Deutschland 1789 - 1815

 

 

 

 

 

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Inhalt

 

Die Welt des späten Mittelalters (1250 - 1400)

Das Ende der Luxemburger und der Aufstieg der Habsburger Kaiserdynastie (1400 - 1517)

Die Reformation von Luthers Anschlag der 95 Thesen bis zum Wormser Reichstag (1517 - 1521)

Der Dreißigjährige Krieg (1618 - 1648)

Vom Westfälischen Frieden (1648) bis zum Regierungsantritt Friedrichs des Großen (1740)

Der Aufstieg Preußens zur europäischen Großmacht (1740 - 1763)

Die Französische Revolution bis zum Ende der Diktatur Robespierres (1789 - 1794)

Deutschland in der Zeit der Französischen Revolution und der Herrschaft Napoleons (1789 - 1815)

 Restauration und Revolution (1815 - 1830)

Monarchie und Bürgertum (1830 - 1847)

Die Revolution von 1848/49

Von der gescheiterten Revolution 1848 bis zur Gründung des Deutschen Reiches 1871

Die Innen- und Außenpolitik Bismarcks (1871 - 1890)

Das Deutsche Kaiserreich von 1890 bis zum Ausbruch der Ersten Weltkriegs 1914

Die Industrielle Revolution in England und Deutschland (1780 - 1914)

Europäischer Kolonialismus und Imperialismus (1520 - 1914)

Der Erste Weltkrieg (1914 - 1918)

Der Weg zur Weimarer Republik 1918 - 1919

Der Kampf um die Staatsgewalt in der Weimarer Republik (1919 - 1933)

Die Machtübernahme der NSDAP und die Errichtung der Diktatur Hitlers (1933 - 1939)

Der Zweite Weltkrieg (1939 - 1945)

Der Weg in die Teilung Deutschlands (1945 - 1949)

Der Kalte Krieg: Vom Kriegsende 1945  bis zum Bau der Berliner Mauer 1961

Die Ära Adenauer (1949 - 1963)

Die Kanzlerschaft Ludwig Erhards 1963 - 1966

Kalter Krieg Teil 2: Von der Kubakrise 1962 bis zur Auflösung der Sowjetunion 1991

Die Zeit der Großen Koalition 1966 - 1969

Die Ära Brandt (1969 - 1974)

Die Kanzlerschaft Helmut Schmidts (1974 - 1982)

Die Kanzlerschaft Helmut Kohls von 1982 bis 1987

Die Kanzlerschaft Helmut Kohls von 1987 - 1989

Der Weg zur Wiedervereinigung Deutschlands (Teil I: Die DDR von den siebziger Jahren bis zum Fall der Mauer im Jahr 1989)

Vom Fall der Berliner Mauer bis zur deutschen Einheit (1989 - 1990)

 

 

 

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Französische Revolution 1789 - 1794     Revolutionskriege 1792-1797     Zweiter Koalitionskrieg 1798-1801     Die Französische Revolution und die Deutschen     Zusammenbruch des alten Deutschen Reiches     Reformen in Preußen     Napoleons Niederlage in Russland und der Befreiungskrieg


Revolutionskriege 1792 - 1797


  • In Preußen regierte seit dem Tod Friedrichs des Großen (1786) sein  Neffe Friedrich Wilhelm II.. Kaiser des Reichs war seit 1790, dem Todesjahr Josephs II., dessen Bruder Leopold II.. Keiner dieser Herrscher war zunächst geneigt, sich in einen Konflikt mit Frankreich hineinziehen zu lassen.
 

Friedrich Wilhelm II. (*1744, †1797), König von Preußen von 1786 bis  1797    
         
 
  • Ebenso wie in England hielt man auch in Preußen und Österreich die Französische Revolution für eine willkommene Schwächung der Handlungsfähigkeit Frankreichs nach außen.

 
  • Der aufgeklärte Absolutismus, der von den Habsburger Kaisern praktiziert wurde, hatte wie die Französische Revolution seine Wurzeln in der Aufklärung. So betrachteten sie die ersten inneren Reformen der französischen Revolutionäre mit  Sympathie.  Leopold hatte bereits 1783 für sein damaliges Großherzogtum Toskana den Verfassungsentwurf einer konstitutionellen Monarchie auf der Grundlage der Volkssouveränität ausarbeiten lassen.

 
  • Die beiden deutschen Großmächte hatten dazu noch andere Probleme. Die Gefahr einer kriegerischen Auseinandersetzung zwischen Preußen und Österreich war zwar durch die Konvention von Reichenbach im Sommer 1790 beseitigt, doch Leopold II. benötigte zu Beginn seiner Amtszeit alle Kräfte, um die Aufstände beizulegen, die gegen die Reformen seines Vorgängers in Belgien und Ungarn ausgebrochen waren. Preußen widmete seine ganze Aufmerksamkeit Polen und der Möglichkeit einer zweiten Teilung dieses Staates.

  • Die französische Nationalversammlung hatte eine 'einheitliche und unteilbare Nation' geschaffen. Sie weigerte sich deshalb, die Rechte von deutschen Fürsten auf französischem Boden anzuerkennen. Die Girondisten in der Versammlung forderten die Rheingrenze für Frankreich und damit die Annexion der bestehenden deutschen Enklaven. Außerdem beschwerten sich die Franzosen darüber, dass die rheinischen Kurfürsten  Emigranten, vor allem den Brüdern Ludwigs XVI., Zuflucht gewährten und diesen sogar gestatteten, Regimenter zur Bekämpfung der Revolution anzuwerben.

  • Durch den gescheiterten Fluchtversuch König Ludwigs XVI. im Juni 1791 war in Frankreich das Gebäude der konstitutionellen Monarchie ins Wanken geraten. Sowohl bei Friedrich Wilhelm II. von Preußen als auch bei Leopold II. nahm der Gedanke gemeinsamer Aktionen zur Hilfeleistung für die französische Königsfamilie konkretere Formen an.

  • Am 17. August 1791 veröffentlichten beide Herrscher in Pillnitz eine Erklärung, dass die Vorgänge in Frankreich alle europäischen Monarchen berührten und Ludwig XVI. seine Handlungsfreiheit zurückerhalten solle. Eine militärische Niederwerfung des revolutionären Frankreichs wurde angedroht. Indes wollten Preußen und Österreich nicht allein, sondern nur im Bund mit den anderen europäischen Staaten einschreiten.  Der Vorbehalt des Einverständnisses aller anderer europäischer Mächte machte die Erklärung wertlos; man wusste, dass England zu einer gemeinsamen Aktion nicht bereit war.

  • Als Ludwig XVI. der Verfassung vom Oktober 1791 (Beschränkung des bisher absoluten Königtums durch eine Volksvertretung!) zustimmte, hielt Leopold die Revolution für abgeschlossen und ein militärisches Einschreiten für überflüssig. Die französischen Emigranten schürten weiterhin einen kriegerischen Konflikt mit den Revolutionären.

 

 

Ludwig XVI. (*1754, †1793), König von Frankreich von 1774 bis 1792

 

Nebenbei bemerkt: Am 3. August 1791 wurde in Berlin das Brandenburger Tor für den Verkehr freigegeben. Das Tor wurde von dem Architekten Carl Gotthard Langhans (* 1732, † 1808) auf Anweisung des preußischen Königs Friedrich Wilhelm II. im frühklassizistischen Stil errichtet. Die fünf Durchgänge werden von je sechs dorischen Säulen auf beiden Seiten gesäumt. Auf dem 20 Meter hohen Bauwerk steht die von dem Bildhauer Johann Gottfried Schadow (* 1764, † 1850) entworfene Quadriga mit der Siegesgöttin Viktoria. Das Brandenburger Tor ist ein nationales Symbol, mit dem viele wichtige Ereignisse der Stadt Berlin, Deutschlands und Europas verbunden sind. So lag es von 1961 bis 1989 im Sperrbezirk der Berliner Mauer und markierte die Grenze zwischen Ost- und Westberlin. Nach 1990 wurde das Brandenburger Tor zum Symbol der Wiedervereinigung Deutschlands.

