 war eine Periode beispielloser globaler Kräfteverschiebungen und Strukturwandlungen.
 
  • Vor 1770 war der politische Einfluss der Europäer auf die Staaten in Mittel- und Südamerika, in Asien und in Afrika noch sehr gering. Eine Ausnahme bildeten lediglich die zerstörten Reiche der Azteken und der Inkas. In Indien wurden die Europäer 250 Jahre lang nach der Entdeckung des Seewegs nach Indien auf Distanz gehalten. Ebenso wie in Westafrika und Südostasien war die europäische Präsenz auf Handelsplätze an der Küste beschränkt.
 
  • Im spanischen wie im britischen Amerika bewirkte eine größere Einflussnahme der Kolonialstaaten erfolgreiche Unabhängigkeitsbestrebungen kreolischer Kolonialeliten. Die Bildung neuer Nationalstaaten verhinderte nicht oder kaum ihre Einbindung in die Weltwirtschaft. Allerdings beendeten die Revolution der Sklaven in St. Domingue, die 1806 zur Gründung des Staates Haiti führte, sowie die schrittweise Abschaffung von Sklavenhandel und Sklaverei im atlantischen Raum, das goldene Zeitalter der spanischen  Zuckerinteressen auf den Westindischen Inseln.
  Das nicht mehr koloniale Lateinamerika wurde als Exportproduzent enger denn je in die Weltwirtschaft eingebunden.
   
 
  • Der 'Siebenjährige Krieg' (1756 - 1763) hatte zum Zusammenbruch der französischen Position sowohl in Kanada als auch in Indien geführt. Aus dem kolonialen Wettlauf mit Frankreich ging Großbritannien mit Territorialgewinnen hervor: Seit 1788 wurde Australien besiedelt, zunächst als Sträflingskolonie. Die Eroberung und Besiedlung Neuseelands begann 1840.
  • Etwa seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde die Herrschaft in den Kolonien von den Kolonialmächten direkt übernommen. Ihre Herrschaft stützte sich auf militärische Präsenz.
 
  • Die Formen der territorialen Expansion hatten sich gewandelt. Zuvor waren es meist einzelne Siedlergruppen oder Kaufleute gewesen, die - oftmals sogar gegen den Willen ihrer Staatsführung - Länder in Besitz nahmen. Nun ergriffen die Regierungen selbst die Initiative zur zielgerichteten und systematischen Durchdringung, Erschließung und Ausbeutung von militärisch eroberten Gebieten. Eigene staatlich Kolonialverwaltungen werden errichtet.
 
  • Über die Triebkräfte für den Erwerb von Kolonien durch die Regierungen wurde viel wissenschaftlicher Streit ausgetragen. Jedes Motiv für sich allein erklärt die Wirklichkeit nicht hinreichend. Vieles wirkte zusammen, auch gibt es nationale Besonderheiten im Groß- und Weltmachtstreben. Wirtschaftliche Motive spielten für alle Mächte eine Rolle: 1. die Erschließung und Sicherung neuer Rohstoffgebiete zur krisenunabhängigen, kontinuierlichen und preisgünstigen Versorgung der inländischen Verarbeitungsindustrie, 2. die Öffnung neuer Märkte zum profitablen Absatz des eigenen Produktionsüberschusses. 3. das Bestreben, die sozialen und wirtschaftlichen Konflikte im eigenen Land durch die Schaffung neuer Produktionskapazitäten und Absatzchancen zu entschärfen.
  • Der Ausbau der britischen Position in Indien (1770 - 1880)
 
  •  Anders als die Spanier in Mittelamerika verfolgten die Engländer in Indien zunächst keine Eroberungspolitik. Die 'Englische Ostindische Kompanie' betrieb ihren Handel von den Hafenstützpunkten aus. Militärische Vorteile der Engländer gegenüber den indischen Staaten gab es nicht.
 
