Deutschland 1918 - 1919

 

 

 

 

 

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Die Welt des späten Mittelalters (1250 - 1400)

Das Ende der Luxemburger und der Aufstieg der Habsburger Kaiserdynastie (1400 - 1517)

Die Reformation von Luthers Anschlag der 95 Thesen bis zum Wormser Reichstag (1517 - 1521)

Der Dreißigjährige Krieg (1618 - 1648)

Vom Westfälischen Frieden (1648) bis zum Regierungsantritt Friedrichs des Großen (1740)

Der Aufstieg Preußens zur europäischen Großmacht (1740 - 1763)

Die Französische Revolution bis zum Ende der Diktatur Robespierres (1789 - 1794)

Deutschland in der Zeit der Französischen Revolution und der Herrschaft Napoleons (1789 - 1815)

 Restauration und Revolution (1815 - 1830)

Monarchie und Bürgertum (1830 - 1847)

Die Revolution von 1848/49

Von der gescheiterten Revolution 1848 bis zur Gründung des Deutschen Reiches 1871

Die Innen- und Außenpolitik Bismarcks (1871 - 1890)

Das Deutsche Kaiserreich von 1890 bis zum Ausbruch der Ersten Weltkriegs 1914

Die Industrielle Revolution in England und Deutschland (1780 - 1914)

Europäischer Kolonialismus und Imperialismus (1520 - 1914)

Der Erste Weltkrieg (1914 - 1918)

Der Weg zur Weimarer Republik 1918 - 1919

Der Kampf um die Staatsgewalt in der Weimarer Republik (1919 - 1933)

Die Machtübernahme der NSDAP und die Errichtung der Diktatur Hitlers (1933 - 1939)

Der Zweite Weltkrieg (1939 - 1945)

Der Weg in die Teilung Deutschlands (1945 - 1949)

Der Kalte Krieg: Vom Kriegsende 1945  bis zum Bau der Berliner Mauer 1961

Die Ära Adenauer (1949 - 1963)

Die Kanzlerschaft Ludwig Erhards 1963 - 1966

Kalter Krieg Teil 2: Von der Kubakrise 1962 bis zur Auflösung der Sowjetunion 1991

Die Zeit der Großen Koalition 1966 - 1969

Die Ära Brandt (1969 - 1974)

Die Kanzlerschaft Helmut Schmidts (1974 - 1982)

Die Kanzlerschaft Helmut Kohls von 1982 bis 1987

Die Kanzlerschaft Helmut Kohls von 1987 - 1989

Der Weg zur Wiedervereinigung Deutschlands (Teil I: Die DDR von den siebziger Jahren bis zum Fall der Mauer im Jahr 1989)

Vom Fall der Berliner Mauer bis zur deutschen Einheit (1989 - 1990)

 

 

 
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Die Ausrufung der Republik 1918


  • Am 3. Oktober 1918 wird eine parlamentarisch verantwortliche Regierung unter dem neuen Reichskanzler Max von Baden gebildet. Die Änderung der Verfassung von 1871 tritt am 28. Oktober in Kraft. Die wesentlichste Bestimmung lautet: "Der Reichskanzler bedarf zu seiner Amtsführung des Vertrauens des Reichstags." Damit war Deutschland eine Demokratie in der Staatsform der Monarchie (parlamentarische Monarchie). Hinter dem Reichskanzler stand mit den Sozialdemokraten, den Liberalen und dem Zentrum eine solide Parlamentsmehrheit.

  • Angesichts der drohenden militärischen Niederlage war die Oberste Heeresleitung für Friedensverhandlungen mit den Westmächten eingetreten. Um nicht selbst die Verantwortung für den verlorenen Krieg übernehmen zu müssen, hatte vor allem Ludendorff auf die Bildung einer parlamentarisch getragenen Regierung gedrängt. Diese sollte die Verhandlungen führen. Der Parlamentarismus war praktisch aus Furcht vor der Niederlage von oben (von Ludendorff) angeordnet worden.

Am 1. Oktober 1918 unterrichtete Ludendorf hohe Offiziere, "jetzt auch diejenigen Kreise an die Regierung zu bringen, denen wir es in der Hauptsache zu danken haben, dass wir so weit gekommen sind." Diese Verdrehung der Wahrheit legte den Keim für die so genannte Dolchstoßlegende, nach der die Heimat dem angeblich "im Felde unbesiegten deutschen Heer" in den Rücken gefallen war.

  • Reichskanzler Max von Baden zog zugleich alle kaiserlichen Vollmachten an sich, einschließlich der militärischen Kommandogewalt. Über Krieg und Frieden konnte ohne Zustimmung der Volksvertretung nicht mehr entschieden werden.

  Prinz Max von Baden (1867 - 1929), letzter Reichskanzler des Deutschen Kaiserreichs (3.10.1918 - 9.11.1918)

  • Der Übergang zu einem parlamentarischen Regierungssystem war ohne Gewaltanwendung vollzogen worden. Allerdings tauchten schon damals Zweifel auf, ob die alten Führungsschichten die Wende, d.h. den Verlust ihrer Staatsgewalt, auf Dauer akzeptieren werden. Diese Zweifel waren berechtigt!