Nebenbei bemerkt: Am 30. September 1791 wird die Oper 'Die Zauberflöte' von Wolfang Amadeus Mozart in Wien uraufgeführt. Diese Oper entwickelte sich über Raum und Zeit hinweg zum unsterblichen Mythos in der Opernwelt. Ihre zeitlose Zugkraft ist neben der Schönheit der Musik auch auf ihre idyllische Märchenhaftigkeit und die rätselhafte Symbolik zurückzuführen. Am 5. Dezember 1791 stirbt Wolfgang Amadeus Mozart.

 
  • In Frankreich wird der weitere Verlauf der Revolution im Innern eng mit den außenpolitischen Maßnahmen verbunden. Die Anhänger einer konstitutionellen Monarchie verloren im Winter 1791/92 immer mehr an Macht. Die Girondisten traten für einen Krieg ein und setzten ihn auch durch. Für sie war der Krieg das sicherste Mittel, eine innere Einheit zu schaffen und so die Revolution weiter am Leben zu erhalten. Ihr Endziel war die Schaffung einer Republik.

Obwohl Kaiser Leopold in der Emigrantenfrage nachgab (er wollte die Emigranten "unter Aufsicht stellen"!), wurden in der französischen 'Législative'  (der 'Gesetzgebenden Versammlung') heftige Angriffe gegen ihn gerichtet. Der Kaiser schloss daraufhin im Februar 1792 einen 'Freundschafts- und Defensivvertrag' mit Preußen ab. Einen Monat später starb er. Nachfolger wurde sein Sohn Franz II. .

  • Unter dem Druck der Girondisten erklärt König Ludwig XVI. am 20. April 1792 dem Hause Habsburg den Krieg. Friedrich Wilhelm II. von Preußen trat sofort auf die Seite Österreichs.

  • Letztendlich hatte die Furcht vor den Emigranten im Erzbistum Trier den Anlass für die französische Kriegserklärung gegeben. Der Krieg wird Franz II. nicht in seiner Funktion als Kaiser des Heiligen Römischen Reiches sondern in seinem Amt als König von Ungarn und Böhmen erklärt. Die Franzosen wollten dadurch das Reich neutral halten und hofften, den Kaiser, der zunächst ohne Verbündete war, rasch besiegen zu können.

  • König Ludwig XVI. hatte die Kriegserklärung mit einem Hintergedanken unterzeichnet: Er glaubte an einen Sieg der deutschen Truppen und damit verbunden, an die Wiedererlangung seiner früheren Machtfülle.

  • Am 25. August 1792 veröffentliche der Oberbefehlshaber der preußischen und österreichischen Truppen, der Herzog von Braunschweig, das Koblenzer Manifest, in dem die Koalition die Wiedereinsetzung einer "legalen Regierung", das heißt die Wiedereinsetzung des Königs,  in Frankreich forderte. Dieses Manifest bewirkte eine weitere Radikalisierung der Französischen Revolution und eine Zunahme des Nationalgefühls der Franzosen.

  • Im August 1792 drangen österreichische und preußische Truppen in Frankreich ein. Am 23. August wurde Longwy, am 2. September Verdun eingenommen. Mit der 'Kanonade von Valmy' am 20. September 1792, einem Artilleriegefecht zwischen den französischen und den alliierten Truppen konnte die französische Armee unter General Dumouriez den Vormarsch der Koalition zum Stehen bringen.

  • Bei den Preußen befand sich als General der Herzog Karl August von Weimar in Valmy. Sein Freund und Ratgeber Johann Wolfgang von Goethe begleitete ihn. Am Abend der Kanonade gesellte sich Goethe zu einigen lagernden Soldaten. Er sagte: "Von hier und heute geht eine neue Epoche der Weltgeschichte aus und ihr könnt sagen, ihr seid dabei gewesen.

  • Am nächsten Tag, dem 21. September 1792, wurde in Paris von der neu gewählten Nationalversammlung, dem "Konvent", die konstitutionelle Monarchie abgeschafft und die Republik ausgerufen. Am 21. Januar 1793 wurde der französische König enthauptet.

  •  Im Oktober besetzten französische Truppen Speyer, Worms, die Kurpfalz und schließlich am 21. Oktober Mainz. Am 6. November 1792 siegte Dumouriez bei Jemappes und schloss damit die Besetzung der Österreichischen Niederlande (Belgien) ab.

  • Am 1. Februar 1793 erklärte Frankreich England und den Niederlanden, am 7. März Spanien den Krieg. England, die Niederlande und Spanien schlossen sich nun dem Bündnis zwischen Preußen und Österreich an (Erste Koalition). Am 18. März unterlagen die Truppen des Generals Dumouriez bei Neerwinden in den Österreichischen Niederlanden (Belgien). Auch die deutschen Reichsstände traten dem Krieg gegen Frankreich bei (22. März 1793). Am 23. Juli gewannen die Preußen Mainz zurück, das sich zur Republik nach französischem Vorbild erklärt hatte.

 

 

 

Charles-François du Mouriez (*1739, †1823), genannt Dumouriez, französischer General

  • 1794 wendete sich das Blatt wieder zugunsten Frankreichs. Der erneute Erfolg der Franzosen lässt sich auf die so genannte 'Levée en masse' unter der Leitung von Lazare Carnot und eine veränderte Kriegstaktik zurückführen. Die allgemeine Wehrpflicht wurde eingeführt. Das französische Heer gewann am 26. Juli 1794 durch seinen Sieg bei Fleurus die österreichischen Niederlande zurück. Danach besetzte es erneut das linke Rheinufer. Im Januar 1795 wurden die Niederlande erobert. Dort wurde die erste Tochterrepublik Frankreichs, die 'Batavische Repuplik' errichtet. Wesentlicher Aspekt der Niederlagen der Koalition waren mangelhafte Strategie und schlechte Kriegsführung.

  • Eine am 24. Juni 1793 angenommene republikanische Verfassung in Frankreich wurde zwar am 4. August in einer Volksabstimmung bestätigt, dann jedoch vom Nationalkonvent bis zu einem Friedensschluss mit den ausländischen Mächten aufgehoben. Der Grund dafür lag darin, dass die Abgeordneten in einer Zeit der inneren und äußeren Gefahr für die Revolution die diktatorische Zusammenfassung der Staatsgewalt für sinnvoller hielten.

  • Durch den Aufruf Carnots an die Jugend zur 'levée en masse' entsteht anstelle des alten unbeweglichen Söldnerheeres das Volksheer. Mangelnde Erfahrung in der Kriegstechnik wird durch Masse, Begeisterung und Beweglichkeit ersetzt.

Nebenbei bemerkt: Am 8. November 1793 wurde der ehemalige französische Königspalast, der Pariser Louvre, als Museum der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Im Museum wurden vor allem die Kunstgegenstände ausgestellt, die von der Revolutionsarmee erbeutet worden waren. Nach dem Sturz Napoleons gingen viele erbeutete Kunstwerke an die Mächte der 'Heiligen Allianz' zurück.

  • Der Sturz Robespierres erfolgt am 27. Juli 1794, also ein Tag nach dem Sieg bei Fleurus. Die neue französische Verfassung vom Oktober 1795 wird wieder nach dem Grundsatz der Gewaltenteilung aufgebaut.

  • Am 5. April 1795 schloss Preußen mit Frankreich den "Basler Frieden" und schied damit aus der Koalition aus. Norddeutschland wird für neutral erklärt, das linke Rheinufer soll bis zum Reichsfrieden in französischer Hand bleiben. In einem Geheimabkommen willigt Preußen in die Abtretung des linksrheinischen Deutschlands ein und erhält Entschädigung auf rechtsrheinischem Gebiet zugesichert.

  • Die preußische Regierung musste sowohl im Westen als auch im Osten ihres Landes die politischen Vorgänge beobachten. Im Osten wollte Zarin Katharina II. (reg. 1762-1796) ihr Reich nach Westen ausdehnen. Polen hatte am 3. Mai 1791 eine freiheitliche Verfassung ("Maiverfassung), die erste kodifizierte Verfassung Europas, verabschiedet. Sie wurde von Preußen und Österreich garantiert, jedoch von Zarin Katharina nicht anerkannt. Der preußische König wollte wegen der früheren Garantie nicht in einen Zweifrontenkrieg verwickelt werden und hatte deshalb am 23. Januar 1793 der zweiten Teilung Polens (23. Januar 1793) zugestimmt: Polen verlor die Rest-Ukraine, Polesien und Wolynien an Russland. Preußen erhielt Danzig und Thorn sowie die Gebiete Posen und Kalisch ("Südpreußen").  Österreich ging bei dieser zweiten Teilung Polens leer aus.