  • Während der Niedergangsphase des indischen Mogulreiches, die von den Auseinandersetzungen zwischen den regionalen Mächten geprägt war, mischte sich die Kompanie immer mehr in die indische Innenpolitik ein. In Bengalen arrangierte man sich zum gegenseitigen Nutzen mit dem regionalen Fürsten. Der Zusammenbruch dieser "Kollaboration" ließ den Gedanken an Territorialherrschaft aufkommen. Ab 1755 verfolgten die Briten innerhalb des indischen Staatensystems eine Strategie der Unterwerfung. Hunderte von schein-autonomen Fürstenstaaten blieben bestehen, doch seit 1818 konnten sich die Briten als "paramount power", als unbestrittene Vormacht, auf dem Subkontinent fühlen.
 
  • Die 'Englische Ostindische Kompanie" fungierte in ihrer Doppelrolle als Geschäftsunternehmen und Staatsmacht. Der militärischen Ausweitung ihres Herrschaftsbereichs folgten im Wesentlichen folgende Schritte:
 
  • Sicherung des Handelsmonopols und der militärischen Vorherrschaft
 
  • Sicherung der Steuereinnahmen und Festlegung eines 'rechtlichen Regelwerks'
 
  • Aufbau einer bürokratischen Verwaltung, Eingriffe in die indische Gesellschaftsordnung.
 
  • Die englische Kolonialpolitik in Indien blieb nicht ohne Kritik. In den 1770er Jahren prangerte der anglo-irische Publizist und Parlamentarier Edmund Burke (1729 - 1797) die Willkürherrschaft der Ostindischen Gesellschaft an. Aus einer konservativen Grundhaltung heraus verteidigte er die historischen Rechte gewachsener Aristokratien und machte dabei keinen Unterschied zwischen dem englischen Hochadel und den Fürsten Indiens. Die Befürworter der britischen Expansion in Indien und anderswo hatten den Argumenten Burkes wenig entgegenzusetzen.
 

Edmund Burke (*1729, †1797), englischer Staatsmann und Philosoph  
       
 
  • Im 19. Jahrhundert wurde in England die Debatte um die Rechtfertigung des Kolonialismus weitergeführt. Eine breite Front, die auf eine permanente Ausweitung des englischen Imperiums hinwirkte und dies auch theoretisch begründete, gab es nicht. Ebenso wenig gab es die Bereitschaft, auf den gegenwärtigen Besitz Verzicht zu  leisten.
 
  • Als in den Jahren um 1820 die Interessen Russlands an Asien sichtbar wurden, bekam das Problem der Sicherheit Indiens und damit einer wesentlichen Quelle des britischen Reichtums neue Bedeutung. Die politische Publizistik forderte die Errichtung einer britischen Sicherheitszone vor Indien.
  Nachdem die Bereitschaft zu expansiver Kolonialpolitik in Asien durch die beginnende russische Konkurrenz geweckt worden war, sah eine Gruppe von radikalen Publizisten zwingende Gründe für eine aktive Kolonialpolitik in den inneren Verhältnissen Englands. So sah zum Beispiel Edward Gibbon Wakefield (1796 - 1862) in einer organisierten Auswanderung die Lösung zur Behebung der Armut im Inland. Diesen Aspekt verband er mit der Feststellung, dass in Großbritannien stets mehr Kapital vorhanden war, als sich gewinnbringend anlegen ließ. Die Überschüsse an Arbeitsangebot und Kapital müssten, so forderte Wakefield, ins Ausland gehen. Das im Inland überflüssige Kapital müsse neben der Ausweitung des Handelsimperiums auch neue Siedlungskolonien schaffen. Nur dadurch könnte, so Wakefield, die "drohende soziale Katastrophe" im Innern verhindert werden.
   
 
  • Die Expansionspolitik Großbritanniens unter Premierminister Benjamin Disraeli (reg. 1868/69 und 1874-1880) nahm systematische und umfassende Formen an.
  • Die deutsche Kolonialpolitik 1871 - 1884
 
  • Nach der Gründung des Deutschen Reichs 1871 spielte die Kolonialpolitik in Deutschland zunächst nur eine geringe Rolle. Reichskanzler Otto von Bismarck sah einerseits in dem Erwerb von Kolonien nur geringe wirtschaftliche Vorteile, andererseits erwartete er eine Gefährdung seiner Friedenspolitik.

 

Otto Fürst von Bismarck (*1815, † 1898),  1871 bis 1890 deutscher Reichskanzler.

