Römische Kaiser 161 - 192

 

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Die Römer in Südwestdeutschland

Der Untergang der römischen Republik und die Regierungszeit des Kaisers Augustus (44 v.Chr. - 14 n. Chr.)

Römische Geschichte zur Zeit der Kaiser Domitian, Nerva und Trajan (81 - 117 n. Chr.)

Römische Geschichte zur Zeit der Kaiser Hadrian und Antoninus Pius (117 - 161 n.Chr.)

Römische Geschichte zur Zeit der Kaiser Marc Aurel und Commudus (161-192 n.Chr.)

Der Aufbau des römischen Staats

Das Heer während der römischen Kaiserzeit

Römische Religion und Philosophie

Römische Literatur

Entstehung und Ausbreitung des Christentums

Entwicklung des Christentums von Kaiser Konstantin I. bis zum Untergang des weströmischen Reiches (306 - 476)

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Münzsystem und Fernhandel im Römischen Reich

Das Weiterleben der römischen Kultur

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Commodus    Kaiser Augustus 27 - 14 n.Chr.  Römische Kaiser 81 -117      Römische Kaiser 117 - 161

Kaiser Marc Aurel (161 - 180 n. Chr.)

  • Zur Person
 
  • Die sittlichen Forderungen der stoischen Philosophie prägten das Leben Marc Aurels: Wahrhaftigkeit, Selbstbeherrschung, Pflichterfüllung und Nächstenliebe.

Marc Aurel schreibt in seinen 'Selbstbetrachtungen': "Der erste Grundsatz: Lass dir nicht den Geist verwirren, denn alle Dinge müssen sich dem Naturgesetz beugen, und bald schon wirst du zu nichts vergehen wie Hadrian und selbst Augustus. Der zweite: den Tatsachen ins Auge sehen und zu wissen, was sie bedeuten, daran zu denken, dass es deine Aufgabe ist, ein guter Mensch zu werden. Was die Menschennatur verlangt, sollst du ohne überflüssige Bedenken tun; sprich aus, was dir nicht richtig erscheint, doch taktvoll, bescheiden und aufrichtig."

 
  • Cassius Dio (geb. zwischen 155 und 164 in Nikaea, gest. um 230) berichtet in seiner Gesamtdarstellung der römischen Geschichte über Marc Aurel: "Zu allen Tugenden, die er besaß, kam noch hinzu, dass er besser regierte als irgendjemand, der jeweils an der Macht gewesen war." An einer anderen Stelle seines Buches heißt es: "Das Glück, das er verdiente, war ihm nicht hold, denn mannigfaltige Probleme belasteten nahezu seine gesamte Amtszeit. Doch was mich betrifft, so bewundere ich ihn aus eben diesem Grund um so mehr, weil er unter unerhörten Widrigkeit standhielt und zugleich das Reich behütete."

   

Marc Aurel (* 121, † 180), römischer Kaiser von 161 bis 180

Neapel, Nationalmuseum

 
 
  • Herkunft und Karriere

  • Geburt des Marcus Aelius Aurelius Verus am 26. April 121 in Rom. Seine beiden Großväter waren Konsuln und die Schwester seines Vaters war mit Kaiser Antoninus Pius verheiratet.

  • Der junge Marc Aurel fiel bereits Kaiser Hadrian (117-138 n. Chr.) auf. Hadrian überwachte seine Erziehung und ließ ihn in Rhetorik unterrichten. Im Jahr 136 wurde Marc Aurel von Hadrian adoptiert und als sein Nachfolger vorgesehen.

  • Im Todesjahr Hadrians (138) war Marc Aurel 17 Jahre alt. Der zum Kaiser erhobene Antoninus Pius begann schon bald, einen Teil seiner Aufgaben an Marc Aurel abzugeben. 139 wurde Marc Aurel Caesar und ein Jahr darauf Konsul. Im Frühjahr 145 heiratete er  Faustina, die Tochter des Kaisers. Im Jahr 146 wurden ihm die tribunizische Amtsgewalt und die Befehlsgewalt über die Grenzlegionen verliehen.

