Jakob Friedrich Weishaar

 

 

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Jakob Friedrich Weishaar, der Mitschöpfer württembergischen Verfassung von 1819  

In den ersten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts war Jakob Friedrich Weishaar einer der prominentesten Persönlichkeiten Württembergs. Durch seinen Kauf des Köngener Schlosses und der dazu gehörigen Güter vom Haus Württemberg hat er die Geschicke des Ortes Köngen maßgeblich beeinflusst. Ihm ist es auch zu verdanken, dass das Schloss vor dem Verfall bewahrt wurde. Wer war dieser Mann, der es aus einfachen Verhältnissen bis zu württembergischen Ministerehren brachte?

  Jakob Friedrich Weishaar (* 1775, † 1834)

Jakob Friedrich Weishaar wurde am 3. März 1775 in Korb im Remstal geboren. Sein Vater war Bauer und Weingärtner, von 1787 bis zu seinem Tod im Jahre 1790 auch Bürgermeister der kleinen Gemeinde. Die Mutter hatte Jakob Friedrich bereits verloren, als er elf Jahre alt war. Von der Lateinschule in Waiblingen führte ihn sein Weg über die Klosterschule Bebenhausen an die Universität Tübingen. Mit 22 Jahren war er bereits promovierter Jurist. Nach Studienreisen durch Deutschland, Frankreich und Holland wird Jakob Friedrich Weishaar Rechtsanwalt in Stuttgart. Ab 1802 veröffentlichte er eine Reihe von rechtswissenschaftlichen Schriften, wobei sein Handbuch des Privatrechts, das von 1804 bis 1808 in erster Auflage beim Verlag Johann Friedrich Cottas erschien, besondere Beachtung fand.

Johann Friedrich Cotta (*1764, † 1832) galt als "König der Verleger" und "Napoleon" des deutschen Buchhandels. Er machte in nur wenigen Jahren aus der J.G. Cotta'schen Buchhandlung mit Autoren wie Goethe, Schiller, Hölderlin, Herder, Fichte, Schelling, Jean Paul, Wieland, Alexander von Humboldt, E. T. A. Hoffman, Kleist, Hegel und vielen anderen den führenden Verlag der deutschen "Nationalliteratur" und den größten und bedeutendsten Universalverlag seiner Zeit. Johann Friedrich Cotta deckte mit seinem Buch- und Zeitschriftenprogramm alle Wissenschaftsgebiete ab, von der Theologie bis zu den Schönen Künsten, von der Rechtswissenschaft bis zu Technologie - und immer bemühte er sich um die führenden Autoren. Das 'Morgenblatt für gebildete Stände', das Cotta ab 1807 herausgab, war eine der einflussreichsten Kultur- und Wissenschaftszeitungen des 19. Jahrhunderts, und prägte bis zur letzten Ausgabe im Jahr 1865 entscheidend die Lesekultur in Deutschland.

Als nach den Niederlagen Napoleons im russischen Feldzug 1812 und in der Schlacht bei Leipzig im Jahre 1813 die französische Fremdherrschaft in Deutschland beendet war, griff Weishaar immer häufiger in die politischen Diskussionen der Zeit ein. 1815 wurde er vom Oberamt Kirchheim / Teck in die erste Ständeversammlung gewählt. Im gleichen Jahr wird er auch Ehrenbürger dieser Stadt. Jakob Friedrich Weishaar gehörte der Gruppe der Altwürttemberger an, die eine Wiederherstellung der ständischen Verfassung und damit jener Rechte anstrebte, die König Friedrich von Württemberg beseitigt hatte. Wilhelm I., der König Friedrich nach dessen Tod auf dem Thron folgte, legte im März 1817 einen Verfassungsentwurf vor, der jedoch vom Landtag abgelehnt wurde. Die Abgeordneten wollten am Aufbau der Verfassung beteiligt sein; die Verfassung selbst sollte als Vertrag zwischen Fürst und Volk beschlossen werden. Der Dichter und Doktor der Jurisprudenz Ludwig Uhland, übrigens ein enger Mitstreiter Jakob Friedrich Weishaars, wollte "das Vertrauen und die Eintracht zwischen Volk und Herren" zur Grundlage des neuen württembergischen Staates machen.