  • Das wohl wichtigste Motiv Preußens für den Abschluss des Sonderfriedens von Basel war die Sorge, bei der zwischen Russland und Österreich im Januar 1795 vereinbarten dritten polnischen Teilung zu kurz zu kommen. Am 24. Oktober 1795 trat Preußen dem Teilungsvertrag bei. Österreich erhielt Westgalizien und Krakau. Kurland und andere Gebiete, die einstmals dem Deutschen Orden gehörten, gingen an Russland. Warschau sowie ein Landstreifen südlich Ostpreußens ging an Preußen.

  • Österreich setzte nun allein den Krieg fort und errang auch einige Siege in Süddeutschland. 1796 verlagerte sich das Kriegsgeschehen nach Italien. Der neue Oberbefehlshaber der französischen Truppen in Italien, Napoleon Bonaparte, besiegte innerhalb eines knappen Jahres die Österreicher. Nach seinen Siegen in Italien stieß Napoleon über Tirol und die Steiermark bis nach Wien vor.

  • Österreich wurde am 18. April 1797 zum "Vorfrieden von Leoben" gezwungen. Am 17. Oktober 1797 wurde der "Frieden von Campo Formio" geschlossen, nach dessen Bestimmungen Österreich die österreichischen Niederlande (Belgien) und die Lombardei an Frankreich abgeben musste. Österreich stimmte außerdem der Abtretung des linken Rheinufers an Frankreich zu. Im Gegenzug erhielt Österreich Venetien. 

  • Mitte November 1797 starb der preußische König Friedrich Wilhelm II. . Nachfolger wurde sein Sohn Friedrich Wilhelm III.

  • Im Februar 1798 errichtete Frankreich in Italien die 'Cisalpinische Republik' und im April in der Schweiz die 'Helvetische Republik'. Im Mai 1798 unternahmen die Franzosen unter Napoleon den Feldzug nach Ägypten, der jedoch nach ihrer Niederlage gegen die Engländer in der Seeschlacht bei Abukir scheiterte. Im Zuge dieser Expedition besetzten sie jedoch Malta.

  • Der Rastatter Kongress, der von 1797 bis 1799 tagte, sollte die Ausführung der Beschlüsse von Campo Formio bringen, nämlich die Abtretung des linken Rheinufers. Vor allem aber sollte das Reich, vertreten durch die Reichsdeputation, die Säkularisation durchführen und festlegen, welche weltlichen Staaten Anspruch auf Entschädigung hatten und sich geistliche Gebiete einverleiben durften. Beim Ausbruch des Krieges der zweiten Koalition gegen Frankreich wurde der Rastatter Kongress abgebrochen.


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Der zweite Koalitionskrieg (1798 - 1801)


  • In Reaktion auf das französische Expansionsstreben kam es Ende 1798/Anfang 1799 zur Bildung der "Zweiten Koalition". Ihr gehörten neben England, Russland und Österreich auch Portugal, Neapel und das Osmanische Reich an. Preußen unter Friedrich Wilhelm III. beteiligte sich nicht.

Friedrich Wilhelm III. hasste den Krieg. Er war ein Moralist, der lieber auf seinem Landsitz in Paretz Dorfschulze war als König in Berlin.

 

 

 

 

Friedrich Wilhelm III.  (*1770, †1840), König von Preußen von 1797 bis 1840

  • Napoleon befand sich zu Beginn des Krieges auf einem Feldzug in Ägypten (1798/99). So errangen die Verbündeten zunächst (1799) einen Sieg nach dem anderen. Österreich und Russland unter dem Oberbefehl des russischen Generals Suworow waren in Norditalien erfolgreich. Sie besiegten die Franzosen bei Magnano (5. April 1799), Cassano (27. April), an der Trebbia (17.-19. Juni) und bei Novi (15. August). Die Koalition nahm Mailand ein und löste die 'Cisalpinische Republik' auf. Dann kam der Rückschlag! Der Feldzug der Russen und Österreicher in der Schweiz  war, nicht zuletzt wegen der Uneinigkeit der beiden Verbündeten, erfolglos. In den Niederlanden erlitten Russen und Engländer gemeinsam eine Niederlage bei Bergen. Am 22. Oktober 1799 schied Russland aufgrund von Differenzen mit Österreich, dem es mangelnde Unterstützung vorwarf, aus der Koalition aus. Erfolg hatten die Österreicher unter Erzherzog Karl am Mittelrhein.

  • Nach seiner Rückkehr aus Ägypten im Oktober 1799 und seinem Staatsstreich am 9. November 1799 bot Napoleon, jetzt 'Erster Konsul', der Koalition den Frieden an. Die Koalition lehnte ab. Daraufhin zog Napoleon im Frühjahr 1800 mit einer 40.000 Mann starken Armee nach Norditalien, eroberte am 2. Juni Mailand zurück, besiegte am 14. Juni die Österreicher bei Marengo und brachte den Norden Italiens wieder unter französische Kontrolle. Zur gleichen Zeit waren französische Truppen unter General Moreau über den Rhein vorgedrungen und hatten München besetzt. Am 3. Dezember 1800 siegte Moreau in der Schlacht bei Hohenlinden und rückte nach Österreich vor. Österreich musste nun den Frieden von Lunéville (9. Februar 1801) annehmen. Im Reichstag wurden die Friedensregelungen am 7. März ratifiziert.

  • Im Frieden von Lunéville bestätigte Kaiser Franz II. für Österreich und das Reich die Abtretung des linken Rheinufers an Frankreich. Gleichzeitig erkannte er die von den Franzosen gebildeten Republiken (Batavische Republik, Helvetische Republik, Cisalpinische Republik, Ligurische Republik) sowie das neue Königreich Etrurien an. - Es folgten die Friedensschlüsse Frankreichs mit Neapel, Portugal, Russland und dem Osmanischen Reich. Zuletzt schloss Frankreich am 27. März 1802 mit England den Frieden von Amiens.


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Die Französische Revolution und die Deutschen


  • Die Französische Revolution bewirkte, dass sich auch in Deutschland das Ausmaß und die Formen der politischen Auseinandersetzung änderten. Vor der Revolution war die politische Diskussion eine Angelegenheit relativ kleiner Kreise gewesen. 1789 wurde auch die Bevölkerung in Deutschland politisiert. Durch die jeweilige Stellungnahme zur Französischen Revolution bildeten sich politische Lager, erste Formen politischer Parteien. Im Wesentlichen gab es in Deutschland folgende drei Gruppierungen: a) Gegner der Revolution (spätere 'Konservative') b) Personen, welche die Ideen der Revolution von 1789 unterstützten, jedoch Gegner der Radikalisierung durch die Jakobiner waren (spätere 'Liberale') c) Unbeirrbare Anhänger der Revolution, Verteidiger der Radikalisierung von 1792 (Jakobiner, spätere 'Demokraten').
  • Die 'Konservativen'
 
  • Der Begriff "Konservatismus" entstand erst im zweiten Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts. Dies ändert nichts an der Tatsache, dass er als politische Erscheinungsform in der Auseinandersetzung mit der Französischen Revolution auftrat, indem die bis dahin vorhandenen traditionalistischen Haltungen mit bewussten, zweckhaften Überzeugungen erfüllt wurden. Sein Ursprung ist in dem Bemühen zu sehen, den Prozess beschleunigten Wandels zu verlangsamen oder ganz zu stoppen. Die 'Konservativen' kamen aus dem landsässigen Adel und der bäuerlichen Bevölkerung. Der Adel kämpfte für seine Privilegien, die Bauern handelten oft aus Traditionalismus.
 
  • Der englische Staatsmann und Philosoph Edmund Burke (1729 - 1797) gilt als einer der Gründerväter des politischen Konservatismus. In seiner  1790 erschienenen Schrift "Reflections on the Revolution in France" kritisierte er die revolutionäre Ideologie, die abstrakte Grundsätze über eine langsam verlaufende gesellschaftliche Entwicklung stellte. Staat und Gesellschaft begriff er als organisch gewachsene Strukturen, die nicht durch Vernunft und theoretische Dogmen geschaffen werden können. Für Burke ist in einer bestehenden Gesellschaft genügend Kraft für Reformen vorhanden, einer Revolution bedarf es nicht. Die Ideen Edmund Burkes wurden in Deutschland durch Genz, Brandes und Rehberg sowie durch die Universität Göttingen verbreitet.
 