Foto: pa/MAGNO

 

       
  Bismarck ging es bei seiner Bündnispolitik darum, Kriege in Europa zu vermeiden, in die Deutschland hineingezogen werden konnte. Deshalb musste er die gegensätzlichen Machtinteressen in Europa durch ein System von Gewichten und Gegengewichten in den Griff bekommen. Vor allem sollte Frankreich keine Gelegenheit bekommen, Bündnisse gegen das Deutsche Reich zu schließen.  Im Prinzip machte er die europäischen Mächte unmittelbar oder mittelbar vom Deutschen Reich abhängig.
   
 
  • Im Laufe der 70er Jahre wurde die Frage, ob Kolonien erworben werden sollen oder nicht, öffentlich diskutiert. 1873 wurde die "Afrikanische Gesellschaft in Deutschland" gegründet, die sich die geographische Erkundung Afrikas zum Ziel setzte. 1882 kam es zur Gründung des "Deutschen Kolonialvereins", der den Erwerb von Kolonien propagierte. Die 1884 gegründete "Gesellschaft für Deutsche Kolonisation" setzte sich aktiv für einen Kolonialerwerb ein.
  Schon Mitte des 19. Jahrhunderts gab es in Deutschland eine Vielzahl von Autoren, die sich darüber ärgerten, dass die umfangreiche deutsche Auswanderung ausschließlich den USA zugute kam. Daneben wurde die Expansion mit wirtschaftlichen Notwendigkeiten begründet. Für den deutschen Politiker Julius Fröbel (*1805, † 1893), 1848 Abgeordneter der Frankfurter Nationalversammlung, war eine Expansion Deutschlands unbedingt erforderlich ("Theorie der Politik", 1864). Einen Staat, der seine Stellung in dem "ökonomischen Weltsystem" nicht zu behaupten wusste, hielt er für verloren.
   

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Die Epoche des europäischen Imperialismus (1882 - 1914)


  • Das Besondere an der Epoche des Imperialismus war, dass sich neben den traditionellen Kolonialmächten Großbritannien, Frankreich, Spanien, Portugal und Russland auch neue, aufstrebende Mächte (die USA, das Deutsche Reich, Belgien, Italien, Japan) am Wettlauf um die - wie man glaubte - endgültige Aufteilung der Welt beteiligten. Um der Konkurrenz gewachsen zu sein, glaubten die Großmächte, große Teile der Erde als Rohstofflieferanten und / oder Absatzmärkte für die heimische Industrie beherrschen zu müssen.
 
  • Imperialismus - das war die Ausweitung der Machtsphäre eines Staates über seine Grenzen hinaus. Der Besitz von Kolonien sollte dazu dienen, die Stellung des eigenen Landes im Konkurrenzkampf mit den anderen Mächten zu stärken. Die imperialistische Politik wurde als nationale und wirtschaftliche Notwendigkeit zielbewusst verfolgt.
 
  • Die Sicherung der nationalen Existenz, die Wahrung der nationalen Interessen, der "Platz an der Sonne" wurden zu Parolen der Außenpolitik. Das nationale Prestigestreben spielte insbesondere bei den jungen europäischen Nationalstaaten eine große Rolle.
 
  • Wirtschaftlicher Konkurrenzkampf und nationales Prestigestreben ließ der jeweiligen Bevölkerung eines Landes ihren Staat als eine Schicksals-, Schutz- oder Kampfgemeinschaft erscheinen, die in ihrem Ringen um Selbstbehauptung keine Andersdenkenden dulden konnte. In den "nationale Kreisen" geriet jede Form von Opposition in den Verdacht, das Vaterland zu gefährden. Der Nationalismus entwickelte sich zu einer Ideologie, welche die bestehende Ordnung um jeden Preis erhalten wollte. Konflikte wurden als Übel angesehen, die für den nationalen Machtstaat lebensbedrohlich schienen. So nahm der Nationalismus autoritäre, undemokratische Züge an.
 