 

Ludwig Uhland (*1787, † 1862)

"Der Deutsche ehrt in allen Zeiten der Fürsten heiligen Beruf doch  liebt er, frei einherzuschreiten und aufrecht, wie ihn Gott erschuf".

"Wo je bei altem, guten Wein der Württemberger zecht, da soll der erste Trinkspruch sein, das alte, gute Recht".

 

Auf den 13. Juli 1819 wurde eine erneute Ständeversammlung in das Ludwigsburger Schloss einberufen. Hier erfolgte der entscheidende Durchbruch für Weishaar, denn schon am 23. September 1819 wurde ein von ihm maßgeblich mitgestalteter Verfassungsentwurf von der Vollversammlung angenommen. Die Verfassung setzte die konstitutionelle Monarchie für Württemberg fest, wonach die Staatsgewalt in der Hand des Fürsten ist, die Landstände aber deren Ausübung in bestimmten Fällen - wie zum Beispiel bei der Festlegung des Staatsbudgets - beschränken können. 

Die Stadt Stuttgart, die er als Abgeordneter vertrat, ernannte Jakob Friedrich Weishaar zum Ehrenbürger. In der neu gewählten Zweiten Kammer, der Kammer der Abgeordneten, wurde er Präsident, ein Amt das er bis 1831 ausübte und dafür 1830 mit dem "Kommenthur-Kreuz des Kronordens" ausgezeichnet wurde. Den Plänen Weishaars, "sich in der Abgeschiedenheit seines Landgutes Köngen der schriftstellerischen und gelehrten Arbeit nachzugehen", machte der König schon bald einen Strich durch die Rechnung. Er ernannte ihn am 3. April 1832 zum Minister des Innern und des Kirchen- und Schulwesens. Die politischen Widerstände und seine angegriffene Gesundheit zwangen ihn jedoch, um seine Entlassung zu bitten, die ihm der König am 10. August 1832 auch gewährte. Jakob Friedrich Weishaar zog sich nun endgültig auf sein Köngener Gut zurück.

Bereits am 22. Mai 1823 hatte Weishaar in Köngen einen Meiereihof mit Teilen des Schlossguts erworben. 1825 kaufte er von der königlichen Hofdomänenkammer das Schloss mit seinem restlichen Grundbesitz. Entgegen seinem ursprünglichen Plan, das in zwei Besitzhälften geteilte Schloss vollständig abreißen zu lassen, entschloss er sich, einen Teil des Schlosses zu retten und für seine Zwecke umzubauen. Das Ergebnis der damaligen Veränderungen entspricht der heute noch sichtbaren Form.

Einen großen Aufwand betrieb Jakob Friedrich Weishaar beim Anlegen der Zier- und Nutzgärten. Mehrere hundert Rosen, Beerensträucher, Obstbäume und sonstige "Pflanzen aus der exotischen Pflanzschule Hohenheim" wurden in der Gartenanlage eingepflanzt.

Weishaar brachte einen 'Hauch von Welt" nach Köngen. Führende Maler seiner Zeit, wie Philipp Friedrich Hetsch und Eberhard Wächter, gingen in seinem Hause ein und aus und hinterließen zahlreiche Bilder von ihren Aufenthalten. Bedeutende Männer aus Dichtung, Wissenschaft und Politik, unter ihnen Gustav Schwab, gehörten zu seinen Freunden.

  Gustav Schwab (*1792, † 1850), deutscher Pfarrer, Lehrer, Schriftsteller und Herausgeber.

Porträt von Karl Leybold, 1825. Quelle: Deutsches Literaturarchiv Marbach a.N.


Werke Gustav Schwabs: Sagen des klassischen Altertums, Das Buch der schönsten Geschichten und Sagen u. a.


Anfang September 1834 befiel Jakob Friedrich Weishaar eine fiebrige Magen-Darm-Erkrankung, der er am 19. September, 59jährig, erlag.


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Stand: 15.12.2016                      Copyright © 2016 Geschichts- und Kulturverein Köngen e.V.               Autor: Dieter Griesshaber