Edmund Burke (*1729, †1797), englischer Staatsmann und Philosoph  
       
  • Die 'Liberalen'
 
  • Der klassische Liberalismus, der 1789 in Frankreich die politische Macht errungen hatte, erregte in Deutschland ungeheuren Eindruck. Am stärksten prägte sich im allgemeinen Bewusstsein die französische Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte ein, in der die Überzeugungen und Ziele der französischen Liberalen "als unbestreitbare Prinzipien" zusammengefasst waren. Der Liberalismus war vielfach eine Volksbewegung, die Anhänger in allen sozialen Schichten hatte, wenn die Schwerpunkte auch eindeutig in der Oberschicht und im Mittelstand lagen und die Führungspersönlichkeiten aus Besitz und Bildung kamen. In den Städten fand er mehr Anklang als auf dem Land. Liberales Denken deckte ein breites Feld zwischen den Konservativen auf der Rechten und den Demokraten auf der Linken ab. Gemeinsam war den verschiedenen Ausprägungen das Bemühen, die Menschen von unnötigen Bindungen zu emanzipieren und möglichst große Freiheit im staatlichen und gesellschaftlichen Leben zu erreichen. Jeder Mensch sollte seine Fähigkeiten unbehindert entwickeln können. Der persönliche Nutzen nütze, so die Meinung der Liberalen, diene zugleich dem allgemeinen Fortschritt des Staates.

 
  • Das Lager, aus dem sich später die 'Liberalen' in Deutschland rekrutieren, bestand aus Anhängern der Ideen von 1789. Sie waren  jedoch Gegner der Radikalisierung der Französischen Revolution. Bei vielen zeitgenössischen deutschen Denkern  ist eine Wandlung von der Enttäuschung über die Radikalisierung zur Abwendung von Frankreich und zur Flucht in die Welt der Ideen zu beobachten. In Ermangelung eines eigenen großen Staates baute sich so mancher Deutsche ein Traumreich auf. Zentrum der liberalen Ideen war Weimar.

  • Für Friedrich Schiller bestand der Irrtum der Französischen Revolution darin, den theoretischen Entwurf einer nach reinen Vernunftprinzipien organisierten politischen Ordnung "unbekümmert um die sinnliche Natur" des Menschen in die Tat umzusetzen. Schiller vertrat die Ansicht, dass sich die meisten Menschen in einer Entwicklungsphase befinden, in der sie sich ihres Verstandes noch gar nicht ohne fremde Leitung bedienen können. Die Gesellschaft kann, so Schiller, erst dann verändert werden, wenn der Mensch sich selbst geändert hat. Die terroristischen Exzesse der Französischen Revolution haben gezeigt, so schreibt Schiller in seinem Brief an den Prinzen von Augustenburg vom 13. Juli 1793, "dass das Menschengeschlecht der vormundschaftlichen Gewalt noch nicht entwachsen", aus seiner Unmündigkeit noch nicht herausgetreten ist.

Johann Christoph Friedrich von Schiller (* 10.11.1759, † 9.5.1805), deutscher Dichter

Für Schiller haben die Vertreter der Aufklärung den Menschen allzu selbstverständlich als vernünftiges Wesen vorausgesetzt und nicht einkalkuliert, dass er weit mehr durch "Empfindungen" als durch "Begriffe" zum Handeln bestimmt wird. Die "ästhetische Erziehung" soll den Menschen zur Mündigkeit führen, doch so, dass er seine sinnliche Natur, seine Empfindungswelt, die noch in den Banden des Aberglaubens, des Vorurteils, der Gewohnheit und Annehmlichkeit lebt, auf die Selbstbestimmung einstimmt.

Nebenbei bemerkt: Am 11. September 1801 wurde das Trauerspiel "Die Jungfrau von Orléans" von Friedrich Schiller in Leipzig uraufgeführt und wurde ein Erfolg. In diesem Drama wird die moralische Freiheit zum Thema - eine Freiheit, die den Menschen, der an ihr festhält, noch im Untergang siegen lässt. Im Gegensatz zu dem Philosophen Immanuel Kant hielt Schiller eine Vereinigung von Pflicht und Neigung für möglich.

  • Johann Gottlieb Fichte (1762-1814) war zunächst von der Französischen Revolution tief beeindruckt und stimmte ihr vorbehaltlos zu. Die Entwicklung in Frankreich feierte er als 'Freisetzung des Individuums'. Seine 'geistige Heimat' sah er in demjenigen Staat, der auf der Höhe der Kultur stand, also in Frankreich. Unter dem Eindruck der französischen Expansion äußerte sich bei ihm ein Nationalbewusstsein. Deutschland wurde für ihn zum wichtigsten Staat, die Deutschen betrachtete er als 'Hoffnungsvolk'. In seinen Reden 'an die deutsche Nation' beschwor er die Deutschen, in der Auseinandersetzung mit Frankreich 'das Reich der wahren Freiheit' zu begründen.

  • Die 'Demokraten' (Jakobiner)
 
  • Für den Franzosen Maximilien de Robespierre (1758-1794)  waren die Begriffe 'Republik' und 'Demokratie' identisch. Er definierte als Republik ein Staatswesen, in dem das souveräne Volk im Rahmen der von ihm selbst beschlossenen Gesetze alles das selbst erledigte, was es erledigen konnte, und das Übrige den von ihm gewählten Abgeordneten überließ. Die Konventsverfassung von 1793 entsprach im Wesentlichen diesen Vorstellungen.

 
  • In Deutschland gab es eine zunächst kleine Gruppe, welche die Radikalisierung der Französischen Revolution verteidigte. Ihre Mitglieder vertraten den Gedanken, dass die wahre Freiheit nur die Folge einer demokratischen Verfassung sein könne. In diesem Sinn warb zum Beispiel der Mainzer Jakobinerklub ("Freunde der Gleichheit und Freiheit")  um Georg Wedekind und Georg Forster. Die Wiener Jakobiner forderten zur Bildung eines 'antiaristokratischen Gleichheitsbundes' auf.  Für die deutschen Jakobiner war die Radikalisierung notwendig, um die Forderungen der Jakobiner durchzusetzen. Immanuel Kant sah 1789 in der Französischen Revolution eine Anstrengung, die Macht und Willkür der Fürsten zu brechen und den Staat auf das Recht zu gründen. Diese Einstellung änderte er auch nach der Radikalisierung der Revolution nicht.

 

Die französischen Revolutionstruppen hatten die Stadt Mainz am 21. Oktober 1792 besetzt. Der Mainzer Jakobinerklub wurde zwei Tage später von 20 Intellektuellen und Beamten gegründet. Dem Klub traten in kurzer Zeit mehrere hundert Bürger, vor allem Handwerker bei. In Flugblättern und Plakaten warb der Jakobinerklub in Mainz für das revolutionäre Gedankengut und für die Errichtung einer Republik. Die Republik kam 1793 tatsächlich, allerdings auf Druck des Pariser Nationalkonvents. Die Mainzer Republik währte nur wenige Monate.

   
 

Georg Forster (*1754, †1794), Weltumsegler, Naturforscher und Philosoph  
       
   
 
  Georg Forster (1754-1794), Weltumsegler, Naturforscher und Philosoph war nach der Eroberung von Mainz durch die Franzosen (1792) davon überzeugt, dass man die revolutionären Errungenschaften für das linksrheinische Deutschland nur bewahren könne, wenn dieses in die Französische Republik eingegliedert würde. Im Frühjahr 1793 reiste Georg Forster nach Paris, um den Anschluss an Frankreich zu beantragen. Inzwischen hatten die Österreicher Mainz zurückerobert, Forster blieb in Paris.
   
  • Johann Wolfgang von Goethe lässt sich keinem politischen Lager zuordnen. Er stand der Französischen Revolution von Anfang mit Skepsis gegenüber, ohne eigentlich konservativ oder franzosenfeindlich zu sein. Er zog es vor, sich "in einen Kreis einzuschließen, in dem außer der Freundschaft, der Kunst und der Wissenschaft nichts eindringen" konnte.

