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Das Rad nicht erfunden, aber
verständlich beschrieben
Von Thomas Schorradt
Internetseite des
Geschichts- und Kulturvereins Köngen gilt als Perle im
weltweiten Netz - Mehr als eine Million Aufrufe bisher
KÖNGEN/FUNAFUTI. "Die
Welt klickt sich auf Köngen", sagt Dieter Griesshaber. Tuvalu
auch. Auf der Südseeinselgruppe greift ein Internetsurfer
regelmäßig auf die Seiten des Geschichts- und Kulturvereins
Köngen zu. Im Netz genießt Griesshabers Geschichtsstunde schon
Kultstatus.
In seinem Berufsleben hat
der gelernte Computeringenieur Griesshaber der Geschäftsführung
von IBM als Chefberater zugearbeitet. Jetzt, im Ruhestand,
arbeitet er der weltweiten Internetgemeinde zu. Als Plattform
dient ihm die Homepage des Geschichts- und Kulturvereins Köngen.
Vor beinahe genau fünf Jahren, am 1. April 2001, hat Griesshaber
dort die erste Seite ins Netz gestellt. Inzwischen sind es 86
Dokumente, die Griesshaber den Nutzern kostenlos zur Verfügung
stellt.
Die Bandbreite der Themen
reicht von den römischen Kämpfen gegen die Germanen im ersten
vorchristlichen Jahrhundert über "Weltbild und
Gesellschaftsordnung des späten Mittelalters" bis hin zur
deutschen Wiedervereinigung. Allein der deutschen Geschichte von
1250 bis 1989 sind 30 Aufsätze gewidmet. Jeder von ihnen nimmt
ausgedruckt rund 14 DIN-A4-Seiten in Anspruch.
Die Begeisterung, mit der
sich die Netzgemeinde durch die Köngener Geschichtsseiten
klickt, lässt sich messen. Täglich wird die Adresse
http://www.geschichtsverein-koengen.de/ bis zu 2000-mal
aufgerufen. Seit die Geschichtsreise im Netz begonnen hat, ist
die Seite des Geschichts- und Kulturvereins mehr als eine
Million Mal aufgerufen worden. Spitzenreiter sind die Aufsätze
über die Innen- und Außenpolitik Bismarcks, die Weimarer
Republik und die Deutsche Teilung.
Das Interesse an der
Deutschen Geschichte ist weltweit. "Die Aufrufe kommen aus 80
Ländern der Erde", sagt Griesshaber. Tuvalu, eine Inselgruppe
nördlich von Neuseeland, zählt seit einem halben Jahr regelmäßig
zu den Top 30 in der Nationenwertung. Wer sich vom
Südseeparadies aus auf Köngen durchklickt, ist Griesshaber
bisher allerdings verborgen geblieben.
Nicht verborgen geblieben
sind ihm allerdings die begeisterten Kommentare, die ihm beinahe
täglich ins virtuelle Gästebuch geschrieben werden. Er habe das
Rad zwar nicht erfunden, aber es verständlich beschrieben - so
lässt sich zusammenfassen, was dem Internetautor massenhaft als
Dankesadresse zufliegt. Vor allem Schüler, Lehrer und Studenten
greifen gerne auf das gesammelte und gut verdaulich aufbereitete
Geschichtswissen Griesshabers zu. Der Anspruch, Zusammenhänge
ideologiefrei und verständlich aufzubereiten, ist für den
Computerfachmann die Leitlinie jeder Veröffentlichung. "Da
profitiere ich noch von meiner beruflichen Erfahrung. Bei den
Geschäfts- und Marktanalysen, für die ich verantwortlich war,
wird der Blick für das Wesentliche geschärft", sagt
Griesshaber.
Neben den geschichtlichen
Abläufen kommen auf seinen Seiten auch die gesellschaftliche und
die kulturelle Entwicklung nicht zu kurz. Jüngstes Ergebnis des
griesshaberschen Forschergeistes ist eine Abhandlung zum Thema
"Die Entstehung und Ausbreitung des Christentums". Wie bei den
anderen Aufsätzen auch hat sich Griesshaber dazu zwei bis drei
Monate in alle greifbare Literatur vertieft, die Fakten
gesammelt und auf den Punkt gebracht.
Nicht nur gemessen an der
Zahl der Zugriffe ist die Köngener Seite ein Renner. Auch
qualitativ gehört http://www.geschichtsverein-koengen.de/ zu den
Perlen im Netz. "Das hessische Kultusministerium empfiehlt
unsere Seiten im Rahmen des Projekts Lehrplan online sowohl den
Lehrern als auch den Schülern zum Studium", sagt Griesshaber.
Wer die Internet-Suchmaschine Google mit dem Stichwort "Deutsche
Geschichte" füttert, stößt gleich an zweiter Stelle auf die
Köngener Seite - nur getoppt vom Deutschen Historischen Museum
Berlin.