  • Als bekannt wird, dass die Marine am 29. Oktober aufgrund eines Befehls der von der Heeresleitung getrennten Seekriegsleitung noch einmal gegen die englische Flotte kämpfen soll, meutern in Wilhelmshaven die Matrosen.

Die verantwortlichen Admirale hatten einen besonderen Ehrencodex entwickelt. Lieber wollten sie das Leben der Matrosen opfern als auf die Waffenstillstandsbedingungen des amerikanischen Präsidenten Woodrow Wilson (Abdankung der Monarchie und Friedensverhandlungen oder bedingungslose Kapitulation) einzugehen.

  • Am 3./4. November 1918 greift die Meuterei der Matrosen auf andere Städte über. Innerhalb weniger Tage erfasst die Erhebung ganz Norddeutschland. Jetzt verbünden sich Matrosen und Soldaten mit der Hunger leidenden Bevölkerung.

Sowohl die Industriearbeiterschaft als auch das Bürgertum litten unter der unzureichenden Nahrungszuteilung. Zusammen bildeten sie ein gewaltiges Protestpotential gegen die herrschenden Zustände.

  • Am 7. November stürzt mit dem Haus Wittelsbach die erste deutsche Monarchie. Kurt Eisner ruft in Bayern die Republik aus.

  • Ablauf der Ereignisse am 9. November 1918 in der Reichshauptstadt Berlin

  • Schon am frühen Morgen zogen Massen bewaffneter Arbeiter und Soldaten mit roten Fahnen zum Regierungsviertel.

  • 9 Uhr: Führende Offiziere erklären die am Vortag vom Kaiser geforderte Niederschlagung des Aufstandes in Deutschland durch die Frontarmee für unmöglich. Philipp Scheidemann (MSPD) tritt aus der Regierung Max von Baden aus.

  • Der Reichskanzler, Prinz Max von Baden, gibt um 12 Uhr mittags von sich aus den Thronverzicht des Kaisers (nicht der Hohenzollerndynastie!) bekannt. Wilhelm II. will zu diesem Zeitpunkt nur als deutscher Kaiser, nicht aber als König von Preußen auf den Thron verzichten.

  • Um 12:30 Uhr tritt Max von Baden als Reichskanzler zurück. Er übergibt die Regierungsgeschäfte dem Sozialdemokraten Friedrich Ebert.

  • Um 14 Uhr ruft Philipp Scheidemann vom Balkon des Reichstags die "Deutsche Republik" aus. Für ihn hat die Revolution ihr Ziel erreicht. Er betont die Reichseinheit. Vor allem will er Ruhe und Sicherheit.

Philipp Scheidemann: "Der Kaiser hat abgedankt. Er und seine Freunde sind verschwunden. Über sie alle hat das Volk auf der ganzen Linie gesiegt!"

 
 

Philipp Scheidemann (26.7. 1865 - 29.11.1939)

1903 - 1918 und 1920 - 1933 Mitglied des Reichstags, 1911 - 1920 Mitglied des Parteivorstands der SPD. Im ersten Weltkrieg wurde Philipp Scheidemann neben Friedrich Ebert zum anerkannten Führer der MSPD. Im Oktober 1918 tritt er als Staatssekretär im Kabinett des Prinzen Max von Baden ein.

  • Um 16 Uhr trifft der revolutionäre Sozialist (Kommunist) Karl Liebknecht mit einer großen Gruppe von Demonstranten vor dem Berliner Schloss ein. Vom Balkon des Schlosses ruft er die "freie sozialistische Republik" in Anlehnung an das sowjetische Rätemodell aus.

 

Karl Liebknecht (13.8.1871 - ermordet am 15.1.1919)

Für die SPD seit 1908 Mitglied des preußischen Abgeordnetenhauses, seit 1912 des Reichstags. 1915 gehörte Liebknecht zu den Gründern der Gruppe Internationale, aus der später der Spartakusbund hervorging. 1916 wurde er aus der SPD-Fraktion ausgeschlossen. Am 1.5.1916 veranstaltete er eine öffentliche Antikriegskundgebung und wurde zu vier Jahren Zuchthaus verurteilt, im Oktober 1918 begnadigt. - Ende 1918 war er an der Gründung der Kommunistischen Partei Deutschlands beteiligt.

  • In der Nacht vom 9./10. flieht Wilhelm II. nach Holland. (Am 28.November kommt es zur formellen Abdankung Wilhelms II. und zum Thronverzicht des Kronprinzen - damit endet die preußische Monarchie).

Der letzte Deutsche Kaiser verbrachte nach seinem offiziellen Thronverzicht nahezu 24 Jahre im Exil in den Niederlanden. Die erste Station war Schloss Amerongen. Mitte 1920 verlegte er seinen Aufenthaltsort nach Doorn, einem in der Provinz Utrecht gelegenen, von ihm erworbenen Landsitz. Bis zu seinem Tod am 4. Juni 1942 träumte Wilhelm II. von einer Rückkehr auf den deutschen Kaiserthron.

  • Die neue Regierung
 
  • Am 10. November 1918 übertrug Prinz Max von Baden dem SPD-Politiker Friedrich Ebert die Regierungsgeschäfte. Dieser bildete mit je drei Mitgliedern der Mehrheitssozialdemokratie (MSPD) und der Unabhängigen Sozialdemokraten (USPD) die neue deutsche Regierung, den 'Rat der Volksbeauftragten'.

