Deutschland 1919 - 1933

 

 

 

 

 

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Inhalt

 

Die Welt des späten Mittelalters (1250 - 1400)

Das Ende der Luxemburger und der Aufstieg der Habsburger Kaiserdynastie (1400 - 1517)

Die Reformation von Luthers Anschlag der 95 Thesen bis zum Wormser Reichstag (1517 - 1521)

Der Dreißigjährige Krieg (1618 - 1648)

Vom Westfälischen Frieden (1648) bis zum Regierungsantritt Friedrichs des Großen (1740)

Der Aufstieg Preußens zur europäischen Großmacht (1740 - 1763)

Die Französische Revolution bis zum Ende der Diktatur Robespierres (1789 - 1794)

Deutschland in der Zeit der Französischen Revolution und der Herrschaft Napoleons (1789 - 1815)

 Restauration und Revolution (1815 - 1830)

Monarchie und Bürgertum (1830 - 1847)

Die Revolution von 1848/49

Von der gescheiterten Revolution 1848 bis zur Gründung des Deutschen Reiches 1871

Die Innen- und Außenpolitik Bismarcks (1871 - 1890)

Das Deutsche Kaiserreich von 1890 bis zum Ausbruch der Ersten Weltkriegs 1914

Die Industrielle Revolution in England und Deutschland (1780 - 1914)

Europäischer Kolonialismus und Imperialismus (1520 - 1914)

Der Erste Weltkrieg (1914 - 1918)

Der Weg zur Weimarer Republik 1918 - 1919

Der Kampf um die Staatsgewalt in der Weimarer Republik (1919 - 1933)

Die Machtübernahme der NSDAP und die Errichtung der Diktatur Hitlers (1933 - 1939)

Der Zweite Weltkrieg (1939 - 1945)

Der Weg in die Teilung Deutschlands (1945 - 1949)

Der Kalte Krieg: Vom Kriegsende 1945  bis zum Bau der Berliner Mauer 1961

Die Ära Adenauer (1949 - 1963)

Die Kanzlerschaft Ludwig Erhards 1963 - 1966

Kalter Krieg Teil 2: Von der Kubakrise 1962 bis zur Auflösung der Sowjetunion 1991

Die Zeit der Großen Koalition 1966 - 1969

Die Ära Brandt (1969 - 1974)

Die Kanzlerschaft Helmut Schmidts (1974 - 1982)

Die Kanzlerschaft Helmut Kohls von 1982 bis 1987

Die Kanzlerschaft Helmut Kohls von 1987 - 1989

Der Weg zur Wiedervereinigung Deutschlands (Teil I: Die DDR von den siebziger Jahren bis zum Fall der Mauer im Jahr 1989)

Vom Fall der Berliner Mauer bis zur deutschen Einheit (1989 - 1990)

 

 

 
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Entspannung 1924 - 1929      Aufstieg Nationalsozialismus 1929 - 1933     Württemberg 1918-1933     Köngen 1918-1933 (exemplarisch für ein Dorf)     Literaturhinweise


Die ersten Jahre der Weimarer Republik 1919 - 1923


  • Die deutsche Bevölkerung ist sich in dem Glauben einig, dass eine Erfüllung des Versailler Vertrags in seinem vollem Umfang undurchführbar ist.

  • Großes Etatdefizit, zunehmende Geldentwertung. Ursachen: Erhöhung der Geldmenge während des Krieges (Kriegsanleihen auf Pump), Finanzierung des Wiederaufbaus, Einfuhrbedarf für Wirtschaft und Ernährung, Reparationen.

  • Maßnahmen: Beseitigung der Finanzhoheit der Länder, Vereinheitlichung und Ausbau des Steuersystems: Einführung einer Reichseinkommenssteuer mit einem Steuersatz bis zu 60%, Besteuerung des Vermögenszuwachses von 1914-1919, Erhöhung der Erbschaftssteuer, einmaliges 'Reichsnotopfer' (seit 1922 Reichsvermögenssteuer). Staatliche Festsetzung der Agrarpreise. Federführend bei den meisten dieser Maßnahmen war Matthias Erzberger (Zentrum).

  • Die Reichsfinanzreform erwies sich als eines der wesentlichen Verdienste Erzbergers. In ihrer Bedeutung von den Zeitgenossen nicht erkannt und wegen der Inflation zunächst nicht voll wirksam, machte sich Erzberger bei den Föderalisten und einflussreichen Vertretern der im Kaiserreich herrschenden Schicht noch mehr Feinde. Durch die Einschränkung der bisherigen Finanzhoheit der Länder gelang ein großer Schritt hin zum deutschen Einheitsstaat. Die Finanzämter waren nun Reichsbehörden und erhoben die Steuer, während die Länder auf den Finanzausgleich verwiesen blieben.

  Matthias Erzberger (* 1875 † 1921, ermordet)

Mitglied des Reichstags 1903 - 1918 (Zentrum), Leiter der Delegation, die am 11.11.1918 den Vertrag über den Waffenstillstand mit den Westmächten unterzeichnete, Reichsminister der Finanzen vom Juni 1919 bis März 1920.
  • 1919 war die junge Republik durch Umsturzversuche der Linksradikalen herausgefordert worden. Im März 1920  kommt es mit dem so genannten "Kapp-Putsch" zu einer ersten Machtprobe mit der wieder erstarkten Rechten. Für die Rechtskreise war Deutschland "im Felde unbesiegt". Die "Erfüllungspolitik" (die Erfüllung des Versailler Vertrages durch die Regierung) klagten sie an. Darüber hinaus stemmten sie sich mit aller Macht gegen den demokratischen Staat.

  • Unter Mitwirkung von Ludendorff versuchen der ehemalige Führer der Deutschen Vaterlandspartei, Wolfgang Kapp, und General Freiherr von Lüttwitz die Regierung zu stürzen und eine Diktatur zu errichten. Als am 13. März 1920 Truppen der Freikorps (Brigade Ehrhardt) in Berlin einrücken, greift die Reichswehr nicht ein.

  • Die Freikorps waren seit November 1918 aus ehemaligen Frontsoldaten aufgestellt worden. In diesen Freiwilligenverbänden sammelten sich monarchistische und rechtskonservative Kräfte, die am Ende des Krieges keine Perspektive und gesicherte Zukunft mehr sahen. Bis 1920 hatten sich rund 120 Freikorps mit 400.000 Mitgliedern gebildet.

  • Als Reichswehrminister Noske den späteren Chef der Heeresleitung, General von Seeckt, zum Schutz der Regierung um den Einsatz der Reichswehr zur Niederschlagung des Putsches ersuchte, wurde sein Ansinnen zurückgewiesen. (von Seeckt: "Wollen Sie eine Schlacht am Brandenburger Tor zwischen Truppen, die noch vor einem Jahr Schulter an Schulter gekämpft haben?"). Im Grunde war dies eine Verweigerung des Gehorsams gegenüber der Regierung, zumal es sich bei den Freikorps keinesfalls um reguläre Armeeeinheiten handelte.

  • Die Putschisten gelingt es nicht, sich der Instrumente der staatlichen Machtausübung (z.B. des Beamtenapparats) zu bemächtigen. Am 15. März 1920 rufen die Gewerkschaften auf Veranlassung der Regierung zum Generalstreik auf. Am 17. März wird die Kapp-Regierung abgesetzt.