  • Die Übernahme der Herrschaft

  • Kaiser Antoninus Pius hatte vor seinem Tod am 7. März 161 seinen älteren Adoptivsohn (und Schwiegersohn) Marc Aurel als seinen Nachfolger vorgesehen.

  • Auf Drängen Marc Aurels erhielt auch sein Adoptivbruder Lucius Aelius Commodus vom Senat die Titel  'Caesar' und 'Augustus' verliehen. Da auch die Prätorianer nichts gegen eine Doppelherrschaft einzuwenden hatten, wurden Marc Aurel und Lucius Verus gemeinsam zum Imperator ausgerufen.

    Lucius Verus (*130, † 169)
Gemeinsam mit Marc Aurel von 161 bis zu seinem Tod römischer Kaiser 

Marc Aurel gab seinem Mitregenten mit 'Verus' einen Bestandteil seines eigenen Namens. Dieser hieß nun Lucius Verus. Unter den beiden Herrschern behielt Marc Aurel die Führungsposition. Mit der Ernennung von Lucius Verus hatte er die Möglichkeit einer späteren Usurpation verhindert und einen ergebenen Helfer bei seinen Regierungsgeschäften gewonnen.

  • Die Lage des Römischen Reiches zur Zeit der Herrschaftsübernahme

  • Unter Kaiser Antoninus Pius hatte das Römische Reich den Zenit innerer Ruhe und äußerer Macht erreicht. Größere kriegerische Auseinandersetzungen waren vermieden worden.

  • Zur Zeit der Herrschaftsübernahme zeigten sich bereits erste Anzeichen einer aufkommenden Krise des Römischen Reiches.

  • Am Euphrat und an der Donau war in absehbarer Zeit mit einem verschärften Druck der Parther bzw. der Germanen zu rechnen. Durch die lange kampflose Zeit hatte das römische Heer an Schlag- und Widerstandskraft verloren. Marc Aurel, der für sein Reich nichts sehnlicher als den Frieden wünschte, hatte als Feldherr keine Erfahrungen.

  • Von der Glanzzeit des Römischen Reiches hatte nur die schmale Oberschicht (ca. 1% der 60 Millionen umfassenden Gesamtbevölkerung) tatsächlich profitiert. Sie bestand aus den Senatoren, den Rittern, den lokalen und provinzialen Eliten (Dekurionen) sowie den Familien und Beamten, die an das Kaisertum gebunden waren. Große Bevölkerungsgruppen, wie zum Beispiel die Sklaven und die Landbewohner (plebs rustica), profitierten wenig oder gar nicht von der wirtschaftlichen Blüte. Ganze Landstriche waren verarmt. Es gab keine Mittelschicht! Nur beim Militär war ein sozialer Aufstieg möglich. Die starre Hierarchisierung der Gesellschaft barg die Gefahr für eine Krise (innere Desintegration von Bevölkerungsgruppen).

  • Mit dem Ausbleiben größerer Kriege ging die Anzahl der Sklaven zurück. So fehlte es vielen Landgütern an Arbeitskräften, die notwendig waren, um das Land zu bestellen. Dies führte wiederum dazu, dass sie weniger Steuern an die Staatskasse zahlen konnten. Neben den geringeren Einnahmen, wurde die Staatskasse durch die hohen Ausgaben für die Erstellung von Repräsentationsbauten belastet (Das goldene Zeitalter sollte auch dokumentiert werden!). Eine weitere finanzielle Belastung für den Staat war das Gewohnheitsrecht der 'plebs urbana' (der Bevölkerung der Stadt Rom) auf Getreideversorgung.

  • Außenpolitik

  • Der Krieg gegen die Parther (162 - 166 n. Chr.)

  • Zankapfel zwischen Römern und Parthern war der politische Einfluss in Armenien. Kaiser Trajan hatte 114 n. Chr. Armenien zum Protektorat gemacht. Im Jahr 161 vertrieben die Parther den pro-römischen armenischen König und setzten einen ihnen genehmeren Kandidaten auf den Thron. Die vier in Syrien stationierten römischen Legionen wurden vernichtend geschlagen.

  • Marc Aurel suchte der Gefahr einer Invasion zu begegnen und betraute Lucius Verus, seinen Adoptivbruder und Mitregenten, mit dem Oberbefehl über die aus dem Westen verstärkten Truppen und schickte ihn, zusammen mit dem Truppenführer Avidius Cassius nach Syrien.