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Der Zusammenbruch des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation


  • Der Reichsdeputationshauptschluss vom 25. Februar 1803
 
  • Der Friede von Lunéville (9. Februar 1801) hatte die Abtretung der deutschen Gebiete links des Rheins an Frankreich bestätigt. Jetzt sollten die Reichsstände, die dort ihren Besitz verloren, im Reich entschädigt werden. Seit November 1801 tagte in Regensburg die 'Reichsdeputation', um über die entsprechenden Regelungen zu diskutieren.
 
  • Die eigentliche Entscheidungsgewalt lag nicht bei der Reichsdeputation, sondern bei Napoleon und zum kleineren Teil, bei Zar Alexander I.. Der Grundgedanke Napoleons war, mit der Schaffung starker Mittelstaaten (Württemberg, Bayern, Baden) eine dritte Machtgruppe zu schaffen und diese dann gegen Preußen und Österreich auszuspielen.
 
  • Der 'Entschädigungsplan' Napoleons wurde am 25. Februar 1803 von der Reichsdeputation als "Hauptschluss" angenommen.
 
  Napoleon I. (* 1769, † 1821), Kaiser der Franzosen (1804 - 1814/15)
     
 
  • Fast der gesamte große Kirchenbesitz wurde säkularisiert, d.h. unter weltliche Herrscher aufgeteilt. Die Bischöfe mit Ausnahme des Bischofs von Mainz verloren ihre Kurfürstenwürde. Die Reichsstädte wurden bis auf sechs (darunter Lübeck, Hamburg, Bremen) mediatisiert, d.h. in die Länder eingegliedert.
 
  • Es entstehen Baden (mit rechtsrheinischer Pfalz, den rechtsrheinischen Teilen der Bistümer Straßburg und Speyer, dazu vielen Klöstern und Reichsstädten), Württemberg (Reutlingen, Hall, Gmünd, Heilbronn) und Bayern (die Bistümer an Main und Donau)
  • Nach dem Frieden von Amiens am 27. März 1801 sollte England Malta an Frankreich zurückgeben. Vom Besitz dieser Insel hing die Herrschaft Napoleons im Mittelmeerraum ab. England war zur Herausgabe Maltas nicht bereit und erklärte Frankreich 1803 den Krieg. Österreich, Russland und Schweden schlossen sich England an ("Dritte Koalition").
  Die Beschlüsse des Reichsdeputationshauptschlusses waren auf Kosten Österreichs und der habsburgischen Reichsmacht erfolgt. Eine Änderung dieses Zustands war nur durch einen Sieg über Napoleon möglich. Der Zar fühlte sich durch Napoleons Machtanstieg bedroht. Er versuchte, Preußen für die Koalition zu gewinnen, doch König Friedrich Wilhelm III. blieb zunächst neutral. - Auf der Seite Frankreichs kämpften Bayern, Baden und Württemberg.
   
 

Nebenbei bemerkt: Ludwig van Beethoven (*1770, †1827) beendet 1804 in Wien seine 3. Sinfonie in Es-Dur "Sinfonie Eroica" op. 55. Sie ist "geschrieben auf Bonaparte". Als sich dieser zum Kaiser macht, tilgt Beethoven, der Republikaner, enttäuscht die Widmung und setzt an ihre Stelle den Vermerk: "Heroische Sinfonie, komponiert, um das Andenken eines großen Mannes zu feiern." Mit der "Eroica' gelingt Beethoven der entscheidende Schritt von der "klassischen" Sinfonie des 18. Jahrhunderts zur "großen" Sinfonie des 19. Jahrhunderts: Neu sind die ungewöhnlichen Ausmaße, die Instrumentation und die Harmonik. In seiner Oper 'Fidelio'' verarbeitet Ludwig van Beethoven die Ideale der Französischen Revolution: Die Geschichte einer Frau, die ihren vom Tyrannen inhaftierten Ehemann aus dem Verlies befreien will, ist eine einzige Ode an Freiheit, Gerechtigkeit und Brüderlichkeit - und die Kraft der Liebe.

   
  • Im Krieg von 1805 drang der österreichische Erzherzog Karl bis nach Italien vor. Die englische Flotte unter Horatio Nelson vernichtete am 21. Oktober 1805 bei Trafalgar die Hälfte der französischen Flotte. In Deutschland mussten sich jedoch drei österreichische Armeekorps in Ulm ergeben. Napoleon schlug am 2. Dezember 1805 die österreichischen und russischen Truppen bei Austerlitz (Dreikaiserschlacht).

  • Kaiser Franz II. unterschrieb am 25. Dezember 1805 den Frieden von Preßburg. Er musste Venetien, Dalmatien und die Ionischen Inseln abgeben. Außerdem verlor er Tirol an Bayern, Oberschwaben an Württemberg, den Breisgau und die Stadt Konstanz an Baden. Bayern und Württemberg wurden Königreiche, Baden wurde Großherzogtum. Die süddeutschen Staaten werden durch die Mediatisierung der kleinen weltlichen Fürsten nochmals vergrößert.

  • In den Jahren 1805 und 1806 verloren in ganz Deutschland zahllose reichsritterschaftliche Familien, die beiden Reichstädte Nürnberg und Frankfurt, der deutsche Johanniterorden sowie 72 reichsständische Fürsten und Grafen ihre Reichsunmittelbarkeit. Sie büßten ihre Staatlichkeit, ihre Landeshoheit ein und wurden der Souveränität eines bisher gleich gestellten Staates unterworfen.

Nach dem Reichsdeputationshauptschluss mit der Säkularisation der geistlichen Territorien und einer ersten Mediatisierung von 45 freien Reichsstädten war dieser zweite Mediatisierungsschub der entscheidende Schritt der napoleonischen "Flurbereinigung, der zum Untergang des (ersten) Deutschen Reiches führte.

  • Der Grund für die Förderung der drei süddeutschen Staaten lag darin, dass Napoleon sie zu leistungsfähigen politischen Einheiten machen wollte, die als Pufferstaaten zwischen Österreich und Frankreich eine Rolle spielen konnten. Zugleich wurde das tausendjährige Deutsche Reich geschwächt.

  • Am 12. Juli 1806 unterzeichneten die Vertreter von 16 deutschen Fürsten die von Napoleon vorgelegte 'Rheinbundakte'. Der Rheinbund war ein Offensiv- und Defensivbündnis. Die Mitglieder garantierten sich gegenseitig den Besitz. Napoleon ernannte sich selbst zum 'Protektor des Rheinbundes'. Die Mitglieder des 'Rheinbundes' (Bayern, Württemberg, Baden sowie kleinere Fürstentümer) sagten sich ausdrücklich vom Reich los.

Die Mitgliedstaaten des Rheinbundes stellten Napoleon Soldaten und Aufmarschgebiete zur Verfügung. Außerdem dienten sie Frankreich als Puffer gegen Österreich, Preußen und Russland.

  • Kaiser Franz II., der bereits 1804 den Titel eines Kaisers von Österreich angenommen hatte, zögerte lange, bis er seinen bereits am 5. Juli 1806 gefassten Entschluss zur Niederlegung der deutschen Kaiserkrone ausführte. Erst als Napoleon dem Reichstag in Regensburg am 1. August 1806 mitteilte, dass er das Reich als selbständige Körperschaft nicht länger anerkenne, vollzog er am 6. August 1806 diesen Schritt. So endete die Geschichte des neunhundertjährigen Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation.
 
  • Der preußisch-österreichische Dualismus hatte dem Reich bereits Ende des 18. Jahrhunderts schwere Schläge versetzt. Es hatte sich gezeigt, dass es immer weniger in der Lage war, seine Aufgabe, den inneren  Frieden zu wahren, zu erfüllen. Darüber hinaus waren die größeren Territorialstaaten zunehmend eigene Wege gegangen. Vor allem war es dem Reich nicht gelungen, der Machtexpansion des revolutionären Frankreich Einhalt zu gebieten und die Grenzen zu sichern.
 
  • Säkularisation und Mediatisierung (siehe oben) hatten an die Existenz von Reichskirche, Reichsadel und Reichsstädten gerührt. Dieser Stützen beraubt, brach das ohnehin schon morsche Gebäude vollends zusammen.
   
   

Franz II., (* 1768, † 1855), Kaiser des Heiligen Römischen Reiches von 1792 bis 1806, erster Kaiser von Österreich (als Franz I.) von 1804 bis 1835.

Ölgemälde von Johann Stephan Decker (1768-1835), Napoleonmuseum Arenenberg (Schweiz).