  Friedrich Ebert (1871 - 1925), sozialdemokratischer Politiker, 1913 Parteiführer, 1918 Reichskanzler, 1919 vorläufig, 1922 endgültig Reichspräsident (bis 1925).

Friedrich-Ebert-Stiftung
 
 
  • Noch am Abend des 10. November kommt es zu einem Bündnis der Sozialdemokratie (Ebert, Noske) mit der Obersten Heeresleitung (Hindenburg, Gröner) zur Unterdrückung der linksradikalen Umsturzversuche. Eberts Absicht ist es, die Dynamik der Revolution zu kanalisieren.

  • Friedrich Ebert und seine Verbündeten im 'Rat der Volksbeauftragten' wollten den Einfluss der von Karl Liebknecht propagierten Rätebewegung nach dem Vorbild Russlands unbedingt eindämmen. Sie befürchteten einen Bürgerkrieg, falls die Linksradikalen die Oberhand gewinnen sollten. Aus Furcht vor einer bolschewistischen Bedrohung zog er die Zusammenarbeit mit den alten Mächten vor. Gerhard Gröner, der Nachfolger Ludendorffs in der Obersten Heeresleitung (OHL), sicherte ihm willig die Unterstützung des Heeres im Kampf gegen die "bolschewistischen Aufrührer" zu.

Als führender Mann der Übergangsregierung wollte Ebert über baldige freie Wahlen den Weg zu einer parlamentarischen Demokratie bahnen. Eine längerfristige Revolutionsdiktatur kam für ihn nicht in Frage.

  • Die Stützen der untergegangen Monarchie blieben überwiegend in Amt und Würden. Für den größten Teil der deutschen Bevölkerung lief das öffentliche Leben wie gewohnt weiter.

 
  • Am 11. November wird in dem französischen Städtchen Compiègne der Waffenstilltandsvertrag unterzeichnet.

Der Waffenstillstandsvertrag wurde zu einem Zeitpunkt geschlossen, als es noch gar nicht zu einer offenkundigen militärischen Niederlage gekommen war. Die Front verlief immer noch auf französischem und belgischem Gebiet. Das Eingehen der deutschen Regierung auf eine bedingungslose Kapitulation als Voraussetzung für den Waffenstillstand war für viele Deutsche unverständlich. So fiel es den Nationalisten leicht, zu verkünden, die Widerstandskraft sei durch pazifistische und bolschewistische Machenschaften geschwächt worden. Die Worte, die der sozialdemokratische Reichskanzler Friedrich Ebert vor den Truppen sprach - die deutschen Truppen seien "im Felde unbesiegt" heimgekehrt - waren Wasser auf die Mühle des nationalistischen und rechten Lagers.

 
  • Am 12. November verkündet der  Rat der Volksbeauftragten eine Reihe von sozialpolitischen Maßnahmen: 8-Stunden-Tag bei vollem Lohnausgleich, Aufhebung der Gesindeordnung, Koalitionsfreiheit. Die Gewerkschaften werden als Alleinvertreter der Arbeiterschaft anerkannt (kollektive Regelung der Lohnfragen durch Tarifverträge).

Am 5. Juli 1919 war in Nürnberg der 'Allgemeine Deutsche Gewerkschaftsbund' (ADGB) als Spitzenorganisation der freien Gewerkschaften gegründet worden.

 

 
  • Am 30. November beschließt der Rat der Volksbeauftragten eine Wahlordnung für die künftige Nationalversammlung.

 
  • 19. Dezember: Der Zentralrat der Arbeiter- und Soldatenräte erklärt sich für die Einberufung einer verfassungsgebenden Nationalversammlung. Die Weichen für eine parlamentarische Verfassung sind gestellt. Das Rätesystem wird abgelehnt. Am 23. Dezember folgt der Austritt der USPD aus dem Rat der Volksbeauftragten. In Berlin brachen blutige Unruhen aus.

Neben dem  durch freie Wahlen gekennzeichneten 'parlamentarischen Modell' stand bis zum 19.12. das 'Rätemodell' nach dem Vorbild Russlands zur Diskussion. Aufgrund der Wahl der Räte in den Vollversammlungen der Betriebe wäre die Kontrolle der Regierung  auf bestimmte Gruppen beschränkt gewesen (Die Räte sollten nicht selbst regieren!).

  • Am 11. Februar 1919 wählte die in Weimar tagende Nationalversammlung Friedrich Ebert, den Vorsitzenden der Revolutionsregierung, zum Reichspräsidenten. In seiner Dankesrede versprach der sozialdemokratische Parteivorsitzende, das Amt "als der Beauftragte des ganzen deutschen Volkes ..., nicht als Vormann einer einzigen Partei" wahrzunehmen.