  • Der Umsturzversuch scheiterte auch deshalb, weil Reichspräsident Friedrich Ebert seine ihm nach der Verfassung zugewiesenen Vollmachten voll ausschöpfte - ungeachtet der Tatsache, dass er nicht, wie die Juli 1919 verabschiedete Reichsverfassung vorschrieb, durch eine Volkswahl in das Amt gelangt war.

  • Der politische Streik, bisher immer eine Waffe der oppositionellen Linken gegen die Regierung, wird zum ersten Mal als ein von der Regierung gefordertes Kampfmittel zur Verteidigung des bürgerlichen Staates gebraucht.

  • Aus dem Generalstreik wird bald eine linke Aufstandsbewegung. Der Streik breitet sich noch aus, als der Kapp-Putsch bereits zusammengebrochen ist. Im Ruhrgebiet wächst die Streikbewegung zu einem von der KPD unterstützten Arbeiteraufstand aus. Die letzten Schüsse fallen erst Mitte April 1920.

  • Bei der Reichstagswahl im Frühsommer 1920 verliert die den neuen Staat bejahende "Weimarer Koalition" (SPD, Zentrum und DDP) ihre Mehrheit. Der Stimmenanteil der Koalition betrug jetzt nur noch 43,6 Prozent (1919: 76,1 Prozent). Die Monarchisten (DNVP, DVP) bekommen 29 Prozent der Stimmen (1919: 14,7 Prozent). Die von der SPD abgespaltenen Parteien, die USPD und die KPD, erhielten zusammen 20 Prozent der Stimmen. Mit diesem Ergebnis deutet sich ein Scheitern des parlamentarischen Regierungssystems - das ja auf Mehrheit beruht - an. Die Republik steht auf schwachen Füßen!

  • Das Reparationsproblem
 
  • Die Siegermächte einigen sich Anfang 1921 in Paris und London auf einen Zahlungsplan, der innerhalb von 42 Jahren Reparationen von jährlich zwei bis sechs Milliarden Goldmark vorsieht. Insgesamt soll das Reich 132 Milliarden Goldmark aufbringen - eine astronomische Summe, die eine wirtschaftliche Erholung auf Jahrzehnte ausschloss.

 
  • Die wechselnden Kabinette unter der Führung bürgerlicher Politiker versuchen, der Reparationspflicht nachzukommen. Mit der "Erfüllungspolitik" sollte den Siegermächten gezeigt werden, dass ihre Forderungen die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit des Deutschen Reiches übersteigen und großes Elend in der Bevölkerung verursachen. Von einer solchen Erkenntnis der Siegermächte erhoffte man sich eine Minderung der Reparationslasten. Die Alliierten blieben jedoch unbeeindruckt.

Um den Forderungen der Sieger nachzukommen, ließen die verantwortlichen Politiker neues Geld ohne Deckung drucken. Da schon während des Krieges die Geldmenge erheblich erhöht worden war, kam es zu einer galoppierenden Inflation, die für einen großen Teil der Bevölkerung wachsende Not mit sich brachte. Millionen von Deutschen, die nur Geld- und keine Sachwerte besaßen, wurde ihre Existenzsicherung genommen.

 
  •  Walther Rathenau (zuerst Wiederaufbau-, dann Außenminister) versucht, Deutschland durch ein Abkommen über vermehrte Sachlieferungen anstelle der Reparationszahlungen zu entlasten. Ende 1921 ist Deutschland wegen zunehmender Geldentwertung nicht mehr in der Lage, die "Erfüllungspolitik" fortzusetzen. 

Die Berufung von Walther Rathenau zum Wiederaufbauminister in der Regierung des Zentrumpolitikers Joseph Wirth spaltete im Mai 1921 die öffentliche Meinung. Einerseits verwarfen die Konservativen die maßgeblich von Rathenau entwickelte "Erfüllungspolitik" gegenüber den Forderungen der Siegermächte, andererseits versprachen sich Liberale und Sozialdemokraten von dieser Politik eine Mäßigung des auf Deutschland lastenden Drucks.

 
 

Walther Rathenau (* 1867, † 1922, ermordet)

1921 Minister für Wiederaufbau, 1922 Außenminister

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  • Die Konferenz von Genua im Frühjahr 1922 bringt keine Lösung der Reparationsfrage. Rathenau, seit dem 1. Februar 1922 Außenminister, verstimmt die Westmächte zusätzlich durch den Vertrag von Rapallo mit Russland (16. April 1922). Die westlichen Siegermächte befürchten eine Allianz zwischen Deutschland und Russland.
 
  • Im Vertrag von Rapallo verzichten sowohl Deutschland als auch Russland auf gegenseitige materielle Ansprüche. Diplomatische Beziehungen werden vereinbart, ebenso die Erneuerung der Wirtschaftsbeziehungen. Die Siegermächte wurden vor vollendete Tatsachen gestellt. - Der Vertrag mit Russland markiert den Beginn einer eigenständigen deutschen Außenpolitik nach 1918.

 
  • Der Vertrag von Rapallo wurde ohne das Wissen des Reichspräsidenten Friedrich Ebert unterzeichnet. Ebert war gegen einen solchen Vertrag mit Russland, weil er (mit gutem Grund!) eine Verschlechterung des Verhältnisses zu den Westmächten befürchtete. Außerdem fühlte er sich als Reichspräsident, der das außenpolitische Vertretungsrecht besaß, brüskiert. Da Ebert keine Regierungskrise heraufbeschwören wollte, unterließ er es, mit Kanzler und Außenminister einen verfassungsrechtlichen Konflikt über die außenpolitischen Kompetenzen auszufechten.

  • Rechtsradikaler Terror
 
  • Nach der Niederschlagung des Spartakus-Aufstandes im Januar 1919 machten Rechtsradikale Jagd auf die KPD-Führer Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht. Ihrer Ermordung stand am Anfang einer langen Reihe politischer Attentate Rechtsradikaler in der Weimarer Republik.

 
  • Die radikal auftretende Rechtsopposition bezichtigten die "Erfüllungspolitiker" des "Verrats am Vaterland" und verfolgten sie mit ihrem ganzen Hass. Dabei schreckten die extremen Nationalisten auch vor politischem Mord nicht zurück. Insgesamt brachten rechtsradikale Attentäter bis 1924 mehr als 400 politische Gegner um.

  • Am 26. August 1921 wurde der Zentrumspolitiker und Reichsfinanzminister Matthias Erzberger von zwei Mitgliedern eines militärischen Geheimbundes erschossen. Erzberger hatte am 11. November 1918 den Waffenstillstandsvertrag mit unterzeichnet.

  • Am Vormittag des 26. August 1921 spazierten Matthias Erzberger und Carl Diez, ein Reichstagsabgeordneter der Zentrumspartei, auf der Kniebisstraße, die von Bad Griesbach durch den Schwarzwald nach Freudenstadt führt. Sie planten den Besuch der Alexanderschanze. Gegen 11 Uhr tauchten plötzlich vor ihnen zwei junge Männer auf. Sie schossen die Magazine ihrer Pistolen auf die beiden Parlamentarier ab und flüchteten. Erzberger, von acht Kugeln getroffen, starb noch am Tatort, Diez wurde lebensgefährlich verletzt und schleppte sich nach Bad Griesbach zurück. In Deutschland wurde die Nachricht von der Ermordung Erzbergers teils mit Bestürzung, teils mit Genugtuung, ja Begeisterung aufgenommen. Auch vor seiner Ermordung hatte Erzberger, der am 20. September 1875 in Buttenhausen auf der Schwäbischen Alb als Sohn eines Kleinhandwerkers und Postboten zur Welt gekommen war, die Menschen polarisiert. Seine einfache Herkunft, der Katholizismus und auch die schwäbische Mentalität hatten ihn entscheidend geprägt. (Eine sehr gute Quelle zum Wirken Erzbergers ist das Buch: Klaus Epstein: Matthias Erzberger und das Dilemma der deutschen Demokratie, Frankfurt 1976).