  • Die Offensive der Parther wurde rasch zum Stehen gebracht. Armenien wurde zurück gewonnen. 165 konnte man die beiden Städte Edessa und Nisibis erobern. Schließlich kam es 166 zur Einnahme von Seleukeia und Ktesiphon. Avidius Cassius drang bis nach Medien vor. Die Parther waren geschlagen

  • Marc Aurel schloss einen milden Frieden mit den Parthern. Armenien wurde wieder römisches Klientelreich. Alle übrigen Eroberungen wurden den Parthern zurückgegeben. Unter Avidius Cassius wurde ein großes Militärkommando gebildet, das im Osten stationiert blieb. Lucius Verus (er hatte den Feldzug weitgehend seinen Generälen überlassen!) kehrte nach Rom zurück. Am 23. August 166 feierten die beiden Kaiser ein prunkvollen Triumph.

Bei der Einnahme von Seleukeia (166) traten bei den römischen Truppen erste Fälle der Pest auf. Diese Seuche breitete sich rapide im Reich aus und erreichte sogar Germanien. Die Hauptstadt Rom wurde besonders heimgesucht. Viele Landgüter verloren ihre Arbeitskräfte und lagen brach. Die Seuche dauerte bis 183 und war Mitursache sowohl für die wirtschaftliche Krise als auch für die Schwächung der militärischen Kapazitäten. Die Pest wurde als Strafe der Götter angesehen.

  • Die Markomannenkriege (166 - 180 n. Chr.)

  • In der zweiten Hälfte des zweiten Jahrhunderts n. Chr. begann das nordöstliche Mitteleuropa zu veröden. Die Ostgermanen, zusammengefasst in den beiden Großstämmen der Goten und der Vandalen, setzten sich in Bewegung; ebenfalls die bisher in der ostelbischen Heimat verbliebenen Elbgermanen, die sich vorwiegend zu dem Großstamm der Alemannen zusammenschlossen. Auf dem Weg nach Süden wurden andere Völkerschaften verdrängt. Im "Schubverfahren" gelangten diejenigen Völkerschaften an die Grenzen des Römischen Reiches, die im Kampf um neue Siedlungsplätze verloren hatten. Vom Osten her gab es ebenfalls "Schubbewegungen" in Richtung des Römischen Reiches, ausgelöst von den aus dem Iran stammenden sarmatischen Völkerschaften.

  • 166 brechen Markomannen und Quaden von Boiohamum (Böhmen) aus in die römischen Provinzen Noricum und Pannonien ein. Römische Truppen konnten die Eindringlinge wieder zurückwerfen, doch weitere Invasionen sollten folgen. 

  • Marc Aurel beabsichtigte, sofort nach Beendigung des Partherkrieges (166) die Situation an der Donau zu bereinigen. Sein Plan war, zwei neue Provinzen ('Markomania' und 'Sarmatia') nördlich und östlich des Mittellaufs der Donau einzurichten. Diese Pläne scheiterten an der durch die Pest verursachten Reduzierung der militärischen Schlagkraft.

  • Die  Donaugrenze wurde von den zuständigen Gouverneuren wieder hergestellt, doch Marc Aurel hielt es für richtig, zusammen mit Lucius Verus im Jahr 168, auf dem Kriegsschauplatz zu erscheinen. Er bestand darauf, den Germanen nachzusetzen und die Reichsgrenze langfristig zu sichern.

Mitten in den Vorbereitungen zu diesem Feldzug starb Anfang 169  Lucius Verus an einem Schlaganfall. Nach den Begräbnisfeierlichkeiten in Rom zog Marc Aurel wieder an die Nordgrenze.

  • Die militärische Initiative ging auf die 'Barbaren' über. In Dakien wurde 170 der Statthalter Marcus Cornelius Fronto besiegt. Im gleichen Jahr konnten die Kostoboken bis nach Thessalien vordringen. Die Römer konnten es nicht verhindern, dass die Markomannen im Jahr 171 in Oberitalien einbrachen. Ende 171 gelang es den römischen Legionen nach verlustreichen Kämpfen wieder die Oberhand zu gewinnen und die Germanen über die Donaugrenze zu drängen. 