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Die Ergebnisse des Ersten Weltkriegs


  • Der Versailler Vertrag
 
  • Am 7. Mai 1919 wird der fertige Text für den Friedensvertrag einer deutschen Delegation im Spiegelsaal von Versailles übergeben. Nach harten Diskussionen in der Weimarer Nationalversammlung wird die Annahme des Vertrags am 22. Juni 1919 mit 237 gegen 138 Stimmen bei 5 Enthaltungen beschlossen. In Sorge vor einer Wiederaufnahme des Kriegs und einem anschließenden Zerbrechen des Reichs unterzeichnen am 28. Juni 1919 der Sozialdemokrat Hermann Müller und der Zentrumspolitiker Johannes Bell den Friedensvertrag in Versailles. .

 
  • Landabtretungen: Deutschland verliert durch Landabtretungen im Westen, Norden und Osten 13 Prozent seines Gebietes und ein Achtel seiner Bevölkerung (6,4 Millionen, davon 3,4 Millionen Deutsche), 30 Prozent seiner Steinkohlenförderung und 75 Prozent seiner Erzerzeugung. Im Osten verliert es die landwirtschaftlich ertragreichsten Gebiete. Oberschlesien und der größte Teil Westpreußens fielen an den wieder erstandenen polnischen Staat. Die Stadt Danzig, zu neunzig Prozent deutsch, wurde zu einer "Freien Stadt", einem Freistaat unter dem Schutz des Völkerbundes. Da Polen einen Zugang zur Ostsee haben sollte, bekommt es einen Korridor, der Ostpreußen von Deutschland trennt. Im Westen wird Elsass-Lothringen an Frankreich zurückgegeben. Verzicht auf Kolonien.

Das Saargebiet sollte für 15 Jahre dem Völkerbund (siehe unten) unterstellt werden. Danach war eine Volksabstimmung über die Zugehörigkeit der Saarbewohner vorgesehen.

 
  • Entwaffnung: Bildung eines auf 100.000 Mann begrenzten Berufsheeres; Luftstreitkräfte werden verboten; Auslieferung aller Linienschiffe und Kreuzer sowie aller Unterseeboote.

 
  • Reparationen: Die Amerikaner schlagen eine Begrenzung auf 25 Milliarden Dollar vor; England und Frankreich glaubten 300 Milliarden Goldfrancs erzwingen zu können. Da man sich nicht einigen kann, soll eine Reparationskommission die endgültige Höhe der deutschen Zahlungen festsetzen. Neben Barzahlungen sollen auch Sachleistungen erfolgen.

 
  • Rheinlandbesetzung: Als Sicherheit für die Ausführung des Vertrags bleibt das linke Rheinufer in drei Zonen (Köln, Aachen-Koblenz, Trier-Pfalz-Mainz) auf 5, 10 und 15 Jahre besetzt. Das Rheinland wird "entmilitarisiert".

 
  • Die Empörung über den Friedensvertrag war in Deutschland in allen politischen Lagern anzutreffen. Es war unübersehbar, dass der Vertragstext eine französische Handschrift trug. Selbst wenn Frankreich seine Maximalforderungen nicht durchsetzen konnte, war es ihm doch gelungen, das seit der Reichsgründung bestehende Übergewicht des Deutschen Reiches in Europa zu beschneiden. Die Reparationen sowie verschiedene Beschränkungen im Außenhandel dienten dem Ziel Frankreichs, auch der Wirtschaftspolitik Deutschlands keine unkontrollierte Entfaltungsmöglichkeit zu geben. Nimmt man die sicherheitspolitischen Bestimmungen des Versailler Vertrags hinzu (vorübergehende Besetzung und dauernde Entmilitarisierung des Rheinlands, Obergrenze für das deutsche Militär, Verbot der allgemeinen Wehrpflicht), so führte der Vertrag zur Vorherrschaft Frankreichs in Europa.

Nur wenige Kabinettsmitglieder, darunter Matthias Erzberger, hatten sich für die Unterzeichnung des Vertrags von Versailles ausgesprochen. Große Teile der öffentlichen Meinung in Deutschland empfanden dieses Votum für die Annahme des 'Schanddiktats' als Verrat. Weite Kreise des rechten Spektrums projizierten ihre Enttäuschung über den faktisch verlorenen Krieg und das Ende der Monarchie auf die Person Matthias Erzberger.

 
  • Alle Regierungen der Weimarer Republik erklärten die Revision des Versailler Vertrags zu ihrem außenpolitischen Hauptziel. Der Spielraum der deutschen Außenpolitik war nach dem Ersten Weltkrieg größer geworden: der deutsch-britische Gegensatz war nicht mehr vorhanden, ebenfalls nicht mehr die Gefahr einer Bedrohung durch zwei Fronten, die Ostpolitik war nicht mehr von der Zustimmung der Sowjetunion abhängig.

 
  • Trotz der ihm auferlegten Lasten blieb das deutsche Reich ein hoch industrialisiertes Land. Es blieb zugleich das bevölkerungsreichste Land Europas. Ein Wiederaufstieg in den Kreis der Großmächte war keineswegs ausgeschlossen.

  • Im Versailler Friedensvertrag wurden die Deutschen als die Alleinschuldigen am Ausbruch des Ersten Weltkriegs ausdrücklich festgeschrieben.