  • Bei den Mördern handelte es sich um die ehemaligen Offiziere Heinrich Tillessen (1894 - 1984) und Heinrich Schulz (1893 - 1979). Beide waren Mitglieder einer geheimen Terrorgruppe, die sich 'Germanenorden' nannte und zur 'Organisation Consul' gehörte. Den Mördern gelang die Flucht ins Ausland. 1933 kehrten sie unbehelligt in das nationalsozialistische Deutschland zurück.

  • Am 24. Juni 1922 wurde Reichsaußenminister Walther Rathenau von Mitgliedern der rechtsradikalen "Organisation Consul" ermordet.

 
  • Überfälle und Morde der Rechtsradikalen schürten in der Öffentlichkeit das Gefühl, ohnmächtig gegen eine Bedrohung zu sein, gegen die der Staat von Weimar keinen wirksamen Schutz zu geben vermochte.
  • Ruhrkampf und Reichskrise im Jahr 1923
 
  • Vorgeschichte des Ruhrkampfs
 
  • Im Herbst 1922 klettert die Inflation in Schwindel erregende Höhen. Massenelend ist die Folge. Ganze Bevölkerungsschichten verarmten.
 
  • In Frankreich ist man überzeugt, dass sich Deutschland der Erfüllung seiner Zahlungsverpflichtungen böswillig widersetzt; die Entwertung des Francs soll durch die deutschen Zahlungen überwunden werden.
 
  • Raymond Poincaré glaubt, Deutschland durch Besetzung und wirtschaftliche Ausbeutung des Ruhrgebiets zur Vertragstreue zwingen zu können. Aus seinem Sicherheitsbedürfnis heraus ist es außerdem im Interesse Frankreichs, Deutschland im Ruhrgebiet (Schwerindustrie!) zu schwächen.
 
  • Ruhrbesetzung und Ruhrkampf
 
  • Am 11. Januar 1923 besetzen französische und belgische Truppen das Ruhrgebiet; die Reparationen waren nicht voll geleistet worden.

 
  • Die bürgerliche Regierung unter dem Reichskanzler Wilhelm Cuno ruft am 13. Januar Unternehmer, Arbeiter im Ruhrgebiet zum "passiven Widerstand" auf.

Cunos Kabinett der so genannten Fachleute ohne Parteibindung zeigt sich der Zuspitzung der außen- und innenpolitischen Lage, gekennzeichnet durch die Ruhrbesetzung und eine dramatisch ansteigende Inflation, nicht gewachsen.

 

Nebenbei bemerkt: Am 15. März 1923 setzte eine Novellierung des Kraftfahrzeuggesetzes die Höchstgeschwindigkeit von Kraftfahrzeugen innerhalb eines Ortes auf 30 km pro Stunde fest. Damit sollten vor allem Verkehrsstaus vermieden werden, die durch die steigenden Autozahlen verursacht wurden. Die reichseinheitliche Regelung von 1910 hatte für Kraftfahrzeuge in geschlossenen Ortschaften eine Fahrgeschwindigkeit von höchstens 15 Kilometern in der Stunde vorgesehen - etwa die Geschwindigkeit eines Pferdes im starken Trab.

 
  • Im Hochsommer 1923 führt der passive Widerstand zum völligen Verfall der Mark. Das Reich steht finanziell vor dem Zusammenbruch.

Die Regierung in Berlin finanziert den passiven Widerstand durch Erhöhung der Geldmenge (Drucken von Geldscheinen).  Dies heizt die Inflation zusätzlich an. Ende August 1923 entsprechen 10 Millionen Mark dem Wert eines Dollars. Die Löhne können mit den Preisen nicht mehr Schritt halten. Die Gewerkschaften unterstützen den passiven Widerstand, verlieren jedoch zunehmend die Kontrolle über ihre Mitglieder.

 
  • Am 12. August 1923 muss die Regierung Cuno ihr Scheitern eingestehen. An ihre Stelle tritt ein Kabinett, das aus einer "Großen Koalition" (SPD, Zentrum, DDP, DVP) gebildet wird. Reichskanzler wird Gustav Stresemann (DVP).

  • Innen- und Außenpolitik waren bei Gustav Stresemann eng miteinander verzahnt. Außenpolitische Erfolge waren für ihn von stabilen Verhältnissen in Deutschland abhängig. Um letztere zu erreichen, versucht er einen Brückenschlag zwischen dem bürgerlichen Lager und der Arbeiterschaft. Wichtig war für ihn, einen "einheitlichen nationalen Willen" zustande zu bringen. Vor allem will er die SPD als stärkste demokratische Kraft im Reichstag auf seine Seite ziehen. Umgekehrt brauchte Stresemann außenpolitische Erfolge, um das Bürgertum in Deutschland für die Republik zu gewinnen.

  • Außenpolitisches Ziel Stresemanns war es, die in Versailles festgelegte Nachkriegsordnung schrittweise und mit friedlichen Mitteln zugunsten des Deutschen Reiches zu verändern. Der Weg zu einer Revision der vertraglichen Bindungen von Versailles und zur Wiederherstellung einer deutschen Großmachtposition konnte für Stresemann nur über Verhandlungen, Kompromisse und Vertrauensbildung mit den einstigen Kriegsgegnern führen.

  • Am 24. September ordnet Stresemann - gegen Widerstand in den eigenen Reihen - die Einstellung des passiven Widerstands an. Die nationale Opposition schmäht ihn als Verräter.
 

Gustav Stresemann (* 1878, † 1929)

1907-1912 und 1914 - 1918 Abgeordneter der Nationalliberalen Partei im Reichstag, 1917 Fraktionsvorsitzender, 1918 Gründer der rechtsliberalen Deutschen Volkspartei, 1919 Mitglied der Weimarer Nationalversammlung und ab 1920 Abgeordneter des Reichstags als Fraktionsvorsitzender seiner Partei. Im August 1923 wurde Stresemann Reichskanzler und Außenminister einer großen Koalition. Sturz seiner Regierung am 22.11.1923, danach bis zu seinem Tod Außenminister verschiedener Koalitionsregierungen.

Bildarchiv Preußischer Kulturbesitz BPK, Berlin

 
  • Die Krise im Herbst 1923
 
  • Aufgepeitscht von dem raschen Zerfall der Kaufkraft des Geldes marodierten Kommunisten und Rechtsradikale durch die Straßen der Großstädte und liefern sich Straßenschlachten. Beide Gruppen wittern die Chance, die von ihnen verhasste junge Demokratie wieder abzuschaffen.

  • Die Autorität der Reichsregierung wird von allen Seiten angegriffen.

  • In Sachsen und in Thüringen bereiten die Kommunisten die proletarische Revolution vor.