 
       

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 Der Zusammenbruch Preußens (1807) und die Niederwerfung Österreichs (1809)


  • In Mitteleuropa war Preußen der einzige große Staat, der noch nicht in den Krieg verwickelt war. Seit dem Frieden von Basel 1795 hatte es seine Neutralität bewahrt.

  • Nach dem Vormarsch der französischen Truppen weit ins Reichgebiet hinein hatte die preußische Politik vergeblich versucht, das Land aus den Verwüstungen der Revolutionskriege herauszuhalten. Die 1795 im Frieden von Basel eingeleitete Neutralitätspolitik zögerte die Konfrontation mit Frankreich nur hinaus, konnte sie aber auf Dauer nicht verhindern. Napoleon duldete auf dem europäischen Kontinent keine zweite gleichberechtigte Macht neben sich. Da Preußen ebendiesen Anspruch erhob, war der Krieg unvermeidlich.

  • 1806 gestattete Napoleon dem preußischen König vertraglich, das in englischem Besitz befindliche Hannover zu annektieren. Im Gegenzug musste sich Preußen zur Schließung der Nordseehäfen verpflichten. Fast gleichzeitig bot Napoleon England die Rückgabe von Hannover an. Das Gefühl, von Frankreich getäuscht worden zu sein, veranlasste Friedrich Wilhelm III. im August 1806 die Mobilmachung anzuordnen. Als Napoleon auf ein für ihn unerfüllbares Ultimatum auf Räumung Süddeutschlands nicht einging, erklärte ihm der preußische König am 9. Oktober 1806 den Krieg. Sachsen, Braunschweig und Sachsen-Weimar verbündeten sich mit Preußen.

  • Napoleon erwartete einen gemeinsamen Angriff Preußens und Russlands und rückte rasch nach Thüringen vor. Am 14. Oktober 1806, fünf Tage nach der preußischen Kriegserklärung an Frankreich, kam es zu der für die Preußen katastrophalen Schlacht von Jena und Auerstädt. Die preußische Armee löste sich auf und zog sich panikartig zurück. Vierzehn Tage später zog Napoleon in Berlin ein. - Von Berlin aus verkündete Napoleon am 21. November 1806 die Kontinentalsperre und die Grundsätze seiner Wirtschaftspolitik gegenüber England.

Preußen war in einem sehr ungünstigen Moment, ohne große Bündnispartner, in den Krieg eingetreten. Verantwortlich für die schlechte diplomatische Vorbereitung des Krieges war das Kabinett. Die Kriegsführung war total veraltet, man kämpfte nach der Taktik Friedrichs des Großen, die man nicht einmal richtig anwenden konnte. Königin Luise drückte es so aus: "Wir waren eingeschlafen auf den Lorbeeren Friedrichs des Großen". Die Ursache für den Zusammenbruch lag auch darin, dass es der preußische Staat versäumt hatte, Lehren aus der Französischen Revolution ziehen und sich auf die Kriegsführung Napoleons einzustellen.

  • Das russische Heer hatte sich nach der Schlacht bei Austerlitz in das eigene Land zurückgezogen. Nach der Niederlage Preußens kämpfte es nun in Preußisch-Polen und Ostpreußen erneut gegen die französischen Truppen. König Friedrich Wilhelm III. schloss sich mit dem Rest seiner Truppen den Russen an. Am 7./8. Februar 1807 kam es bei Preußisch-Eylau zu einer Schlacht. Es war die erste Schlacht, die Napoleon nicht gewann. Jetzt bemühte sich Napoleon, den preußischen König durch ein Angebot zum Waffenstillstand vom Zaren abzuziehen. Friedrich Wilhelm III. lehnte ab. Die gewonnene Schlacht bei Friedland führt Napoleon bis an die russische Grenze. Er stieß nicht weiter nach Osten vor, sondern schloss den 'Frieden von Tilsit'.

Im "Frieden von Tilsit" (7. - 9. Juli 1807) wurde der preußische Staat um die Hälfte verkleinert; er verlor fünf von zehn Millionen Einwohnern, darunter allerdings die durch die polnischen Teilungen annektierten Gebiete. Da Preußen auch alle seine Gebiete westlich der Elbe eingebüßt hatte, konnte es nicht mehr die Rolle einer Großmacht spielen. Diese Gebiete wurden zusammen mit Kurhessen, Braunschweig zum Königreich Westfalen vereint. Die Territorien aus der zweiten und dritten polnischen Teilung wurden als Herzogtum Warschau unter dem König von Sachsen zusammengeschlossen. Preußen wurden hohe Reparationsverpflichtungen auferlegt. 

  • Österreich konnte sich mit seiner Niederlage von 1805 nicht abfinden. In den Jahren 1806 bis 1809 bereitete es eine Erhebung gegen Frankreich vor. Erzherzog Karl führte eine Heeresreform durch, eine Landwehr wurde errichtet. Auch Freiwillige wurden aufgerufen. Im Januar 1809 brach der Aufstand der Bergbauern in Tirol unter Andreas Hofer gegen die Fremdherrschaft aus. Am 6. April 1809 wandte sich der österreichische Erzherzog an die ganze deutsche Nation und rief zum Volkskrieg auf. Am 9. April folgte die Kriegserklärung an Napoleon. Bereits am 13. Mai zog Napoleon in Wien ein. Am 20./21. Mai wurde er jedoch in der Schlacht bei Aspern besiegt. Am 6. Juli folgte jedoch ein weiterer Sieg Napoleons bei Wagram.

Im "Frieden von Schönbrunn" am 14. Oktober 1809 musste Österreich Salzburg und das Innviertel an Bayern übergeben. Um Österreich vom Meer abzuschließen, wird sein Küstenbesitz an der Adria als "Illyrische Provinz" unter Napoleons Oberhoheit gestellt. - Die Tiroler führten den Kampf auch noch nach dem Frieden weiter. Nach der Niederwerfung wird Andreas Hofer als Meuterer erschossen.


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Die Reformen in Preußen (1807 - 1811)


  • Die Kriege gegen das zuerst revolutionäre, dann imperiale Frankreich hatten gezeigt, dass die deutschen Staaten mit ihren veralteten Staats-, Heeres- und Sozialverfassungen dem französischen Volksheer nicht mehr standhielten. In dem System des Absolutismus wurde das Volk von aller Teilnahme am Staat ferngehalten, so dass man in der Not auch nicht mit dem Volk rechnen konnte. Man erkannte, dass ohne die aktive Mitwirkung der eigenen Bevölkerung die unabhängige staatliche Existenz bedroht war. So sah sich vor allem die preußische Regierung dazu gezwungen, die wesentlichen Errungenschaften der Revolution einzuführen. Dabei sollte die eigene Verfassungstradition und Gesellschaftsstruktur soweit wie möglich beibehalten werden.

  • Der aufgeklärte Absolutismus hatte den Reformen bereits vorgearbeitet. Nun verbanden sich die Ideen der Aufklärung mit denen des Neuhumanismus. Jedem Bürger sollte die bestmögliche Ausbildungs- und Entfaltungsmöglichkeit seiner Persönlichkeit gewährleistet werden. Durch die Gewährung der persönlichen Freiheit und die Erziehung zum selbständigen Handeln wollte man die Identifikation des Volkes mit dem Staat erreichen.

  • Im siegreichen Frankreich präsentierte sich dem Römischen Reich Deutscher Nation das Bild einer selbstbewussten Nation, in der durch die Revolution von 1789 die Standesschranken beseitigt wurden. In den deutschen Staaten hemmten immer noch starke Standesschranken zwischen Adel, Bürgern und Bauern die wirtschaftliche und soziale Entwicklung. Ein politisches Nationalbewusstsein fehlte sowohl den unmündig gehaltenen Untertanen als auch den dynastische Interessenpolitik treibenden Fürsten.

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  • In Preußen fiel die entscheidende Rolle als Motoren der nun einsetzenden 'Revolution von oben' den Staatsmännern Stein (1757-1831) und Hardenberg (1750-1822) zu. Nach dem Reformplan des Freiherrn vom Stein soll sich der Übergang vom absolutistischen Staat zum Verfassungsstaat durch einen in Stufen durchgeführten Ausbau der Selbstverwaltung vollziehen. Die Sorge um 'gemeinsame Angelegenheiten' soll zuerst in den Gemeinden einsetzen. Darüber sollen Kreistage und und Provinziallandtage als Vertretungskörper aufgebaut werden. Die Reichsstände sind als Vertreter des gesamten Volkes gedacht. - Napoleon erkannte Steins Dynamik schnell und setzte 1808 seine Absetzung durch. Daraufhin begab sich der große Staatsmann an den Hof des Zaren.