  • Als weitere Ursache der imperialistischen Ausdehnung wird auch die Strategie der europäischen Staaten angesehen, von sozialen und politischen Problemen im Innern abzulenken und diese durch außenpolitische Erfolge zu kompensieren (Sozialimperialismus).
  • Die Zeit zwischen 1882 und 1914 wird als klassische Epoche des Imperialismus bezeichnet. In diesem Zeitraum breiteten sich die westlichen, militär-, industrie- und kapitalstarken Staaten über die weniger entwickelten Regionen fast ganz Afrikas und Ozeaniens aus und festigten gleichzeitig ihre teilweise ältere Herrschaft in Asien. Der 'Imperialismus' setzte in Großbritannien ein und erfasste wie in einem Rausch die Großmächte der Welt. Der Kolonialbesitz erreichte 1914 seine größte Ausdehnung: er umfasste die Hälfte der Erdoberfläche mit mehr als einem Drittel der Weltbevölkerung.
  • Die Voraussetzungen zum Imperialismus wurden durch den technischen Fortschritt in den Industrieländern des Westens geschaffen. Bessere Waffen (Maschinengewehr), stärkere Transportsysteme (Eisenbahn und Stahlschiff) und bessere Kommunikationssysteme (Telegraphie) ermöglichten die Beherrschung großer Räume sowie die Nutzung und den Abtransport von Ressourcen. In fast allen Ländern Europas wuchs die Bevölkerung. So stieg die deutsche Bevölkerung von der Gründung des deutschen Kaiserreichs 1871 bis 1900 von 41 auf 56 Millionen.
  Der technische Vorsprung bewies in den Augen der Weißen ihre Überlegenheit. Der dadurch entstehende Rassendünkel, der Rassismus, zerstörte alte Moralvorstellungen und enthemmte sie, die Schwächeren blutig zu unterdrücken.
   
  • Die kolonialistischen Ziele wurden um 1900 gerechtfertigt durch die sozialdarwinistische Lehre von der Überlegenheit der weißen Rasse und ihrer Mission, Zivilisation, Gerechtigkeit, Ordnung und Wohlstand über die ganze Welt zu verbreiten.
  Die sozialdarwinistische Interpretation der internationalen Politik (das Recht des Stärkeren) war nur für wenige Jahre populär. Viele Politiker - und auch viele Gelehrte - in Europa und den USA - unterschieden zwischen den vitalen Nationen des modernen Westens und den schwachen Völkern der übrigen Welt und leiteten daraus einen "natürlichen Herrschaftsanspruch" ab. 'Geschichte' wurde als Kampf der Völker und Nationen um Vorherrschaft und Überleben verstanden.
   
  • Das Eröffnungssignal für den Imperialismus war das Vorgehen der Franzosen in Tunesien (1881). Tunesien wurde französisches Protektorat.  Nun ging es nicht mehr nur um eine indirekte, sondern um eine direkte politische und militärische Kontrolle des Territoriums.
  • Ein neuer Mitspieler im Konzert der Kolonialmächte war der belgische König Leopold II., der aus Gründen der internationalen Anerkennung und Mehrung seines persönlichen Reichtums nach Kolonien Ausschau hielt und deshalb im Jahr 1879 den englischen Forscher Sir Morton Stanley in das afrikanische Kongobecken schickte. Was zunächst als geographisch-wissenschaftliches Interesse verbrämt war, endete Januar 1884 in der Gründung des belgischen Kongo-Freistaats.
  Großbritannien und Portugal schlossen umgehend einen Vertrag um portugiesische Ansprüche am unteren Kongo gegen Belgien und Frankreich durchzusetzen und den Kongo-Freistaat vom Mündungsgebiet des Flusses abzuschneiden. Dagegen protestierte das Deutsche Reich, das 1884 Deutsch-Südwestafrika, Togo und Kamerun unter seinen "Schutz" gestellt hatte. Dabei wurde es von Frankreich unterstützt.
   
  • Der britische Imperialismus
 
  • Viele Briten waren von der Überlegenheit ihrer Zivilisation überzeugt und von dem Sendungsbewusstsein geprägt, dass eine britisch dominierte Weltordnung - die Pax Britannica - der beste Garant für Frieden, Stabilität und Gerechtigkeit auf Erden sei. Der wichtigste Baustein der britischen Weltordnung war Indien. Da die Briten angesichts der veränderten politischen Situation in Europa nach 1871 ihre Vormachtstellung in der Welt gefährdet sahen, glaubten sie, dieses "Kronjuwel" sichern zu müssen. Die Macht auf dem Subkontinent sollte gefestigt und die Sicherung der Seewege dorthin weiter ausgebaut werden.
  Die Ziele der britischen Politik waren die Erhaltung des europäischen Gleichgewichts und die Eindämmung der aufstrebenden Konkurrenz Russlands und der USA. Mit militärischen Interventionen (Großbritannien war die größte Seemacht!) sollten wirtschaftliche Interessen abgesichert und neue Gebiete erworben werden.
   