  • Bayern ist die Hochburg rechtsnationalistischer und konservativer Kräfte, hinter denen bewaffnete Verbände stehen. Als Antwort auf die Beendigung des Ruhrkampfes wird der Notstand ausgerufen. Der Konservative Gustav von Kahr wird mit diktatorischen Vollmachten ausgestattet. Damit wird die Autorität der Reichsregierung in Frage gestellt und im Alleingang eine autoritäre Wende vollzogen. Sämtliche Anweisungen aus Berlin werden von Gustav von Kahr ignoriert. Ein "Marsch auf Berlin" wurde mit dem Ziel geplant, von der Hauptstadt aus die "nationale Diktatur" auszurufen.

  • Im besetzten Westen Deutschlands versuchen Separatisten mehrmals, Teile des Rheinlands vom Reich abzulösen. Dies scheitert allerdings am Widerstand der reichstreuen Bevölkerung.

 
  • Am 26. September 1923 verkündet Stresemann den reichsweiten militärischen Notstand, der Gustav von Kahr in Bayern verpflichtet, sich dem Reich unterzuordnen.

  • Um die Funktionsfähigkeit der Regierung sicherzustellen, übergibt der Reichstag am 23. Oktober 1923 der Exekutive für drei Wochen außerordentliche Vollmachten. (Es ist das erste Ermächtigungsgesetz in Deutschland - das Parlament hatte sich praktisch selbst entmachtet). Reichspräsident Ebert übergibt Kanzler Stresemann die Notverordnungsvollmacht. In dieser Zeit werden von der Regierung Stresemann 36 Gesetze und Verordnungen zur Wiederherstellung der staatlichen Ordnung und zur Stabilisierung der Wirtschaft in die Wege geleitet.

  • Ende Oktober 1923 wird die sozialdemokratisch-kommunistische Regierung in Sachsen über eine "Reichsexekution" abgesetzt. Die sozialistischen Mitglieder der Reichsregierung treten wegen dieser Aktion zurück, die "Große Koalition" ist beendet. Die Rechtsputschisten in Bayern konnten nun nicht mehr behaupten, Stresemann liefere das Reich einer kommunistischen Diktatur aus. Die Entschlossenheit Gustav von Kahrs, einen "Marsch auf Berlin" zu unternehmen, schwand.

  • Adolf Hitler hatte in Bayern bis 1923 die "Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei" (NSDAP) zur tonangebenden politischen Kraft im Lager der extremen Nationalisten und Antisemiten gemacht. Am 8. November 1923 ruft er im Münchener Bürgerbräukeller den Beginn der "nationalen Revolution" aus. Einen Tag später setzt er, unterstützt von Ludendorff, den "Marsch auf Berlin" in Gang.

Der "Marsch auf Berlin" scheitert bereits in München. Mehrere tausend bewaffnete Aufständische marschierten direkt in das Feuer der Münchener Polizei, die sich an der Feldherrenhalle auf dem Odeonsplatz postiert hatte. 4 Polizisten und 14 Aufständische kommen bei dem kurzen Scharmützel ums Leben. Die NSDAP wird verboten. In Bayern wird der Ausnahmezustand aufgehoben, eine demokratische Regierung kam ans Ruder.

  • Mit der Einführung der Rentenmark am 15. November 1923 gelingt es der Reichsregierung die Währung stabilisieren.

Um die Jahreswende 1923/24 entspannt sich die gesamtwirtschaftliche Lage. Die Stabilisierung der Währung erfordert jedoch harte Opfer: 300.000 Beamte, Angestellte und Arbeiter des Reiches werden entlassen. Da die frühere Mark nur in geringem Maße aufgewertet wird, werden die Vermögenswerte des bürgerlichen Mittelstands und der kleinen Sparer weitgehend vernichtet (wichtig für deren späteres Wahlverhalten!).

  • Am 23. November 1923 wird das Kabinett Stresemann gestürzt. Bis zu seinem Tod am 3. Oktober 1929 ist Gustav Stresemann Außenminister verschiedener Koalitionsregierungen.
 

In den wenigen Monaten als Kanzler hat Stresemann Weichen gestellt, die eine Konsolidierung der Republik vorerst möglich machten. Die sozialpolitischen Gegensätze zwischen Unternehmern und Arbeitern waren in der von Klassengegensätzen geprägten Weimarer Republik einfach zu groß, um eine stabile Regierung auf die Dauer halten zu können. Für Gustav Stresemann blieb der "einheitliche nationale Wille' der Angelpunkt erfolgreicher Außenpolitik.


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Die Jahre der Entspannung 1924 - 1929


  • Der Dawes-Plan (1924)
 
  • Ein internationaler Sachverständigenausschuss unter dem Vorsitz des amerikanischen Bankiers Charles G. Dawes schlägt am  9. April 1924 für die ersten Jahre wesentlich geringere deutsche Reparationen vor. Der Beginn der Zahlungen soll durch ein internationales Darlehen erleichtert werden. Ende August 1924 wird der Dawes-Plan vom Reichstag angenommen. Das Schlussprotokoll über die Reparationsregelung wird in London unterzeichnet.
 
  • Mit dem Dawes-Plan wurden die Reparationsverpflichtungen in geregelte jährliche Zahlungen gebracht. Entscheidend jedoch war, dass es keine willkürlichen Akte Frankreichs gegenüber dem Deutschen Reich wegen ausgebliebener Zahlungen mehr geben konnte, wie es zwei Jahre zuvor geschehen war.
 
  • Der Zufluss von Anleihen, von denen der größte Teil aus den USA und aus Großbritannien kam, war reichlich. Dies schuf gegenseitige wirtschaftliche Verflechtungen und Abhängigkeiten. Insbesondere in den USA entwickelte sich zunehmend ein Interesse an der Stabilisierung des Deutschen Reichs. Die deutsche Wirtschaftskraft wurde - von Stresemann so gewollt - ein vorzügliches Werkzeug zur Lösung politischer Fragen.
 
  • Die positiven Folgen der Wirtschaftsankurbelung schlagen sich bei der Reichstagswahl im Dezember 1924 nieder: Die extremen Flügelparteien erleiden erhebliche Verluste. So erhalten die Kommunisten lediglich 9 Prozent und die Nationalsozialisten nur 3 Prozent der Stimmen.
 
  • Deutschland muss zur Sicherung der Reparationszahlungen eine Verkehrssteuer einführen und Schuldverpflichtungen auf die Industrie und die Reichsbahn zugestehen.
  • Die Locarnopolitik Stresemanns und Briands (1925/26)
 
  • Auch in seiner Funktion als Außenminister strebt Gustav Stresemann sein Ziel, die volle Souveränität in einem Deutschen Reich ehemaliger Größe zu erlangen, mit aller Macht an. Er möchte keinesfalls dauerhaft auf ehemals deutsche Gebiete verzichten. Das Revision des Versailler Vertrags soll durch Vertrauensbildung und durch Verknüpfung der deutschen Politik mit den Interessen der Siegermächte des Ersten Weltkriegs erreicht werden. Eine Politik, die auf militärische Macht beruht, wollte Stresemann vermeiden.

 
  • Eine der größten Leistungen Gustav Stresemanns ist es, die Sicherheitsbedenken und die Interessen des langjährigen "Erbfeindes" Frankreich ernst zu nehmen und in seine Außenpolitik einzubeziehen. Gemeinsam mit dem französischen Außenminister Aristide Briand arbeitet er an einer deutsch-französischen Verständigung. Dabei werden sie von dem englischen Außenminister Austen Chamberlain unterstützt.