 

Karl Reichsfreiher vom und zum Stein (1757-1831)

Miniatur von Peter Joseph Lützenkirchen, 1814 Nürnberg, Germanisches Nationalmuseum

     
 
  • In einem Brief an Hardenberg schreibt Stein: "Ich halte es für wichtig, die Fesseln zu zerbrechen, durch welche die Bürokratie den Aufschwung der menschlichen Tätigkeit hemmt, [und] jenen Geist der Habsucht, des schmutzigen Vorteils, jene Anhänglichkeit ans Mechanische zu zerstören ... Man muss die Nation daran gewöhnen, ihre eigenen Geschäfte zu verwalten und aus jenem Zustand der Kindheit herauszutreten, in dem eine immer unruhige, immer dienstfertige Regierung die Menschen halten will." Hardenberg schreibt an Stein: "Demokratische Grundsätze in einer monarchischen Regierung, dieses scheint mir die angemessene Form für den gegenwärtigen Zeitgeist."

  • Im Grunde zielten die Reformen darauf ab, alle gesellschaftlichen Kräfte zu mobilisieren, um für einen Befreiungskampf gegen die Fremdherrschaft gerüstet zu sein.

  • Soziale Reformen werden zur politischen Notwendigkeit. Eine auf Freiheit und Gleichheit gegründete bürgerliche Gesellschaft soll zum Fundament des Staates werden - entsprechend den Ideen des Liberalismus. Durch staatliche Reformen will man die politische Emanzipation des Bürgers einleiten und sein Interesse an Staat und an der Nation wecken (Nationalismus). Freiherr vom Stein bezeichnet 1807 als Ziel der Sozialreformen: "Die Belebung des Gemeingeistes und Bürgersinns, die Benutzung der schlafenden oder falsch geleiteten Kräfte und der zerstreut liegenden Kenntnisse, der Einklang zwischen dem Geist der Nation, ihrer Ansichten und Bedürfnisse, und denen der Staatsbehörden, die Wiederbelebung der Gefühle für Selbständigkeit und Nationallehre." Hier zeigt sich der Zusammenhang zwischen den sozialreformerischen und nationalen Gedanken.

  • Steins Reformtätigkeit war nur ein Teil seines historischen Wirkens, das eine politische Beratertätigkeit für Zar Alexander I. und die aktive Unterstützung des griechischen Unabhängigkeitskampfes ebenso umfasst wie die Mitbegründung der renommierten Quellenedition 'Monumenta Germaniae Historica'.


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Napoleons Niederlage in Russland (1812) und der Befreiungskrieg (1813/14)


  • Verschiedene Vorkommnisse trübten das Verhältnis zwischen Napoleon und dem Zaren Alexander I.. Wichtigster Konfliktstoff war die Kontinentalsperre, der Russland im Frieden von Tilsit (Juli 1807) beigetreten war. Russland war auf den Austausch seiner Agrarprodukte, seines Holzes und seiner Felle mit den Waren des industriellen England angewiesen. Um den Ruin seiner Landwirtschaft zu vermeiden, wollte sich Alexander I. von der Anwendung der Kontinentalsperre lossagen. Außerdem betrachtete Russland die liberalen Reformen im Herzogtum Warschau als eine Bedrohung der eigenen Staatsform. Auf der anderen Seite neigte Napoleon, seit 1810 Schwiegersohn des österreichischen Kaisers, an die Stelle der französisch-russischen Freundschaft eine französisch-österreichische treten zu lassen.

  • Napoleon brachte für den Feldzug gegen Russland das bis dahin größte Truppenaufgebot der Weltgeschichte zusammen: 700.000 Mann, davon 200.000 Deutsche. Preußen musste 20.000, Österreich 30.000 Mann stellen. 150.000 Mann wurden von den Fürsten des Rheinbunds gestellt. Von dieser 'Großen Armee', die Napoleon im Juni 1812 über Polen nach Russland führte, kamen nur etwa 100.000 zurück.

  • Die russischen Generäle verfolgten die Strategie der hinhaltenden Verteidigung, des Rückzugs in den grenzenlosen russischen Raum und der Verwüstung der aufgegebenen Gebiete. Die Hauptschwäche der Franzosen lag darin, dass der Nachschub aufgrund der großen Entfernungen versagte. Außerdem waren sie für den überaus kalten Winter in Russland nicht genügend ausgerüstet. Den Soldaten fehlten Winterquartiere. Die Niederlage der 'Großen Armee' war fast unvermeidlich.

  • Schwere Planungsfehler Napoleons verhinderten, dass der Rückmarsch zur rechten Zeit, auf dem richtigen Weg und bei noch relativ günstiger Witterung erfolgte. Der berühmte Übergang über die Beresina war indes ein Unternehmen, das den Kaiser auf der Höhe seines Könnens zeigte.

  • Friedrich Wilhelm III. von Preußen hatte 1812 vor Beginn des Russland-Feldzugs eine formelle Allianz mit Frankreich geschlossen, da er Napoleon für unbesiegbar hielt. Angesichts der völligen Niederlage Napoleons in Russland verhandelte General Ludwig Graf Yorck, der das preußische Kontingent der Großen Armee führte, ohne Befehl des Königs mit den Russen. In der 'Konvention von Tauroggen' (30.Dezember 1812) verpflichtete sich Graf Yorck zur Neutralität seines 18.000 Mann umfassenden Korps. Am 30.Januar 1813 schloss auch Österreich ein Waffenstillstandsabkommen mit den Russen ab. Die Nachricht des Waffenstillstands zwischen Preußen und Russland löste, beginnend in Ostpreußen, eine offen ausbrechende Erhebung gegen die französische Herrschaft in Norddeutschland aus. - Später prüfte eine Kommission die Konvention und sprach Graf von Yorck von allen Vorwürfen der Eigenmächtigkeit frei.

Johann David Ludwig Graf York von Wartenburg (* 1759, † 1830), preußischer Generalfeldmarschall

  • In Preußen überstürzten sich nun die Ereignisse. Ludwig Graf Yorck und der aus Russland zurückkehrende Freiherr vom Stein schufen, ohne vom König dazu beauftragt zu sein, vollendete Tatsachen. Stein nahm als Beauftragter des Zaren Ostpreußen in vorläufige Verwaltung und verkündete die Bildung von Landwehr und Landsturm. Yorck proklamierte vor den ostpreußischen Landständen den Krieg gegen die Franzosen. Da in den meisten preußischen Provinzen noch französische Truppen standen, verfolgte Friedrich Wilhelm III. weiterhin einen vorsichtigen Kurs. Ende Januar 1813 begab er sich in das von den Franzosen nicht besetzte Breslau. Dem Freiherrn vom Stein vergaß er nie dessen Eigenmächtigkeit. 

  • Mit der Niederlage Napoleons in Russland bot sich Preußen die Möglichkeit, die Schmach von 1806/07 zu tilgen und wieder zur Großmacht aufzusteigen. Beamte und Professoren, Publizisten und Patrioten drängten den zögerlichen preußischen König zum Wechsel der Bündnisse und zum Losschlagen. Anfang Februar 1813 erließ Friedrich Wilhelm III. ein Edikt, mit dem er die allgemeine Wehrpflicht lückenlos einführte. Am 12. Februar 1813 ordnet er die Mobilmachung an. Am 28. Februar schließt er mit Russland den 'Vertrag von Kalisch' , in dem die gemeinsame Niederwerfung Napoleons festgelegt wird. Friedrich Wilhelm III. bekennt sich damit offen zum Kampf gegen Napoleon, sein Lavieren zwischen zwei Parteien hat nun ein Ende. Am 10. März 1813 stiftete der König das "Eiserne Kreuz". In Breslau erließ er, zaghaft und halb gedrängt, den berühmten Aufruf  "An mein Volk".