 
  • Erst sechs Jahre nach der Eröffnung des Suezkanals im Jahr 1869 erkannte Großbritannien dessen tatsächliche Bedeutung. Unter Premierminister Benjamin Disraeli erwarb die britische Regierung 1875 44 Prozent der Aktienanteile. In der Folge verstärkte die britische Kolonialpolitik die Kontrolle über Ägypten. Die Besetzung Ägyptens im Jahr 1882 diente der Sicherung des Seewegs nach Indien. Bereits im selben Jahr fuhren 80 Prozent der Schiffe, die den Suezkanal passierten, unter britischer Flagge.
  Der Suezkanal war am 17. November 1869 von der französischen Kaiserin Eugénie und dem ägyptischen Vizekönig Ismail Pascha eröffnet worden. Die 164 km lange Wasserstraße von Port Said nach Suez verband das Mittelmeer mit dem Roten Meer und verkürzte den Seeweg nach Asien erheblich. Finanziert wurde das Projekt zu zwei Dritteln durch europäische Anleger, den Rest steuerte Ismail Pascha und die ägyptische Regierung bei. Großbritannien hatte sich an der Erstfinanzierung nicht beteiligt.
       
  Ferdinand Marie Vicomte de Lesseps (*1805, † 1894), französischer Diplomat und Ingenieur, organisierte und leitete den Bau des Suezkanals.  
   
 
  • Den offiziellen Höhepunkt der Einrichtung der 'Pax Britannica' auf dem indischen Subkontinent bildete 1876 die Krönung Königin Viktorias zur Kaiserin von Indien. Das Versprechen Königin Viktorias, den Indern gleiche Rechte und Chancen wie ihren anderen Untertanen einzuräumen, blieb in der Praxis bedeutungslos. Die entscheidenden Positionen im Staatsdienst blieb den Briten vorbehalten.
  An der Spitze der Verwaltung stand der Generalgouverneur, der als Vertreter der Krone den Titel "Vizekönig" führte. Ihm zur Seite stand der 'Imperial Legislative Council', in dem vom Vizekönig ausgewählte indische Honoratioren an der Gesetzgebung mitwirken durften.
   
 
  • Auf dem Papier war Indien ein Teil des Weltmarkts. Tatsächlich aber blieb es eine abhängige, ausgebeutete Kolonie.
 
  • Unter dem Vorwand der "Grenzsicherung" gegenüber dem russischen Vordringen nach Mittelasien, versuchte Großbritannien, sich Afghanistan als abhängigen Pufferstaat zu unterwerfen. Nach einer schweren militärischen Niederlage im Jahr 1880 mussten sich die Briten zurückziehen. Mehr Glück hatten sie östlich des indischen Reichs, wo sie in zwei Schritten (1852 und 1885/86) Birma annektierten. 1903/04 wurde Tibet dem britischen Einfluss unterworfen.
 
  • Gegen Ende des 19. Jahrhundert entwickelte sich unter den gebildeten Indern ein Nationalbewusstsein und ein gewisser kultureller Nationalstolz. Die Vertreter dieses indischen Nationalismus wandten sich zunehmend gegen die Kolonialherrschaft. Sie kritisierten vor allem "die Auszehrung des Landes durch das Abschöpfen seiner Reichtümer" (Dadabhai Naoroji).
  Das Sprachrohr des neuen Nationalismus war der "Indian National Congress", der erstmals 1885 in Bombay zusammentrat. Er forderte die Erweiterung der gesetzgebenden Gremien unter Beteiligung indischer Abgeordneter und einen leichteren Zugang zum Staatsdienst. In der britisch-indischen Verfassungsreform von 1892 wurden diese Forderungen nur zum Teil erfüllt.
   