Die Römer verließen sich jetzt nicht mehr auf die rein lineare Verteidigung an der Grenze. Vielmehr schufen sie nun Sonderkommandos mit der Aufgabe, hinter der Front den Übergang über die Alpen zu sperren.

  • 172 richtete sich eine Offensive der Römer gegen die Quaden. Bei den Kämpfen ereignete sich das so genannte "Regenwunder": Die römischen Truppen wurden, als sie umzingelt und von der Wasserzufuhr abgeschnitten waren, durch einen plötzlich einsetzenden Gewitterregen gerettet.

  • Nach dem Frieden mit den Quaden wandte sich Marc Aurel 173 gegen die Markomannen. Auch sie wurden unterworfen. Nach dem Vertrag, den der Kaiser ihnen auferlegte, musste sie einen vierzehn Kilometer breiten Streifen am rechten Donauufer räumen. Ein überraschendes Überschreiten der Donau sollte dadurch verhindert werden.

  • Noch im Winter 173 erhoben sich die Quaden erneut, wurden jedoch wiederum besiegt. Nach dem Friedensschluss 174 mussten sie - wie die Markomannen - einen vierzehn Kilometer breiten Streifen am rechten Donauufer räumen.

  • 175 wurde der Krieg gegen die Jazygen fortgesetzt. Aufgrund eines unerwarteten Ereignisses musste der Feldzug unterbrochen werden: Der Befehlshaber im Orient, Avidius Cassius, ließ sich von seinen Truppen zum Kaiser ausrufen. Marc Aurel schloss nach einer gewonnenen Schlacht einen Friedensvertrag mit den Jazygen und zog nach Syrien.

In Syrien kam es zu keinen Kämpfen, da der Usurpator von seinen eigenen Truppen umgebracht worden war. Die Anhänger von Avidius Cassius wurden nicht weiter verfolgt. Den Winter 175/176 verbrachte Marc Aurel in Syrien. 176 kehrte er über Athen nach Rom zurück. Auf der Rückreise starb seine Frau Faustina.

  • 177 erhoben sich die germanischen Stämme erneut. Bis zum Tod von Marc Aurel am 17. März 180 in Vindobona (Wien) kam es zu schwersten militärischen Auseinandersetzungen, doch die Römer waren auf der Siegesstraße.  Commodus, der bereits 176 von seinem Vater Marc Aurel zum Mitregenten ernannt worden war, schloss einen sofortigen Frieden. Die Friedensbedingungen fielen für Germanen und Sarmaten günstig aus.

  • Innere Reformen

  • Auch während der Regierungszeit von Marc Aurel setzten sich folgende Entwicklungstendenzen fort: 1) fortschreitende Zurückdrängung der von der Republik übernommenen Verwaltungseinrichtungen 2) zunehmende Bürokratisierung und Zentralisation 3) anfänglich von Senatoren (meist ehemaligen Prätoren und Konsuln) bekleidete Stellen werden mehr und mehr von Rittern besetzt. Mit dem 2. Jahrhundert n. Chr. beginnt zusätzlich das Eindringen von Berufssoldaten in die ritterliche Verwaltungslaufbahn.

  • Der 'kaiserliche Rat' (consilium principis) - auch 'Staatsrat' genannt - gewann zunehmend Einfluss auf die Regierungsgeschäfte, zumal unter Marc Aurel ritterliche Beamte diese Funktion hauptamtlich ausübten.

  • Die Anordnungen des Kaisers hatten ohne die vorherige Bewilligung durch den Senat Gesetzeskraft (=legis vigorem). Das Kaiserrecht stellte eine "modernere" Rechtsschicht dar, welche die alten Schichten überlagerte, ohne sie außer Kraft zu setzen.

Aus dem Senat als ehemaligem Gremium der römisch-italischen Aristokratie wurde mehr und mehr eine Versammlung der Führungsschicht des gesamten Imperiums. Der Anteil der Senatoren, die aus Italien stammten, ging von rund 56% bei Antoninus Pius auf etwa 43% bei Marc Aurel zurück.