 
  • Das Ergebnis der Politik Briands und Stresemanns sind die im Dezember 1925 in London unterzeichneten Locarnoverträge. Durch kluge Diplomatie war es Stresemann gelungen, Deutschland aus seiner Isolation zu befreien. Deutschland war nun im Begriff, wieder ein gleichberechtigter Partner im Kreis der europäischen Großmächte zu werden.

  • Deutschland, Frankreich und Belgien sind zu gegenseitigem Gewaltverzicht und zur Anerkennung ihrer bestehenden gemeinsamen Grenzen bereit.

  • Großbritannien und Italien garantieren die deutsch-französische Grenze. Großbritannien lehnt es jedoch ab, sich auch für die deutsche Ostgrenze zu binden. Damit wurde das Reich in die Lage versetzt, die Grenzen im Osten mit friedlichen Mitteln zu ändern.

  • Deutschland verzichtet freiwillig auf Elsass-Lothringen. Außerdem anerkennt es die dauerhafte Demilitarisierung des gesamten Rheingebiets.

  • Polen und die Tschechoslowakei erhalten keine Garantie der Großmächte für die Erhaltung der deutschen Ostgrenze. Das Deutsche Reich verzichtet jedoch auf eine gewaltsame Änderung des Besitzstandes.

Für Stresemann und die meisten Deutschen war es undenkbar, den polnischen Korridor zwischen Ostpreußen und dem übrigen Reich sowie die Abtretung von Gebieten in Oberschlesien erneut anzuerkennen. Dies galt ebenfalls für die Tschechoslowakei mit ihren drei Millionen Sudetendeutschen.

 
  • Im Juni und August 1925 räumen Franzosen und Belgier das Ruhrgebiet und die "Sanktionsstädte" (Darmstadt, Mannheim, Karlsruhe).

 
  • Im Berliner Vertrag vom April 1926 verpflichten sich das Deutsche Reich und die Sowjetunion zur Neutralität im Kriegsfall. Da ein Durchmarsch französischer Truppen durch deutsches Gebiet nach dem Abschluss dieses Neutralitätsvertrags nicht mehr gestattet werden konnte, war eine wahrscheinliche französische Unterstützung für Polen in einem Krieg gegen Russland ausgeschlossen.

Da der kommunistische Staat Sowjetunion im Staatensystem isoliert war, bot er dem Deutschen Reich Chancen für die Wiedergewinnung seiner Großmachtposition.

 
  • Im Gespräch von Thoiry im September 1926 streben Briand und Stresemann eine Gesamtregelung der deutsch-französischen Beziehungen an (wirtschaftliche Zusammenarbeit, Lösung der Saarfrage, Beschleunigung der Räumung des Rheinlands).

  • Der Völkerbund und der Briand-Kellogg-Pakt
 
  • Eine Folge der Locarnopolitik ist der Eintritt Deutschlands in den Völkerbund im September 1926. Dieser spielt als Ort eines ständigen Gedankenaustausches über Fragen der Europa- und Weltpolitik eine nützliche Rolle. Wegen der Erfordernis der Einstimmigkeit in seinen Gremien ist die Handlungsfähigkeit und der Einfluss begrenzt.

 
  • 1927 schlägt der amerikanische Staatssekretär Kellogg einen Weltvertrag vor, in dem die Staaten sich verpflichten sollen, jeglichen Krieg zu ächten. Der Briand-Kellogg-Pakt wird am 27. August 1928 zunächst von 15 Staaten unterzeichnet. Bis zum Tag des Inkrafttretens des Übereinkommens, am 24. Juli 1929, traten 45 weitere Staaten bei.

  • Das Kernstück des Pakts war sein erster Artikel. Er markierte die historische Zäsur: "Die Hohen vertragsschließenden Parteien erklären feierlich im Namen ihrer Völker, dass sie den Krieg als Lösung internationaler Streitfälle verurteilen und auf ihn als Werkzeug nationaler Politik in ihren gegenseitigen Beziehungen verzichten." Der beschwörende Appell im zweiten Passus, wonach künftig alle Streitigkeiten oder Konflikte, "welcher Art oder welchen Ursprungs sie auch sein mögen", niemals anders als "durch friedliche Mittel" gelöst werden sollten, deutete den Wendepunkt an.

  • Die Vertragsparagraphen mit den sehr allgemein formulierten Absichtserklärungen waren kaum rechtsverbindlich. Da es keine Instanz gab, die etwaige Verstöße ahnden konnte, hing alles von der Vertragstreue der Unterzeichnerstaaten ab. Problematisch war außerdem, dass der Vertrag nur den Angriffskrieg ächtete. Wo die Grenzen zwischen Angriffs- und Verteidigungskrieg verlaufen sollten, blieb unklar. Letztlich trug der Pakt nichts zur weltweiten Sicherheit und Abrüstung bei. Was als noble Idee begann, wurde bereits elf Jahre später von der rauen Wirklichkeit eingeholt.

  Nebenbei bemerkt: Am 20./21. Mai 1927 gelang dem US-amerikanischen Piloten Charles Lindbergh (* 1902, † 1974) mit seinem Flugzeug 'Spirit of St. Louis' die erste Alleinüberquerung des Antlantiks von New York nach Paris. Lindbergh ging damit in die Geschichte der Luftfahrt ein. Die erste Nonstop-Atlantiküberquerung von Amerika nach Europa mit einem Flugzeug war bereits 1919 John Alcot und Arthur Whitten Brown gelungen.
  • Innere Entwicklung Deutschlands 1924 - 1929
 
  • "Der Ruck nach Rechts"

  • Die Entspannung der Weltlage nach 1924 verstärkt in vielen Ländern die konservativen Tendenzen in der Innen- und Sozialpolitik.

  • In Deutschland übernimmt das Kabinett Luther (mit Stresemann als Außenminister) am 15. Januar 1925 die Regierung. Es stützt sich auf das Zentrum, die Deutsche Volkspartei (DVP), die Deutsche Demokratische Partei (DDP) und die Deutschnationalen.

  • Die Deutschnationalen lehnen die Annahme der Locarnoverträge ab und scheiden deshalb im Herbst 1925 aus der Regierung aus. Für die verbleibende "kleine Koalition" wird es immer schwieriger im Reichstag eine Mehrheit zu finden.

 
  • Die Wahl Hindenburgs

  • Im Februar 1925 stirbt Friedrich Ebert. Zum ersten Mal soll nun das Volk, wie in der Verfassung vorgesehen, einen neuen Reichspräsidenten wählen. 

  • Im zweiten Wahlgang (26. April 1925) stehen sich der Kommunist Thälmann, der frühere Reichskanzler und Zentrumsführer Marx als Sammelkandidat der republikanischen Parteien und Generalfeldmarschall von Hindenburg als Kandidat der Rechten gegenüber. Hindenburg erhält die meisten Stimmen (14,7 Millionen). Marx bekommt 13,75 Millionen Stimmen, Thälmann 1,9 Millionen.

 

Paul von Hindenburg (* 1847 † 1934)

Im 1. Weltkrieg 1914 bis 1916 Oberbefehlshaber im Osten, 1916 - 1919 Chef der Heeresleitung. 1925 erstmals, 1932 erneut Reichspräsident.

  • Aufgrund des Stimmenanteils der KPD hatten die Demokraten (SPD, DDP, Zentrum) nun auch das Amt des Staatsoberhaupts, das angesichts der großen Vollmachten, die ihm die Verfassungsgebende Versammlung verliehen hatte, von besonderer Bedeutung war, verloren. Die Monarchisten (DNVP, DVP) waren ihrem Ziel, wieder die Staatsgewalt zu übernehmen, einen Schritt näher gekommen.