 
  • Als der konservative Vizekönig Lord Curzon 1905 die Provinz Bengalen teilte, kam es im Nationalkongress zu Protesten. Eine Teilung des Kongresses in einen liberal-gemäßigten und einen national-revolutionären Flügel konnte 1907 nicht mehr vermieden werden.
 
  • Das britische Imperium beinhaltete um 1900 neben Indien auch Kanada, Australien und Teile Afrikas.
  • Der französische Imperialismus
 
  • Frankreichs Imperialismus konzentrierte sich auf Afrika und Indochina. Eingeleitet wurde die imperiale Politik in den 80er Jahren des 19. Jahrhunderts von Ministerpräsident Jules Ferry. Den Ausgangspunkt bildete der bereits vorhandene Kolonialbesitz in Nordafrika (Algerien) und Cochinchina (Saigon). 1881 nahm Frankreich Tunesien und Teile des Kongo in Besitz, 1884 Guinea und anschließend große Teile Westafrikas und der Sahara. Marokko wurde 1911 zwischen Frankreich und Spanien aufgeteilt.
 
  • 1910 verfügte Frankreich über ein geschlossen zusammenhängendes Gebiet in West- und Zentralafrika. Differenzen mit Großbritannien konnten 1904 mit der 'Entente cordiale' beigelegt werden.
  • Der deutsche Imperialismus
 
  • Deutschlands "Platz an der Sonne" (Diktum des Außenministers Bernhard von Bülow) begann 1884/85 Gestalt anzunehmen, als Kanzler Otto von Bismarck, eigentlich dem Kolonialbesitz gegenüber skeptisch, mehrere Besitzungen deutscher Kaufleute unter den Schutz des Deutschen Reiches stellte.
 
  • April 1884: Besitzungen der Bremer Kaufmanns Adolf Lüderitz (Deutsch-Südwestafrika).
 
  • Juli 1884: Togoland sowie Besitzungen von Adolf Woermann in Kamerun
 
  • Februar 1885: von Carl Peters und dessen "Gesellschaft für deutsche Kolonisation" erworbenes Gebiet in Ost-Afrika (Deutsch-Ostafrika).
 
  •  April 1885: Wituland der Gebrüder Denhardt.
 
  • Mit der Übernahme von pazifischen Gebieten, Nord-Neuguinea (Kaiser-Wilhelm-Land) und der davor gelegenen Inselgruppe (Bismarck-Archipel) im Mai 1885 war die erste Phase deutscher Kolonialpolitik abgeschlossen.
 
  • Das wesentliche Motiv Bismarcks, in die Kolonialpolitik einzusteigen, war sein Bestreben, die kolonialfreundliche 'Nationalliberale Partei' bei der Reichstagswahl im Herbst 1884 für sich zu gewinnen und damit seine eigene Position zu stärken. Außerdem verschafften ihm die Spannungen zwischen Großbritannien, Frankreich und Russland einen größeren außenpolitischen Spielraum. Wirtschaftliche, soziale und nationale Motive hatten für ihn einen niedrigeren Stellenwert.
 
  • Bismarcks politisches Ziel, privaten Organisationen durch die staatlichen Schutzbriefe den Handel und die Verwaltung der jeweiligen 'Schutzgebiete' zu übertragen, scheiterte. Die in Togo und Kamerun etablierten Handelsgesellschaften weigerten sich, Hoheitsrechte auszuüben. Aufgrund der schlechten finanziellen Situation in fast allen 'Schutzgebieten' sowie der teilweise prekären Sicherheitslage waren Bismarck und seine Nachfolger gezwungen, alle Kolonien direkt und formell der staatlichen Verwaltung des Deutschen Reiches zu unterstellen.
 
  • Mit dem "persönlichen Regiment" Kaiser Wilhelms II. trat Deutschland 1890 in die imperiale Politik ein. Der Satz von der "zu spät gekommenen Nation" machte die Runde. Deutschland glaubte etwas zu versäumen, wenn es sich nicht rechtzeitig am Wettlauf um die Aufteilung der Welt beteilige.
 