 

Seit dem Erscheinen von Christopher Clarks Buch "Die Schlafwandler - Wie Europa in den Ersten Weltkrieg zog" ist diese einseitige Schuldzuweisung nicht mehr haltbar. Noch im Juli 1914 plante, so schreibt Clark, "keine einzige europäische Großmacht den Beginn eines Aggressionskriegs. Ein Präventivkrieg war nie Bestandteil einer politischen Linie geworden." Auch der deutsche Reichskanzler Bethmann Hollweg wollte keinen Krieg auslösen, wollte einem Krieg aber auch nicht aus dem Wege gehen, sollten die Russen ihn anstreben. Er akzeptierte den Krieg, solange er überzeugt war, dass er vom Gegner kam. Die deutsche Regierung befürwortete zwar eine Strafaktion Österreichs gegen Serbien, meinte aber, es handele sich um einen lokalen Konflikt. Dies war ein folgenschwerer Irrtum. Als Russland mobil machte flehte Kaiser Wilhelm II. in mehreren Telegrammen den Zaren, seinen Verwandten, die Mobilmachung rückgängig zu machen, aber in St. Petersburg gewannen die zum Krieg treibenden Kräfte die Oberhand. Die die deutschen Militärs nun Handlungszwang sahen, erklärte das Reich Russland den Krieg. Clark gelingt es diesem lesenswerten Buch (896 Seiten) deutlich zu machen, wie Menschen, die damals an der Macht waren, Entscheidungen trafen, die auch anders hätten ausfallen können. Der Kriegsausbruch, so schreibt Clark, "eine Tragödie, kein Verbrechen". Das bedeute aber nicht, "die kriegerische und imperialistische Paranoia der österreichischen und deutschen Politiker kleinzureden". Aber diese Paranoia habe es auf allen Seiten gegeben: "Die Krise, die 1914 zum Krieg führte, war die Frucht einer gemeinsamen politischen Kultur."

  • Der Völkerbund
 
  • Die politische Landkarte war am Ende der Friedensverhandlungen nach dem ersten Weltkrieg völlig verändert. Die Zahl der Staaten hatte sich beträchtlich erhöht, vor allem durch den Zerfall der Habsburger Doppelmonarchie und die Niederlage Russlands. Polen war wiedererstanden, da die drei Mächte, die es zuvor unter sich aufgeteilt und besetzt hatten, zu den Verlierern gehörten. Böhmen, Mähren und die Slowakei wurden zur Republik Tschechoslowakei vereint. Auf dem Balkan entstand als Nachfolger des kleinen Serbien das viel größere Jugoslawien, das mehrere Völker umfasste, von denen Serben und Kroaten die dominierenden waren. Im Nordosten wurden aus der Konkursmasse des Zarenreichs drei unabhängige baltische Republiken gebildet. Finnland war jetzt ein eigenständiger Staat. Von der Doppelmonarchie Österreich-Ungarn blieb nur eine kleine deutschsprachige Republik mit der Hauptstadt Wien. Leitgedanke für die Neuordnung der Staaten war die Selbstbestimmung nach dem Nationalitätenprinzip.

 
  • Der von dem amerikanischen Präsidenten Wilson gegründete Völkerbund stellte nach dessen Überzeugung den Kern des Friedenswerkes dar. Drohende Spannungen sollen durch eine überstaatliche Völkerorganisation im Dienste des Friedens überwunden werden.

 
  • Die Völkerbundsakte wird dem Friedensvertrag mit Deutschland vorangestellt (Artikel 21 - 26)

 
  • Die Völkerbundsakte sieht einen Völkerbundsrat vor, der aus fünf ständigen Vertretern der großen Mächte und neun periodisch aus der Zahl der kleinen Staaten gewählten Vertretern besteht, sowie einer Völkerbundversammlung mit gleichen Stimmrecht aller Mitgliedsstaaten. Für Beschlüsse beider Gremien ist Einstimmigkeit vorgeschrieben.

 
  • Die besiegten Staaten sind zunächst von der Mitgliedschaft ausgeschlossen.


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Struktur der Parteien in der Weimarer Nationalversammlung im Jahr 1919


  • Die Gesellschaft in Deutschland war in soziale Gruppen getrennt, die durch gemeinsame Lebensführung zusammengehalten wurden. Solche soziale Gruppen konnten das Wählerpotential für eine Partei darstellen.
  • Die Anhänger des parlamentarischen Regierungssystems - die 'Demokraten' - waren in vier Parteien organisiert: Mehrheitssozialdemokraten (MSPD), Deutsche Demokratische Partei (DDP), Zentrum, Bayerische Volkspartei (BVP).

  • Das 'Zentrum' und die 'Bayerische Volkspartei' (BVP) vertraten das katholische Milieu. Unter der Führung Matthias Erzbergers bekannte sich das Zentrum zum republikanischen Verfassungsstaat. Die Partei trat für die Rechte der katholischen Kirche und den Erhalt der Länder ein. Schwerpunkt war die Kulturpolitik (Forderung nach Einrichtung von Konfessionsschulen!). Der linke Flügel der Partei trat innenpolitisch für den Ausbau des Sozialstaats und für die Verständigung mit den Siegermächten ein. Der rechte Flügel vertrat eine revisionistische, nationalbetonte Außenpolitik.  Hochburgen des Zentrums waren die Städte Köln, Aachen, Koblenz und Trier. Die Wählerschaft der BVP lag insbesondere in Niederbayern und in der Oberpfalz.