  • Unter Marc Aurel wurde das 'Prinzip der ungleichen Kollegialität' - jedem ritterlichen leitenden Beamten wird ein freigelassener Bürochef beigegeben - in allen Zweigen der Verwaltung ausnahmslos eingeführt.

Im Zusammenhang mit den Reformen spielten die Freigelassenen bei Marc Aurel eine weit größere Rolle als bei seinen beiden Vorgängern.

  • Die wirtschaftliche Situation

  • Die Anzeichen einer wirtschaftlichen Krise, die sich bereits bei der Herrschaftsübernahme Marc Aurels gezeigt hatten (siehe oben), verstärkten sich während seiner Regierungszeit.

  • Für die Kriege an Euphrat waren hohe Ausgaben erforderlich, die den Staatshaushalt stark belasteten. Dies hielt den Kaiser nicht davon ab, neben den Triumphen der Jahre 166 und 176 für die den Stadtrömern (plebs urbana) nach Gewohnheitsrecht zustehenden Getreidelieferungen und Lustbarkeiten (panem et circensis) zu sorgen. Hohe Ausgaben waren für die Prachtbauten erforderlich.

  • Zur gleichen Zeit gingen die Einnahmen aus den Provinzen zurück. Auch die Kriegsbeute früherer Jahre fehlte. Da wegen fehlender Arbeitskräfte (Ausbleiben billiger Sklavenimporte!) viele Landgüter ihre Produktion reduzieren oder ganz einstellen mussten, ging das Steueraufkommen weiter zurück.

  • Der Import von Luxusprodukten aus dem Fernen Osten (Seide, Glas, Kunst- und Schmuckgegenstände, Delikatessen) musste mit Edelmetall bezahlt werden und bildete einen ständigen Verlustposten in der Zahlungsbilanz Roms. Der negativen Zahlungsbilanz begegnete man weder durch Drosselung der Luxusimporte noch durch Steigerung der Produktivität, sondern durch Geldabwertung. Der Ausbruch der wirtschaftlichen Krise wurde dadurch nur hinausgeschoben.

  • Durch Zahlungen, die der Kaiser aus seiner Privatkasse (er hatte persönliche Einnahmen aus seinen Domänen, Bergwerken und Steinbrüchen!) an die Bevölkerung leistete und durch Schuldenerlass, wurden die ökonomischen Probleme noch vergrößert.

  • Die Schwäche der wirtschaftlichen Entwicklung lag hauptsächlich darin, dass die Erzeugung von Verbrauchsgütern mit den steigenden Bedürfnissen der sich ständig vermehrende Bevölkerung nicht Schritt hielt. Fragen nach wirtschaftlichen Zusammenhängen wurden von den Römern nur selten gestellt. Eine konsequente staatliche Wirtschaftspolitik gab es zu dieser Zeit nicht.

  • Die Wirtschaft des italienischen Raums hatte zunehmend unter der Konkurrenz anderer Gebiete des Reichs zu leiden.

Die Provinzen fingen an, ihre Bedarfsartikel selber zu erzeugen, so dass bereits seit dem Ende des ersten Jahrhunderts Italiens Wirtschaft immer weniger exportieren konnte, stagnierte und die Städte langsam zu schrumpfen begannen.

  • Nachfolgeregelung

  • Marc Aurel bestimmte seinen Sohn Commodus zum Nachfolger. Seine Machtbefugnisse waren sukzessive aufgebaut worden. Schon 177 wurde er zum 'Augustus' ernannt.

  • Die Ernennung von Commodus bedeutete eine Rückkehr zum alten dynastischen Prinzip. Die Epoche der Adoptivkaiser war zu Ende. Das Bestreben, die Herrschaft in der Familie zu belassen, ist dem Prinzipat immanent. Bei den Vorgängern Marc Aurels waren keine Erben zur Verfügung gestanden.


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Kaiser Commodus (180 - 192 n. Chr.)


  • Herkunft und Karriere

  • Geboren am 31. August 161 in Lanuvium als Sohn des Kaisers Marc Aurel und Anna Galeria Faustina. Commodus war von Anfang an als Thronfolger vorgesehen.

  • Im Alter von fünf Jahren wurde ihm der Caesarentitel verliehen.