 

 

Wilhelm II. (*1859, † 1941), Deutscher Kaiser von 1888 bis 1918

 

 

 
       
 
  • Deutschland sollte Weltmacht werden. "Weltpolitik als Aufgabe, Weltmacht als Ziel, Flotte als Instrument", so lauteten die Zielvorgaben Kaiser Wilhelms II.
  Die imperialistischen Agitationsverbände 'Alldeutscher Verband" und der Flottenverein nährten den übersteigerten Nationalismus und trugen zur fortschreitenden Isolierung des als überheblich geltenden Deutschen Reiches bei.
   
 
  • Die tatsächliche Bedeutung der kolonialen Erwerbungen, vor allem in Afrika, standen in keinem Verhältnis zum proklamierten "Griff nach der Weltmacht". Im Wettlauf um einen "Platz an der Sonne" - um die Kolonialisierung der noch nicht unterworfenen Gebiete - blieben die Erfolge gering.
 
  • Das von Bismarck geschaffene Bündnissystem wurde nicht mehr erneuert. Es kam zu einer französisch-russischen Allianz, die der alte Reichskanzler immer hatte verhindern wollen. Auch Großbritannien "versöhnte" sich mit seinem weltpolitischen Rivalen Frankreich. Das forsche "Alles-oder-nichts" des deutschen Kaisers führte das Reich in die Isolation. Nicht eine Einkreisung durch die anderen Mächte geschah, vielmehr eine Art von Selbstauskreisung Deutschlands, das sich umso stärker an Österreich-Ungarn band.
  Das Aneinanderrücken des späteren Entente-Mächte Großbritannien, Frankreich und Russland war nicht nur der Bereinigung ihrer kolonialen Streitigkeiten zu verdanken, sondern auch der seit Bismarcks Abgang wankelmütigen, wenig Vertrauen erweckenden deutschen Auenpolitik.
   
  • Die Aufteilung Afrikas
 
  • Die vertragliche Festlegung des freien Zugangs für Handel und Mission in Afrika war das offizielle Ziel der Afrikakonferenz, die vom 15. November 1884 bis zum 26. Februar 1885 unter dem Vorsitz von Reichskanzler von Bismarck in Berlin stattfand. Dreizehn europäische Staaten, die USA und das Osmanische Reich waren auf der Konferenz vertreten.
 
  • Mit der Erklärung der freien Schifffahrt auf den Flüssen Kongo und Niger für alle Nationen, der Schaffung einer Freihandelszone im Kongogebiet und der Missionsfreiheit in Afrika wurde die politische Zielsetzung auch erreicht.
 
  • Die bei der Konferenz geäußerten Absichten des "Zivilisationsauftrags" und der "Verbesserung der sittlichen und materiellen Wohlfahrt der eingeborenen Völkerschaften" waren so gut wie nichts wert. Die Souveränitätsrechte der afrikanischen Staatswesen, deren Vertreter man gar nicht erst zur Konferenz eingeladen hatte, wurden schlicht übergangen.
 
  • Tatsächliches Ergebnis der Konferenz war der Beschluss der kolonialen Aufteilung Afrikas. Der "unabhängige" Kongo-Freistaat wurde als persönlicher Besitz des belgischen Königs bestätigt und in seinen Grenzen bestimmt. Gleichzeitig wurden die Kriterien der "effektiven Besetzung" eines Gebiets als Voraussetzung der völkerrechtlichen Anerkennung von Kolonialbesitz festgelegt. Damit begann der Wettlauf der europäischen Mächte in Afrika um die noch nicht besetzten Gebiete und die endgültige Abgrenzung der bisherigen Besitzungen.
  Der Kongo-Freistaat wurde in der Folgezeit gnadenlos ausgebeutet. Im Mittelpunkt stand die Gewinnung von Naturprodukten wie Elfenbein, Palmöl und Gummi. Nach vielen internationalen Protesten über die Art und Weise der Zwangsarbeit der Eingeborenen, sah sich der König 1908 gezwungen, die Kolonie an den belgischen Staat abzutreten.
   