 

Matthias Erzberger (* 1875 † 1921, ermordet)

Mitglied des Reichstags 1903 - 1918 (Zentrum), Leiter der Delegation, die am 11.11.1918 den Vertrag über den Waffenstillstand mit den Westmächten unterzeichnete, Reichsminister der Finanzen vom Juni 1919 bis März 1920.

  • Bei den Wahlen zur Verfassungsgebenden Nationalversammlung am 19. Januar 1919 erhielten Zentrum und BVP knapp 20 Prozent der Stimmen.

  • Die Bayerische Volkspartei (BVP) spaltete sich im Konflikt über die Haltung zum parlamentarischen System vom Zentrum ab und etablierte sich als konservativ-regionale Regionalpartei mit reichsweitem Betätigungsfeld.

  • Mehrheitssozialdemokraten (MSPD). Die sozialdemokratischen Parteien (MSPD und USPD) waren Vertreter der Industriearbeiterschaft. Hochburgen der MSPD sind die Städte Berlin, Hamburg und Magdeburg.

Im  April  1917 hatte sich der linke, marxistische Flügel der Sozialdemokratischen Partei in der 'Unabhängigen Sozialdemokratischen Partei' (USPD) wegen der unterschiedliche Haltung zu den Kriegskrediten  abgetrennt. Die USPD lehnte eine demokratische Ordnung ab. Bei den Wahlen zur Nationalversammlung 1919 erreichte die MSPD 37,9, die USPD 7,6 Prozent der Stimmen.

  • Die Deutsche Demokratische Partei (DDP) wurde im November 1918 mit dem Ziel gegründet, die liberalen Kräfte zu sammeln. Die Partei ging aus der früheren 'Fortschrittlichen Volkspartei' (FVP) und dem linken Flügel der Nationalliberalen hervor und siedelte sich im linksliberalen politischen Spektrum an. Sie forderte die strikte Trennung von Staat und Kirche, eine Begrenzung des staatlichen Einflusses auf die Wirtschaft sowie die Abschaffung wirtschaftlicher Monopole und strebte einen Ausgleich zwischen Kapital- und Arbeiterinteressen an.

Die DDP vertrat kein Milieu. Ihre Wähler waren überwiegend bürgerlich, lebten in einer Stadt und waren protestantisch. Darüber hinaus konnten 1919 auch Wähler aus dem landwirtschaftlichen Bereich gewonnen werden. Bei den Wahlen am 19. Januar 1919 erhielt die DDP 18,6 Prozent der Stimmen.

  • Die Anhänger des konstitutionellen (monarchischen) Regierungssystems  waren aus Parteien hervorgegangen, die früher die klassischen Regierungsparteien des alten Regimes bildeten (Monarchisten). Die Verfassung von 1871 hatte es dieser Gruppe bis 1918 gestattet, zu regieren, ohne die Mehrheit im Parlament zu haben.

  • Deutschnationale Volkspartei (DNVP). Diese im November 1918 gegründete Partei bestand aus den 'Konservativen'. Der Schwerpunkt ihres Programms lag in der Wiederherstellung der Monarchie. Die DNVP war extrem nationalistisch; eine demokratische Verfassung wurde abgelehnt. Sie vertrat die wirtschafts- und sozialpolitischen Interessen der ostelbischen Großgrundbesitzer und der Großindustrie. Bei den Wahlen zur Nationalversammlung am 19. Januar 1919 erhielt die DNVP 10,3% der Stimmen.

  • Die Deutsche Volkspartei (DVP) war Ende 1918 aus dem rechten Flügel der Nationalliberalen Partei und einzelnen Mitgliedern der Fortschrittspartei hervorgegangen. Als Partei der Schwerindustrie vertrat sie vornehmlich die Interessen des Großindustrie und des national gesinnten gewerblichen Mittelstands. Politisch noch stark der Gedankenwelt des Obrigkeitsstaates verhaftet, befürwortete die DVP den Aufbau einer starken Zentralgewalt. Außenpolitisch strebte sie eine Revision des Versailler Vertrages an. Anfangs des Jahres 1919 noch monarchistisch und nationalistisch gesinnt, arrangierte sich die DVP unter der Führung von Gustav Stresemann zunehmend mit dem demokratischen System und schwenkte auf den Kurs der Verständigung mit den Siegermächten ein. Bei den Wahlen zur Nationalversammlung am 19. Januar 1919 erhielt die DVP 4,4 Prozent der Stimmen.

  Gustav Stresemann (* 1878, † 1929)

1907-1912 und 1914 - 1918 Abgeordneter der Nationalliberalen Partei im Reichstag, 1917 Fraktionsvorsitzender, 1918 Gründer der rechtsliberalen Deutschen Volkspartei, 1919 Mitglied der Weimarer Nationalversammlung und ab 1920 Abgeordneter des Reichstags als Fraktionsvorsitzender seiner Partei. Im August 1923 wurde Stresemann Reichskanzler und Außenminister einer großen Koalition. Sturz seiner Regierung am 22.11.1923, danach bis zu seinem Tod Außenminister verschiedener Koalitionsregierungen.