  • Nahm an dem Triumphzug Marc Aurels im Jahre 176 teil.

  • 177 zum Mitregenten erhoben. Zur gleichen Zeit übte er zum ersten Mal das Konsulat aus.

  • 178 und 179 kämpfte Commodus zusammen mit seinem Vater gegen Germanen und Sarmaten.

    Kaiser Commodus (180 - 192 n. Chr.) 
 
  • Übernahme der Herrschaft

  • Commodus wurde in erblicher Thronfolge mit Zustimmung des Senats und des Heeres zum Kaiser ausgerufen. Er war der erste unter allen seinen Vorgängern, der "im Purpur geboren" war  (sein Vater war bei seiner Geburt bereits Kaiser!). Dies prädestinierte ihn seiner Ansicht nach allein schon zum Herrscher. 

  • Nach dem Friedensschluss mit Markomannen, Quaden und Jazyken kehrte Commodus nach Rom zurück, wo er noch im Jahr seiner Thronbesteigung (180) einen glänzenden Triumph feierte.

  • Herrschaftsstil

  • Die Alleinregierung des Kaisers Commodus entwickelte sich zu einer schrankenlosen Autokratie. Die Regierungsgeschäfte langweilten ihn tödlich, er überließ sie ohne Bedenken seinem jeweiligen Günstling. Die Günstlinge stammten entweder aus dem Ritterstand oder waren Freigelassene.

  • Der Kaiser verfolgte den Abbau der oberen Schichten (Senat, Aristokratie). Seine Aktionen als Gladiator, Wagenlenker und Tierkämpfer fanden den Beifall der Unterschichten, die zufrieden waren, wenn sie mit "Brot und Spielen" versorgt wurden.

  • Commodus ließ viele Adlige umbringen und machte nicht einmal vor seinen nächsten Blutsverwandten halt. Es kam ihm darauf an, von ihm bevorzugte Personen  zu Senatoren zu machen. Auf diese Weise änderte sich die Zusammensetzung des Senats und führte zu einer beträchtlichen Minderung seines Ansehens.

  • Commodus stützte sich bei seiner Auseinandersetzung mit der Oberschicht auf das Volk und vor allem auf die Prätorianergarde in Rom. Sein jeweils bevorzugter  Günstling führte den Befehl über die Prätorianer. Der Kaiser wurde zur Marionette von Prätorianern und Höflingen. Beim ersten Anzeichen der Unbeliebtheit im Volk opferte er jedoch seinen Günstling, wenn er auf diese Weise seine Herrschaft retten konnte.

  • Außenpolitik

  • Gegen den letzten Willen seines Vaters schloss Commodus nach dessen Tod Frieden mit Markomannen, Quaden und Jazygen. Als Grund gab er die Überforderung der zur Verfügung stehenden Mittel des Reiches an. Der Frieden muss für die früheren Kriegsgegner sehr günstig gewesen sein, denn für Jahrzehnte blieb die Donaugrenze ruhig.

  • Kurz nach dem Regierungsantritt von Kaiser Commodus durchbrachen die Kaledonier den Antoninuswall in Schottland und verheerten das Hinterland. In drei Feldzügen konnten die Kaledonier wieder zurückgedrängt werden. Der Antoninuswall wurde neu gesichert.

  • Nach den Kriegen hatten sich die Verhältnisse in  den Grenzprovinzen nicht mehr normalisiert. Kaiser Commodus kümmerte sich nur wenig um die dortige Klientel. 

  • Innere Verhältnisse

  • Die Vernachlässigung der Regierungsgeschäfte durch Commodus begünstigte Verschwörungen und Komplotte. Mehrmals gab es Planungen von Senatoren und  Rittern, den Kaiser umzubringen.

Der erste Mordanschlag auf Commodus wurde jedoch  im Jahr 182 von seiner Schwester Lucilla eingefädelt. Mit den täuschenden Worten "Sieh her! Das schickt Dir der Senat!" stürzte sich ihr Neffe, mit einem Dolch bewaffnet,  in der Nähe des Kolosseums auf den Kaiser. Bevor er sein Ziel erreichen konnte, wurde er von der Leibwache des Kaisers entwaffnet. Lucilla und ihr Neffe wurden hingerichtet.