 
  • Afrika wurde zum hauptsächlichen Austragungsort des europäischen Konkurrenzkampfes. Im Jahr 1876 waren erst zehn Prozent des Kontinents in europäischen Händen, um 1900 hatte man den Kontinent fast vollständig aufgeteilt. Bis zum Beginn des Ersten Weltkriegs 1914 hatten außer Äthiopien und Liberia (einem von Amerikanern 1822 gegründeten Staat ehemaliger Sklaven) alle afrikanischen Gebiete ihre Unabhängigkeit verloren. Den Franzosen und Briten gehörte nun je ein Drittel des Erdteils, den Rest teilten sich Deutschland, Portugal, Belgien, Spanien und Italien.
  Am Vorabend der Aufteilung Afrikas waren allein Südafrika (seit 1652) und Algerien (seit 1830) europäische Kolonisationsgebiete. Punktuelle Einflüsse der Portugiesen (Angola, Mozambique), den Franzosen (Senegal) und Briten (Sierra Leone, Lagos) kamen hinzu. Die Stützpunkte an den Küsten bestanden teilweise seit dem 15. Jahrhundert und hatten bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts dem Sklavenhandel gedient.
   
 
  • Die Aufteilung Afrikas war nicht ohne schwere Konflikte unter den europäischen Mächten abgelaufen. "Vom Kap bis nach Kairo", so lautete das von Cecil Rhodes propagierte britische Interesse, also eine durchgängige Verbindung der südafrikanischen Besitzungen mit Ägypten. Dieses Interesse kollidierte mit dem französischen Bestreben, einen Ost-West-Gürtel von Dschibuti bis Dakar zu schaffen. In der Faschoda-Krise von 1898 eskalierte der Konflikt bis an die Schwelle des Krieges.
  In Faschoda, einer kleinen sudanesischen Ortschaft am Weißen Nil, war am 18. September 1898 ein französisches Expeditionskorps mit einer anglo-ägyptischen Streitmacht aneinander geraten. Im November zog Frankreich seine Soldaten (zumeist Westafrikaner) wieder zurück. Politisch gesehen hatte die Faschoda-Krise weit reichende Folgen. Im Sudanvertrag von 1899 grenzten Großbritannien und Frankreich ihre Interessengebiete ab. Frankreich anerkannte die britische Vorherrschaft in Ägypten, im Gegenzug unterstützte Großbritannien Frankreichs Interessen in Marokko.
   
 
  • Die Unterwerfung Afrikas durch den europäischen Imperialismus bedeutete einen großen Einschnitt in der Geschichte dieses Kontinents. Die lang andauernde Unterdrückung hat die afrikanischen Gesellschaften bis an ihre Grundfesten erschüttert. Einen Respekt von den Völkern Afrikas gab es nicht; die Kolonialisierung war brutal und ihre Nachwirkungen verheerend.
  • Die letzten Jahre vor dem Ersten Weltkrieg
 
  • In den letzten Jahren vor dem Ersten Weltkrieg befand sich Europa auf dem Höhepunkt seiner Vorherrschaft in der Welt, wenngleich die prosperierenden USA und Japan sich anschickten, eigene Interessensphären abzustecken. Allein im britischen Kolonialreich lebten 400 Millionen Menschen.
 
  • Die starke Betonung der Kriegs- und Kampfbereitschaft, die dem nationalen Machtstaat eigen war, führte zu einer Militarisierung des gesamten Lebens. Ein verbissener Rüstungswettlauf setzte ein und gewann bald eine gewisse Eigendynamik. Die Anforderungen an die eigene militärische Sicherheit wurden immer größer, aber zugleich wuchs auch die Kriegspsychose.
 
  • Bis auf Österreich-Ungarn waren alle anderen Staaten in Europa mehr oder weniger gegen Deutschland  verbündet. So sah Kaiser Wilhelm II. nur noch in einem Krieg die Chance, die Umklammerung Deutschlands aufzubrechen und sein Ziel, Weltmacht zu werden, zu erreichen. Den Anlass für einen Krieg bot die Ermordung des österreichischen Thronfolgers.
 
  • Typisch für das Zeitalter des Imperialismus, dass sich an den Rändern Europas - vor allem in Südosteuropa - Konflikte ausbildeten, die immer mehr zu sich verhärtenden Gegensätzen im Zentrum des alten Kontinents führten. Der Erste Weltkrieg, der am Ende der Epoche steht, war jedoch nicht unvermeidlich oder ein zwangsläufiges Resultat des Imperialismus. Mit dem großen Krieg endete ein ganzes Zeitalter: 1914 war der Anfang vom Ende des alten Europa.


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