Bildarchiv Preußischer Kulturbesitz BPK, Berlin
  • Spartakusbund und die Unabhängige Sozialistische Partei (USPD) erstreben die Diktatur des Proletariats und die Einführung des Rätesystems. Grundhaltung der USPD war ein radikaler Pazifismus, die bestehende Ordnung wurde grundsätzlich abgelehnt).

Die USPD hatte sich 1917 aus dem pazifistischen Flügel der SPD nach heftigem Streit über die Haltung zum Krieg gebildet. Die von ihr organisierten Massenstreiks gegen schlechte Lebensmittelversorgung und Fortführung des Kriegs verschafften der Partei Anhänger in jenen Teilen der sozialistischen Arbeiterschaft, die der MSPD wegen ihrer Zusammenarbeit mit den bürgerlichen Parteien "Verrat am Sozialismus" vorwarfen.

  • Die 'Kommunistische Partei Deutschlands' (KPD) wurde am 30. Dezember 1918 vom 'Spartakusbund' unter Führung von Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht gegründet. Die KPD war ein Produkt der russischen Revolution, die ihr großes Vorbild war. Ihre erklärten Ziele waren der Sturz der Regierung und die Errichtung der "Diktatur des Proletariats". Diese Ziele sollten nicht mit parlamentarischen, sondern mit revolutionären Mitteln erreicht werden.

Ein Aufstandsversuch der KPD in Berlin wurde wenige Tage nach der Parteigründung von Günter Noske (SPD) mit Unterstützung rechter Kampfverbände, den so genannten Freikorps, niedergeschlagen.

  • Am 19. Januar 1919 gaben zum ersten Mal in der deutschen Geschichte Frauen und Männer gleichberechtigt ihre Stimmen ab, um nach dem Untergang der Monarchie die neue Volksvertretung (Verfassungsgebende Versammlung / Nationalversammlung) aus der Taufe zu heben. Die gemäßigte Sozialdemokratie (MSPD) geht mit Zentrum und der Deutschen Demokratischen Partei (DDP) die so genannte Weimarer Koalition ein. Am 6. Februar 1919 beginnen die Abgeordneten des Parlaments ihre Arbeit.

Die Demokraten (MSPD, DDP und Zentrum) erhielten 76,1 Prozent der abgegebenen Stimmen; auf die Monarchisten (DNVP und DVP) entfielen nur 14,7 Prozent. Die Monarchisten hatten im Oktober 1918 die Staatgewalt an die Demokraten  verloren; dieses Ergebnis wurde bei den Wahlen zur Weimarer Nationalversammlung bestätigt. (Schon 1884 hatten die Demokraten die Mehrheit; neu war, dass sie nun die Regierung bilden konnten!)


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Die Weimarer Verfassung


  • Die Weimarer Verfassung wird nach langen Auseinandersetzungen am 31. Juli 1919 in der Nationalversammlung mit der Mehrheit von SPD, Zentrum und DDP verabschiedet. Dagegen stimmen die USPD, die Deutschnationale Volkspartei (DNVP) sowie die Deutsche Volkspartei (DVP). Am 11. August tritt die Verfassung in Kraft.

  • Politische Grundlagen der Weimarer Verfassung

  • Verstärkter Rückgriff auf die Ideen von 1848

  • Aufrechterhaltung der Einheit Deutschlands (Verstärkung der unitarischen Bindungen).

Die Weimarer Reichsverfassung beruht wesentlich auf dem Entwurf des Staatsrechtlers Hugo Preuß (* 1860, † 1925). Allerdings scheiterte sein Vorschlag, die Länderkompetenzen völlig zu zerschlagen, am Widerspruch der Einzelstaaten.

 
  Hugo Preuß (*1860, † 1925), deutscher Jurist, einer der 'Väter' der Weimarer Reichsverfassung

  • Wahlrecht und Grundrechte

  • Ausdehnung des allgemeinen Wahlrechts auf die Frauen; Verhältniswahlrecht

  • Volksbegehren und Volksentscheide sollen die repräsentative Demokratie - also die Herrschaft des Volkes durch gewählte Vertreter - für die Mitwirkung der ganzen Bevölkerung an politischen Entscheidungen öffnen.

  • Grundrechte schützen Recht und Freiheit der Persönlichkeit, der Kirchen und der sozialen Gruppen. Es gibt jedoch keinen Grundrechtskatalog (wie zum Beispiel heute im Grundgesetz der BRD).

  • Reichstag, Reichsregierung und Reichspräsident

  • Der Reichstag nimmt als demokratische Vertretung der Nation die entscheidende Machtstellung ein. Er entscheidet über Gesetzgebung, Bewilligung von Geldmitteln sowie über Krieg und Frieden. Bei der Gesetzgebung hat der Reichstag allerdings kein Initiativrecht. Gegenüber der Reichsregierung hat der Reichstag das Recht, ein Misstrauensvotum auszusprechen und sie damit zu stürzen. Der Rücktritt eines Ministers kann vom Parlament erzwungen werden.

  • Reichskanzler und Reichsregierung brauchen das Vertrauen der Mehrheit des Reichstags.