  • Der aus dem Ritterstand stammende Prätorianerpräfekt Tigidius Perennis wurde zum uneingeschränkten Träger der Regierungsgeschäfte. Dem Kaiser riet er, ganz seinem Vergnügen zu leben.

  • Während Perennis den gesamten Regierungsapparat kontrollierte, gab sich Commodus seinen Vergnügungen und Ausschweifungen hin. Er soll 300 Konkubinen und ebenso viele Lustknaben gehabt haben.

  • Während des Aufstandes der Kaledonier in der Provinz Britannien setze sich  Perennis über die Befehlsgewalt der aus dem Senatorenstand kommenden Kommandeure hinweg. Die von ihm neu zusammengestellten Kampftruppen unterstanden dem Befehl seiner ritterlichen Standesgenossen. Meutereien der Soldaten ließ er brutal niederschlagen. 1500 Soldaten der britischen Legionen marschierten nach Rom um ihre Beschwerden über Perennis dem Kaiser vorzulegen und dessen Tod zu fordern. In der Protestaktion war eine versteckte  Bedrohung des Kaisers enthalten. Zur gleichen Zeit wurde ein (evtl. scheinbarer) Plan von Perennis aufgedeckt, Commodus zu beseitigen und einen seiner Söhne als Kaiser einzusetzen. Den Aufstand des Heeres fürchtend,  ließ der Kaiser Perennis hinrichten und verlieh sich für die erfolgreiche "Rettung" den Titel 'Felix' (der Glückliche).

  • Mit Marcus Aurelius Cleander, einem ehemaligen Sklaven aus Phrygien, wurde 186 ein weiterer Günstling des Kaisers an die Spitze der Prätorianergarde gestellt. Er blieb mehrere Jahre unangefochten in seiner Stellung.

  • Cleander war noch skrupelloser als sein Vorgänger und stets darauf bedacht, sich selbst zu bereichern. Er ging so weit, öffentliche Ämter an den Meistbietenden zu verkaufen. In Rom herrschte völlige Anarchie.

  • Als im Jahr 190 in Rom aufgrund von Getreideknappheit eine Hungersnot ausbrach, schrieb das Volk Cleander  die Schuld zu. Im Circus Maximus brach der Aufstand aus. Städtische Kohorten schlossen sich den Aufständischen an. Commodus, das Ende seiner Herrschaft befürchtend, lieferte Cleander der wütenden Menge aus. Cleander wurde gelyncht.

  • Nach dem Tod Cleanders übernahm  Commodus die Regierungsgeschäfte selbst. Die Hoffnung des Volkes auf Besserung der Lage erfüllte sich jedoch nicht. Der Kaiser zeigte erste Anzeichen von Größenwahn. Er nötigte den Senat, ihn schon zu Lebzeiten als Gott zu verehren. Sein Glaube an seine eigene Göttlichkeit und seine Sendung raubten ihm den Sinn für die Wirklichkeit. Sämtliche Monate wurden nach den verschiedenen Namen seiner Kaisertitulatur benannt.

  • Wachsende Macht der Prätorianergarde und der Grenztruppen

  • Das Heer, das in Friedenszeiten zwischen 300 und 350 Tausend Mann umfasste, war während des Markomannenkriegs auf nahezu 800 Tausend Mann erhöht worden.

  • Die Prätorianergarde und die an der Peripherie des Imperiums konzentrierten Heeresverbände profilierten sich immer mehr zu den entscheidenden Machtfaktoren im Römischen Reich.

Von Augustus an waren alle Kaiser bemüht, sich mit allen Mitteln die Ergebenheit der Prätorianergarde und der Grenztruppen zu sichern und rivalisierende Einflüsse, wie die des Senats, zurückzudrängen. Die Monopolisierung des militärischen Oberbefehls in der Hand des Kaisers war die entscheidende Grundlage des gesamten politischen Systems. Ein Kaiser, der wie Commodus die militärische Befehlsgewalt aus der Hand gab, förderte das Machtbewusstsein und die Eigenständigkeit der Truppenkommandeure und des jeweiligen Prätorianerpräfekten. Die Beschwerde der Legionäre aus Britannien über die Regierungstätigkeit des Perennis (siehe oben) war eine Anmaßung eines Heeresverbandes, die nur aufgrund einer Schwäche des Kaisers und seiner Regierung möglich war. Der Zerfall des gesamten politischen Systems deutete sich an.