  • Am 16. März 1813 erklärt Preußen Napoleon den Krieg. Die Kriegsereignisse des Jahres 1813 spielten sich vorwiegend in Sachsen, in der Lausitz, in Schlesien und im Raum südlich von Berlin ab. In der Schlacht bei Großgörschen am 2. Mai ist Napoleon siegreich. Der preußische Generalstabschef Scharnhorst wurde tödlich verwundet. Eine zweite Niederlage erlitten die Verbündeten am 20. Mai bei Bautzen. Nach dieser Schlacht ging ganz Sachsen verloren.

  • Zur Überraschung seiner Gegner war es Napoleon nach seiner katastrophalen Niederlage in Russland gelungen, in kurzer Zeit eine Armee von rund 300.000 Soldaten aufzustellen. Die Aura seiner Feldherrenkunst und seiner Unbesiegbarkeit war längst noch nicht erloschen.

  • Unter dem Einfluss des österreichischen Staatslenkers Metternich gewährt Napoleon seinen fast schon besiegten Gegnern einen Waffenstillstand. Später hat Napoleon diesen Waffenstillstand als "größte Dummheit seines Lebens" bezeichnet.  Er hatte die schwierige Lage, in der sich die Verbündeten befanden, nicht erkannt.

  • Eigentliche Gewinner des von Napoleon gewährten Waffenstillstands waren die Verbündeten. England und Schweden unter Bernadotte traten nun in das Bündnis ein.  England stellte hohe Subsidien zur Verfügung. Am 17. Juni 1813 schloss das bis dahin abwartende Österreich mit den vier alliierten Mächten den "Vertrag von Reichenbach" ab. Es verpflichtete sich zur Kriegserklärung an Frankreich, falls Napoleon seine Vermittlungsbedingungen ablehnen würde. Tatsächlich verwarf Napoleon auf dem Prager Kongress im Sommer 1813 die Bedingungen Metternichs. Mit dem Kriegseintritt Österreichs am 11. August sah er sich plötzlich einer zahlenmäßigen Übermacht gegenüber.

Metternich hatte sich lange Zeit sowohl Napoleon als auch den Verbündeten als Vermittler angeboten. In erster Linie ging es dem Staatsmann um die Wiederherstellung der alten Grenzen Österreichs. Diese Garantie konnten nur die Verbündeten geben, da sie zu Lasten Napoleons ging. Napoleon dagegen verdankte seinen Thron gerade der Zerschlagung der alten Mächte, also auch Österreichs. Metternich war entschlossen, die französische Vorherrschaft zu brechen; allerdings sollte sie nicht durch eine russische Vorherrschaft abgelöst werden.

  • Zu den Friedensbedingungen der Verbündeten gehörten: Die Wiederherstellung Preußens nach dem Stand vor 1806, die Wiederherstellung Österreichs nach dem Stand vor 1805, die Auflösung des Rheinbundes, der Abzug der Franzosen aus Norddeutschland, die Befreiung Italiens, die Wiedererrichtung der alten Dynastie in Spanien und die Aufhebung des Herzogtums Warschau. Napoleon war jedoch nicht bereit, von der Wiederherstellung des 'Grand Empire' in seiner Ausdehnung von 1812,- also einschließlich Nordwestdeutschland und großer Teile Italiens, abzugehen.

Napoleon I. (* 1769, † 1821), Kaiser der Franzosen (1804 - 1814/15)

  • Die drei Armeen der '4. Koalition' umfassten ca. 480.000 Mann. Napoleon besetzte mit seinen ca. 450.000 Soldaten die Elblinie. Die französischen Marschälle wurden bei Kulm, an der Katzbach,  bei Großbeeren und bei Dennewitz geschlagen. Napoleon selbst siegte bei Dresden, konnte aber diesen Erfolg nicht ausnutzen. Am 16.Oktober beginnt bei Leipzig die "Völkerschlacht", die drei Tage dauert. Die Verbündeten waren fast doppelt so stark wie die Franzosen. Am dritten Tag der Schlacht liefen württembergische und sächsische Truppen zu den Verbündeten über. Am Abend desselben Tages wurde den Franzosen die Munition knapp. Der Rückzug am 19. Oktober ging ohne Ordnung vor sich, trotzdem entkam Napoleon mit dem großen Teil seiner Armee. Aber der Sieg der Verbündeten war eindeutig. Napoleon eilte westwärts. Am 2. November ging er bei Mainz über den Rhein zurück.

  • Metternich zögerte, den Rhein zu überschreiten. Er wollte ein starkes Frankreich als Gegengewicht zu Russland erhalten. Als Napoleon sein Angebot der Rheingrenze ablehnte, stimmte der österreichische Staatsmann der Fortführung des Krieges zu. In der Neujahrsnacht 1814 überschritt die preußische Armee unter Blücher bei Kaub den Rhein, besetzte anschließend das linke Rheinufer und drang nach Nordfrankreich vor. Die österreichische Armee unter Schwarzenberg überschritt den Rhein auf breiter Front von Kehl bis Schaffhausen. Die Engländer unter Wellington rückten zwischen Bayonne und Bordeaux vor. Die Armeen der Verbündeten marschierten nun konzentrisch auf Paris zu.

  • Napoleon gelang es mit nur 30.000 Mann, den Verbündeten noch mehrere Niederlagen beizubringen. Die Einnahme von Paris am 31. März 1814 konnte er jedoch nicht verhindern. Zwei Tage später rebellierten die Marschälle gegen den Kaiser, der den Kampf gegen die Verbündeten fortsetzen wollte. Am 6. April dankte Napoleon bedingungslos ab. Am 28. April wurde er nach Elba gebracht, das ihm die Alliierten als Fürstentum überließen.

  • Bereits während des Feldzugs verfolgte Metternich das Ziel, die französische Hegemonie wieder durch ein stabiles Gleichgewicht der fünf Großmächte zu ersetzen, wie es sich seit dem Westfälischen Frieden herausgebildet hatte. Dieser Gleichgewichtsgedanke sollte für ihn auch beim Wiener Kongress erste Priorität erhalten.

  • Schon vor der Einnahme von Paris waren sich die Verbündeten über die politischen Ziele nach der Niederwerfung Napoleons uneinig. Der englische Außenminister Castlereagh setzte seinen Vorschlag durch, das Haus Bourbon mit Ludwig XVIII. wieder auf den französischen Thron zu bringen.

  • Am 30. Mai 1814 schlossen die Verbündeten mit Ludwig XVIII. den 'Ersten Frieden von Paris'. Für Frankreich wurden die Grenzen nach dem Stand von 1792 maßgebend. Außerdem erhielt Frankreich einen Teil der eroberten Gebiete: Mühlhausen, Mömpelgard, Teile von Savoyen, das päpstliche Avignon, ehemalige Besitzungen deutscher Fürsten im Elsass, den Hauptteil des heutigen Saargebiets sowie die Festung Landau in der Pfalz. Frankreich erhielt mit wenigen Ausnahmen auch seine Kolonien und Handelsniederlassungen in Übersee zurück. Österreich erhielt alle habsburgischen Landstriche zwischen Po, Tessin und Lago Maggiore. Am 3. Juni 1814 schloss Österreich mit Bayern einen Vertrag, in dem die Rückgabe von Tirol, Vorarlberg, dem Innviertel und Salzburg vereinbart wurde. Bayern erhielt dafür die Rheinpfalz sowie die Herzogtümer Würzburg und Aschaffenburg. - Alles in allem waren also das bourbonische Frankreich und das habsburgische Österreich Gewinner des 'Ersten Friedens von Paris'.

Der erste Pariser Friede knüpft an die Maximen der Gleichgewichtspolitik an. Frankreich wurde von den Siegerstaaten entgegenkommend behandelt. Man wollte die Herrschaft Ludwigs XVIII. nicht von Anfang an destabilisieren. Revolutionäre Erhebungen in Frankreich sollten vermieden werden.


Allen Schülern und Studenten, die gerade eine Prüfung zu bestehen haben, wünschen wir viel Erfolg.  Wir drücken auch die Daumen für diejenigen, die eine Klausur schreiben müssen oder eine Hausarbeit bzw. Referat anzufertigen haben. Hat Euch unsere Seite bei der Vorbereitung oder bei der Informationssammlung geholfen? Wir freuen uns über jeden Eintrag in unser Gästebuch, der uns über eine erfolgreiche Nutzung unserer Homepage berichtet. Selbstverständlich nehmen wir auch Hinweise und Verbesserungsvorschläge entgegen.


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