  • Der Reichspräsident wird unmittelbar vom Volk auf sieben Jahre gewählt. Er vertritt das Reich nach außen, ernennt und entlässt die obersten Reichsbeamten, führt den Oberbefehl über die Streitkräfte und besitzt ein Notverordnungsrecht (Art. 48) zur Sicherung des inneren Friedens. Aufgrund des Notverordnungsrechts hat der Reichspräsident verdeckte legislative Befugnisse. Die Notverordnungen müssen allerdings vom Reichstag nachträglich gebilligt werden. Der Reichspräsident ernennt den Reichskanzler und die Reichsregierung. Außerdem kann er den Reichstag auflösen. Die Neuwahlen müssen innerhalb von 60 Tagen stattfinden (innerhalb des Zeitraums von der Auflösung des Reichstags bis zu den Neuwahlen kann der Reichspräsident Notverordnungen ausgeben).

  • Aufgrund der weit gehenden exekutiven Befugnisse des Reichspräsidenten ist die 'Weimarer Republik' keinesfalls eine Demokratie. Der Grund für die Bündelung der Kompetenzen in der Hand des Reichspräsidenten liegt wohl darin, dass man, den Wirren der Zeit entsprechend, einen 'ruhenden Pol' (einen Ersatzkaiser) suchte, der die Interessengegensätze zu einer Einheit verband.

  • Die Machtfülle des Reichspräsidenten muss sich nicht unbedingt zum Nachteil der parlamentarischen Demokratie auswirken. Solange ein republiktreuer Politiker wie Friedrich Ebert (er war am 11. Februar 1919 zum vorläufigen Reichspräsidenten gewählt worden) an der Spitze des Staates stand, war kein solcher Nachteil zu befürchten. - Was aber geschieht, wenn ein Mann aus der alten Führungsschicht das Amt des Reichspräsidenten übernimmt?

Friedrich Ebert ging es um Ausgleich in mehrfacher Hinsicht: zwischen sozialdemokratischer Arbeiterbewegung und demokratischem Bürgertum, zwischen Neuordnung und Bewahrung, zwischen Reich und Ländern. Er verstand sein Amt immer als Teil und nicht als Gegenpol der Regierung. In das politische Tagesgeschäft wollte Ebert so wenig wie möglich eingreifen. Seine Rolle sah er vielmehr als Hüter der Verfassung und als Bewahrer der demokratischen Ordnung.

  • Reich und Länder

  • Das Reich ist gegenüber den Ländern oberster Träger der Gesetzgebung.

  • Die Länder verlieren das Gesandtschafts- und Konsulatsrecht und damit die Mitwirkung an der Außenpolitik.

  • Die Streitkräfte und die Einkünfte aus der Einkommens- und Vermögenssteuer gehen auf das Reich über.

  • Der Reichsrat, die Vertretung der Länderinteressen, wirkt an der Gesetzgebung mit. Mit Zweidrittelmehrheit kann er vom Reichstag überstimmt werden. Die Zustimmung des Reichsrats muss nicht bei jedem Gesetz eingeholt werden. Die tatsächliche Mitwirkung des Reichsrats an der Gesetzgebung ist weit gehend zu vernachlässigen.

Preußen büßte seine beherrschende Stellung in der Ländervertretung ein. Sein Einfluss auf die Reichspolitik war bei weitem nicht mehr so groß wie zu Zeiten des Kaiserreichs.


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Literaturhinweise


Bracher, Karl Dietrich

Die Krise Europas 1917 - 1975 (=Propyläen Geschichte Europas 6.). Berlin 1976 (aktualisierte Ausgabe Berlin 1998).

Clark, Christopher

Die Schlafwandler - Wie Europa in den Ersten Weltkrieg zog. München 2013

Duppler, Jörg/Groß, Gerhard P. (Hrsg.

Kriegsende 1918. Ereignis, Wirkung, Nachwirkung. München 1998.

Hildebrand, Klaus

Das Deutsche Reich und die Sowjetunion im internationalen System 1918 - 1932. Wiesbaden 1977.

Kolb, Eberhard

Die Weimarer Republik (Oldenbourg Grundriß der Geschichte 16). 6. Aufl. München 2002.

Krüger, Peter

Die Außenpolitik der Republik von Weimar. 2. Auflage. Darmstadt 1993.

Krumeich, Gerd (Hrsg.)

Versailles 1919. Ziele - Wirkung - Wahrnehmung. Essen 2001

Mai, Gunther

Europäische Geschichte 1918 - 1939. Mentalitäten, Lebensweisen, Politik zwischen den Kriegen. Stuttgart 2001.

Möller, Horst

Europa zwischen den Weltkriegen (Oldenbourg Grundriß der Geschichte 21). München 1998.

Mommsen, Hans

Aufstieg und Untergang der Republik von Weimar 1918 - 1933.

Schulz, Gerhard

Revolutionen und Friedensschlüsse 1917 - 1920. 6. Auflage. München 1985.

Wirsching, Andreas

Vom Weltkrieg zum Bürgerkrieg? Politischer Extremismus in Deutschland und Frankreich 1918 - 1933/39. Berlin und Paris im Vergleich. München 1998.


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Stand: 13.11.2016                           Copyright © 2016 Geschichts- und Kulturverein Köngen e.V.                                  Autor: Dieter Griesshaber