  • Wirtschafts- und Finanzkrise

  • Mit der Regierungszeit des Commodus  begann ein rascher Niedergang der Wirtschaft im ganzen Reichsgebiet. Im Vergleich zur Regierungszeit von Kaiser Marc Aurel weitere Erhöhung der Staatsausgaben:

  • Der Freikauf von Kriegsgefangenen bedeutete einen Abfluss der im Imperium knapp werdenden Edelmetalle. Dieser Effekt wurde verstärkt durch die vielen germanischen Söldner, die aus römischen Diensten mit erspartem Sold in ihre Heimat zurückkehrten.

  • Ausbau der Grenzverteidigung (Grenzbefestigungen, Sold und Ausrüstung der Soldaten).

  • Wiederaufbaukosten der verheerten Grenzprovinzen.

  • Ausgaben des Kaisers für Ausschweifungen, Lustbarkeiten, Fechterspiele und 'Geldspenden' für seine Günstlinge.

  • Finanzierung der alle und alles kontrollierenden Bürokratie.

  • Erhöhung des Steuerbedarfs zur Deckung der Staatsausgaben.

Die Steuerschraube wurde auf ein nicht mehr ertragbares Maß angezogen. Der alles lähmende Steuerdruck und die Macht der Bürokraten traf auf eine durch die Pest und die Barbareneinfälle dezimierte Bevölkerung. Viele Krisenfaktoren verstärkten sich gegenseitig. So führte der Arbeitskräftemangel zu einem Mangel an Produkten aus der Landwirtschaft (im Jahr 190 herrschte in Rom Getreideknappheit!) und Gewerbe und zu einem Rückgang des Handels, der sich wiederum in einem verringerten Steueraufkommen ausdrückte.

  • Die Reaktion des römischen Staates auf den Abfluss der Edelmetalle war die Massenprägung minderwertiger Münzen, die wiederholte Geldentwertungen zur Folge hatten. Der Prozess der Inflation beschleunigte sich.

Die Wirtschafts- und Finanzkrise war Teil einer allgemeinen Strukturkrise des Reiches. Die wechselseitige Wirkung der Krisenfaktoren aufeinander liefen auf eine Wirtschaftskatastrophe hinaus. Die Faktoren wurden nicht als Merkmal einer langfristigen strukturellen - in den Untergang führende - Krise wahrgenommen,  sondern nur als zeitlich begrenzte Symptome  der Kriege angesehen.

  • Der Tod des Commodus

  • Mehrmals hatten sich Höflinge und Senatoren gegen Kaiser Commodus verschworen, doch alle Attentatsversuche waren fehlgeschlagen. Am 31.12.192 gelang einer Verschwörergruppe, zu welcher der Kammerherr Electus, die Lieblingskonkubine Marcia und der Prätorianerpräfekt Quintus Aemilius Laetus gehörte, die Tat: Commodus wurde von einem Athleten mit dem Namen Narcissus in seinem Bad erdrosselt. Der Kaiser war tot - doch der Staat versank im Chaos.

  • Commodus verfiel der "damnatio memoriae", der Verdammung seines Gedenkens: Auf allen Inschriften wurde sein Name getilgt. Die Wahl seines Nachfolgers war schwer: Das Jahr 193 sah vier Kaiser, von denen sich schließlich Septimus Severus durchsetzte.

Um seine Herrschaft zu legitimieren, erfand Septimus Severus eine Adoption durch den zum Gott erhobenen Marc Aurel. Dadurch wurde Commodus nachträglich zum Bruder des amtierenden Kaisers, dessen Andenken nicht verdammt bleiben konnte. Der Name des verhassten Commodus wurde an den alten Stellen der Inschriften erneut eingemeißelt - eine Ironie der Geschichte.


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Stand: 26.11.2016                           Copyright © 2016 Geschichts- und Kulturverein Köngen e.V.            Autor: Dieter Griesshaber