 Den Vollmachten des Reichspräsidenten standen die Befugnisse des Reichstags gegenüber, in dem die Monarchisten keine Mehrheit hatten.

 
  • Seeckt und die Reichswehr
 
  • Der Chef der Reichswehr, General von Seeckt, bemüht sich, die Truppe von der Politik fernzuhalten. Dem mit einer starken monarchischen Tradition behafteten Offizierskorps gelingt es jedoch nicht, eine innere Beziehung zur Republik zu entwickeln.
 
  • Seeckt hält, wie sein Nachlass bezeugt, einen Wiederaufstieg Deutschlands ohne Krieg für undenkbar. Sein Versuch, eine "schwarze Reichswehr" aus freiwilligen Verbänden aufzustellen, erregt das Misstrauen der Westmächte.
  • Sozialpolitische Reformen
 
  • Am 13. November 1918 verabschiedete die Regierung einen Erlass über die so genannte Erwerbslosenfürsorge. Darin wurden die Gemeinden zur Hilfe verpflichtet. 1922 kam ein Gesetz über öffentliche, neutrale und kostenlose Arbeitsvermittlung hinzu.
  • Am 7. Juli 1927 beschloss der Reichstag die Einführung der Arbeitslosenversicherung. Arbeiter und Angestellte besaßen zum ersten Mal einen Rechtsanspruch auf Unterstützung, wenn sie arbeitswillig und unverschuldet ohne Beschäftigung waren. Arbeitnehmer und auch Unternehmen mussten maximal drei Prozent ihres Einkommens an eine staatliche Stelle abführen. Die Arbeitslosenversicherung gilt als wichtigste sozialpolitische Reform der Weimarer Republik. Da Millionen Menschen in Not und Elend lebten, war sie auch bitter notwendig. Am 1. Oktober 1927 das 'Gesetz über die Arbeitslosenversicherung und Arbeitsvermittlung' in Kraft.


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Weltwirtschaftskrise und Aufstieg des Nationalsozialismus 1929 - 1933


  • Weltwirtschaftskrise und New-Deal-Politik der USA
 
  • Weltwirtschaftskrise
 
  • Die vom Ausland, insbesondere von den USA, gewährten kurzfristigen Kredite (16 Milliarden Mark) übersteigen die geleisteten Reparationszahlungen bei weitem. Es kommt zu einer trügerischen Scheinblüte der deutschen Wirtschaft. Am 13. Mai 1927 kommt es an der Berliner Börse zu einem "Schwarzen Freitag"; die Börsenkurse sinken um bis zu 80 Prozent.

 
  • Im Winter 1928/29 steigt die Zahl der Erwerbslosen in Deutschland auf zwei Millionen. Die sozialen Gegensätze verschärfen sich.

 
  • Am 24. Oktober 1929 kommt es in der Wallstreet in New York zum Börsenkrach. Die damit beginnende Weltwirtschaftskrise lähmt das gesamte Wirtschaftsleben. Überall muss der Staat als Nothelfer eingreifen. Die Tendenz zur Diktatur erhält von der wirtschaftlichen Seite einen ungeheuren Auftrieb.

  • Deutschland war seit dem Dawes-Abkommen von ausländischen Krediten abhängig. Als die amerikanischen Banken ihr Kapital aus Deutschland abziehen, hatte dies schwerwiegende Folgen für die Wirtschaft. Die politischen Reaktionen auf den Einbruch der Produktion und den Anstieg der Arbeitslosigkeit waren in keinem Land so heftig wie im Deutschen Reich.

  • Der Absturz der Aktienkurse, der im Oktober 1929 begann, führte zur Weltwirtschaftskrise. Die panischen Verkäufe von Aktien ließen den Aktienindex der USA schon in den ersten vier Wochen um  ein Drittel seines Wertes fallen.  Vier Jahre später betrug die Arbeitslosenquote in den Vereinigten Staaten ca. 33 Prozent. In Deutschland waren es 44 Prozent. Die Wertvernichtung an der Börse brachte einen heftigen Abschwung in Gang. In der Weltwirtschaftskrise fielen die Preise in rasendem Tempo.  Nur noch wenige Erzeugnisse ließen sich von den Unternehmen kostendeckend verkaufen. Zur Kostenersparnis wurden Arbeiter entlassen. Konservative Ökonomen jener Tage, wie zum Beispiel Friedrich von Hayek, hielten diesen Vorgang für einen kurzfristigen Korrekturprozess, der Überkapazitäten vernichte. Vielfach wurde die Meinung vertreten, dass der Staat in Zeiten sinkender Steuereinnahmen und wachsender Sozialausgaben sparen müsse.

  • Für den Niedergang der Wirtschaftstätigkeit war nicht nur der Kursverfall von Aktien verantwortlich. Die Krise erreichte auch die Banken. Banken, bei denen der Verdacht aufkam, dass sie nicht mehr zahlungsfähig sein könnten, wurden panikartig gestürmt. Nur wer zuerst am Schalter war, hatte noch eine Chance, wieder an seine Einlagen zu kommen. Viele Bankschalter wurden zeitweilig geschlossen. Aus Angst vor zahlungsunfähigen Schuldnern gaben die Banken eine ihrer Kernaufgaben, die Kreditvergabe, allmählich auf. Das Geld wurde von den Banken gehortet, d.h. aus dem Verkehr gezogen. Mit der Verringerung der umlaufenden Geldmenge fielen die Preise (Deflation). Die fallenden Preise trieben viele Unternehmen in den Bankrott.  Insolvente Unternehmen gefährdeten die Zahlungsfähigkeit der Banken, die ihnen Kredit gegeben hatten. Unter dem gleichzeitigen Ansturm von Kunden, die ihre Einlagen zurückforderten, brachen viele Banken zusammen.  Die verbliebenen Banken schränkten die Kreditvergabe immer mehr ein, die Menge umlaufenden Geldes ging zurück, und die Preise fielen weiter.

  Arbeitsloser in Deutschland

Bild:  Guido Knopp, 100 Jahre, Econ Verlag, München 1999, 2003
 
 
  • New-Deal-Politik 
 
  • Der wirtschaftlichen Krise in den USA ging eine Zeit blinder Überproduktion voraus; das Kreditvolumen war im Vertrauen auf weitere "Prosperity" ungesund überhöht.

 
  • Im Herbst 1929 sehen sich die Banken zur Zahlungseinstellung gezwungen. Neben der Finanzkrise kommt es zu einer lang andauernden Agrarkrise.

 
  • Der neue Präsident, Franklin Delano Roosevelt (gewählt 1932) leitet umfassende staatliche Hilfsmaßnahmen ein. Die Politik des New-Deal bringt weitgehende staatliche Eingriffe in das Wirtschaftsleben; sie nähert sich einer Wirtschaftskontrolle durch den Staat und nimmt Einfluss auf die sozialen Verhältnisse.

  • Der Young-Plan
 
  • Deutschland drängt seit 1928 auf eine endgültige Lösung der Reparationsfrage. Außerdem wird versucht, die Räumung des Rheinlands zu erreichen.