Artikel in der Esslinger
Zeitung vom 3.6.2006
Internet-Surfer in der
Südsee studiert die Römer
KÖNGEN: Geschichts-
und Kulturverein vermittelt Historie pädagogisch wertvoll -
Engagement für die Sanierung des Schlosses
Weshalb ist die Revolution
von 1848 in Deutschland gescheitert? Auf diese und andere Fragen
liefert der Köngener Geschichts- und Kulturverein Antworten im
Internet. Wissensdurstige aus der ganzen Welt - von einer
Südseeinsel bis in die USA - nutzen die Internet-Seite, die der
Köngener Dieter Griesshaber mit viel Sorgfalt gestaltet. "Ich
staune manchmal selbst, wer unsere Seite besucht", sagt der
historisch interessierte Webmaster.
Von Elisabeth Maier
Mehr als eine Million
Internet-Nutzer haben die Seite bisher aufgerufen. Vor genau
fünf Jahren startete Griesshaber das Projekt. Selbst ein
Internet-Surfer von der Südseeinsel Tuvalu klickt sich
regelmäßig auf die Seiten ein und will mehr über römische
Geschichte oder die Französische Revolution wissen. Darauf ist
der Computerfachmann Griesshaber besonders stolz.
Und auch die pädagogische
Qualität seines Internet-Auftritts ist ihm schon von berufener
Stelle bestätigt worden. Das hessische Kultusministerium
empfiehlt die Seite des Köngener Geschichts- und Kulturvereins
den Lehrern und Schülern zur Lektüre. Dass man auf der Köngener
Website gut über historische Fakten informiert wird, hat sich
inzwischen in ganz Deutschland herumgesprochen.
Geschichtskurs mit der
Maus
Ihn habe es manchmal
schockiert, wie wenig selbst Abiturienten über die deutsche
Geschichte wissen. "Da haben wir uns im Verein überlegt,
trockene historische Fakten für alle verständlich
aufzubereiten." Mit der Maus können junge und ältere
Internet-Nutzer quer durch die deutsche Geschichte surfen. "Das
ist ein Medium, das gerade junge Leute anspricht", sagt
Griesshaber.
Entsprechend lang ist die
Dankesliste, die dem Mitglied des Geschichts- und Kulturvereins
immer wieder ins elektronische Gästebuch flattert. Franziska
Schütt aus Grömitz in Schleswig-Holstein hat die Internet-Seite
sehr geholfen: "Hallo, ich muss zugeben, dass ich so eine bin,
die sich auf eine Klausur vorbereitet und ich bin sehr dankbar,
dass es diese Seite gibt, denn ich hatte schon befürchtet, dass
es schief gehen würde. Vielen Dank. Es ist toll, dass ihr eine
solche Seite auf die Beine gestellt habt."
Der Internet-Auftritt ist
nur eine der vielen Aktivitäten, die der Köngener Geschichts-
und Kulturverein seit Jahren initiiert. "Schwerpunkt unserer
Arbeit ist es, die Sanierung des Köngener Schlosses finanziell
zu unterstützen", sagt der Vorsitzende Bernd Weigel. Mit dem
Verkauf von Postkarten, Publikationen und mit den
Mitgliedsbeiträgen unterstützen die rührigen Bürger die
Sanierung des historischen Gebäudes. Den Einbau eines
stilgerechten Kachelofens im Renaissance-Rittersaal haben sie
mit 18 500 Euro finanziert. Ebenso ließen sie über dem
Nordportal ein Wappen der Ritter von Thumb und Neuburg
anbringen. Das sind die ursprünglichen Besitzer des Köngener
Schlosses. Derzeit legt der Restaurator Hans Cabanis aus
Esslingen eine weitere Wandzeichnung im Rittersaal frei. Auch
seinen Einsatz unterstützt und begleitet der Köngener
Geschichts- und Kulturverein. "Noch ist nicht viel zu sehen",
sagt der Restaurator bei der Arbeit im Rittersaal. "Aber ich
ahne schon, was da hinter der weißen Farbe auftauchen könnte",
meint er verschmitzt. Mehr möchte der Kunstexperte jetzt
allerdings noch nicht verraten. Das Freilegen von
Wandzeichnungen ist "eine sehr filigrane Arbeit, die immens viel
Zeit kostet", erklärt Cabanis.
Werbetrommel für
Sanierung
Die Hobby-Historiker wollen
aber mehr sein als Sponsoren: "Eine unserer wichtigsten Aufgaben
ist es, den Köngenern zu vermitteln, wie wichtig der Erhalt
ihres Schlosses ist", sagt Bernd Weigel. Selbst wenn das die
Kommune einiges koste, müssen man das als eine Investition in
die Zukunft sehen. In Gesprächen mit Gemeinderäten und Bürgern
rührt der Ingenieur, der an der Technischen Akademie Esslingen
tätig ist, die Werbetrommel für das Sanierungsprojekt. Ein
Kulturdenkmal wie das Schloss muss aus seiner Sicht für spätere
Generationen erhalten werden. "Das gehört zur Identität einer
Gemeinde."
Das größte Vergnügen
bereitet den Vereinsmitgliedern, selbst in Geschichtsbüchern
zu schmökern. In etlichen Publikationen haben sie Köngener
Geschichte für ein breites Publikum aufbereitet. "Das Schönste
ist, wenn wir dann über historische Themen diskutieren
können", findet Bernd Weigel.
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