 
  • Das Ergebnis der deutschen Bemühungen ist der Young-Plan. Er sieht insgesamt 59 Jahreszahlungen in Höhe von durchschnittlich 1,9 Milliarden Mark vor. Dafür soll Deutschland die Verfügung über die Reichsbahn zurück erhalten. Das Rheinland soll bis Juni 1930 (statt 1935) geräumt werden. Die Rechtsparteien, die Deutschnationalen unter Führung des Großindustriellen Alfred Hugenberg und die Nationalsozialisten, kämpfen gegen die Annahme des Young-Plans. Bei einer Volksabstimmung über den Young-Plan im Dezember 1928 erhalten sie jedoch nur 13,8 Prozent der Stimmen. Am 11. März 1930 stimmt der Reichstag dem Young-Plan zu.

 

Alfred Hugenberg (* 1865, † 1951),

Industrieller, Vorsitzender der Deutschnationalen Partei 1928

Alfred Hugenberg, der Vorsitzende der DNVP, hatte sich ein riesiges Presseimperium geschaffen. Über seine Medien und seine Verbindungen in das "nationale Lager" und die Industrie zielte er darauf, die bürgerlichen Kräfte zu einem Angriff auf die von ihm verhasste Republik zu bewegen. Das Programm Hugenbergs war alles andere als populär, da er das Konzept einer elitären Führungsschicht vertrat. Außerdem blieb unklar, welche Staatsform er nach dem Sturz der Republik errichten wollte.

 
  • Nach Stresemanns Tod am 3. Oktober 1929 verschlechtert sich die Lage Deutschlands im Innern.

Gustav Stresemann hatte wie kein anderer versucht, Deutschland an den Westen heranzuführen und eine Mehrheit für die demokratische Republik zu gewinnen. Der Diplomat und Schriftsteller Harry Graf Kessler notierte in seinem Tagebuch: "Es ist ein unersetzlicher Verlust, dessen Folgen nicht abzusehen sind ... Ich befürchte von Stresemanns Tod in erster Linie ernste innenpolitische Folgen." Er sollte Recht behalten.

 
  • Ab 1930 findet sich im Reich keine arbeitsfähige Mehrheit; der Radikalismus von rechts und links nimmt stark zu. Die Regierung kann sich nur noch mit dem Notverordnungsrecht des Reichspräsidenten (Artikel 48 der Verfassung) behaupten.

  • Am 27. März 1930 war die Regierung des Sozialdemokraten Müller wegen Streitigkeiten über die Finanzierung des Staatshaushalts zurückgetreten. Diesen Anlass benutzte Hindenburg, einen neuen Kurs einzuschlagen. Die Monarchisten, die Inhaber der Staatsgewalt bis Oktober 1918, sollten unter Einsatz der präsidialen Vollmachten wieder an die Macht gelangen. Hindenburg und die DNVP hatten vereinbart, sich nach dem Rücktritt Müllers nicht mehr zu bemühen, eine von einer parlamentarischen Mehrheit getragene Regierung zu bilden.

  • Nach Artikel 53 der Verfassung war es dem Reichspräsidenten möglich, einen Reichskanzler seiner Wahl zu ernennen, der dann eine Minderheitsregierung bilden konnte. Das Parlament musste dem Amtsantritt eines Reichskanzlers nicht zustimmen. Falls der Reichstag den Gesetzesvorlagen nicht zustimmte, konnte der Reichspräsident nach Artikel 48 Gesetze in Form von Verordnungen erlassen. Allerdings konnte das Parlament durch seinen Einspruch diese Notverordnungen wieder aufheben. In einem solchen Fall war es jedoch dem Reichspräsidenten nach Artikel 25 möglich, den Reichstag aufzulösen. Bis zum Antritt eines neuen Reichstag konnten ungefähr drei Monate vergehen. Während dieser Zeit konnten die präsidialen Maßnahmen nicht aufgehoben werden - weil es eben keinen Reichstag gab.

  • Die Kanzlerschaft Brünings und Wiederwahl Hindenburgs
 
  • Am 1. April 1930 ernennt Reichspräsident Hindenburg den Zentrumsabgeordneten Brüning zum Reichskanzler. Schon bei seiner Ernennung kündigt er die Auflösung des Reichstags an falls seine Gesetzesvorlagen keine Mehrheit finden sollten. Dieser Fall tritt bereits am 16. Juli ein - der Reichstag wird aufgelöst.

  Heinrich Brüning (* 1885 † 1970)

Reichskanzler von 1930 bis 1932
 
  • Die Wirtschaftskrise in Industrie und Landwirtschaft macht 6 bis 7 Millionen Menschen arbeitslos. Brüning sieht sich zu Steuererhöhung, Gehaltskürzung, Herabsetzung der Arbeitslosenunterstützung und der Verminderung der öffentlichen Ausgaben gezwungen. Seine Deflationspolitik, eine Mischung aus eisernem Sparwillen und staatlicher Untätigkeit (es wurde nicht unternommen, um die Wirtschaft zu beleben!), trieb das Land immer tiefer in die Krise.

Von den bürgerlichen Parteien und der Sozialdemokratie enttäuscht, wandte sich in der Wirtschaftskrise ein immer größerer Anteil der Bevölkerung den Radikalen von links und rechts zu, die eine einfache Lösung der wirtschaftlichen Misere versprachen. Die KPD rief weiter zum Sturz des Kapitalismus und der Errichtung der Diktatur des Proletariats auf. Auf der Seite der extremen Rechten (der Nationalsozialisten) strebte Adolf Hitler, der bei seinem Putschversuch 1923 so kläglich gescheitert war, die totale Herrschaft an. Seit 1924 sah er sich selbst als den von der Vorsehung auserwählten "Führer", der Deutschland retten und die nationale "Erlösung" bringen werde. Hitlers Ziele sind die "Judenvernichtung" und die Eroberung von "Lebensraum" für die deutsche Nation im Osten. Mit primitiven Ansichten, wie dem Recht des Stärkeren über den Schwächeren (Sozialdarwinismus) gewann er das Ohr der Massen.

 
  • Immer weniger Deutsche trauten den Regierungsparteien zu, mit Not und Arbeitslosigkeit fertig zu werden. Bei der Reichstagswahl am 14. September 1930 entschied sich fast ein Drittel der Bevölkerung für Parteien der extremen Rechten und Linken. Die Nationalsozialisten (NSDAP) ziehen mit einem Stimmenanteil von 18,3 Prozent in die Volksvertretung ein (1928: 2,6 Prozent). Die Deutsche Demokratische Partei (DDP) erleidet starke Verluste. Stärkste Partei blieben die Sozialdemokraten (24,5 Prozent), während die Kommunisten einen Anstieg auf 13,1 Prozent verzeichnen konnten. Das Zentrum erzielte 11,8 Prozent der Stimmen. 

Die wirtschaftliche Not hatte fast alle Bevölkerungsteile erfasst. So bekam die NSDAP, die eine Überwindung der Wirtschaftskrise versprach, auch Zulauf  aus nahezu allen Teilen der Bevölkerung. Verlockend war auch die Botschaft Hitlers, dass die nationalsozialistische Bewegung die Demokratie, der man die wirtschaftliche Misere zuschrieb, "überwinden und die Autorität der Persönlichkeit in ihre Rechte setzen" werde.

 
  •  Am 11. Mai 1931 wurde bekannt, dass die Wiener Credit-Anstalt einen Verlust von 140 Millionen Schillingen (heute umgerechnet ca. 300 Millionen Euro) aufwies. Danach zogen die in- und ausländischen Gläubiger Kapital von den Konten dieser größten Privatbank Mitteleuropas ab. Das österreichische Geldinstitut konnte nur mit einem staatlichen Darlehen vor dem bevorstehenden Bankrott gerettet werden. Für den Finanzmarkt in Deutschland hatte die Misere der Credit-Anstalt Signalwirkung. Ausländische Kreditgeber verstärkten ihr Misstrauen in die deutschen Banken und zogen ihr Kapital ab. Am deutlichsten traf es die DANAT-Bank, die Darmstädter und Nationalbank. Gesetzliche Bestimmungen machten der Regierung Brüning die Schuldenübernahme unmöglich. Die Fusion mit der Dresdner Bank war unvermeidlich.

 
  • Bei einer gemeinsamen Kundgebung von NSDAP, DNVP, Vertretern der DVP,  Prominenten aus Adel, Landwirtschaft und Industrie sowie von Vertretern rechtsradikaler militärischer Verbände in Bad Harzburg im Herbst 1931 kam es tatsächlich zu einer Einheit der Rechten (Harzburger Front). Hitler präsentierte sich als Vertreter der Rechten, nicht als Parteiführer.
 
  • 1932 muss der Reichspräsident neu gewählt werden. Der 84jährige Hindenburg erhält, dieses Mal als Kandidat der gemäßigt republikanischen Parteien, im zweiten Wahlgang (10. April) die Mehrheit, und zwar 19,4 Millionen = 53 Prozent der Stimmen. Seine Gegner Hitler und der Kommunist Thälmann erhalten 13,5 Millionen = 36,8 Prozent bzw. 3,7 Millionen = 10,2 Prozent der Stimmen.
  Der Plan der 'Monarchisten', von den 'Demokraten' wieder die Staatsgewalt zu übernehmen, wurde von den Nationalsozialisten vereitelt. Die Nationalsozialisten wollten keine Verfassungsreform - sie wollten eine Diktatur.
  • Die Kanzlerschaft von Papens und die Ernennung Hitlers

  • Am 30. Mai 1932 wird Brüning durch den Reichspräsidenten gestürzt. Hindenburg ist von ostpreußischen Grundbesitzern beeinflusst, die Brüning anfeinden, weil er nicht die geforderte Reichsunterstützung für die Entschuldung des ostelbischen Großgrundbesitzes zur Verfügung stellt.

  • Unter Brünings Nachfolger von Papen und dem General von Schleicher setzt sich das politische Chaos fort. von Papen ist Katholik, neigt aber zur politischen Rechten; er glaubt, die Nationalsozialisten zur Mitarbeit gewinnen zu können.

 

Franz von Papen (* 1879 † 1969)

Reichskanzler von Juni bis November 1932

   
 
  Nebenbei bemerkt: Am 12. Juni 1932 gewinnt der FC Bayern München gegen Eintracht Frankfurt mit 2:0 Toren erstmals die Deutsche Fußball-Meisterschaft.
   
 
  • Das "Kabinett der Barone" bringt trotz zweimaliger Auflösung des Reichstags niemals eine Mehrheit hinter sich.

Hitler hat die Duldung des "Kabinetts der Barone" an die Bedingung von Neuwahlen zum Reichstag geknüpft. Hindenburg erfüllte diese Forderung - ein verhängnisvoller Fehler.

 
  • Die Reichstagswahlen vom 31. Juli 1932 bringen der NSDAP 230 Sitze (13,7 Millionen = 37,4 Prozent der Stimmen) ein. Die NSDAP ist damit stärkste Fraktion. Die KPD erreicht 14,5 Prozent der Stimmen (1930: 13,1 Prozent. Weit abgeschlagen landete das Zentrum bei 12,5 Prozent (1930: 11,8 Prozent), die SPD sank von 24,5 Prozent (1930) auf 21,6 Prozent. Die DNVP und die DVP erhielten einstellige Ergebnisse.

Der Wahlkampf war äußerst blutig verlaufen. Bei Straßenschlachten zwischen Nationalsozialisten und Kommunisten starben allein im Juli 1932 86 Menschen.

 
  • Nach der Auflösung des Reichstags werden für den November 1932 Neuwahlen angesetzt. Bei dieser Reichstagswahl gehen die Stimmen für die Nationalsozialisten auf 11,7 Millionen zurück. Die KPD erhält jetzt 6 Millionen Stimmen. Die Gewinne der Kommunisten verstärken die Furcht vor einem offenen Bürgerkrieg.

 
  • Außenpolitisch kann Papen gewisse Erfolge verzeichnen: Im Juni 1932 wird unter dem Druck der Weltwirtschaftskrise bis auf einen kleinen Rest die Beendigung der Reparationszahlungen beschlossen. Im Dezember 1932 wird der Anspruch Deutschlands auf Gleichberechtigung in der Rüstung anerkannt.

 
  • Da von Papen von allen Seiten abgelehnt wird, muss ihn Hindenburg - widerwillig - entlassen. Nachfolger wird Reichswehrminister von Schleicher

Schleicher wollte die Herrschaft Hitlers noch verhindern. Er strebte deshalb ein Bündnis von Militär, Gewerkschaften und denjenigen Teilen der NSDAP an, die unter der Führung des Hitler-Rivalen Gregor Strasser standen.

 
  • Der abgesetzte Papen führt über Kreise der Schwerindustrie und der Finanz (Bankier Schröder) eine Annäherung zwischen den Deutschnationalen (Hugenberg) und den Nationalsozialisten (Hitler) herbei. Ende 1932 setzt er bei Hindenburg die Entlassung Schleichers durch. 

 
  • Am 30. Januar 1933 beruft Hindenburg Adolf Hitler zum Reichskanzler. Vizekanzler wurde Franz von Papen. Vor seiner Berufung hatte Hitler eingewilligt, zahlreiche bürgerliche Minister in sein Kabinett aufzunehmen.

Mit der Ernennung Adolf Hitlers zum Reichskanzler beginnt die eigentliche Machteroberung der Nationalsozialisten.


Literaturhinweise


Berghahn, Volker

Europa im Zeitalter der Weltkriege. Die Entfesselung und Entgrenzung der Gewalt. Frankfurt a. M. 2002

Heim, Michael

Die Ursachen der Weltwirtschaftskrise. Analyse einer ökonomischen Eskalation, 1929 - 1933, St. Katharinen 2007

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Hobsbawn, Eric

Das Zeitalter der Extreme. Weltschichte des 20. Jahrhunderts. München 1995

Kolb, Eberhard

Die Weimarer Republik (Oldenbourg Grundriß der Geschichte 16). 6. Aufl. München 2002.

Krüger, Peter

Die Außenpolitik der Republik von Weimar. 2. Auflage. Darmstadt 1993.

Mai, Gunther

Europäische Geschichte 1918 - 1939. Mentalitäten, Lebensweisen, Politik zwischen den Weltkriegen. Stuttgart 2001.

Möller, Horst

Europa zwischen den Weltkriegen (Oldenbourg Grundriß der Geschichte 21). München 1998.

Wirsching, Andreas

Vom Weltkrieg zum Bürgerkrieg? Politischer Extremismus in Deutschland und Frankreich 1918 - 1933/39. Berlin und Paris im Vergleich. München 19


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Stand: 05.06.2016                Copyright  © 2016 Geschichts- und Kulturverein Köngen e.V.                        Autor: Dieter Griesshaber